Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

DIRECTOR´S CUT

Und sonst so… findet Heidi noch ein paar spannende Aspekte im Schweizer Traum, vor allem, was den Kaffee angeht. Ich hatte eigentlich die Kinder auf der Straße am Bemerkenswertesten gefunden, kann man mal sehen.

Dann ist es ein bisschen wie bei Kollegin Koma, es gibt ein Privatleben, über das ich ausnahmsweise nicht schreibe, was sich sehr neu anfühlt, mich aber im nicht-schriftlichen Leben zu einem interessanten Gesprächspartner macht. Und der Brief von der Steuer, den ich seit 10 Tagen mit spitzen Fingern vm Schreibtisch zur Ablage und wieder zurück trage, wurde heute mutig geöffnet und beinhaltete den Vermerk einer Umbuchung von 2 Euro Einkommensteuer auf Umsatzsteuer Säumniszuschlag. Geht doch.

NUR SO

Mir ist so intern. Ich könnte pausenlos rauchen. Und, anstelle von imdb, wesmirch und dlisted, heute eher fluege.de und Lufthansa. Letzte Nacht übrigens nicht gestritten, sondern eine Vinyl-Schallplatte von Farrah-Fawcett-als-sie-noch-Fawcett-Majors-hieß für 2 Euro erworben. Sehr gefreut. Freude hielt nach dem Aufwachen an.

I BUILD A ROAD IN GOLD oder CONTEMPT MANAGEMENT

Und wieder – Streit, Schreierei, Wutanfälle – alles, was es im wahren Leben gerade nicht gibt, die Träume sind voll davon. Was in totaler Diskrepanz zu den angenehmen und schönen Erlebnisse der letzten Tage steht und natürlich auch krass im Zusammenhang damit.
Mein mittelfristiges Horoskop besagt, dass ich gerade an der Art und Weise arbeite, wie ich mich in Zukunft der Welt präsentieren möchte. Dazu gehört auch das Wissen, warum ich eigentlich Horror-Romane in mir herumtrage, und das ist ganz simpel freudianisch zu erklären. Weil vieles Horror war, und ich den nach innen verlagert habe. Die Krisen, die nicht verbal gelöst wurden, die Konfrontationen, in denen die Machtverteilung kein wirkliches Austragen des Streits ermöglichte, die Frustration darüber, nicht der sein zu dürfen, der ich eigentlich war. Der Zoff, der losgebrochen wäre, wenn ich mit 14, 15 oder 16 die Faust auf den Tisch gehauen hätte. Da ham wir ihn. Und die Feststellung und Erkenntnis, dass er im heutigen (wahren) Leben eigentlich keinen Platz mehr hat, da der Druck raus ist, die Akzeptanz durch die Familie mittlerweile längst vorhanden ist. Das lernt die Seele gerade. Und kämpft zum Abgleich die ungekämpften Kämpfe. Ich glaub, jetzt ist´s gut und ich hab auch das Gefühl, dass die nächsten Nächte besser werden. Ist so die Zeit gerade, wo vieles besser wird.

Ein schönes Traumbild von letzter Nacht: ich fahre durchs Dorf und überfahre fast eine Gruppe von Kindern, die sich aus Provokationsgründen auf die Straße gesetzt hat. „So“, sag ich, und steig mit einem Notizblock aus dem Wagen aus, „und jetzt schreibt ihr mir die Namen Eurer Eltern auf!“

RELEASE

Um 6 aufgestanden, durch den Tag gerast bis zu dem Moment, wo ich endlich die Platte hören konnte. Rippen, Ipod anschließen, Lautsprecher ausrichten, aufs Bett und dann siehe vorgehender Beitrag. Größtmögliche Freude. Als habe man einen Marilyn-Film entdeckt, der als verschollen galt. (Und wenn auch Sie der Meinung sind, Kate solle mein Marilyn-Gedicht vertonen, Daumen drücken, es liegt ihr vor. Ich liebe meine Agentur.) Dann irgendwie noch was gekocht, gegessen, Platte nochmal gehört. Nochmal. Und dann eingeschlafen und um 4 aufgewacht. Das ganze noch einmal mit Kopfhörern, währenddessen Facebook gespamt. Dazu ein kalifornischer Chardonnay, der die Wärme von Vanille-Eiscreme hat, wenn das nachvollziehbar ist. Meiner Schwester gefällt „Take me up to the top of the city and put me on the angel´s shoulders.“
Mails aus Mexico, die den etwas breiten Kommentar von vor ein paar Tagen erläutern. Schon okay. Dann ist die Platte ein weiteres Mal zu Ende und ich geh schlafen. Und jetzt Stille, nur fern Sade aus dem Hinterhof. Der Regen hat Abkühlung geschafft. Das Heimweh-artige Sehnen nach etwas Neuem von Kate ist einer tiefen Zufriedenheit gewichen. Und ich freu mich auf den Katewalk nachher. Same procedure as 2005, nur diesmal als sundowner. See you!

DER KRYPTISCHE MAI-BEITRAG

Und dann wochenlang immer wieder so „what if?“-flashes. Optionale Szenarien zeichnen sich vorm inneren Auge ab, gemischt mit dem Moment, der alles ins Rollen gebracht hat. Immer wieder „Nein, so wie es ist, ist es besser“. Und man glaubt es fest. Man glaubt es fast. Die Vernunft hat gesiegt über den Wagemut. Man ist halt gerade kein Feuerwerk, eine Tafelkerze vielleicht. Immer noch ein Licht im Dunkeln. Aber zu viel Wind wäre gefährlich.

IN A ROOM FULL OF PEOPLE YOU CAN LOSE SIGHT OF IT ALL

Festzustellen, dass man in seine Party-Persona erst reinschlüpfen muss, während man aber schon auf der Party ist. Als ich dann zu Hause war, hatte ich keine Lust mehr, mich zu schminken.

Nach der Therapie-Sitzung einen Tag zuvor: immer noch überraschend, wie sehr das Prinzip Wappnen noch greift. Die prägenden Jahre, in denen jeder Weg nach draußen gefährlich war. Passend, den nächsten Roman in einem Szenario anzusiedeln, aus dem es kein Entkommen gibt (und schon im ersten Satz den Fluchtweg zu etablieren.)

„Von der Falltür in der Tiefkühltruhe wussten drinnen niemand, so konnte sich auch niemand nach ihr erkundigen.“

STILLE TAGE IM KLISCHEE

Auf der Dachterrasse im Hof: drei Mädchen Anfang 20 pflanzen emsig. Drei gleichaltrige Kerle stehen derweil rauchend und wichtig in der Gegend herum und beratschlagen, was man denn sonst noch so nicht tun könnte.

DIE BESCHEIDENHEIT DER MODESTE

„Ich könnte nie einen Roman schreiben über die Unterschicht*, weil ich die nie erlebt habe.“
Eigentlich denke ich gerade – sie liest in der U-Bahn oder schaut Filme auf dem Iphone. Dann, Karl May kannte auch keinen Indianer und Jules Verne war nie auf dem Mond. Stephen King war nie ein Mädchen mit telekinetischen Fähigkeiten und die Verfasser von historischen Romanen haben keine Zeitmaschinen. Eine Sonnenbank oder einen Senseo vielleicht, ja, aber keine Zeitmaschinen. RTL 2 schauen, schlägt Strike vor, aber sie hat keinen Fernseher. Ich schlage Recherche vor. Einfach mal in Erdgeschoss-Wohnungsfenster schauen.
„Manchmal schreibt man ja Charaktere, die man sehr gut kennt und sie sind dann sehr plastisch, und dann wieder erfindet man andere und denkt – ob die jetzt echt rüberkommen?“
„Und die sind dann wie aus Pappe.“
„Nein. Die sind genau so plastisch. Man hat es sich nur nicht zugetraut.“

*Ich verwende das Wort einfach mal so, wie es sich zugetragen hat. Völlig wertfrei.

OSTERN 11

Im Schlaf die sehr geliebte Kette vom Hals gerissen, ein Geschenk von Dolly. Gucci mit dem Flügelanhänger. Vielleicht will der Rabe alleine sein. Dem Lieblingselefanten (Geschenk vom Skailight) ist ein Ohr abgebrochen. Wann? Wie?

Zwei wunderschöne Tage mit harmonischenBegegnungen und trotzdem sägt etwas in mir.

Ich stehe auf meinem Flur und schreie ein Mädchen an, das mir in dieser Nacht bereits drei Mal den Schlaf geraubt hat. Sie steht da, eingewickelt in eine Elefantentagesdecke, und ihre Augen werden immer größer.

Auf dem Weg zum Auto kommt mir ein Jogger entgegen, er hat den exakt gleichen Gesichtsausdruck wie das Wesen in Munchs „Schrei“.

Ein Mann mit Beinen, die falsch anmontiert aussehen. Mehr so wie bei einer Stoffpuppe. Gott, ein Pfuscher.

Ich sitze zwischen Müllbergen auf einer Bank im ziemlich leeren Görlitzer Park und telefoniere und wundere mich, wie positiv meine Stimme klingt.

Eine Gruppe von ziemlich fertigen Mitt-50ern mit Gläsern mit klarer Flüssigkeit darin. Vor einer dieser übrig gebliebenen Kneipen zwischen Park und Schlesischer.

Sehr feine, frisch gewaschen und gebügelte Menschen stellen Stühle und Tische vor den Bars und Cafés auf.

Die Ahnung, dass noch mehr kaputt gegangen ist, als eine Halskette und ein Elefant.

Sowie Gedanken an Veronika Voss. Ostern eben.

AVAILABLE

„Kuckma – Glammy ist ganz rot geworden!“
Und tatsächlich sitze ich da vorm PC, auf dem das Foto eines Menschen sichtbar ist, den ich persönlich nicht kenne, aber in dessen Privatsphäre ich als unsichtbarer Fisch herumschwimme, rot. Es ist mir peinlich, dass ich mehr weiß, als er. Dass dieser wunderschöne Mensch es ist, den sein Freund mit mir betrügen möchte. Peinlich ist es mir.

Und dann sinniere ich so – die beiden haben alles, was ich mir für diese Phase meines Lebens immer gewünscht hatte: eine Partnerschaft, einen schönen Hund, keine finanziellen Sorgen. Dann sehen sie auch noch ausgesprochen gut aus dabei. Das einzige, was dieses Licht ein bisschen dimmt ist eben die Tatsache, dass (mindestens) einer der beiden ein bisschen ausbrechen möchte. Mit mir.

Am frühen Abend sitze ich am Landwehrkanal, mir gegenüber die schönste Frau, die ich kenne, die zugleich meine Agentin ist. Wir reden über unsere Herkunft, unsere Arbeit, unser Berlin-Erleben. Und ich stelle fest, dass mir auf dem Weg, den ich gerade gehe, außer Geld nichts fehlt. Dass ich den nächsten Schritt der Laubahn alleine tätige, das gehört sich so, das passt. Ich könnte mich als „Single“ bezeichnen und mir damit schlechte Laune machen, aber viel zutreffender ist, dass ich für alles offen bin, wenn der richtige Zeitpunkt kommt.

Als ich John Grant sah, wurde mir klar, dass in der Außenwahrnehmung jemand, der gerade in keiner Beziehung ist, nicht etwa als einsam rüberkommt, sondern als verfügbar. So sehe ich mich auch, selbstwahrnehmend. Wenn ich das Heidi erzähle, wird sie stolz sein. Mit Recht.