Eigentlich wollte ich nur kurz zum Penny, das Nötigste einkaufen, dann aber einen Umweg gemacht, bei der T. im Laden vorbei geschaut – „Wollen wir nicht auf nen Kaffee?“ „Ach, lass uns auf einen Wein.“ Den nehmen wir in dem sehr netten Café Ecke PL-Ufer, ich hatte da kürzlich mit dem Skailight und dem E. gefrühstückt, und der Riesling ist so famos wie es das Frühstück auch gewesen ist. Auf dem Rückweg noch kurz ins Leseglück, 2016er Moleskin kaufen und einmal City on Fire für die T. Herzlich bei der E. bedankt für den Tip. „VK, ich hab schon drauf gewartet, dass Du kommst, Du MUSST das lesen!“ Recht hatte sie.
Daheim ein Stündchen Küchentischgespräch, tatsächlich über Gott und die Welt und den Krieg und die Mutter. Und meinen Spitznamen, als ich in Berlin aufschlug, s.o.
Archiv der Kategorie: Glam gruebelt
Le coeur, le coeur…
„Le temps! Le temps!“ ist vielleicht nicht die beste aller Begrüßungen, aber entspricht genau dem Gefühl. Wir umarmen uns fest und heftig und laufen dann Hand in Hand. Es ist fast 20 Jahre her, dass wir uns zuerst begegnet sind, damals waren mein Französisch und ihr Englisch schlecht, jetzt ist es nur noch mein Französisch. Ruck zuck sind fast drei Stunden rum. Die verbringen wir beim Franzosen um die Ecke, neben der Trikolore und einer kleinen Tafel, auf die der Wirt mit Kreide einen Eiffel-Turm gezeichnet hat. Vor 15 Jahren haben sie und ihre Frau mir Paris gezeigt. Nie wieder so viel Zeit verstreichen lassen, versprechen wir uns, als ich sie zum Taxi bringe. Bestelle meinen einstigen Arbeitsgebern, die uns damals zusammen gebracht hatten, einen Gruß. Il n´y a que le beau qui reste. Le reste s´on va, le reste s´on va.
L´entrée de sécours
„Ich singe den Tango für Paris und für Dich, weil Du mich dazu inspiriert hast.“ Schreibt sie und ich bereue doch ein wenig, dass ich nicht dabei sein werde. Ich hatte ihr Lied gepostet, weil es das erste Lied war, dass mir nach den Attacken einfiel und es so schrecklich passt. Heute singt sie es noch einmal und dann geht es für sie zurück nach Paris.
Die 30 Probeseiten redigiert und festgestellt, dass das, was ich für hingeschlunzt, weil aus dem Herzen geflossenschrieben hielt, erstaunlich sortiert und stimmig ist. Ein paar Cuts und alles schön.
Nächtliche Idee sofort kommuniziert, es hat mit Roxana und Mandy zu tun und mit Downton Abbey, und eine interessierte mögliche Partnerin gefunden.
Ein anderer Screenwriter hat hilfreiche Worte zu einem Frühwerk gefunden und auch hier werden Fäden der Vergangenheit aufgenommen und geknüpft.
Wertvolle Gespräche mit dem Refugee-Roomie, der hier ist und schrecklich gut reinpasst und ich lach mich altruistisch tot über diejenigen, die nichts tun und viel quatschen.
It´s NOT very difficult to keep the line between the past and the present, that´s what´s happening, it´s really happening to me.
Und dann noch City on Fire, so fucking großartig, dass ich versuche, sparsam zu lesen, um mehr Zeit mit dem Buch zu haben. Thanks to Leseglücks Eleni, die es mir ans Herz gelegt hat.
Raus halten statt aushalten.
Dieser Modus, wo man auch beim nicht-Schreiben, in der Regel direkt nach dem Schreiben, in geschriebenem Wort denkt. Gutes Zeichen. Auch, dass sich mittlerweile heraus kristallisiert, dass das nicht einfach eine Geschichte über Angst ist, sonder über Täter und Opfer. Dass man, wenn man sich selbst nicht zur Wehr setzen kann, wenn die anderen in der Überzahl sind oder der Terror nicht abreißt, sich Schutz suchen muss. Learning from refugees.
Style over Substance
Dass ich über das Madonna-Konzert und AHS Hotel nicht schreibe spricht für sich. Die größte Aufregung kam nach dem Konzert, als Ex-Roomie gemuggt wurde, man ihm die Tasche und das Handy stahl und er durch lautes Schreien den Dieb so verstörte, dass dieser das Diebesgut von sich warf und das Weite suchte. Zwei Worte und ein und noch zu Hotel und Rebel Heart Tour: Herz-, und Seelenlos.
In Tränen
Ich hätte schreiben können, zu Iris´ Geburtstag gehen oder mit Frank ins Kino – letztlich blieb ich zu Hause mit einem Buch, das mich gleichzeitig ärgert, weil es mich alle paar Seiten zum Heulen bringt. Die Moyes kann das. Und gibt es auch Passagen, die cheesy sind – die Jovialität der Erzählerin geht of über den Rand des Mitschämens hinaus, alles in allem ist „After you“ ein unterhaltsames Sequel, dem Amazon-Rezensentinnen vorwerfen, dass die Erzählerin nicht ganz so jovial ist, wie beim Vorgänger. (Wie auch? Sie hat die Liebe ihres Lebens verloren.) Great entertainment.
ALLERHEILIGEN
AHS Freak Show am Stück geschaut und mich sehr in Toulouse verliebt. Der mit der Baby-Axt. Was mich zu Solomon zurück bringt, was mich zum Exposé zurück bringt, an dem ich heute weiter schreiben sollte, aber genau deshalb tu ich es nicht und geh lieber mit Lucky zur Iris. (AHS Hotel zu kommentieren sind mir die Worte zu schade für. Hätte nicht gedacht, dass ich mal „pervers“ mit Bezug auf eine eigentliche Lieblings-Serie verwenden und die Hoffnung äußern würde, dass Jessica da bitte nicht mehr mitmacht, in Zukunft. Vielleicht haben sie einfach mal ein schlechtes Jahr, aber die Grenzen, die da gerade überschritten werden, hätten geschlossen bleiben sollen. Dafür sind sie ja da.)
Here´s my man:
Toulouse – American Horror Story from Drew Varick on Vimeo.
Gestern á la recherche d´une manuskript perdu. Tatsächlich habe ich die frühen Jahre nicht mehr auf dem Mac, nicht mal auf dem Gäste-Mac, der beginnt bei 2004. Das ist blöd, wenn man ein Buch sucht, das man 2001 veröffentlicht hat und das tatsächlich verfilmt gehört. Eichinger sah das schließlich genau so. Eichinger fehlt mir. Es macht gegenwärtig sehr viel Spaß mit meiner Porno-Vergangenheit.
Habe versucht, dem D. die Asyl-Antrags-Papiere zu übersetzen, aber die sind in einem so krassen Bürokratie-Deutsch verfasst, dass ich mir selbst auf Deutsch keinen Reim drauf machen kann.
Mein Facebook-Aufruf, gemobbten Flüchtlingen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, blieb komplett unerhört, bzw unbeantwortet. Ja, es ist tatsächlich so, dass Flüchtlinge nicht mit einer Haftpflicht-Versicherung nach Deutschland kommen, aber WTF. Altruismus, anyone?
Ohne
Gestern dann angefragt worden, ob ich zur Überbrückung eine kleine afghanische Familie (Mutter Vater Säugling) aufnehmen würde. Die arabisch betriebenen Hostels weigern sich nämlich, Leute aus Afghanistan aufzunehmen. Drei und ich – das ist schon eine seltsame Situation, wenn man in der Wohnung in der Minderheit ist, sei es auch nur für 3 Tage. Habe zu bedenken gegeben, dass ich rauche. Und schwul bin. Wenn die Familie damit leben kann, ist sie willkommen. Sie haben dann ne andere Lösung gefunden. So erfährt man von den eigenen Grenzen – ich bin nicht bereit, meine Identität von Intoleranz in Frage gestellt zu sehen. Ich hoffe jetzt mal, dass das Aus-Kriterium das Rauchen war.
Da wird noch viel Un-Verständnis für unsere Werte und Errungenschaften (und selbstverständlich nachvollziehbar – den gegenwärtigen Arschlochismus) auf uns zukommen.
Sonst so
Was mir am meisten an K. auffiel ist, wie zukunftsorientiert und wie sehr in der Gegenwart er lebt. Ich hatte befürchtet, einen Flüchtling einzuquartieren würde bedeuten, Geschichten von Unterdrückung, Flucht und dem harten Aufschlagen in Deutschland zu hören – immerhin hat er selbst im Flüchtlingsheim noch Schläge kassiert, als offen Schwuler. Stattdessen geht es ihm darum schnellstmöglich seine Papiere zusammen zu bekommen, um sich Arbeit suchen zu können. Nach einer Woche bei mir hat er nun auch eine WG organisiert und geht trotzdem jeden Tag zum LaGeSo, um dort zu übersetzen. Hut ab. Es ist natürlich nicht schön, sich der Realität zu stellen, dass da nicht nur lauter wunderbare Menschen zu uns kommen, sondern auch eben solche, die anderen eins auf die Schnauze geben, weil ihnen deren Lebensstil/ Identität/ Wasauchimmer nicht passt. Aber es sind auch solche dabei (und hoffentlich in der Überzahl) wie der K., die sich den neuen Aufgaben in der „Fremde“ stellen und die eine Bereicherung für unsere Gesellschaft sind. Ich kann allerdings immer noch nicht verstehen, wie wir in Deutschland mit der schieren Anzahl klar kommen sollen und weshalb die Lage nicht europaweit geklärt werden kann. „Europa“ steht für mich nur noch für eine dumme Organisation, die mir vorschreibt, welche Glühbirne ich verwenden darf, die aber, vor echte Probleme gestellt, in Schockstarre verfällt. Nee, kann man so auch nicht sagen. Starr und starrsinnig ist das Europaparlament sowieso, das ist je das Wesen von Politik und niemand führt das besser vor als die Glühbirnler. Man muss also selbst einschreiten. Könnse sich ja mal überlegen, ob Sie auch ein Zimmer frei haben, für Härtefälle. Ich verstehe nämlich die Frage nicht „Wie kannst Du das machen? Einen Fremden einzuquartieren?“ Weil die Frage lauten müsste, „Wie könnt Ihr das nicht machen, wenn ausreichend Platz da ist?“. Insbesondere diejenigen, die sich als Christen bezeichnen, sollten sich mal überlegen welchen Background ihr „Sohn Gottes“ hatte.
October
Meinen Kalender von 1993 in der Hand gehabt. Jeez, war ich unterwegs. Mutige Jahre waren das. Soviel socializing, Arbeit und Uni. Durch die ganze Stadt. Im Kopfe rattert es und knackst´s, aber auf ne gute Art und Weise. Das Notizbuch immer in greifbar Nähe. Es ist gut zu sehen, dass ich mal anders war, aber es hat natürlich auch mit dem Lebensalter zu tun. Mit Mitte 20 traut man sich ja alles (zu). Jetzt ist das Leben leiser, Midlife vorüber, das wäre der Zeitraum, wo die Kinder aus dem Haus gehen und man sich überlegen muss, wie man allein oder zu zweit weiter macht. Neue Herausforderungen. Ich mach ja, ich mach ja.
(Gestern zu „Una Cancion“ von Bebe durch die Wohnung getanzt. Musik braucht mehr Kinderchöre.)