Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

STEPPING OUT OF THE PAGE

Das T-Shirt vom Skailight ist jetzt mit 98er Bordeaux gebatikt. „That happened when you were dancing“ kann sich Roomie erinnern. Ja. Da war Song and Dance. Geregnet hat´s zwischendurch. Paar Tränen sind geflossen. Es wäre schön, das ganze Wochenende so weiter zu machen, mit dem Lichtblick, der es geschafft hat, dass ich einen Lebenstraum formuliert habe, der mir nicht bewusst war, aber als er sagte – „das kannst Du doch machen, das ist doch alles möglich“, da traf´s mich wie ein Schock, ja, er hat recht. Ich meine, wenn Behinderte mit Delfinen schwimmen, Pferde vom Hubschrauber baumeln. Warum nicht? Es ist noch kein Plan. Aber eine hartnäckige Idee. Und wenn die comfort zone keinen comfort mehr bietet, it should be easy stepping out.

THE WISDOM OF THE HEART

Kate Bush hören geht noch nicht. Stattdessen weiter mit „Sons of Anarchy“, das endlich die Kurve zu kriegen scheint, ca Folge 9, und sich auf die Frauen konzentriert. Festgestellt, dass die Dialoge der Männer komplett irrelevant sind. Also ganz prima, wenn man im Kopf eh beschäftigt ist und es nicht so auf die Handlung ankommt. Katy Sagal kann man förmlich dabei zuschauen, wie sie ihre Rolle auf den Emmy zugroovt, eine große Freude. Langsam kann ich mir auch vorstellen, Staffel 2 anzuschauen, in der Hoffnung, weniger Crime, more Intrigue.

Vorm Einschlafen noch ein bisschen „Water for Elephants“ – die anfängliche Begeisterung wächst, da wird wirklich eine Welt gezaubert, eine schmuddelig sepia-glamouröse Zirkuswelt, dass es eine plastische Freude ist, und ich bin noch nicht mal bei den Elefanten angekommen. Sehr froh, den Film nicht gesehen zu haben und so nicht Robert Patsywhatever und Reese Havisham vor Augen zu haben, sondern Kopfgeister.

Der umgelegte Schalter ist noch funktionstüchtig, keine Bubble. Er lässt aber genug Raum für das angemessene Bedauern, will sagen, nach Tanzen ist mir gerade nicht zumute. Ich wollte gerade schreiben, „es fühlt sich sehr erwachsen an, so damit zu dealen“, aber das ist Quatsch, es hat nichts mit dem Grad von Reife zu tun, sondern mit dem Herz, mit der Weisheit des Herzen, keine Altersfrage, eher etwas ganz Frühes, seltsamerweise Unverdorbenes. That is why.

Wenn ich der Lieblingsdänin erzähle, welches Lied ich heute noch vor 8 gehört habe, wird sie lachen. Und dann die Stirn runzeln. Und mich dann in den Arm nehmen. Eine Bitte an die Welt: bitte gerade jetzt nicht schubsen. Verfahren Sie mit mir wie die Lieblingsdänin es tun würde. Some hugs and pampering would be nice. I´m just a boy. Asking the world to love him.

AND EVOLVING AND EVOLVING

Ich frag mich, wann die Augen mal wieder normal aussehen, oder ob die jetzt so bleiben. Aber sonst geht´s so. Ich hab irgendeinen Schalter umgelegt, vielleicht ist es aber auch ein Schutzmechanismus. Ich tippe auf beides. Die Betrachtungsweise ändern. In früheren Fällen klappte das, wie erwähnt, über Dämonisierung. Das ist ein probates erfolgsversprechendes Mittel, das allerdings zur Folge hat, dass man sich endgültig distanziert. Dann ist Schluss wirklich Schluss. Das geht in diesem Fall nicht. Dazu ist er mir zu wichtig. Und so wirkt die Erkenntnis, dass wir uns nicht verloren haben, lediglich den Status verändert, dem Schmerz und dem Bedauern entgegen. Vielleicht kann ich nachher sogar mal versuchen, Kate Bush zu hören.

THE WORKINGS OF THE HUMAN HEART

Auch irgendwie durch den Montag gekommen. Sendungen über Menschen geschaut, denen es dreckiger geht. (Danke, RTL.) Die berechtigte Hoffnung, dass wir nicht alles vermasselt haben und irgendwann wieder Freunde sein werden, wahrscheinlich schon ziemlich bald. Quatsch. Das sind wir noch. Wir waren zwischendurch nur was anderes, wofür es halt kein Wort gibt. Dann kann man vielleicht diese Wochen irgendwann als verrückten Trip verbuchen, als mutigen Irrtum (der sich für mich heute aber immer noch nicht falsch anfühlt).

Bestätigt zu bekommen, dass es nicht nur mir so geht, ist tatsächlich ein Trost. Wir zeigen beide gerade eine Größe, die mir in so einer Situation zum ersten Mal begegnet.

PULVERISÉ

Das der Selbstzerstörung ähnlichste Verfahren ausgewählt und „Grey Gardens“ angeschaut, weil Darling Thomas mich darauf hinwies, dass dieser gerade auf Arte liefe, nur empfängt mein Satellit Arte nicht, also die DVD gewählt. Ich brauchte Bekannte im Raum, und die Beales waren diejenigen, die noch wach waren. Kein Geschirr zerschlagen, aber auch nur, weil alles Krisen-Geschirr bereits zerschlagen ist und ich den Rest echt brauche.

Auch jetzt, wenn ich das Gespräch rückverfolge – ich kann eine Insel sein, selbstverständlich, das bin ich für viele, ich bin der mit den Parties, wo sich alle wohl fühlen, man sollte Glam Gardens zur Naturschutzzone ausrufen, aber dann pisst man doch nicht auf die Insel. Sorry, ich war derjenige, der Ehrlichkeit ausgerufen hatte, aber wenn die beinhaltet, dass man erfährt, dass das Gefühl nicht reicht (das habe ich nicht wirklich oft gehört, drei mal, auch schon zu viel, aber immer aus den Mündern, aus denen es zu hören, sehr sehr weh tat) dann hätte ich mir eine andere Ehrlichkeit gewünscht, oder – ich weiß nicht – Geduld? Oder doch besser so, als vielleicht in 6 Monaten? Wenn diese Distanz erzeugt wird, dann kann man nicht im gleichen Bett schlafen, oder doch? Ich kann´s nicht.

Was Lutin schrieb, das stimmte leider. Wüssten Sie um die Hintergründe, was da auf´s Spiel gesetzt wurde – oh me oh my. Das ist vielleicht das, was am Meisten schmerzt, dass wir alles andere als leichtfertig in diese Situation gegangen sind. Ich hatte gedacht – wer so weit geht, der meint es ernst. Und konnte so relaxt die Insel sein. Es war KEINE Affäre, es war KEINE Beziehung, es fehlte tatsächlich die Bezeichnung. Insulation?

Das Leben ist kurz. Ich bin eine Insel. Ich kann nichts dafür. Ich möchte nur nicht den Inselkoller sehen, wenn ich jemandem ins Gesicht schaue. Das hatte ich zu oft. Dafür bin ich zu alt, der älteste Teenager in der Welt. Satan hat ein Lied darüber geschrieben.

Fuck you, Madonna. Und natürlich hab ich ihn noch lieb. Lesen Sie doch einfach mal, wenn sie viel Zeit haben, Dorothy Parker´s Two-Volume Novel.

Das wirklich Blöde: Es gibt zu dieser Insel eine regelmäßig verkehrende Fähre und notfalls irrsinnig viel Treibholz, falls man sich mal ein Floß bauen muss.

GLAM EXPERIENCES THE WORKINGS OF THE HUMAN HEART

Und wenn einem die Worte im Hirn explodieren, dann geht man soweit und liest sein Horrorskop bei Michael Lutin.

„Love is bound to be the issue at hand this month, as Saturn changes direction from retrograde to direct. Deep, lasting, abiding love. Love that is separate from adolescent visions and silly fantasies about romantic attachments. It’s dangerous, however, to let yourself go, no matter how you long for such an attachment. Everything in your solar horoscope currently shows that your urge for self-expression is becoming greater than any shyness, reticence to expose yourself or protect yourself from hurt. This is a mark of your courage and growing ability to act, perform, reveal your innermost feelings and experience the workings of the human heart.“

Hätte ich vielleicht vorher lesen sollen. Und, wie immer, hat er Recht.

GENTRIFICATION BEGINS AT HOME

Ich arbeite immer noch den Geschenkestapel ab – neben der Marilyn-Investigation „Tell all“ von Chuck Palahniuk, das mir der Herr Spango trefflichst auswählte und das sich liest, als habe man ein Glam-Manuskript dem Spango zum drastischen Überarbeiten überreicht. Das DVD-Programm wechselt sich sehr farbenfroh ab. Cylonen und Kate Jackson, anarchische Söhne, „Black Swan“, Hitchcock und natürlich auch Bruce Boxleitner. Gestern lieh mir Herr Strike „District 9“ und ich war angenehm überrascht. Eine wirklich originäre Geschichte, sehr unterhaltsam, sehr sick. Als nächstes auf dem Programm die skandinavischen Krimis. Aber noch immer lese ich über die letzten Tage in Marilyns Leben, ein bizarres Unterfangen, zwei Tage, aufgefächert auf 500 Seiten, eines der ungewöhnlichsten Lese-Erlebnisse des Jahres. Sehr berührend. Auch wenn das Geheimnis nicht aufgelöst wird – das Buch verfolgt durch die häufige Wiederholung und Gegenüberstellung von Fakten so etwas wie kulturelle Trauerarbeit für eine der größten Ikonen des 20. Jahrhunderts.

Das kontrastreiche Entertainment-Programm in Kombination mit smouldering temperatures im Office führte dann zu seltsamen Träumen, Tante Rosa war wieder da und ich nahm sie fest in den Arm. Um 6 von den lästigen Meisen geweckt und ihnen die Vogelgrippe an den Schädel gewünscht. Bei den Umbauarbeiten in der Wohnung unter mir hatte es geklappt. Oder sie waren auf einmal einfach fertig mit der Kernsanierung. Die Wohnung, genau so groß wie meine, allerdings ohne Balkon, kostet jetzt 200 Euro mehr als die ehemalige Glamourdick Mansion, die mittlerweile eher Glam Gardens gleicht. Bin gespannt, ob Mlle Modeste eine meiner legendären Parties in Marzahn besuchen wird. (Oder doch ein apartes Dorf im Umland, wo noch rechtschaffen gelyncht wird?)

14.6.11

Hatte völlig vergessen, wie Kinder sind. Und es hat ne Weile gedauert, mich auf die Energie einzulassen, aber dann festgestellt, dass das kein fremder Planet ist, sondern eine Frequenz, die auch noch bei mir abrufbar, eigentlich sogar schrecklich präsent ist. So trage ich heute mein Peter-Pan-Shirt mit stolzem Pathos. Oder pathetischem Stolz. Geht beides.

Und eigentlich müsste ich heute wieder auf den See, der See macht so gute Oberarme.

PENNIES FROM HELL

Gestern Mittag die absurdeste und lustigste aller Panikattacken gehabt. Der übliche Ort – Supermarkt, Schlange. Drei Leute vor mir, viele mehr hinter mir, und auf Hüfthöhe eine Stimme.
Kleiner türkischer Junge, der es nicht gelernt hat, Abstand zu halten, man bringt es ihnen nicht bei, müssen Sie mal drauf achten, wenn Sie ein Mutter-Sohn-Team im Supermarkt treffen: Mutter ratlos an einem Regal, Sohn mitten im Gang oder distanzlos drängelnd in der Schlange, meist mit Accessoire Schokoriegel o.ä., wie gestern. Egal – Stimme von unten: „Darfisch ma vor, ey?“
„Nö.“
Fassungsloser Blick unten. Panikattacke oben. Wahrscheinlich, weil die Umstände so albern waren, war die Attacke runtergefahren, kaum dass ich im Auto saß. Was normalerweise 20 Minuten dauert, funktionierte hier in 5. Und die Trigger-Kombi war so leicht zu lesen: Geld, Schlange, böser Junge (nicht ich). Mit bösen Jungs fing alles an, da war ich in dem Alter wie das Kind gestern, die Angreifer kaum älter. Und gestern hab ich mich gewehrt, „Nein“ gesagt. Kleiner Schocker für die Seele. Das mach ich jetzt öfter. Mütter, erzieht Eure Kinder gut! Sonst setzt´s eine Tracht Glam. Horror-Kinder sind nicht umsonst ein strapaziertes Sub-Genre des Fantastischen.

(Panikattacke und lachen müssen ist so ähnlich wie lachen und weinen gleichzeitig. Kommt sehr sehr selten vor, aber hat etwas Befreiendes.)

PAROLE GLAM

Auf dem Weg zum Penny läuft mir Martina über den Weg. Ich weiß nicht, ob sie Martina heißt, aber habe so ein Gefühl. Genau so, wie ich mir ihr Leben sehr gut vorstellen kann, ohne auch nur zu wissen, wo in der Nachbarschaft sie wohnt. Ich kannte mal den Namen ihres Hundes, sie den meines Pflegehundes – wir hatten die gleiche Parkzeit, morgens kurz vor 10 im Görli. Sind dann gemeinsam durch den Park, die Hunde in Rudeln, sehr harmonische Vormittage waren das, bei jedem Wind und Wetter, Du kennst die Namen der Hunde, aber nicht die der Besitzer.
Sie streckt mir die Hand entgegen, ich schüttele, „Na wie geht´s Dir“ und „Ach, war das schwül die letzten Tage“ und „Ist das nicht ein Prachtwetter heute?“ und nur ein paar Sätze, und dann geht man weiter. Sie hat keinen Hund bei sich, ich auch nicht, wir sprechen einander nicht drauf an. In solchen Momenten kommt mir die Stadt vor wie von Kästner geschrieben, bei ihm wäre das alles natürlich pointierter, hier gibt es keine Pointe, aber es fühlt sich an, wie das Berlin, in der man jeden zweiten Passanten und seine Lebensgeschichte kennt, und nicht wie eine erschreckende Großstadt, in der man am Ubahnhof verprügelt wird oder sich um Beischlafdiebe Sorgen machen muss. „Iss keine Pralinen,“ schrieb Frau K. meiner Freundin Anke eine Notiz bei einem ihrer ersten Berlin-Aufenthalte – „sie könnten gefüllt sein.“ Und nach der „Lyrischen Hausapotheke“ habe ich nun große Lust auf „Emil und die Detektive“.