Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

SEE THOSE TREES BEND IN THE WIND

Selbst überrascht, wie sich das alles aushalten lässt. Wird man im Alter besser im Ertragen oder ist das ein Denial-Modus und das dicke Ende wartet irgendwo um die Ecke? Ich glaube, die bevorstehende Veröffentlichung des Buches und die (Vor-)Arbeit am neuen sind Stabilisatoren. Nicht einmal Ablenkung, weil Erlebtes natürlich immer einfließt, keine Angst, nicht autobiografisch, aber wenn einem die Klaviatur der Gefühle erst ein paar mal richtig durchgeorgelt wurde, dann lernt man die Klangfarben besser zu beschreiben.

Ein bisschen Rubberband-Boy sein ist nicht schlecht, den Gefühlen keinen Widerstand bieten. To accept the things you cannot change, to change the tings you can. And you know blah blah blah.

Wie wichtig der See ist, weiß er gar nicht. Muss er auch nicht, den wird´s noch lange nach mir geben. Da zu floaten, exponiert und doch isoliert, mit den Richtigen Menschen auf dem Boot nebenan, das fühlt sich so absolut an. Gestern erst sind aus der Entspannung heraus Ideen gereift, im Gespräch vermittelt man ja nicht nur dem Gesprächspartner etwas, sondern auch sich selbst. Und eigentlich ist mir erst seit gestern klar, warum ich Fantastische Literatur schreibe. Weil Gefühle manchmal so groß sind, dass sie das Ausdrucksvermögen auf eine harte Probe stellen und es nicht reicht zu beschreiben „die Protagonistin fühlt sich gerade vom Leben bedrängt“. Da kann man ein größeres Bild malen, und es mit dem Bedrängen mal so richtig krachen lassen. Das gilt für die nicht so schönen Emotionen – das Finstere, die Angst und den Hass, aber eben auch für die Liebe.

Liebe Lieblingskollegin, Rusalka ist bestellt!

6.7.11

Einen wunderschönen Tag mit Frau Casino auf dem und im Wasser verbracht. Bisschen angebrannt, aber morgen ist das braun. Und heute werde ich genau das gleiche Entspannungsprogramm fahren, bloß keine Abweichungen, der Urlaub ist kurz. Wer mit will ruft an. Abfahrt so gegen 12.

@Herr Strike: neues Boot super, alte Caravelle auch tiptop, kein Luftverlust!

SHE DID IT THE HARD WAY

Der letzte Akt im „behind the scenes“ spielt sich gerade ab, vielleicht schreib ich irgendwann mal darüber, jetzt gerade nicht. Jetzt habe ich erst einmal 5 Tage vor mir, mit das, was man als Urlaub bezeichnet, wofür ich keine rechte Vision habe, außer, dass ich die Stadt nicht verlassen werde, jedenfalls nicht weiter als bis zum See. Ich schnappe mir nachher Hotel Mama und dann geht´s raus auf´s Wasser. Mein Anruf beim Badesee-Telefon gestern:
„Vereinigte Finanzämter Berlin, guten Tag!“
„Örm?“
„Was kann ich für Sie tun?“
„Örm…“
„Sie wollten die Badesee-Empfehlungen?“
„Örm – ja, wegen der Wasserqualität des Schlachtensees.“
„Dann kiek ick mal. Schlachtensee. Hygienisch herausragend.“
„Von wann ist denn die Analyse?“
„Lassense ma schaun. 22.6.“
„Und jetzt? Nach dem ganzen Regen? Der spült doch immer die Abwässer in die Seen.“
„Örm…“
Steuer is everywhere.

Für das Buch fluten mich gerade Bilder der verschiedenen Handlungsstränge, ich habe mein Notizbuch ständig aufgeschlagen neben mir. Übrigens das 5. Buch in Folge, in dem jemand namens Dvorak eine wichtige Rolle spielt, diese Mal allerdings der Komponist.

Es schälen sich zwei mögliche Opening Szenarien heraus. Das eine ist fein, subtil, mit einem Thrill in der letzten Einstellung. Das andere ein Schocker, es kracht von der zweiten Minute an. Das hatte bei „Water for Elephants“ ja sehr gut funktioniert, aber ich glaube, ein leiser Schauer als Intro ist in bester Ashby-Tradition. Und den Schocker kann ich dann weiter in der Story auch noch gut gebrauchen. Ich denke, morgen oder übermorgen kann ich anfangen. Heute: Urlaub. Gekennzeichnet von, wieder mal, Bedauern – ich hatte ihn eigentlich anders geplant.

A lot of crazy nasty shit has been happening this year. Ich habe zwei enge Freunde verloren. In einem Fall bin ich hintergangen worden, im anderen physisch attackiert. (Nichts beendet eine Freundschaft so schnell und gründlich wie physische Brutalität, da bleibt nicht einmal Bedauern, da ist alles erloschen.) Dann das komplexe Erlebnis, eine bedeutsame Liebelei in eine Freundschaft zu morphen, nicht immer leicht, aber notwendig. Das Abwägen, wenn man anrufen will, nach ein paar Tagen, ob eine Kontaktaufnahme als Klammern empfunden wird, wo es eigentlich nur darum geht, entstandene Nähe nicht wieder zu verlieren, sondern in eine andere Form zu bringen. Es ist so viel leichter, einen Schlussstrich zu ziehen, aber das sollen andere, weniger Mutige machen, ich handhabe das mit dem Motto, der auf Bette Davis´ Grabstein steht. See headline.

10.21 sowie 67/180

Das beste Blond ever und das Gewicht, so der Strikeschen Waage zu glauben ist, das ich zuletzt vor 10 Jahren hatte. Man weiß nicht, ob es Trennung oder Trennkost bewerkstelligte, leicht war/ist beides nicht. (Das Blond, indes, ist klar L´Oréal und den flinken Fingern des Strike zu verdanken, der bei der Behandlung einen kreisförmigen Haarausfall irgendwo oben rechts diagnostizierte, Eurostückgroß, nachher schwörte, sich geirrt zu haben, und ich bin zu platt gerade, um es zu überprüfen und will es auch gar nicht so genau wissen. Federn lassen schon klar, aber frisch blondiertes Haar im Kampf mit dem Stress zu verlieren, das wäre echt fies, Du Scheißdrecksvotzenarschlochkrummpeniswelt, Du.)

ET POURTANT JE VAIS MONTER SUR SCENE

Der Regen tropft träge aufs Dach, es kommen kaum Straßengeräusche nach oben. Durch die Wohnung zieht ein kalter Wind. Ich suche auf Youtube einen Clip zu Michael von der Heides „Je suis seul“, werde nicht fündig, dann müssen Sie sich das selber besorgen. Ein guter Mensch hat mir einen Elefanten gemalt. Die einzigen Pläne für heute: Haarfarbe kaufen, Wohnung bewohnen. Putzen und Steuer. Und nicht einmal ein blödes Gefühl dabei, weil ich weiß, dass, wenn das erledigt ist, Ruhe ist. Und Ruhe kann ich gut gebrauchen.

Jessi1

GLAM, LAURA BRANNIGAN UND PATSY KENSIT

Je länger ich darüber nachdenke, „Self Control“ passt als Lied für das Herz eines Roman-Projekts doch gar nicht so schlecht. Danke für den Vorschlag, Herr Spango. Obwohl es ein etwas schäbiges Lied ist, das ich immer mit dem Edeka in der Pannierstraße verbinde. Setting ist schließlich kein Spukhaus, nur ein Supermarkt. Aber, wenn wir schon bei schäbbigen Liedern sind – „I´m not scared“, die Hymne jedes Bloggers mit einer generalisierten Angststörung, würde auch gut passen. „You´re life´s a mystery, mine is an open book. If I could read your mind, I think I´d take a look – I´m not scared. (…) I know these dogs still snap around me, but I can, I can fight.“ Ich hätte gern eine schöne Akustik-Fassung davon.

Aber es ist zu früh, Lieder für den nächsten Roman zu suchen, eigentlich müssten die Lieder von allein zu mir kommen, ich glaube, erst dann kann es losgehen, zumal der Verlag erst einmal die Vorbestellungen für „Ashby House“ abwarten, tendentiell eher beim New Gothic bleiben möchte, und ein wenig Scheu vor echtem Horror hat. Try walking in my shoes, denke ich manchmal, meine es aber nicht böse. Zwischenzeitlich war „Dog days are over“ ein Kandidat, der allerdings wackelte und fiel, because they aren´t, und außerdem muss mir auch die Sängerin sympathisch sein, also vielleicht dann doch Patsy Kensit. Sind immerhin auch Hunde drin.

Eighth Wonder – I'm Not Scared von Sunshinemusikbox

BREATHING

Und irgendwann hab ich nur noch 30 Seiten vor mir und leise Panik meldet sich an. Was tun, danach? Ein neues Buch anfangen geht nicht, dazu ist „Water for Elephants“ zu gut, dazu ist die Atmosphäre zu einzigartig, etwas verwandtes gibt es nicht, und ich kann darauf keinen Krimi folgen lassen. Andere Menschen machen Aktivitäten, an sich schön, aber das muss/kann/will ich gerade nicht. Ich brauche eine Verschnaufspause. Der Nachteil dieser Pausen bzw. Rückzüge ist, dass ich das Soziale verlerne, auch in der Wohnung die Tür hinter mir zumache. Zumache. Der Montag ist dann immer gefährlich, da gehe ich schon nervös aus dem Haus.

Tief durchatmen.

TRANSFORMERS

Für das Straßenfest hatte ich dann doch keine Energie. Ich bin nicht gerade auf Boyfriend-Suche, vielleicht nachvollziehbar, und alte Bekannte wollte ich auch nicht treffen. Stattdessen habe ich mir eine Dauerberieselung „Parenthood“ gegeben, fast die ganze Staffel, zuvor, solang Sonne war, draußen gesessen mit dem Elefanten-Buch. Gerade als ich berieselt genug war, schlafen zu gehen, erklang in „Parenthood“ „Freely“ von Devendra und das weckte mich nochmal, und es ging in eine Runde What-ifs, die ja zwangsläufig sind, wenn man das Glück hatte, jemandem über den Weg zu laufen, der passte, und dann ging es aber doch nicht. Vielleicht, wie wenn man von einem Auto überfahren wird und noch ein paarhundert Meter weit mitgeschliffen wird. Möglicherweise war dieser Gedankenflug auch ausgelöst von der aufblasbaren Schildkröte, die in „Parenthood“ im Pool trieb und auf der sonst der Herr sitzt, wenn er bei mir anruft und sich auf dem Telefon displayt.

Vor ein paar Wochen hatte ich noch ein sehr gutes Gefühl – als langjähriger Single schien mir eine Fernbeziehung der perfekte Neueinstieg. Dass es jemand war, der mir durch sein Schreiben schon vertraut war – ein deutlicher Pluspunkt. Hinzu kam die Erfahrung, die man gewinnt, wenn man mit jemandem, den man mag, eine Wohnung teilt. Ich habe dank Roomie viel gelernt und dachte, ich sei vorbereitet, mich auf etwas einzulassen, was sich sehr unvorbereitet und überraschend ergeben hatte. Nähe.

Es wäre ungerecht, dieser Liebelei nicht ein bisschen nachzutrauern, auch, wenn die Beteiligten sich nicht aus dem Weg verlieren werden. Die bodenlose Depression der ersten Tage ist vorbei, ziemlich schnell habe ich den richtigen Kurs für mich gefunden, mit dem geringsten Schaden daraus hervor zu gehen.

Jetzt bin ich versucht, kitschige Lieder zu posten. Aber ich beschränke mich auf eins. Und wenn Sie dachten, das Credo rechts oben stimme nicht, ich schäme mich schon ein bisschen, eine Single der Kelly Family zu besitzen, aber, well, it´s true. Damit ich nicht in Selbstmitleid* zerfließe, überlasse ich das Mayte, sie macht das viel schöner als ich.

Ist eigentlich gar kein Selbstmitleid in dem Clip. Mehr so ein Befehl ans Universum.