Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

YOU DON´T HAVE TO BE FREUD

Und dann informierten mich Chris und Thomas, dass ihr Kind da sei und sie haben sie „The Starz“ genannt und ich fand das etwas merkwürdig, aber auch schön, und dann rief meine Agentin an mit einem Plattenangebot und die Plattenfirma meinte, ich solle folgendes Lied covern:

Und ich war nie ein Fan von Falco, aber Falco ein Fan von Bowie, wie ich, und so habe ich zugesagt. Und mir vorgenommen, das Lied vom Schmäh zu befreien und im Video ein eng tailliertes Sakko zu tragen, und selbstverständlich nie ohne walking stick, was der Frost das Pflaster, das ist mir der Gehstock. Dann sagte meine Mutter „Bezieh doch nicht immer alles auf Dich!“ Und ich antwortete in bester Sydney-Manier „Aber es GEHT meistens um mich, in meinem Leben!“ Und dann klingelte der Wecker. Aber ich hatte ja recht. Selbst wenn ich nach Hause komme und da sind lauter Menschen. Die Menschen, die ich mir aussuche, die muss ich doch auf mich beziehen. Wenn es keinen Bezug gebe, dann wären die doch woanders. Und manchmal sind sie es ja auch. Da kann man doch emotional werden, oder?

FÜR DAS WAHRE SCHÖNE GUTE

Die Helden unplugged, ziemlich leise, Los Ninos schlafen neben mir auf dem Bett, süß, in Fell und Sweet-Charity-Bettwäsche. Jetzt schnarcht S., eben noch T., aber – leise. Ich rauche leise, damit ich niemanden wecke, und lese leise und tippe leise. Vor ein paar Stunden saßen wir zu dritt hier auf dem Bett, jeder mit seinem Mac vor sich, jeder irgendwas verfolgend, jeder für sich, aber zusammen auf 140 x 200. Aus dieser Ruhe heraus dann den zuletzt geposteten Clip entdeckt, der alles in Perspektive gebracht hat, ein Lösung und Erlösung, ich weiß jetzt, wo ich meine Protagonistin abhole, da, wo sie sich auskennt – mal wieder haarscharf am Glück vorbeigeschrappt. Dann kommt Bomec mit Gebäck und wir sind zu viert auf dem Bett und reden unter uns, aber nicht nur, es geht so hin und her, mal, und alle sind für sich und doch zusammen, es ist ein Gefühl von Nähe, die es erlaubt, dass jeder eigentlich seins macht und doch Teil des Ganzen ist, bis man dann wieder etwas Zusammenes erlebt. Ich hatte immer gedacht, ich könnte nur alleine kreieren, für mich. Jetzt werden aber die Ideen so stark, dass sie ein volles Bett nicht im Geringsten bremsen kann. Und selbst das Schnarchen von Los Ninos ist eher ein Soundtrack, als eine Ablenkung.

Solche Momente taugen nicht für die Fiktionalisierung, bzw gibt es wenige Romanfiguren-Konstellationen für die sie von Belang wären. Deshalb ist es schön, ein Blog zu haben und sie hier festhalten zu können. Es ist schön, eine Realität zu haben, die sich auch mal ein bisschen für einen anstrengt.

BELLA BELLA BELLA MARIE

Ein schäbiger kleiner Sonntag war das, nachdem der „Schneemann“ von Nesbo ausgelesen war. Auf so ein Finale kann nicht gleich ein neues Buch folgen und so beschäftigte ich mich mit meinen Roman-Notizen. Danach fand ich partout keinen Film, den ich anschauen wollte und entschied mich dann doch für „Schwarze Schafe“, der mich dann am Schluss ärgerte – Erektionen und Schlachtensee, beides wäre schön gewesen und der Regen kam eh viel später als prognostiziert – ich hätte ruhig aufs Wasser gehen können.
Den Rest des Tages versaute ich mir mit dem Sinnieren darüber, dass andere Menschen viel mehr haben als ich, insbesondere Geld und Liebe, und nicht damit umzugehen wissen, es ist also verschenkt an sie. Kennen Sie das, dass man Rentnerinnen auf den Straßen sieht, die viel Geld für wirklich geschmacklose Kleidung und absurde Frisuren ausgeben und trotzdem Scheiße aussehen, da hilft auch keine Fuchsia-farbige Capri-Hose in 56. Gerry Weber lebt von sowas. Das waren so meine Gedanken. Meinen Balkonpflanzen gefällt das, wenn ich so bin, die lieben graue Aura, der Balkon sah nie besser aus und die Ameisen haben offenbar zu den Nachbarn rübergemacht wegen der Stimmungslage hier. Ich habe dann der Rose ein paar Blüten abgetrennt und in der Wohnung aufgestellt, fühlte mich aber trotzdem nicht wie Martha Stewart, die wahrscheinlich auch gerade irgendwo in eine Capri-Hose pupt. Maggie Smith würde nie eine Capri-Hose anziehen, außer sie muss so jemanden spielen. Mutter Beimer, ja, Maggie Smith, nein. Danach dachte ich mir, homöopathisch, geh zum Spango ins Archiv, der hat die besten schlechte-Laune-Texte, aber statt in gut formulierter schlechter Laune zu baden, las ich den Text, in dem er berichtet, wie er im Nachlass seiner Mutter neben den Rezepten des „Perfekten Dinners“ Ausdrucke seiner Blogbeiträge fand, da musste ich weinen.

Ja. Nein. Es ist nicht schön, gerade. Und das ist auch der Grund, warum ich nicht auf Emails antworte, Airen, es ist keine Missgunst, ich meld mich wenn´s besser geht. Und jetzt, wo ich mich ausgekotzt habe, werde ich den Tag damit verbringen, gute Laune zu spielen. Falls Ihnen heute eine Frau über 60 in Capri-Hosen begegnet – gehen Sie zu ihr und sagen Sie „Glam spuckt auf Dich.“ Vielleicht fühlen dann wenigstens Sie sich besser. Das wäre immerhin was.

IT´S HARD TO DEVELOP THESES MAIDENLY AIRS oder THE GLAM OF LA MANCHA

And before Coupland, there was Thomas Hardy…

„This planet does not supply the materials for happiness to higher existences. Other planets may, though one can hardly see how.“

Und lesen Sie das wörtlich. Da steht nix davon, dass man sich die Glücksmaterialen nicht irgendwie selbst besorgen könnte, sie diesem Scheißplaneten einfach entreißen muss. Nur erstmal finden… Nachher Heidi. Immerhin.

(Don Q. und Aldonza/Dulcinea sind doch eigentlich auch ein perfektes Paar. Träumer und Traum, nur dass Aldonza nicht mitspielt, aus verpflichteter Ehrlichkeit, selbst Schuld, aber ich kenn das.)

EIN ELEFANT FÜR DICH

Ein großer Grauer rechts im Bild. Auf dem Gendarmenmarkt, direkt neben mir. Dann legt er sich hin (fällt?), ich geh an ihm vorbei und sehe, dass er eine dicke runde Schusswunde hat. Wir schauen uns an, ich schau nochmal die Wunde an, bestürzt, stelle dann aber fest, dass es sich um einen Türspion handelt und bin ein bisschen beruhigt. Nicht mehr beim Aufwachen.

Natürlich bin ich selbst der defekte Elefant. Und der muss sich gerade mal hinlegen und ausruhen. Ich würde ihm einen ruhigeren Ort dafür gönnen, als ausgerechnet den Gendarmenmarkt, aber mein Unterbewusstsein wird sich was dabei gedacht haben. Wie viel turmoil das in kurzer Zeit war, das registriere ich erst jetzt. Ich werde zusammengehalten aus Lehren der Verhaltenstherapie, wenn ich die nicht hätte, würde ich aufribbeln wie ein alter Strickpulli. Das merke ich erst jetzt, beim Schreiben und bei der Unfähigkeit, meine Protagonisten in ein Bild zu kleiden, das nicht dem meines inneren Trümmerfeldes gleicht, und ich meine jetzt gar nicht die Horrorelemente der Geschichte – fiel schwerer fällt es mir, den beiden einen Alltag zu schenken, der ihnen gerecht wird. Die stehen jetzt rum, scharren mit den Hufen und schauen mich vorwurfsvoll an.

MOWGLI

Hound of Love im Traum erschienen. Er hat kein Wort darüber verloren, dass sein Erscheinen im nächsten Roman drastisch herunter geschraubt werden muss. Aber angemerkt hat man´s ihm, dass er ein bisschen pissed ist. Seine Augen waren wie im Buch, aber sein Fell war stumpfer. Das erklärt sich wohl mit der Gesundheit seines Shapeshifters.

Irgendwie seltsam, dass auf der „Hounds of Love“ „Running up that hill“ der Opener ist und danach die „Hounds of Love“ folgen. Logisch wäre es andersrum. Sie wird sich was dabei gedacht haben.

Die erste Stunde auf dem See allein und mit Bernadette Peters im Ohr. Ungewohnt, so ohne Herrn Strike, aber es hatte wohl genau so sein sollen, denn in der quasi-Stille fielen noch ein paar Groschen und bildeten einen anschaulichen Batzen. Hinzu kamen dann noch weitere, später am Abend. Und vor ein paar Tagen dachte ich noch, das Buch hat noch kein Lied. Hach.

9./10.7.11

Wir sind kaum an unserem Spot auf dem See angekommen und die Erholung setzt ein. Selbst das Rudern strengt nicht an, nicht einmal mit Bomec im Schlepptau, der Paddelbruch erlitten hat. Dösen auf dem Wasser, Reden und gemeinsam auch entspannt schweigen können, sich im Wasser treiben lassen, dann der Weg zurück ziemlich zügig, angetrieben von Donnergrollen überm Wald.

In 4 Tagen Urlaub kaum gelesen, nur Projektbezogen, es geht gerade gut ohne Fiktion, abends dann irgendwas Anspruchsloses*, weil im Kopf die eigenen Figuren spuken. Wo hole ich sie ab? Eigentlich weiß ich die Antwort, aber dann ist da auf der anderen Seite die Idee, ein Action-Hero-Couple zu entwickeln, aber mal schauen, kann ja auch, ist nur ein längerer Weg für die beiden, da hin zu kommen.

Und heute nochmal See.

* Mit Ausnahme der wirklich wunderbaren Doku über Neumaier und Nijinski auf 3sat. Da hat sich die GEZ mal gelohnt.

RUSALKA

Was Oper und Klassische Musik angeht, bin ich ein extrem lernfauler Autodidakt. So muss ich gestehen, gestern zum ersten Mal eine Oper komplett durchgehört zu haben, und das eigentlich auch nur aus Recherchegründen. Ich kann nicht behaupten, Blut geleckt zu haben. Das Libretto hat ein paar hübsche Zeilen, verborgen in einem ansonsten oft unfreiwillig komischen Text. Ich fühlte mich manchmal erinnert an erste Theaterausflüge mit der Schulklasse, wo dann so hysterisches Massengelächter ausbrach, das es den Schauspielern nicht leicht machte, ihren „Lear“ über die Bühne zu bringen.
Die Nebenfiguren sind eindimensional, einige der Hauptfiguren in der Charakterzeichnung völlig unschlüssig. Die musikalische Wucht balancierte das allerdings wieder aus. Und ich werde auch nie ein Freund hochgeschraubter Sopranistinnenstimmen, ganz gut gefallen hat mir der Alt der Waldmutter, da musste ich wenigstens nicht ständig im Libretto nachlesen, um zu verstehen, was da gekrischen wird, was auch eine lustige Erfahrung war, denn bei dem Libretto, das mir vorlag, handelte es sich um eine andere Übersetzung als die der Aufnahme.

Nach der Hochkultur, weiterem Feilen am Prolog und anderen Recherchen brauchte ich dann eine fette Dosis Schmalz und schaute mir einen dreistündigen Film mit Jaclyn Smith an. So ist sicherestellt, dass ich nicht alte Frauen auf der Straße mit „WAAAALDMUTTARR“ ankreische.

RETURN OF THE SLASHERS

Nach zwei Tagen draußen heute gar nicht undankbar für´s schlechte Wetter. Den Prolog geschrieben und er flutschte. Jetzt Telefon kaufen, Rusalka abholen, weiterschreiben. Wie kann man sich besser erden/ wässern für so ein Projekt als auf dem See?