Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

FALLING

Einladung zur Eröffnungsparty der Venus heute Abend erhalten. Venus ist die Pornomesse. Pornomessenerfahrung habe ich, und das reicht für´s ganze Leben – sie ist selten unterhaltsam, immer skurril, man mag die Menschheit danach nicht lieber. Auch auf den Parties ist irgendwie nie Partystimmung. Zusammengewürfelte Leute aus der selben Branche, wo der eine dem anderen nix gönnt und nicht das Talent oder die Energie aufbringt, das zu verbergen. Also ein bisschen wie die Buchmessen, nur wird da mehr geheuchelt und die Buffets sind besser.

Der emotionale Herbst setzt ein, unstoppable.

SUMMER IS GONE

Die seltsame Gräfin vom Schlachtensee ist noch aktiv, aber sie kämpft verbittert um jeden Cent. Die 5 Minuten zu spät kommen werden gnadenlos abkassiert.
„Aber wir waren doch pünktlich hier – was können wir denn für die Schlange?“ Herr Strike versucht es mit Logik, das Boot war ja pünktlich zurück. Aber wir haben es mit einer echten Berliner Persönlichkeit zu tun, und nicht zuletzt wegen ihres Bollismus verehren wir sie ja.
Sie hätte ja wirklich nen Zacken schneller arbeiten können, aber was soll´s, sie ist die letzte Bastion West-Berlin, mit ihrem Bullerofen und den Bockwürschten im Bockwürschtelkocher. Ganz oben im Regal Billigausgaben von Prinzenrolle (Kurpfalzrolle?) und Chips in einer Tüte, die nie einen Designpreis bekommen wird.

Der Wald ist finster und riecht schon wieder nach Laub, das zu Erde wird. Ein paar Hardore-Schwimmer gibt es noch, aber das Wasser ist mehr als frisch und sieht auch nicht mehr so klar aus wie noch vor ein paar Wochen. In meinem Kopf Bilder dieses Sommers auf diesem See. Der Berliner Sommer, der es gemacht hat, dass alles irgendwie auszuhalten war, der ist vorüber.

SING-ALONG-GLAM

Musik, Schlafen, Musik, Schlafen. Als es draußen dunkel wird festgestellt, dass ich vergessen habe zu essen. Pizza. Glee. Große Freude, endlich alle am Stück und auf dem Monster-TV. Schlafen. Um 5 aufgewacht und weiter Glee bis es hell wurde. Fazit verquollene Augen am Sonntag, aber so mal durch alle Emotionen rauschen und es hat nichts mit mir zu tun (sondern mit Kurt), gar nicht sprechen, einfach nur wirken lassen. Dafür, dass ich das unmusikalischste Wesen in diesem Universum bin, ist das eine sehr große Liebe mit mir und der Musik. Sogar Blaine wird mir langsam sympathisch. Wo ist ein Medley-Partner, wenn man ihn braucht?

AUS-BILDUNG

Nein, ihre Studenten können mein Teaser-Trailer-Projekt nicht unterstützen. Sie sollen in Ruhe studieren können, ohne Termindruck, und wenn schon arbeiten, dann zu marktüblichen Konditionen. Na ja. Warum sollte ich dann mit Studenten arbeiten, wenn ich für´s gleiche Geld Profis kriegen könnte, die mit dem terriblen Termindruck (immerhin nur 5 Monate für 30 Sekunden) und allen anderen widerlichen Widrigkeiten des Arbeitsmarkts keine Probleme hätten?

(Es geht immer noch um den Teaser für „Ashby House“.)

TORN TOGETHER, AGAIN

Dealing dealing dealing dealing dealing with it. Es passiert gerade nicht viel außer Durchhalten. Sie sehen mich funktionieren. Was ein nicht ganz so schöner Ausdruck ist wie Zusammenreißen, das ist doch ein plastischeres Bild und beschreibt viel besser das Erwachsenenalter, wenn einem post-therapeutisch klar geworden ist, dass man zwar viel Unangenehmes, gar Leid erlebt, aber trotzdem noch eine überschaubarer werdende Strecke vor sich hat, und man kann es sich leicht machen und sich dem Leid hingeben, die Ärgernisse auflisten, den Schmerz zelebrieren, oder man strengt sich ein bisschen mehr an und konzentriert sich auf die paar schönen Dinge, dies es ja auch gibt. Schreibt sich ganz leicht, ist aber manchmal auch ein Mordsakt.

Zusammen reißen auseinander schreiben geht auch gar nicht, aber für den Anblick musste ich´s gerade mal tun.

THE DISAPPEARANCE OF ALICE CREED

Den Katastrophenfilm nach einer 3/4 Stunde ausgemacht, ich habe keinen Rezeptor für chinesisches Kino, denke ich, hab das nur so aus dem Augenwinkel verfolgt. Bis ich heute Nacht aufwache und gerade so, durchs Aufwachen, einer Schneelawine entkommen bin, die sich bis in den Garten des Elternhauses erstreckte.

Tags zuvor, ein anderer Film. „Wie fandst Du den?“ fragt mich die hübsche Blonde in der Videothek, als ich am Samstag DVDs zurückbringe und ich freue mich, dass sie fragt, denn das war genau die Art Film, wo man den Rückseitentext liest, intrigued ist, aber es stimmt ja nicht immer alles, was hintendrauf steht, siehe Katastrophenfilm-Katastrophe, also fragt man besser nach.
„Ich bin hin und her. Es stimmt, dass der genial konstruiert ist und tatsächlich mit jeder Menge Unerwartetem aufwartet, was ja bei einem Kammerspiel bemerkenswert ist. Aber ich mag Gemma Arterton nicht. Ein gut gemachter fieser kleiner Film. Aber man hat keine Sympathie für die Charaktere. Trotzdem sehenswert.“

Das Problem mit den Angestellten in Videotheken ist ja häufig, dass das nicht Leute sind, die man fragt, wie sie einen Film fanden. Bin froh, dass ich jetzt eine Ansprechpartnerin habe. Das ist doch handfester, als sich per App die IMDB-Kritiken durchzulesen.

LOKALWAHLLOKAL

Der Bürgerpflicht nachgekommen, aber freudlos. Aus Langeweile den Speiseplan des Pflegeheims durchgelesen, in dem das Wahllokal sich dieses Jahr verbirgt – ich versteh nicht, warum die jedes Wahljahr woanders sind. Verscherzen sie es sich mit den Schulen? Sind Wahllokalbetreiber Mietnomaden, die die Stimmzettel durch die Flure streuen und diese Menschen, die da sitzen, deren Funktion in der Häufung mir auch nicht plausibel ist – sie sitzen da mit Tassen vor sich und schaue den Wählern in der Schlange zu. Eine hat zumindest die Funktion die Urne zu deckeln, bis man seine Stimmzettel hineinfüttert, ansonsten sitzen und starren sie nur. Kann schon sein, dass sie ihresgleichen auch zurücklassen, nach der Stimmzählung, und am nächsten Tag findet man dann eine bereits leicht anwesende Leiche vor und es bleibt nichts, als Vera Int-Veen anzurufen und dann wird erstmal tüchtig geschrubbt und die Leiche für RTL fotografiert. Und welches Schulkind sitzt schon gern auf einem Stuhl mit Fäulnisbefall und sonstigem unaussprechlichen, das ist eine Zumutung, verdammtnochmal-finden-besorgte-Eltern, eine echte Zumutug. Zurück zum Speiseplan. Montags gibt es Sahnesuppe. Sahnesuppe. Hab ich noch nie von gehört und kann nur hoffen, dass ich niemals in so einem Heim enden werde. Vielleicht sollten die das zur nächsten Wahl in einem echten Lokal machen, meinetwegen in einem mit Juke-Box samt Bon-Jovi-Klassikern aus den 90ern. Da käme dann wenigstens Stimmung auf. (Verlässt kurz den Schreibtisch um den Ipod zu holen und auf Bon Jovi zu shuffeln. I´m a cowboy. Ona steeeeel horse I ride! I´m wanted. Waaaaanted. Dead or alive… Oder dem Ficken 3000, dann bekäme auch die Eltern- und Großelterngeneration den umstrittenen Schwulunterricht. Aber dann hätten wir auch wieder das Problem Sahnesuppe.) Und ansonsten: Immerhin sind heute die Haare sehr schön und jetzt geh ich und wechsle meinen Gas-Anbieter und spare 400 Euro auf einen Schlag. Da wird einem die Wahl leicht gemacht.

ROSE´S TURN

Ein Tag wie ein Selbstgespräch. Die Cast kommt langsam, sehr langsam zusammen. Aber jeder ein Charakter, der sich in die versammelte Mannschaft einfügt wie selbstverständlich. Manchmal wünschte ich, ich hätte ein Development-Team, mit dem ich am Buch arbeiten könnte, dann merke ich, dass ich das selbst bin, es ist halt ein lonely process auf der einen Seite. Auf der anderen ist es ein sehr verletzliches Stadium für ein Projekt, noch, und ich weiß nicht, wie ich auf Kritik oder Ratschläge reagieren würde. Beim Ghostwriting waren das mitunter qualvolle Prozesse, wenn ich in eine Richtung wollte, der Auftraggeber in eine andere. Sowas fällt weg. Man spuckt seine eigenen Rosen.

11.09.2011

Wieder so ein Tag auf dem Wasser, an dem man nicht spürt, dass Zeit vergeht, erst, wen man zu Hause in den Spiegel schaut und es an der Hautfarbe erkennt, oder wenn es schon dunkelt, wenn man sich auf die Rückfahrt macht. Treibholz und Laub, nur noch ein Schwan übrig, und dieses Jahr die erste Sichtung von Edelgard A., einer Schlachtensee-Institution, die ich dieses Jahr schon schmerzlich vermisst hatte. Es ist nicht der Schlachtensee, wenn man nicht Edelgard begegnet. So kann ich beruhigt in den Herbst gehen, die Saison ist vermutlich vorbei, je öfter ich das sage, desto mehr strengt sie sich ja vielleicht noch an. Leider nicht gesehen: das Hütchenboot. Beim letzten See-Nachmittag hatte ich ihn auf sein schickes Boot angesprochen, das durch ein weniger auffälliges ersetzt worden war. Der Hipster berichtete, das erste sei einer Zigarette zum Opfer gefallen, man kennt das ja, Glut verbindet.

Zum tosenden Gewitter dann von den Blitzen beleuchtet lassen und laut Peter Murphy gehört – die Platte eignet sich genau für solche Tage, Gewittermusik, die beste Platte von ihm seit „Deep“. Schauen Sie sich den Clip ein paar Beiträge weiter unten an – Chor und Finale sind atemberaubend schön.

Aus Datumsgründen dann die Dokumentation der Brüder Naudet angeschaut, die wirklich alles schildert, was es diesbezüglich zu schildern gibt, was die Geschehnisse vor Ort angeht und darüber hinaus ein berührendes Bild der New Yorker Feuerwehr zeichnet. Heroes.

ONE OF THOSE BERLIN MOMENTS

Stehe mit dem Installateur des neuen Raumthermostats vorm soeben installierten Raumthermostat.
„Wissen Sie, an wen Sie mich erinnern?!“
„Nee?“
„Meinen Schwager. Der ist gestern gestorben. Lungenkrebs.“
„Ach. Das tut mir Leid.“
„Na ja, der war ziemlich verkorkst.“
„…“
„Nee NEE – ich meine vom Aussehen her!“