„Forbes“ hat die alljährliche Liste der meistverdienenden Verstorbenen veröffentlicht und laut der ist der Kinderschändersänger auf Platz 1 und Elvis auf Platz 2, Marilyn hat es mit 27 Millionen Dollar lediglich auf Platz 3 geschafft. Was man bei diesem Ranking außer Acht lässt ist, dass Marilyn keinerlei Produkt außer ihrem Image hinterlässt. An ihren Filmen war sie kaum beteiligt. Aber die umtriebige Nachlassverwalterin Witwe Strasberg sorgt dafür, dass das Bild von Marilyn auf Senfgläsern, Aschenbechern und Kaffeetassen weiterlebt. Was nicht so schmerzen würde, wenn man wüsste, dass Marilyns Hab und Gut eigentlich unter Freunden verteilt hätte werden sollen – stattdessen wurde es bei Christie´s für viele Millionen Dollar versteigert. Dann gab es noch diverse Stiftungen, die Marilyn testamentarisch bedacht hatte – nur, dass zum Zeitpunkt ihres Todes die entsprechenden Summen gar nicht auf ihrem Konto waren. Ich schätze, dass diese Stiftungen auch von den 27 Millionen keinen Cent sehen werden. Wenn das schon alles ziemlich disgusting erscheint, dann kann man das als Nachlassverwalter noch toppen, indem man die die Fotografen (bzw deren Erben) verklagt, die die Rechte an Fotos von Marilyn besitzen. Schließlich gehöre ja die Marke, das Image Marilyn Monroes dem Nachlass und somit der Witwe Strasberg. Und die schafft es nicht einmal, dass die Grabplatte in dem Sargschrank, in dem die sterblichen Überreste von Miss 27 Millions 50 Years after Her Death ruhen, gereinigt wird, denn die ist vom vielen touristischen Händeauflegen schon ganz marode. Übel.
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THE CHUBBY WHITE DUKE
Das Bauchgefühl hatte gesagt „Bleib zu Hause, geh´ nicht zum Konzert!“, aber wie das so ist, man hat die 30 Euro für´s Ticket ausgegeben und Fernsehabend kann man jeden Abend machen, Peter Murphy kommt aber nur alle paar Jahre, also hin. In der Raucherschleuse des Postbahnhofs sitze ich frierend mit Twig, dem Wonderkid und wir erzählen uns, was alles so passiert ist in der längeren Zeit, in der wir uns nicht gesehen haben. Nebenan spielt eine Vor-Band, hauptsächlich laut, praktischerweise nennen sie sich auch „Loud Boys“. Dann ist Bühnenumbau, die zweite Lästigkeit neben der Vorgruppe, wenn man mit einer Vorgruppe arbeitet. Schließlich kommen ohne großes Tamtam die Musiker auf die Bühne, zuletzt auch mein Teenie-Idol. Er fängt mit Bauhaus an, 1 zu 1, irgendwie kein schöner Opener im Berliner Herbst, ich hätte mir etwas Frischeres gewünscht. So mit einem Meter Abstand zur Bühne sieht man auch mehr als man müsste, aber ich will nicht meckern, ich hab selbst ein paar Kilo zuviel, nur dass ich dann keine hautengen Kapuzenshirts anziehe, in denen sich alles abzeichnet, Bäuchlein, lovehandles und Moobs. Auf Bauhaus folgen ein paar der schwierigeren Songs der neuen Platte, endlich irgendwann „I spit Roses“ – wirklich wirklich schön. Nach ein paar Liedern wendete er sich auch dem Publikum zu und erklärt, was sein heutiges Ziel ist – „I want to be hit on“, und schmeißt sich auch gleich an ein paar Damen in der ersten Reihe. Es gibt ein bisschen Hand an Hand legen, und er beweist Selbstironie, wenn er erklärt wie sich Sex mit ihm anfühlt „legendary and iconic“. Immer wieder sucht er singend Blickkontakt und ich gestehe, und es ist mir peinlich dies zu gestehen – ich find´s peinlich. Das eine oder andere schöne Lied, dann wird die Stimmung immer wieder gebrochen mit schwer Verkraftbarem, im Notfall wird einfach wieder Bauhaus aus dem Hut gezaubert, den er – zumindest solang ich noch da bin – nicht abnimmt. Als er sich eine Blondine Anfang 20 ausgeschaut hat, für die er das Kapuzenshirt öffnet, damit sie seine Speckröllchen begutachten und berühren kann, dann noch eine Handvoll Männertitten grabschen darf, ist das Maß an Peinlichkeit gesprengt, es kann wohl nicht schlimmer werden. Doch dann singt er, während die Groupie-Blondine ihre Hände über ihn wandern lässt, und man kann nicht mehr von Sprengung sprechen, wir nähern uns der Vaporisierung.
Aus Selbstschutz verabschiede ich mich und trete den Rückzug an, aber es ist vielleicht schon ein bisschen zu spät. Ein großes Stück Achtung liegt jetzt auf dem bierig stinkenden Fußboden des Postbahnhofs. An diesem Abend wurde sicher noch das eine oder andere Mal darauf herumgestapft, aber immerhin musste ich es nicht mitansehen.
(Interessanterweise fand ich es keine 60 Minuten später das Gegenteil von degoutant, als ich meiner Lieblingsschauspielerin (Anfang 60), bei Zärtlichkeiten mit einem Mittzwanziger zuschaute. Hm. Ich schätze, man kann das mit Stil tun, oder eben auch plump. Bei Jessica hatte es Verwegenheit, Desire and Despair, bei Peter kam es einer Notdurft gleich.)
ALLÜBERALL MEERJUNGFRAUEN, IRGENDWIE
Aszendententag mit der Zubereitung einer herbstlichen Kartoffelsuppe und dem Karamelisieren von Zwiebeln begonnen. Jetzt riech ich wie Küche und muss nochmal nachschminken und ein bisschen Givenchy drübersprühn. Stephen singt von „Memory and Desire“ und prompt erinnere ich und dann zieht das Sehnen und Begehren – stellen Sie sich das wie ektoplasmische goldene Gummibänder vor – und ich überlege, ob ich wirklich das Tryptophan absetzen soll, warum im Herbst Risiken eingehen? und schenkt der Herbst Dir goldene Gummibänder – mache Gummitwist.
Gestern fiel mir ein Wort ein, das perfekt den Sachverhalt beschrieb, den ich zu formulieren gedachte, und eben denk ich – na, ich werd wohl kaum der Erste sein, der das so sieht und Dank Wikipedia weiß ich jetzt, dass das Wort quasi patentiert wurde von einem Mann mit dem schlichten Namen William James, und der war schon 1895 drauf gekommen. Das schöne Wort beantwortet nicht nur Fragen, sondern wirft auch neue auf und so summiert sich der Rahmen des neuen Romans auf „Was, wenn das Multiversum existiert? Und was, wenn in allen Versen Unzufriedenheit herrscht?“
Und jetzt noch einen Kuss in die Runde an die heutigen Geburtstagshelden! See you with soup!
KW42
Es passiert gar nichts. Alles ist ein einziges Abwarten.
SATURDAY IN THE KIEZ WITH SKAILIGHT
Zu Fuß durch den Kiez, es ist kalt und sonnig, kuckma hier ein neues Café, da eine Bäckerei, die ein bisschen wie ein Puff aussieht, da „Hey Glammie-man!“ „Hey man where´ve you been?“, und nach dem Erwerb von Muffins und Crémant setzen wir uns vor einem Café in die Sonne und trinken köstlichen Chasselas, was die Schweizer Bezeichnung für Gutedel ist. Eine Wespe, die noch nicht begriffen hat, dass es Herbst ist, wenn auch ein goldener, will uns nicht in Ruhe lassen, bis das Skailight ihr eins vor den Kopf gibt. „Von wegen Vegetarier!“ „Na glaubst Du, ich würde Wespen essen?“ Während wir sitzen und über Erziehung, was gut war in diesem Sommer, was nicht geklappt hat in diesem Sommer – „Dabei sah es alles so gut aus!“, „Ja, ich weiß, es fühlte sich auch so an, aber es ist wie es ist.“, Schwangerschaft, Hunde, Raben und Elefanten reden, laufen ständig Nachbarn an uns vorbei, grüßen freundlich, gehen weiter, wir bestellen noch einen Wein und reden weiter und dann erleben wir die Nachbarn, wie sie von ihren Wegen wieder zurück nach Hause kommen, freundlich nicken, „Hattest Du mit dem nicht mal ein Techtelmechtel?“, „Ja.“und dann ist es schon Nachmittag, ein gutes Dutzend Menschen mit Rollkoffern ist an uns vorbegesaust „Den Rollkoffer hätte man erfinden müssen – und sofort patentieren – und auf jedem Rollkoffer müsste dann ein Glammie-Logo angebracht sein, so wie auf einer CD das CD-Logo.“ Als die Sonne in die nächste Straßenschlucht verschwunden ist, packen wir unsere Sachen, auf einen Kaffee zur Amerikanischen Nachbarin, und gehen und lachen über vermeintliche Teenie-Slasher und Goldie Hawn, nur als Goldie über einen Elefanten weint, muss ich auch ein bisschen weinen, aber dafür muss ich mich nicht schämen, ich bin ja unter Freunden, und der Strike kommt auch noch vorbei. One fine day.
MY WEEK WITH MARILYN
Ein Film, der auf einem Buch basiert, das sich als biografisch ausgibt, wofür aber jeglicher Beweis fehlt – vermutlich eine reine Fantasie. Und trotzdem bin ich gespannt, denn seit Mira Sorvino spielt das erste Mal wieder eine richtige Schauspielerin die Marilyn. Ich traue ihr viel zu und bin gespannt, ob man, wie es bei guten Biopics gelingt („Grey Gardens“ allen voran), den visuellen Vergleich abstellt. Emotional scheint Michelle Williams die Marilyn einfangen zu können, sieht man von der Zwinker- und Arschwackelszene ab – die ist eine Unverschämtheit. Das Beste am Trailer sind die Einstellungen, die inspiriert sind von Marilyn-Fotos, die nicht das Glamourprodukt, sondern die zarte, zerbrechliche Person zeigen, die unsicher durch die Welt geht und im Zwiespalt mit dem Wesen steht, das sie geschaffen hat. Eddie Redmayne ist es natürlich auch wert, dass man sich den Film anschaut.
WAITING FOR KATE, PREPARING FOR BLOG-MOVE
Gleich „Wild Man“ auf BBC2. Das Warten überbrücken mit WordPress-Blog basteln. Es kann nicht schaden, sich mit WordPress vertraut zu machen, irgendwie ist bei twoday gerade so eine Stimmung, als würde das hier nicht mehr lange weitergehen. Nun ist WordPress etwas komplizierter, bietet aber auch mehr Möglichkeiten – dennoch eine Horrorvorstellung, mit 4000 Artikeln umzuziehen. Also fange ich mit dem Autorenblog an, da ist noch nicht soviel gepostet. Wenn der vorzeigbar ist verlinke ich ihn hier.
BIRTHING
Vertiefende Studien halten gerade mein Gehirn in Betrieb. Ich besichtige Räumlichkeiten und sehe Möglichkeiten. Die neuen Figuren fangen an, sich zu bewegen, ich verfalle immer wieder in apathisch-scheinenden Modus, sitze irgendwo und starre ins Leere, während vorm inneren Auge eine Nebenfigur sich in irgendeiner Weise verhält und ich sie kennen lerne. Es kommt mir sehr langsam vor, aber gleichzeitig scheint es genau das richtige Tempo zu sein. Kaum Kapazität für Lesen oder die Spannungsbögen größerer Formate.
LES FEUILLES VIVANTS
Noch einmal die Haut gegrillt und das Hirn gelüftet, sogar nochmal zur Hälfte im Wasser gewesen, Sie können raten mit welcher Hälfte und aus welchem Grund. Dann, zurück im Kreuzberg, auf dem Balkon Unkraut gejätet, dabei eine selbstentsäte Kornblume entdeckt und etwas, und es roch ganz bezaubernd zitronig, blieb ohne erkennbare Herkunft, und die Zitrone, durch die hindurch ich jätete, wer Zitronenbäume kennt weiß um ihre unglaublichen Dornen, sie stach mich nicht ein einziges Mal! (Und ich höre jetzt einige von ihnen reflektieren – na, wenn er die Zitrone vor sich hatte, dann kam wohl der zitronige Duft von der, ha ha ist der blöd der Dick, aber da muss ich Ihnen Nichtwissenden kontern, dass Zitronenbäumchen, wenn sie blühen, was ja im Oktober schon mal gar nicht der Fall ist, dass die nämlich, wenn sie im Frühling blühen, zwar duften, ganz betörend sogar, aber eher in einem Spektrum zwischen Gardenie und Lilie. Und die Frucht, die zwar zitronig riecht, schneidet man sie auf, eine ganz lange Reifezeit hat und noch lange nicht soweit ist. Vermutlich sogar erst, wenn ich sie im nächsten Frühjahr wieder auf den Balkon lasse. Noch was, auf das ich mich im Frühjahr sehr freue. Was vorfreuen angeht – die Woche kann kommen. Morgen treff ich die Lieblingsdänin, am Donnerstag ist die liebste Lieblingskünstlerin ausstellend in der Stadt, und am Wochenende treffen die Lieblingskollegin, der Lieblings-Strike und ick auf den Herrn Schneck Boah is da wat los im Oktoberlin!
FLAMING OCTOBER
Beim Selbst-Googeln war ich auf die englischsprachige Synopsis von „Ashby House“ gestoßen, die die Inhaltsangabe erst richtig rund macht: „For years, Ashby House has been on a top secret document listing Britain’s paranormal activity hotspots.“ Und das auf der Seite der foreign language licenses des Verlages. Dann noch erfahren, dass die Rechte bereits in Frankfurt angeboten werden, also eine Woche nach Serienstart von „American Horror Story“, somit pünktlich zum Comeback des Haunted House! Ebenfalls erfahren, dass die Vertreter erfreuliche Buchhandels-response bekommen haben, was den Verlag dazu veranlasst, bereits im November über weitere Projekte zu entscheiden und nicht erst die Verkaufszahlen nächstes Jahr abzuwarten. Das Gefühl zur richtigen Zeit in den richtigen Händen zu sein.
Am Samstag habe ich Termin mit einem sehr spannenden Gebäude. Und angesichts 24° am Sonntag könnte ich mir vorstellen, noch eine Woche länger mit schwarzen Wurzeln durch das böse Berlin zu wandeln und statt Blondieren noch einmal die Boote klar zu machen.