Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

POST PARTUM (sans dépression)

Die ersten Leser lesen, das Honorar für die Fortsetzung ist angewiesen und das Leben geht weiter wie gehabt. Frust im Job bleibt frustrierend, Freude über gutes Entertainment erfreut („Vincent will Meer“, courtesy of Lucky.). Ich schreibe, mit ennervierend langsamem Output, der in keinem Verhältnis zum Tempo der Geschichte steht. Einfach zu wenig Zeit. Aber immerhin ist der Miggi wieder an Bord. Parfum ist aus. Das einzige, das noch vorhanden, ist eine Flasche No 5 aus dem Jahr 1986. Erstaunlicherweise ist es nicht umgekippt, es duftet immer noch wie Marilyn. Aber heute werde ich Givenchy aufstocken und mir vielleicht noch ein Kleidungsstück zulegen. Derweil hoffen, dass Menschen das Buch kaufen und lesen und darüber schreiben. Und es ist mir schon klar, dass einige das Buch so richtig richtig Scheiße finden werden, Gott sei Dank macht mir das weder Angst noch Sorgen. Das ist so wie mit Leuten, die mit dem Blog/ mir überfordert waren. It doesn´t hurt me. Das Geschriebene ist so ein abgekapselter Teil von mir, der stärker ist, als ich oft bin. Wie ein Kind, das im Kampfsport punktet.

DER MIGGI

Die Angst heißt bekanntlich Monika, heut hab ich einen Namen für die Inspiration gefunden – sie heißt Miggi. Sie ist ein polyamouröser Latino. Man weiß nicht, ob er heute kommt oder doch erst morgen, subjektiv erlebt man, dass er, wenn da, mal wieder zu spät ist, die Uhr sagt das auch, aber wenn er da ist – WOW!
Heut ist leider so ein Miggi-freier Tag. Es macht auch keinen Sinn, auf ihn zu warten, da nutzt man die Zeit besser sinnvoll. Die Laune, die sich senkt, wenn Miggi auf sich warten lässt, habe ich genutzt, eine Passage zu schreiben, in der jemand auch unzufrieden ist und auf etwas wartet, das ausbleibt. Aber mehr muss ich heut nicht, ich hab sechs Arbeitstage hinter mir und mach heut vielleicht einfach mal nix und fühl mich dabei schuldig.

SWOON

Anfang der 90er war der Film an mir vorbeigegangen, umso mehr freute ich mich, als ich jetzt auf ihn aufmerksam wurde. Aus dem Frühwerk des „Savage Grace“-Regisseurs Tom Kalin, erzählt „Swoon“ die Geschichte eines amerikanischen Verbrechens, das nicht nur Geschichte machte, sondern auch nachhaltig kulturelle Inspiration lieferte – Hitchcocks „Rope“ basiert lose auf den Geschehnissen im Chicago des Jahres 1924.
Zwei attraktive Studenten, Leopold und Loeb (ja, ich weiß, klingt eher wie ein Broadway-Team), beweisen sich ihre Liebe und ihren Zusammenhalt, indem sie kleinere Verbrechen begehen. Zum katastrophalen Höhepunkt ihrer Liaison beschließen sie, einen Menschen umzubringen. Und tun es. Opfer ist der 14jährige Bobby Franks. Während den Elter ein Kidnapping vorgespielt wird, ist der Leichnam des Kindes bereits beseitigt. Es dauert nicht lange, bis die Täter ermittelt werden – soviel zum Erfolg des geplanten „perfekten“ Verbrechens. Vor Gericht wird nicht nur der Tathergang an die Öffentlichkeit gebracht, sondern auch das skandalöse Verhältnis der jungen Männer. (Bei den Details über ihr Liebesleben, werden die Frauen gebeten den Gerichtssaal zu verlassen.)

Kalin hat mit dem Opfer der Mörder soviel Mitleid wie die Mörder selbst. Keines. Die Tat dient ihm nur als Illustration der Beziehung der Männer. Auch die bleiben seltsam weit weg. So wirken sie wie Pornopostkarten einer fernen Ära, ihre Gefühle werden an keiner Stelle nachvollziehbar. Vordergründig wirken die Filmbilder elegant, was jedoch allein an der gekonnten Schwarzweiß-Fotografie liegt. In Farbe würde das bescheidene Budget und die Sparmaßnahmen in der Ausstattung nur allzu deutlich ins Auge stechen. Zwischen der Bilderwelt von „Swoon“ und „Savage Grace“ klaffen Welten (liegen aber auch immerhin 15 Jahre). „Savage Grace“ ist allerdings auch nur, was die Bilder angeht, bemerkenswert. Wenn man die Vorlage kennt, weiß man dass Kalin sie in den Sand gesetzt hat. Rückblickend auf „Swoon“ hat das allerdings Tradition. Vielleicht ist es sein Markenzeichen, historische Mordfälle mit einer vermeintlichen Ästhetik zu bepinseln. Das zwischenmenschliche Grauen, das in solchen Fällen steckt, berührt in seinen Filmen kaum. Die Filme lassen einen kalt. Auch irgendwie bemerkenswert, aber nicht meins.

HACKBOOK

Drum merke: wenn jemandes Facebook-Account gehackt wurde und Du mit ihm darüber auf Facebook kommunizierst, dann solltest Du im Hinterkopf behalten, dass Du wahrscheinlich gerade mit dem Hacker kommunizierst.

DIE WELT UND GLAM

Geplant war, die melancholische Reunion eines getrennten Paares zu schreiben. Stattdessen stehen die vor Madame Tussaud auf den Linden und lachen einander aus. Ich hab erstmal genug heute, die Biester machen was sie wollen.

Es fällt schwer, sich auf einen Film zu konzentrieren, wenn hinter einem Jake Gyllenhall sitzt, und ich weiß was er meint, frage mich allerdings, warum auf einen Film konzentrieren, wenn Jake Gyllenhall hinter einem sitzt?

Aus Georgien schreibt jemand, er möchte bitte nichts per Post geschickt bekommen, weil das Postsystem in Georgien noch nicht so ganz flächendeckend ausgearbeitet ist. Kann man Prinzessin Gloria da nicht vielleicht aussiedeln mal hinschicken?

Aus Los Angeles, West Hollywood, schreibt eine Freundin. Sie kommen heim vom Dinner und aus allen Fenstern hört man Whitney Houston. Es sei eine ganz andere Stimmung, als nach dem Tod des King Paedo of Pop.

In Uganda kann man dafür bestraft werden, wenn man von einem Homosexuellen weiß und ihn nicht denunziert. Ich möchte ab sofort keine Mails aus Uganda mehr beantworten oder immer dazu schreiben, dass ich schwul bin und sie dann anschwärzen, wenn sie mich nicht verpfeifen. (Anschwärzen in Uganda. Oh Mann!)

WARTE NOCH EIN WEILCHEN

Es ist so ein pling pling pling. Es kündigt sich an. Das Baby, das man geboren hat, das im Kindergarten war und in der Vorschule, plötzlich ist man eine Eiskunstlauftrainerin oder Hollywood-Mama und man schickt das Kind, I don´t know, auf ein Internat? In den Glee-Club? In die High School, in der es den Glee-Club gibt? Ich freu mich über alle, die sich jetzt schon mit mir freuen, aber bin vor allem darauf gespannt, was sie sagen, wenn sie das Kind in seiner Uraufführung gesehen haben.

Ansonsten ist ein klassisches Putz-, Schreib-, und Chill-Wochenende geplant. Blöderweise das Entertainmentpaket erst am Freitag in Auftrag gegeben. Da ist Material drin für ein weiteres Projekt, in das ich schon viel Zeit investiert habe und das mich seit zehn Jahren fasziniert, eigentlich noch viel länger. Und dann natürlich Blondieren chez Lucky. Ich hatte kurz erwogen, mich vom Blond zu verabschieden, aber es ist noch nicht soweit. Ich möchte noch mindestens einen blonden Sommer. Ich schaue auch jeden Tag auf ein Foto von mir an Marilyns Grab. Brünett. Sowas grämt mich im Nachhinein noch.

CHRIS DVORAK

Mittwoch und das Buch ist noch nicht da. Aber was sind ein paar Tage, gemessen an der Dauer von Ur-Fassung bis Belegexemplar. Den Morgen mit so Bürokratischem verbracht. Steuerschulden, Brief an Hausverwaltung. Hauswirtschaftlich alle Betten frisch bezogen, Wäsche gewaschen.

Habe ich schon erwähnt wie sehr ich das Alleinsein, bzw die Mitbewohnerlosigkeit genieße? Das Gastgeben macht soooo viel mehr Spaß, als jemanden permanent hier zu haben. Die Zeiten mit Roomie waren die große Ausnahme, und gute Zeiten haben wir auch jetzt, wo wir nicht mehr zusammen wohnen, nur eben seltener, und dafür gar keinen Zusammen-wohnen-Stress.

Zum Schreiben ist jetzt nicht mehr ausreichend Zeit, heute ist mehr so ein Sammel-Tag, wo ich Notizen mache und im Blog Sachen finde, die ich unterbringen möchte. Viel notiert. Seltsamerweise sind die Glam-Passagen meist die, die zu einer der neuen Nebenfiguren passen, die wohl auch nicht zufällig in einer Parallelstraße wohnt. Das war eigentlich nicht geplant, aber da ist Schreiben dem Träumen sehr ähnlich. Das macht man so und später kann man dann Freud spielen, weshalb eigentlich was wo mit wem, und Heidi hat sicher Recht, wenn sie sagt, dass wir im Traum alle Figuren sind. Lucky sagt, das sagt sie vielleicht auch nur, um einem zu Denken zu geben. Man weiß es nicht.

Und dann hatte ich heute dies in der Mailbox.

JDVKL

Thank you, Frankie! Mahhhhvelous.

DAS ALLES KOMMT MIT

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen/ gestattet, ab Seite 100 wieder mein social life zu reanimieren. Seite 30 ist immer die erste genommene Hürde – dann hat man ausreichend Material für die Leseprobe, die man mit dem Exposé abgibt. Seite 100 bringt immer das Gefühl, den ersten Akt geliefert zu haben. Und dann sollte mal wieder Zeit sein, einen Kaffee trinken zu sehen, oder abends was essen oder trinken. Jetzt bin ich aber so im Text, dass ichgerade keine soziale Ader habe. Und es fehlt mir auch nicht. Arbeiten zu gehen und parallel ein Paralleluniversum zu gestalten ist ziemlich viel Action, zumal beides so hinüberblendet. Den Stress, den die neuen Challenges im Job bringen, lasse ich so wenig im Büro wie den Roman zu Haus.
Es ist vielleicht seltsam, dass die Zahl 100 so eine Erleichterung darstellt, weil das Anliegen beim Schreiben ja nicht ist, möglichst viel zu schreiben. Aber die tägliche Aufgabe ist es, etwas Unterhaltsames zu produzieren, Spannung zu erzeugen, Figuren und Szenarios glaubhaft zu gestalten, und da tut es gut, zu sehen, dass man vorankommt, noch dazu mit dem Gefühl, dass man den eigenen Ansprüchen genügt. (Und außerdem noch jede Menge revision und revamping vor sich hat. Mr. Smith beispielsweise muss nochmal neu angelegt werden, oder abgerundet, der funktioniert noch nicht.)

HORROR DRAMA COMEDY PORNO oder A DAY IN THE LIFE OF SOMEONE WHO STAYED HOME

Am Samstag die Wohnung nur einmal verlassen, zum Lebensmitteleinkauf. Knackig kalt, aber sonnig. Es kam mir dann fast blöd vor, mich ins dunkelste Zimmer zu setzen und dort zu schreiben, aber den Schreibtisch umzusetzen war zu aufwändig. Nicht viel geschrieben, aber es schön krachen lassen. Am Nachmittag dann „Brokeback Mountain“ noch einmal angeschaut, tief bewegt. Nicht nur wegen der Geschichte und der durchweg herausragenden Schauspielkunst, sondern auch wegen der unglaublichen Bilder – nicht nur die Aufnahmen in der Natur, sondern vor allem die Einstellungen in den Wohnungen der Männer. Edward Hopper. Weil ich den Kaffee vergessen hatte – eingeschlafen und mitten in der Nacht aufgewacht. „Pineapple Express“. James Franco, sehr süß. Sehr bizarr die Porno-Werbeunterbrechungen, in denen Frauen fast aller Altersklassen ihre Brüste kneten und mit ihrer Zunge schlabbern, dass es einem Angst und bange wird.