Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

THE SPOOKY WOOD

Am Freitag erst Zahnarzt, dann Polizeikontrolle.
„Haben Sie Alkohol oder Drogen zu sich genommen?“
„Hat schon einmal jemand darauf mit „Ja“ geantwortet?“
(Besser wäre gewesen „Wenn ich Crack ausliefere, achte ich darauf, selbst nicht mehr als ein, zwei Pfeifchen geraucht zu haben.“)
„Hatten Sie sonst schon Kontakt mit Drogen?“
„NEIIIIIIIN!“
Die geben einem immer das Gefühl, man sei gerade noch einmal so davongekommen, glimpflich (schönes Wort- wie ein Hobbit-Nachname – häufiger benutzen), obwohl man gar nichts verbrochen hat und nicht einmal der TÜV abgelaufen ist.

Weiterer Polizei-Newsflash: Die Ermittlungen wegen Fahrerflucht und Sachbeschädigungs-whatever werden voraussichtlich eingestellt, da die Lackprobe am beschädigtem und meinem Fahrzeug nicht übereinstimmend waren.

Heute weiterschreiben nach zwei Tagen off. Bin in einer Sequenz, die schon beim Schreiben unglaublichen Spaß gemacht hat und die mich im Kopf, im Geist und im Herzen durch die Woche getragen hat. Klassisches bad-time-feelgood-moment. Oder Kitschfest mit Faun.

FILMSTÖCKCHEN

Herr Beethoven hat mit einem Filmstöckchen nach mir geworfen und ich hab´s aufgehoben. Frau Koma hat nur die 5 neuen Fragen beantwortet, aber bei Filmen bin ich Streber!

Was war Dein erster Kinofilm und hast Du ihn später noch einmal gesehen? Wie fandest Du ihn dann?

Das war „Das Dschungelbuch“. Als die Schlange ins Spiel kam mussten wir wegen meiner Schreierei das Kino verlassen. Das war erniedrigend. Ich habe ihn dann nie mehr sehen wollen und das auch durchgezogen.

Welches sind Deine drei liebsten Filmszenen und warum?

Sehr sehr schwer – zu viele Filme, die ich liebe. Eine Auswahl: Wenn Marilyn in „The Misfits“ die Frage stellt, ob wohl je ein Kind ohne Angst geboren wird. Jessica Langes Zwinkern als Big Edie in „Grey Gardens“. Und ein Neuzgang – die Flügelszene in „Black Swan“.

Hast Du schon einmal selbst einen Film gedreht, und sei es nur auf Video oder Super 8, so richtig mit Drehbuch, Maske/Kostüm und was war das für einer? Bzw. was wäre das für einer, wenn Du das machen würdest?

Damals war ich 18 und spielte die Hauptrolle in einem kleinen Horrorfilm, an dessen Drehbuch ich auch mitgearbeitet habe. Zu meinen liebsten Einstellungen gehört hier immer noch, wie meine damals beste Freundin Iris in den Raum stürmt, etwas brüllt, und man sie off camera auf den Boden plumpsen hört (was eigentlich nicht so geschrieben war.) Dann gab es noch eine Szene, in der ich in ein Zimmer stürmen sollte – es war ein Stürm-und Drang-Film – der Effekt wurde ein wenig dadurch beeinträchtigt, dass man die ganze Zeit vor dem Stürmen meinen Kopf durch eine Glasscheibe in der Zimmertür sehen konnte

Gibt es einen Film, der Dir Angst macht und den Du nie, nie, nie wieder sehen willst?

Von „Jesus Christ Superstar“ und „The Wiz“ einmal abgesehen: „An American Crime“. Zu echt, zu intensiv. Ich wünschte, ich hätte ihn nie gesehen.

Und welchen Film würdest Du gerne noch einmal auf der großen Leinwand sehen, der leider nur noch im TV oder auf DVD zu haben ist?

Nach „My week with Marilyn“ hätte ich jetzt große Lust auf „The Prince and the Showgirl“.

Jetzt die 5 Fragen von Herrn Beethoven:

Nenne einen Schauspieler, zwei Schauspielerinnen und drei Filme, die Du sehr gerne magst, und erzähle bitte warum!

Liam Neeson. Ich kann´s nicht erklären. Bis Liam Neeson hatte ich nie einen Vater-Komplex. Marilyn – weil es niemanden gibt, der auf der Leinwand solche Göttlichkeit ausstrahlt. Jessica Lange, weil mich keine Schauspielkunst mehr bewegt und berührt hat, als ihre. „All about Eve“ und „Sunset Bouevard“ – hier kommen Drehbuch, Besetzung und Schauspielkunst so genial zusammen, dass ich mich auf den Boden werfen, mit den Beinchen strampeln möchte und mit den Fäusten auf den Boden schlagen. Und, um einen dritten von 300 möglichen zu nennen: „Shortbus“, weil schlicht entzückend.

Bist Du schon einmal vorzeitig im Kino aus einem Film gegangen? Warum und aus welchem?

Béatrice Dalle als „Die sabbernde Hexe“ (oder so) hat mich dazu gebracht. Lebenszeit ist eine wichtige Sache, man darf sie nicht von solchen Machwerken rauben lassen, das gilt ebenso für Bücher. Ich finde es zwanghaft und suspekt, wenn Menschen Bücher zu Ende lesen, die ihnen nicht gefallen.

Gibt es eine Filmszene, in der ein Song gespielt wird, die sich Dir beide untrennbar ins Gedächtnis gegraben haben?

Ganz klar das „Elephant Love Medley“ in „Moulin Rouge“ und die Mozart-Sonate KV 331, erster Satz in „Frances“.

Welches ist Dein Lieblingskino und warum ist es das?

Da ich Kinos hasse, nicht wegen der Gebäude, lediglich wegen der Popcornfresser darin, gibt es keins. Wenn ich schon mal ins Kino gehe, dann ins Cinestar am Potsdamer Platz, weil es dort OV-Fassungen gibt, weil das „Billy Wilder“ die charmantesten Cocktails hat, und weil ich unerklärlicherweise das Sony Center mag.

Lieber Filme oder TVSerien? Warum?

Beides natürlich.

Und jetzt komm ich auch mal mit 5 Fragen:

1. Welches Remake brauchen wir?
2. In welchen Film würden Sie am Liebsten leben?
3. Wenn Sie ein Film wären (realistisch betrachtet) – welcher Film wären Sie?
4. Erklären Sie mir, warum Mery Streep als Hollywood-Star überbewertet ist.
5. Wer spielt die Hauptrollen in der Verfilmung Ihres Lebens?

Dies wüsste ich gern vonLucky, Hotel Mama und Ruhepuls!

OSTERN

Der Einkauf von Coke light lemon war dergestalt, dass der Lebensmitteleinkauf ausfiel. Muss halt reiche, was im Kühlschrank ist. Wohnung geputzt und mit schlechter Laune zwei Pflichtseiten geschrieben. Eine Szene eingeleitet, über die ich mir seit Wochen den Kopf zerbreche, für die ich unterschiedlichste Möglichkeiten habe und die dann doch erst auf der Seite, beim Schreiben entstehen wird. Vielleicht Instinkt, dass die jetzt am Ostersonntag geschrieben wird. Bei meinem momentanen Mini-Output wird´s vielleicht auch erst Montag.

Mich von den Walkers verabschiedet, eigentlich auch ein schöner Zombie-Name, vergeblich „The Walking Dead“ gesucht, stattdessen „Legion“, weil ich einen rigorosen Engel brauchte. Wie wir alle? Heute Augen wie geplatzte Pfannkuchen.

Ostern fiel in der Familie immer auf das Ende der Osterferien. Da hatten wir oft drei Wochen, in denen wir uns auf den Geist gingen und zu Ostern gab es dann meistens Streit. Weihnachten fahre ich gern zur Familie, aber Ostern war ich schon immer lieber in Berlin. In den Clubs, in denen ich unterwegs war, war dann hormonell immer der Frühling ausgebrochen. Jetzt sind die Clubbing-Days over, Ruhepuls-Karaoke musste aufgrund meiner Verstimmung gestern auch ohne mich stattfinden. Mir war nicht nach singen.

Gerade jetzt wäre ich allerdings lieber im Harz. Den Kindern beim Suchen zuschauen und England-Urlaubsfotos meiner Schwester und ihrer Familie anschauen – die hat es richtig gemacht und ist mit einem Hausboot über Kanäle Südenglands geschippert.

STEERPIKE, MODESTE, UND VIELLEICHT MARLEY UND ICH

Ein Spaziergang im Sonnenschein mit Mlle Modeste inklusive Kinderwagen mit Neugeborenem. Sowohl die junge Mutter, als auch das Kind zufrieden und gelassen und ein wunderbarer Gegenentwurf zur klassischen Prenzlauer-Berg-Mutter-Kind-Waldorf-Wahnsinn-Kombi. Einfach nur ein entspanntes Mutter-Sohn-Team, wow, und eine Modeste, die immer noch die gleiche Modeste ist, nur eben jetzt auch zusätzlich Mama. Milchkaffee vorm neuen Lieblingscafé, ein Gespräch, in dem es auch um Mutterschaft und Kinder geht, aber gleichberechtigt mit allen anderen Themen.
Zu Hause dann eine Pizza improvisiert, die mit die beste wurde, dich ich je gegessen habe. Aus dem Machmittagsschlaf um 0.00 Uhr erwacht und noch ein paar Runden mit den Walkers gelacht, geweint und das Herz gekitzelt bekommen.

Das Dreckswetter draußen kommt mir sehr gelegen, Schreibzeit. Nach all den weiblichen Reaktionen überlege ich eine Umbenennung des Romans in „Alle lieben Steerpike“. Vielleicht stelle ich ihm einen Goldenen Retriever zur Seite oder lass ihn in der Sonne glitzern und mit einer Regenbogenaura umgeben. Dann kann Edward Cullen einpacken! Dass die Abwesenheit einer Figur auch einen Spannungsbogen mit sich bringt, hatte ich nicht kalkuliert. Aber dieses Wochenende SPOILER ALERT wird der Bogen gekappt. (Bis Sommer 2013 haben Sie das längst wieder vergessen.)

GLAM VERFLUCHT KAUGUMMIMUSIK

Gut, dass auf „I fucked up“ der blöde Birthday-Song folgt. Hätt mich sonst gerissen. Well. Es hat. Aber auch nur, weil ich „Great Danes“ statt „great things“ gehört habe. Ich hol mir jetzt aber nicht die Madonna App. (Blame it on the Walkers, gestern nochmal mit der letzten Staffel Bros & Hos angefangen.)

3.4.12

Und dann sagt der Zahnarzt ab, er sei im Verzug, und so mach ich mich doch an den Text. Baue ein paar der neuen Erkenntnisse und Recherchen ein, die Klauen, die weiß sind – in Erinnerung hatte ich sie messingfarben, ein paar architektonische Details. Und wieder einmal die Erfahrung, dass der Text gar nicht hakt, wo ich dachte. Es war nur die Anstrengung unter der er an diesem Tag entstand, die für ein blödes Gefühl sorgte.

Das Aufstocken der geschriebenen Seiten mit Details fühlt sich gut an, wie polieren oder dekorieren. Eigentlich das Beste am ganzen Prozess.

TEETH AND TAXES

Statt schreiben – Umsatzsteuervoranmeldung. Belege sortieren, rechnen, sich wünschen, mehr Geld ausgegeben zu haben, das man in Abzug bringen könnte. Die Steuer vorgeschoben, um nicht zu schreiben, das ist neu, dass ich die Steuer irgend etwas vorziehe. Der Text hat sich gerade verhakt. Die Lösung des Hakens kommt meist, wenn man gerade nicht schreibt. Oft beim Duschen. Vielleicht nachher beim Zahnarzt, der mich immer an eine solide Grundangst zurückführt, die aber so verbreitet ist, dass sie nicht wirklich zählt. Zahnarztangst. Die macht Sinn – man befürchtet Schmerzen. Die hat auch den Vorteil, nur ein, zweimal im Jahr aufzutreten.

INTRODUCING PETRA

Die Woche wöchelte so vor sich hin, ereignisarm, so dass ich beschloss, den Freitag frei zu nehmen, um ein langes Wochenende und Zeit zum Schreiben zu haben. Gestern das erste nicht getippte Interview, dann Strategieplanung mit der wunderbaren Agentin. Eine alte Bekannte, auf der Suche nach deutschen Filmstoffen, brachte mich dazu eine Schublade aufzuziehen und ich war selbst überrascht, da ein nicht nur brauchbares Treatment für einen historischen Kriminalfall vorzufinden, sondern auch eine 20 Szenen umfassende Drehbuchskizze. Mitten in der Romanarbeit kann ich mir gerade nicht vorstellen, gleich anschließend Teil 3 zu schreiben – ein Film wäre etwas anderes. Mal schauen.

Ich hatte angenommen, dass mit einem Paukenschlag und dem Erscheinen des Romans die Angstschübe verschwinden würden. Dem ist leider nicht so. Ich rede noch viel zu oft mit Monika. Kürzlich dachte ich, es wäre pfiffig, ihr zu befehlen, im Auto zu bleiben, wenn ich einkaufen gehe, aber die Vorstellung, was sie allein im Auto anstellen kann, gefiel mir nicht. Sie hat eine sehr üble Energie. Aufgrund der Häufigkeit der Begegnungen mit Monika kommt jetzt auch noch ihre Cousine Petra vorbei. Sie ist die Vorhut. Petra hat nichts anderes zu tun, als mir die Gedanken zu unterbrechen mit Sätzen wie „Nachher kommt sicher die Monika“ oder „die Monika muss Dich nachher unbedingt sprechen“.

Es war nicht Ziel meiner Therapie, mich mit Monika und Petra zu arrangieren, das kann nur eine Notlösung sein. Es wäre schön, angstlos durch die Welt gehen zu können, oder, realistischer, nur mit berechtigten Sorgen. Gibt es irgend ein Medikament, das einen stark, selbstsicher und zuversichtlich macht, das man nicht durch die Nase zieht?

BANG BANG!

Ausgerechnet zum quasi-Bergfest die erste Leiche im Team. Oh my. Und die Slashers sitzen am Küchentisch im Dachgeschoss, aber die Stimmung der beiden ist im Keller. Aus dem er gerade kam. Wo es noch ganz andere Sachen gibt. Heute war ein guter Schreibtag.
Langsam kommt auch die Presse für Ashby ins Rollen. Gar nicht so leicht, wenn Taschenbuch-Neuerscheinungs-Erstlings-Rezensionsexemplare meist den Weg aus der Post direkt auf den Amazon-Marketplace nehmen. Doppelt schädlich für den Autoren, so verdient immerhin der Journalist, der nicht über das Buch schreibt, ein paar Cent. Dadurch lasse ich mir aber weder die Stimmung vermiesen, noch vermasselt es mir die Arbeit am Sequel. Wenn ich das Tempo halte, wird es eine Achterbahnfahrt.

FRÜHLINGS ERWACHEN

Hier im Trendkiez schließen die neuen Läden ja so schnell, wie sie geöffnet haben. Deshalb macht es keinen Sinn, sich dort zu verabreden. Man kann das höchstens als Formel ausmachen. „Wir treffen uns auf der Reichenberger im dritten Laden von oben, der trashige Seesel draußen stehn hat“. Oder man geht gleich gemeinsam los, wie das Skailight und ich gestern. Auf der Friedelstraße gibt es ja ein amerikanische Backwaren verkaufendes Café mit einer blauen Tür, das heiß wie ein Puff. Dort sind wir nicht hin, denn die Sonne war auf der anderen Seite. So setzten wir uns ins Major, genau so lang wie man für ein Frühstück braucht und bis die Mittagssonne hinterm Haus verschwand. Weiter ging es dann, mit der Sonne im Rücken, auf die Reichenberger, ins Dreiraum, das einfach am Hübschesten und Buntesten war, ein Farbklecks mit Südausrichtung, dort blieben wir in der Sonne sitzen und betrachteten Flaneure. Für äußerst wenig Geld tranken wir dort einen erfrischenden Silvaner und wurden umhegt und gepflegt von bezauberndem Personal. Dann holte uns Herr Strike in seinem feuerroten Luckymobil ab und wir schauten uns die „Hunger Games“ an. Ein Film, mit dem man Kindern sehr gut Gewalt nahebringt, da sie irgendwie ganz unbrutal gefilmt ist. Es ist wie mit Alkopops. Wenn Du was Süßes beimischst, hast du die Klientel am Haken. Die Hauptdarstellerin schaute immer etwas verbrämt, aber das liegt möglicherweise an ihren Schlupflidern. Ich hätte viel lieber die großartige Kaya Scodelario in der Rolle gesehen.

Wenn man schon mal am Potsdamer Platz ist, kann man das Billy Wilder nicht auslassen. Die Cocktails sind unique, insbesondere die Eigenkreationen, allen voran der „Love in the afternoon“, eine deliziöse roséfarbene Komposition aus Rhabarber und Vanille. Und danach waren wir hungrig, und weil man dort so gut bedient wird, endete der Abend dann im Gorgonzola-Club.

Nach so vielen unterschiedlichen Eindrücken – ich habe die Balkonbetrachtungen ausgelassen, vielleicht ein anderes Mal – hatte ich äußerst lebhafte, verworrene Träume. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn mit einem Schlag das Berliner Frühlingsprogramm einsetzt und man nicht mehr nur von der Arbeit nach Hause und vom Bett an den Schreibtisch tapert und sich die Welt einem wieder öffnet. War schön.