Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

ALL SORTS OF FUCKERY

Der Miggi sagt, ich soll in den Club Spiritueller Gays eintreten, das könnte helfen. Jetzt fühle ich mich aber gerade nicht sehr spirituell, sage ich ihm, der weiß, dass ich schon an eine Ebene glaube, die nicht religiös ist, aber mit Glauben und Moral und mit Geist und Körperlichkeit zu tun hat. Es ist das einzige, was hilft, sagt er. Und wenn ich mir sein Leben anschaue – für ihn funktioniert´s. There are darknesses, my Miggi, sage ich ihm, die stehen mir im Weg, die muss ich da erste wegkriegen. (Dieser Teil von mir, der schlafwandelt und Zähne knirscht, als müsse er im Schlaf größtmöglichem Druck standhalten und aus welchem Grund auch immer es nicht im Bett aushält und durch die Wohnung läuft und Gott-weiß-was macht.) Tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe giebt (sic) es ein Licht sagt die Frau in dem Lied von Kate Bush. Viertel vor 9 am Morgen sage ich zu vier Kollegen „Ich habe eine Panikstörung. Es gibt bestimmte Bereiche, die ich im Job gerade nicht erledigen kann. Außerdem bin ich auf einer Pille, die mich etwas stoned macht, aber sonst nicht hilft.“ Und in der viertel Stunde bis Arbeitsbeginn bekomme ich von drei Leuten Therapieberichte, Einschätzungen, vollstes Verständnis. Ich soll auf alle Fälle den Therapeuten wechseln. Ich dachte immer, die Heidi sei auf dem richtigen Weg. Aber offenbar sind wir anderthalb Jahre voll am Thema vorbei. Und das Thema ärgert sich und rächt sich, indem es sich in den Vordergrund drängelt. Facing my fears, fear fucks with me and I fuck right back. Ficken ohne Kommen.

Der P. schreibt von Tod und Schulden und dass ich mal zu ihm auf´s Land kommen soll, chillen und ficken.

Und ich denke, wie froh ich bin über jede Affäre, die ich hatte und insbesondere diese beiden, die mir immer wieder über den Weg laufen. Und seltsamerweise sehe ich darin eine Form von Spiritualität. Wir besitzen einander nicht, wir stellen keine Ansprüche, wir sind einander Geschenke.

14./15.8.12

Die Pille kickt. Nach ein paar sehr sehr langen Wochen. Neben dem paar-Stunden-stoned-fühlen kappt sie nun auch tatsächlich den Angst-Rezeptor. Ich, der ich eigentlich immer eher so der schnellmach-Drogen-Typ war, versuche dem Stoned-Gefühl etwas abzugewinnen. Das funktioniert immerhin in den Angst-Situationen, wo ich jetzt so durch den Supermarkt schlendere und denke – cool, Alter, wie das geht… So nimmt man auch paar Monate Orgasmus-Kappung in Kauf.

Mehr Knotenlösungen: Die VG Wort schüttet aus! Ende des Monats!

„Borgen“ zu ende geschaut, argh, can´t wait for season 2, momentan nur auf Dänisch verfügbar, leider, as much as I love the language, verstehen tu ich sie nicht. Den Abend mit Hitchcock beendet, „North by Northwest“ mit dem Johnny Depp der 50er, Cary Grant. Seltsam, wie bei Hitchcock Genialität mit schlampiger Technik Hand in Hand geht. Diese Rückprojektionen sind doch selbst für damalige Verhältnisse schlecht gelöst.

In another case of weird timing klickt mich gerade der Miggi an. Und gestern noch fragte das Skailight, was er mir aus Zuerich mitbringen kann. Well.

CRUISE ON…

Klicke mich durch´s Blog und sehe Krisenzustand von vor 2 Jahren. Und Blondie performt „Heart of Glass“ und dann sagt sie in die Kamera „Cruise on“ und ich glaube genau das ist, was der Miggi vor 2 Jahren gemacht hat, und dann kam er doch noch rum und wir verbrachten einen ineinander vergrätschten Abend und dann war er wieder weg, love had gone behind. Lost inside adorable illusions. Später dann stellte sich heraus, dass er ADHS und dass er AIDS, das war bekannt, aber er hat auch ganz einfach ganz entschieden einen an der Waffel, gleichzeitig und ungeacht dessen aber auch die physischste Präsenz, die ich je bei einem Menschen erlebt habe. Er hat ein Herz in seinem Penis oder umgekehrt, wahrscheinlich. Das nächste Mal sah ich ihn in einem Internetporno, er machte seine Sache wie gewohnt gut, wenn auch die anderen Mitwirkenden etwas leidenschaftslos wirkten. Ihm verdanke ich den Dialog, den ich bislang noch nicht in einem Roman unterbringen konnte:
„Will I see you at Burning Man this year?“
„No. You´ll see me at Crying Woman.“
Und trotzdem oder wegen all dem, ich würde jederzeit wieder mit ihm grätschen, denn wenn er da ist, ist er da. Chances are. Er ist auf dem Kontinent. Und das freakigste an der Geschichte ist ja, I don´t seem to have a Heart of Glass. Or the shattered fragments are functioning perfectly fine. Mein Herz ist ein Kaleidoskop. Mit zunehmendem Alter und entsprechender Erfahrung passen da immer mehr Prismen rein. Deshalb ist so ein fragmentiertes Herz nicht notwendigerweise eine Kalamität, sondern eine Qualität.

NO PROBLEM

„Es ist einfach der perfekte Popsong. Da gibt et nüscht.“ Schon auf der Fahrt zum See sind Strike und ich etwas psyched ob der Neufassung von „Running up that hill“. Neufassung heißt Neufassung, nicht wirklich remix. Die Drumloops, die backing vocals sind geblieben, der seltsame langgezogene Abwarte-Sound am Anfang und Ende ist ein bisschen in die Länge gezogen. Die Lead Vocals sind neu. Und ich liebe Kates Stimme in diesem Alter. More operatic. Less crisp. „Sie singt nicht mehr „no problems. Jetzt singt sie „no problem“, fällt Strike auf. Ein Mann für Feinheiten und eine Frau für Feinheiten. So kann sie sich auch hinter den Athleten zurückstellen und nur ihren Gesang tragen lassen (bis in die Itunes Charts auf Platz 14). (Klar. Sie ist ein bisschen feige, aber siehe oben.)

http://gawker.com/5934102/heres-the-kate-bush-song-that-was-cut-from-the-us-broadcast-of-the-london-olympics-closing-ceremony

Und sonst so, ein weiterer dieser wenigen wunderschönen nicht-mal-mehr-wirklich-Sommertage, mit top-billing (Strike und Dick) und ohne special guests. Der See wärmer als die Luft, pöbelnde, überhormonige Türkenjungs: „Ey – seid Ihr auch auf gayonline, ey?!“ „Da kenn ich Dich doch her!“ Und schon sind sie verstummt und ziehen weiter. Perfekte Popsongs. Turn around bright eye. Dann mach ich einen Snapshot, in die Sonne blinzelnd, stelle ihn bei Facebook rein und bekomme ein like von meinem Lieblingsmenschen auf der anderen Seite der Welt, mit dem ich irgendwie auf diversen Plattformen verlinkt bin und der den Nachnamen trägt, in den ich so gerne einheiraten würde. In einer gerechten Welt würde der nicht in Neuseeland leben oder ich nicht in Berlin, aber in einer gerechten Welt wäre Kate auch live aufgetreten. Aber. Siehe Titel.

OGLAMPICS

Da war ich ganz sentimental, letztes Jahr, gleiche Zeit. Weil ich meine Babies auf die Reise geschickt hatte. Zeitgleich hatte ich begonnen, sie wieder abzuholen und mittlerweile ist die Rückkehr geschrieben und es fühlt sich an, als hätte ich zumindest einige von ihnen erlöst, und ein dritter Teil ist noch nicht in Sicht, weil sie alle gerade in Plätzen sind, wo es ihnen gut geht. Ein paar Wochen hatte ich kein Gefühl zum ODP-Roman, blame it on the Psychopharmaka.

Ich schau aus dem Fenster, die Bougie ist so quietschpink wie nie, die Tomate bald abgeerntet, der Himmel lacht und es sieht nach einem Tag auf dem See mit Herrn Strike aus. Derweil werde ich, wie in den vergangenen Tagen, verschwörerisch heraufbeschwörend Kate Bush auf Shuffle hören, damit sie heute Abend wirklich aufttritt und ich erstmals seit Poprock oder wie die Sendung hieß, ihr zeitgleich bei einem Auftritt zuschauen kann („Babooshka“ war es. Und „Army Dreamers“, oder?). Und ein Couchie ist auf dem Weg, der Arme muss das dann auch irgendwie aushalten, Spice Girls, The Who und werweißwasnoch.

29° und in fremder Unterhose am Schreibtisch

Es kappt mir den Orgasmus und auch die Imagination. Maybe the price to pay? Zumindest, was die Imagination angeht, macht das Medikament mich quasi arbeitsunfähig. Allerdings, gestern multiple Einkäufe ohne Panik. Nur, wenn keine Kreativität, dann auch kein Geld für Lebensmittel. Sollte es nicht eigentlich buzzen? Es bremst. Aber vielleicht bin ich einfach zu sehr an mich gewöhnt, meine 100% ich haben ja schon ganz andere überfordert. Klar denk ich manchmal über die nach. Glücklicherweise denke ich dann aber nichts als „history“. „Schade“ gibt es gerade nicht. Und Bedauern hab ich nur für ernstere Fälle und wie ich sie upgefuckt habe. Aber ich kann es mir nicht leisten, das Buch nicht abzugeben und für eine komplette Umarbeitung mangelt es mir gesundheitlich an Imagination.

Heute ausschließlich Bowie. Except maybe.

26.7.12

Es gibt gerade nichts zu schreiben, es ist eine Zeit des – wie heißt das? Nachhallens? Es passiert nichts, und offenbar ist das nicht verkehrt, nur etwas langweilig. Ich kaufe neue Schuhe, darin zu laufen, ohne Blasen.

24.7.2012

Ende Juli und wie oft auf dem Waser gewesen? Drei Mal? Vier? Neddless to say, was ich von diesem Sommer halte. Auf neuer Pille bin ich gerade recht schutzlos unterwegs – zehn Tage mindestens bis sie Wirkung zeigen soll, also jetzt noch vier und ab heute in doppelter Dosis. Was die Gewichtszunahme angeht bin ich froh, dass ich keine Waage besitze. Eitelkeit und Psychopharmaka verstehen sich nicht gut. Was es in den letzten Tagen ein bisschen rausgerissen hat – die neue Staffel „True Blood“. Sie könnten auch einfach eine Skarsgard-Cam installieren, ich würde 24 h davorsitzen. Sex-Angebot von einem Mittzwanziger, der irgendwie ein bisschen zu kinky rüberkommt für meinen Geschmack, und überhaupt ist mein Körpergefühl gerade nicht so. Neverthelesess: immerhin geht die Pille nicht auf die Libido, wie bei Manchen. So ist es der Bauch, der entscheidet, nicht das darunter. Bauchgefühl mal anders. Oh – und Happy birthday Miss Leighton! Und laut Aussagen der Coke-Line (so melden die sich da wirklich!) ist Light Lemon ab nächster Woche in meinem PLZ-Bereich wieder lieferbar. Dann wird´s Zeit für eine Coke-Party, mal anders. So. Jetzt Tomaten ernten.

GLAMEN

Eine mir unbekannte Pfarrerin schreibt mir. Sie bedauert meinen Austritt aus der Kirche. Und will einmal klarstellen, dass die Kirchensteuer nicht allein auf die Gehälter für PfarrerInnen verwendet wird, sondern durchaus auch wohltätigen Zwecken zugeführt würde. Mein Beitrag würde nun fehlen. Ob ich mir im Klaren sei, dass nun, nach meinem Austritt, eine kirchliche Trauung oder ein kirchliches Begräbnis nicht mehr möglich seien? Dass mit der Trauung – well, mir wäre eh keine kirchliche Trauung möglich, da die Kirche ein Problem damit hat, gleichgeschlechtliche Menschen zu trauen. Was das Begräbnis angeht – ich habe Strike gebeten mir irgendein Schaufenster zu mieten, wenn es soweit ist. Dann gab es noch eine Seite mit Kirchenaustrittsgründen zum Ankreuzen für die Statistik. Die Option „mein Gottbegriff passt in keine Religion“ fehlte. Ebensowenig „Nur weil mir Jesus als Gottes Sohn kulturell aufoktroyiert wurde, gelingt es mir immer noch nicht, ihn als solchen zu akzeptieren.“ Desweiteren bin ich in die Kirche eingetreten worden, als ich noch keine Entscheidungsgewalt hatte, wurde unter der gleichen Bedingung konfirmiert und es ist meiner Trägheit anzuschulden, dass ich nicht schon mit 18 die Entscheidung zum Austritt getroffen habe.

:-/

Wenn man sich während des Kaffeekochens fragt, wo man gerade die Tablette hingetan hat, die man einzunehmen verordnet ist, und dann den Kaffee trinkt und sich wundert, dass er nicht süß ist, obwohl man doch ein Stück Süßstoff in die Tasse getan hatte.