Solide gemachter Hollywood-Gerichtsfilm, der das Leben von Anneliese Michel amerikanisiert. Wenn man die Hintergrundgeschichte nicht kennt bestimmt solide Unterhaltung. Hat man aber die im Vorartikel verlinkte Doku gesehen, einfach nur ärgerlich. (Und vor allem, wenn in den Special Features der Regisseur ihren Namen konsequent Anne-Lees Michelle ausspricht.) Hier wird die Geschichte aus der Perspektive der Anwältin des Exorzisten erzählt. Laura Linney, Agnostikerin, vertritt Tom Wilkinson im Auftrag der Diözese. Beide spielen das sehr gut, aber am End läuft´s darauf hinaus, dass Emily tatsächlich vom Teufel besessen war und das verordnete Epilepsie-Medikament den Dämonen ermöglichte in ihr zu bleiben – der Exorzist tat, was er konnte. Schuld ist also die Medizin. Ah! Für eine Heidin wird die Linney ziemlich sympathisch gemacht, und Tom Wilkinson spielt das so, dass man den armen Priester wirklich bemitleiden muss. Was überrascht, ist, dass die beiden sich dafür hergegeben haben, sind doch eigentlich integre Persönlichkeiten. Well, die haben auch Rechnungen zu bezahlen. Alles, was an „Requiem“ besticht – das Intime, Private, die Funktionalität und Dysfunktionaität einer Familie – tritt hier zugunsten eines Justiz-Thrillers in den Hintergrund. Das Grauen wird á la Horrorfilm inszeniert. Das ist gewöhnlich. Um so klarer wird die Strategie von „Requiem“, wo sich das Grauen im Kopf des Betrachters abspielt und Effekthascherei keinen Platz hat. Dennoch hervorzuheben ist, wie gut Jennifer Carpenter (Dexters Debra) die Emily im Ausnahmezustand spielt. So oder so ähnlich wird es bei Anneliese ausgesehen haben. Für einen Schauspieler eine tolle Rolle. Aber im Vergleich der beiden Filme wird mir klar, wie sehr ich, als Hollywood-brainchild, den europäischen Film für seine visuelle Zurückhaltung und seine leiseren Töne, seine tiefere Wirkmacht, die auf Splatter verzichtet und die Kamera eher ablenkt, als draufhält, schätze. Mitunter. In jedem Fall an diesen beiden Beispielen.
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GLAM, INTERRUPTED
Jetzt wieder mit Auto und 910 Euro ärmer. Aber es war ein Vergnügen, die Autobahn zu fahren mit 160 und keine Angst haben zu müssen, dass das alte Autochen auseinanderfällt. Insofern ist der TÜV eine feine Sache.
Zuvor, Im ICE, ein Schäm-Slapstick, den ich nur auf Psychopharmaka schieben kann. Das Reaktionsvermögen ist beeinträchtigt, d.h. manche Abläufe laufen nicht ab, sondern bleiben irgendwie mittendrin stehen. So auch, als ich – luxuriös allein im Abteil – mit einer spontanen Erektion reagiere, als sich ein Dunkel- und Langhaariger neben mich setzt, den ich jedoch nur aus dem Augenwinkel sehe, weil ich gerade lese. Er ist ohne Koffer und Jacke, hat also irgendwo anders einen Platz und ich weiß nicht, warum er sich jetzt ausgerechnet neben mich setzt, eine viertel Stunde sitzen bleibt und dann grußlos verschwindet. Beim Rausgehen sehe ich dann sein Gesicht und denke Schade, ein „Hi – ist der Platz noch frei?“ hätte doch prima ein unverfängliches Gespräch eröffnen können, ein Anlächen, eine Bereitschaftsdemonstration. Als er fünf Minuten später wieder hereinkommt, wieder grußlos, sich wieder neben mich setzt, seine Schuhe auszieht und auf dem gegenüber liegenden Sitz ablegt, wünschte ich mir, dass Abteile, wie früher, Vorhänge hätten, denn das Kommen und Gehen im Gang hält mich davon ab, meine Hand in seine Hose zu schieben, ihn zu mir rüber zu ziehen und loszulegen – immerhin haben wir noch eine dreiviertel Stunde, bis wir an meinem Zielbahnhof sind. So aber sitze ich und lese, rieche sein Parfum und alles, was sich berührt, sind zwei gierige Auren. Aber ich hab ja die Pillen, auf die ich´s schieben kann.
NUN OF THIS MAKES SENSE?
Ubahn, Supermarkt, alles ganz schicki. Challenges. Wenn sich ein bedrohliches Gefühl einstellt hab ich jetzt einen ziemlich blöden aber effektiven Schlachtruf. Wenn ich nicht arbeite schlafe ich oder lache über den Herbst der schrecklichen Plattencover. Hallo Robbie??!!! Hallo Nena????!!!! Was habt Ihr Euch dabei gedacht? Einen Kindheitslieblingsfilm das erste Mal seit mehr als 30 Jahren wiedergesehen und leider so ähnlich wie im Fall Robbie und Nena. Ich konnte noch nachvollziehen, weshalb ich so drauf abgegangen war, aber das Gefühl glamourösen Schauers stellte sich einfach nicht ein. Was auch mit der Synchronisation zu tun gehabt haben könnte. Im gerade angeschauten Original gibt es so Portionen von Comic Relief, an die ich mich nicht erinnern konnte – vermutlich wegsynchronisiert, das ging ja immer super im Nachkriegsdeutschland. Und diese putzigen Momente haben mir „The Uninvited“ vermasselt. Also schlecht ist er nicht. Wenn Sie Ihre Kinder ans Spuk-Genre heranführen wollen, ist er ideal. Wie der Spiegel mal empfohl: Statt Alkopops lieber ne schöne Bowle um Teenager an Alkohol zu gewöhnen. Also für Pre-Teens lieber „The Uninvited“ als „Texas Chainsaw Massacre“.
Ach, und um bei Alkohol und Horror zu bleiben und Gebäck hinzu zu fügen: In der dritten Folge AHS hat Jessica eine wunderbare Szene als durstige Nonne. Und so hieß einer der Lieblingskuchen meiner Kindheit. Durschtige Nonne. It´s all so circular!
HOMELANDS
Der Couchie hatte mich gut vorbereitet, auf Tage gemeinsam. Der war so, dass er, wenn ich am Rechner saß, mit nem Buch und dem Kaffee um die Ecke kam und fragte, ob es okay sei, auf dem Arbeitszimmersofa zu chillen. Und das war angenehm. Er las, ich schrieb, und dann und wann erzählten wir uns was. Das war fast eine Roomie-Situation, weniger ein Gastgeben. Danach, der erste Tag in der Familie allerdings war anstrengend – ein Level zu finden, sich darauf einzulassen. So viel Information, die dann noch einmal und noch einmal vermittel wurde, wenn ein neuer Gesprächspartner dazukam. Aber so ist es immer am ersten Tag, der zweite ist dann schon anders und das Level so, als habe man es immer schon gehalten. Auf irgendeiner Ebene muss es mich aber doch erwischt haben, ich wachte jede Nacht um 4 auf und konnte nicht mehr einschlafe, dämmerte dann bis 6, stand auf und war um Mittag wieder todmüde. Zwischendurch ein Meisterwerk gelesen, dazu ein anderes Mal mehr, und abends Homeland angeschaut, sehr begeistert, und begriffen warum Claire Danes den Emmy gewonnen hat. Verdient.
Gestern Zugfahrt nach Berlin, das Auto muss noch auf dem Land bleiben, so wollte es der TÜV. Der Zug völlig überfüllt, keinerlei Sitzplatz mehr, selbst die Böden in den Schleusen waren bereits überbesetzt. Dann doch noch einen Fußbodenplatz gefunden. 60 Euro, anderthalb Stunden gequetscht auf dem Boden. Deutsche Bahn. Der Zug voll mit Halloween-Monstern, dabei war schon Allerheiligen. Später festgestellt er kam aus Stuttgart.
Am Ostbahnhof ein Taxi gegönnt – auf 7 Euro kommt´s jetzt auch nicht mehr an. Kaum, dass die Heizung die 15° Grenze erreicht hat – schlafen. Eine Folge Homeland und nochmal schlafen. Um ein bisschen was Nützliches zu tun – Daten auf dem Mac gelöscht, damit er ein bisschen schneller wird. Dito für Dropbox, damit sie wieder etwas voller werden kann. Schlafen, Homeland, schlafen. And here I am – good morning!
30./31.10.2012
Gestern um 7 den charmanten Couchie aus Paris verabschiedet, der eine Woche bei mir war und dafür sorgte, dass Essen auf dem Tisch stand, wenn ich von der Arbeit kam. Dann selber reisefähig gemacht und mit 100, maximal 120 über eine patschnasse Autobahn. Zum Glück, denn schon kurz der Stadtgrenze steht plötzlich und unvermittel eine Limo auf der linken Fahrspur, auf der ich mich auch befinde, und mit 10 hmH mehr wäre ich hineingebrettert und hätte eine ziemich tödliche Massenkarambolage ausgelöst, so aber krieg ich gerade noch mal die Kurve und frage mich wes Geistes Kind man sein muss, um auf der Überholspur stehen zu bleiben (zeitnah denk ich – da gibt’s ja dann doch so einige.), und weiß doch aus Erfahrung, dass man nicht mal mit 3 Platten einfach stehenbleibt, sondern getrost noch rechts ranfahren/ die nächstegelegene Werkstatt aufsuchen kann und sollte.
Angekommen, Wagen ein wenig aufgeräumt und zur Werkstatt. Jetzt Zitterpartie. TÜV um 13h.
SANTA DICK
Saison-Arbeitstage ist wie den Flow in einem Anti-Flow zu halten. Arbeitsabläufe abbrechen zu können, sich einem anderen Problem zu stellen, um danach mit gleicher Konzentration an die vorherige Aufgabe zurück zu gehen. Sich alle paar Minuten aus dem Konzept bringen lassen und um- und dann wieder re- zu fokussieren. Ständig gefordert zu sein, an vielen verschiedenen – sagen wir ruhig – Fronten. Das ist anstrengend, gelingt aber in diesem Jahr besser als in vorherigen. Sage ich jetzt, wo noch zwei Monate Hochsaison vor mir liegen. Dass es gelingt, hat viel mit dem Team zu tun, das in dieser Saison sehr kompetent besetzt ist.
Oh. Jetzt habe ich mich verraten. Jetzt wissen Sie was ich nebenberuflich tue, um mir das Leben als Eliteblogger und nachwachsender Horror-Star-Autor leisten zu können. Ich bin im Team Weihnachtsmann.
JUDY SHEPARD ON ELLEN, OCT. 2011
Und es formt sich ein Gedanke, eine Idee und sie ist noch sehr unausgereift und streift noch zu viele Bereiche, oder vielleicht nicht genug, das wird sich zeigen. Nur ein Kristall in etwas, das ein Lüster werden könnte. A small and precious idea, which could be part of something much bigger. Gestern vorm Einschlafen eine Namensliste gemacht und es fühlte sich an, wie eine Regierung zu bilden.
GO, AKS SHAKESPEARE
Alles soweit ganz gut diese Woche; der Besuch vom Twiggster, fünf Folgen PLL, dreieinhalb Arztbesuche mit Wartezimmer ohne Panik, ich musste nicht mal ein Buch rausholen, was eh nie funktionierte, weil ich das Gelesene sofort wieder vergaß in der Anspannung. Keine Attacken seit der 40 mg Dosierung. Unwohlgefühle ja, mitunter auch Anspannung und in den Furcht-Szenarien fast immer leichte Nervosität, aber keine Attacke.
Frühstück mit Lieblingskollegin und ehemaliger zweitliebsten Kollegin, die jetzt einen Babybauch hat und strahlt und leuchtet, aber trotzdem die alte geblieben ist und nicht völlig schräg hormonell abgeht. Desweiteren endlich „Dark Shadows“ sowie „Contagion“. Gehen beide. Nichts zu meckern, sogar der aufgescheuchte Flow im Office bedingt durch Einarbeitung der Neuen tut gut. Es ist eigentlich echter kein Flow, weil der Arbeitsfluss ständig gehackt wird, aber das ist eine willkommene Herausforderung an meine Konzentrationsfähigkeit. Das Einzige was nervt – diese gruppierten Fragen, die fünf Leute beschäftigen, anstatt, dass sich einer bemüht die Antwort zu finden und nicht den halben Betrieb durchsucht nach jemandem, der die Antwort vielleicht schon hat.
MANN MANN MANN
Vom samstäglichen Nachmittagsschlaf um Mitternacht aufgewacht, wagemutig durchs Programm gezappt und bei „Die Manns“ hängengeblieben und festgeschaut. Ca 2001 gedreht erzählt er die wirklich spannende Lebensgeschichte(n) der Schriftsteller-Familie, die Filmhandlung wird immer wieder unterbrochen von dokumentarischen Bildern und Interviews mit den Kindern Thomas Manns. Das Ganze ist dann auch mit allen deutschen Schauspielern besetzt, aber ohne Inge Meysel aber mit Veronica Ferres. Und auch mit Sophie Rois, Armin Mueller-Stahl, Sebastian Koch und Monica Bleibtreu, aber auffallend ohne Iris Berben, die vermutlich zur gleichen Zeit eine Kaffeeplantagenbesitzerin in Südafrika spielte, die in Bedrängnis ist, weil böse Mächte (Banken, Nachbarn, Horst Frank, ihre Mutter Hannelore Elsner usw.) ihrer Plantage den garaus machen wollen und ihre schwarze Köchin lässt immer flugs die Voodoo-Puppe in der Kekdose verschwinden, wenn Iris dort morgens erscheint, um erstmal mit dem Finger über die Kommodenflächen zu reiben, auf der Suche nach Staub, der nicht gewischt wurde, und der Boy, der eigentlich eine Ausbildung zum weißen Massai hatte machen wollen, wetzt nächtens das Messer an einem heiligen Stein, weil er sich nicht Besserers vorstellen kann, als es der Iris mal so richtig zwischen die Rippen zu heften, um sich ein Zubrot damit zu verdienen, die Zähne der Iris auf dem Elfenbeinschwarzmarkt feilzubieten. Nach Teil 1 der „Manns“ versuche ich, den Schlaf zu finden, im Liegen, was mir nicht gelingt, also mach ich den Fernseher wieder an und erwische noch die letzte halbe Stunde von Teil 2. Eine rotzblöde Zeit fernzusehen und trotzdem – wenn schon, denn hättense doch Teil 3 gleich heute morgen um 5 zeigen können und nicht morgen um 1.10 Uhr. Ärgerlich zappe ich weiter und verbring die Zeit bis 5 mit Johnny Depp, gebe dann dem Schlaf einen neuen Versuch, was sich jedoch als schwierig gestaltet, denn jetzte frage ich nicht nur nach Inge Meysel und Iris Berben, jetzt frage ich mich auch ernsthaft – wo war Heino Ferch? Wo die Loos? Wo die Sawatzki? RobertStadloberAugustDiehlTomSchilling? Nee, Moment, die Sawatzki war dabei, ich kann mich erinnern, wie sie eine Tasse Tee trank. Das lässt mir jedenfalls alles keine Ruhe und ich schwitze ganz stark, spüre, wie meine Haare sich in Korkenzieherlockenform hochspiralisieren und jetzt werd ich auch noch hornig und überlege, das mit dem Schlaf ganz sein zu lassen und stattdessen mal zu checken, wer am Sonntag um halb 6 nach Sex sucht, denk dann an den ziemlich monströsen Pickel fast direkt auf meiner Nasenspitze und dass der a) hässlich aussieht und b) bei allen Aktivitäten, die mir nun vorschweben, auf die mein Körper bereits mit einer verstärkten Blutzufuhr in die glamouröse Region reagiert, im Weg sein würde. Und irgendwo bin ich ja auch müde und alles. Zusammenfassend siehe oben.
NEU bei…
…auf Dauer schlauer.