Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

JUNGER SCHWEDE

Gestern so ein Tag, an dem ich mal wieder feststellen konnte, wie gut verwurzelt ich bin, in meinem Freundeskreis. Mit den Besten an einem Tisch, eigentlich fehlt nur die amerikanische Nachbarin, aber schau – bei der brennt noch Licht und wir haben noch ne Flasche Prosecco. Und auch heute beim Einkauf – alle paar Meter bekannte Gesichter, niemand, der nicht Bier oder Wein oder Sekt schleppt. Gedankenexperiment – wie wäre das, wenn das täglich so aussehen würde?

Dann die Menschen, die man nicht so oft sieht, weil sie ganz woanders wohnen, Messages auf Facebook und in der Post, ganz analog – Postkarten von Menschen, die sich tatsächlich extra Briefmarken gekauft haben.

Ganz neue Menschen auf den Blauen Seiten. Symathiebekundungen per Message, aber auch ein Übernachtungsgast. Kaum ist der weg, braucht ein junger Schwede Hilfe, und wenn es was ist, was mit der schlichten zur-Verfügungstellung meines Glieds umzusetzen ist – who am I to say no. Heißt ja nicht umsonst Glamourdick hier.

UND SONST SO

michi

Weihnachten als Fest der Besinnung – nur so kann ich mir erklären, dass es alte Flammen, die längst vom Markt sind, um Heiligabend rum immer auf die Blauen Seiten verschlägt und veranlasst, mich zu kontaktieren. Es waren ein paar schöne Gespräche.

Eigentlich hatte ich vorgehabt, einen Selbstversuch zu dokumentieren und einen hämischen Beitrag über Helene Fischers Weihnachts-Show zu verfassen. Der Beitrag musste ausfallen, weil ich mich recht gut unterhalten fühlte, stellen Sie sich vor! Ihre rezessionseskapistischen Romanzen-Schlager mag ich nach wie vor nicht leiden, aber im internationalen Vergleich schnitt sie bei den Musical-Nummern und ein paar Poprock-Versuchen absolut ordentlich ab. Freilich hätte ich als Regisseur mich dazwischen geworfen ein wenig auf Distanz geachtete und sie keineswegs so nah an David Garrett herangelassen, aber sooo schlimm war es nun auch nicht, immerhin habe ich es fast drei Stunden ausgehalten, wenn man eine Pinkelpause abzieht. Helene kann was. so ist es, ob man will oder nicht. Florian auf die Bühne zu holen war selbst ihr zu abgeschmackt, auch dafür meine Hochachtung. Ebenso für den schwulen Politiker, der unter Echtnamen bei den Romeos surft und sich freundlich für meine dafür ausgesprochene Hochachtung bedankte. Bundesliga voran!

Mein Lieblingsschweizer spielt gerade Theater: den Teufel, no less, und jedesmal, wenn er ein Rollenbild postet, zucke ich etwas zusammen. „It´s like looking into a mirror“ kommentierte ich. Und heute schreibt er mir, dass dieser Eindruck nicht einseitig ist. „Als ich mich das erste Mal in der Maske sah, musste ich natürlich sofort an dich denken!!! Hat was, oder?“ Ja, es hat.

Jetzt auf in den letzten Arbeitstag dieses Jahres!

WALKING IN THE STEVIE WONDERLAND oder TURN ON THE RADIO UNTIL THE SPEAKERS BLOW!!

Vierter Tag in Niedersachsen und währenddessen vermutlich die selbe Anzahl Kilos zugelegt. In Radio Niedersachsen laufen sämtliche Fassungen von Weihnachtsliedern, die alle gar nicht mal soooo schlimm sind. Nur ein bisschen. Vorgetragen von den Leuten, die so zu Helene und Florian ins Fernsehen gehen. Auch sehr beliebt „We are the world“, auch wenn’s gar kein Weihnachtslied ist, sondern eine Art Selbstliedeslied amerikanischer Gesangstars der 80er. Gestern wollte mir jemand ernsthaft vekaufen, dass Florian und Helene ein Paar seinen. Sie merken schon, hier wird gerade eine neue Obsession geboren, wenn schon kein Heiland. Andererseits würde es die neuen kerligen Anteile von Florian erklären. Helenen hat ihm möglicherweise so ein Einblend-Seminar zum Geburtstag geschenkt, oder zum Namenstag oder einfach so, weil’s an der Zeit war. Ich hoffe, sie lässt die Finger von David Garrett. So. jetzt sollte ich mich vielleicht in meine elfgrüne Hose zwängen, und, Sie werden es nicht glauben, aber stimmt trotzdem – auf Radio Niedersachsen singt ein Kinderchor (und es muss wohl Rolf Zukowski sein, der kürzlich AUCH bei Florian war, Sie sehen – hier verschmilzt alles, selbst derv Schnee ist weg), also singt der Kinderchor „Macht euch bereit – bald schon ist Weihnacht!“ Und eben sagt der Moderator wirklich „erdverwachsen“, kein Scheiß. Ha ha und im Anschluss an einen botswanischen Weihnachtsgruß aus der Rubrik „Weihnachtsgrüße in allen Sprachen“ – Sie ahnen es – Stevie WONDER. (Er auch quasi Afrikaner/ Fest der Wunder: passt. Ich will auch zu Radio Niedersachsen!!! „Alte Säue, neue Ideen – präsentiert von DJ Dickie!“ (Ich würd dafür auch Platt lernen!)

(Typos courtesy of die Matrix.)

GLAM DUBOIS

Ich merk das immer im Winter, wenn ich länger als drei Tage verreise. Socken. Ich kauf doch ständig welche. Wo gehen sie hin? Ich nenne es Strumpfung. (Ich trage ja schon die Socken von Fremden, so weit ist es mit mir. I have not always relied on the socks of strangers.) Und beim Sockensuchen ein verloren geglaubtes kompliziertes Oberteil gefunden! So. Falls wir uns weltuntergangstechnisch nicht mehr sehen – machen Sie´s jut. Gönnse sich noch was. Ansonsten und überhaupt – Frohes Fest!

TAX THEM

Der dümmste aller Mitbewohner hinterließ ein Paar Socken von großem Tragekomfort und idiotensicher – auf der linken ein „L“, auf der rechten ein „R“. Da weiß man doch, von welcher Sorte die Mutter gewesen ist. Ich hatte ihm das Zimmer auch nur zugesagt, weil er hinkte, und ich fand das so byronesk. Später stellte sich heraus, dass er in eine Glasscherbe getreten war und normalerweise ganz ordentlich zu Fuß war. Und immer klar auf dem Schirm hatte, wo rechts und wo links ist, kaum dass er die Schuhe ausgezogen hatte.

ARM ABER SEXY

So ein ereignisarmes Wochenende ist ja in der Saison eines der großen Highlights. Es sind nur zwei Sachen zu verzeichnen – in meinem Regal ist eine Scissor-Sister-CD nach hinten hin rausgefallen, ich hab sie da auch gelassen, weil ich eh keinen CD-Player mehr habe. Und ich bin im Schneetreiben zu meinem Auto und hab die Türdichtung mit Olivenöl eingerieben, weil die immer festfriert. Fahrradöl sei besser, sagt mein Vater, aber hatte ich gerade nicht zur Hand (ebensowenig wie ein Fahrrad. Und mit Olivenöl kann man wirklich mehr machen als mit Fahrradöl, insbesondere mangels Fahhrad.) Dann gab es noch einen Dialog bei/ mit meinem charmanten Tabakverkäufer. Ich drohte, auszurutschen. Er eilte, mich zu stützen. Woraufhin er: „Ich habe gerade gewischt“.
Und ich: „Ich habe Schnee unter den Sohlen.“
Ja. Mehr war nich. Woche kann kommen.

THE ENTRY WHERE GLAM GOES KEVIN COSTNER

Den ganzen Tag kein Wort gesprochen. Luxus! Ein bisschen Glee, Staffel 3 – Jeez, die vorletzte ist ja echt ein Tearjerker. Borgen, die Zweite. Mich wieder davor gedrückt den neuen Rowling weiter zu lesen. Sind so viele Namen am Anfang – und alles Menschen, deren Geheimnisse mich nicht interessieren. Noch einmal über die Doppelseite in der dtv-Vorschau gefreut. Ein paar Ashby-Verrisse gelesen. Diese Art, die man nicht ernst nehmen kann. „So ein schöner Rahmen – aber dann!“ Dass ich gerade wegen des „aber dann“ schreibe, entgeht ihnen. Alles andere würde doch aber gar keinen Sinn machen – ich schreibe doch nicht im Jahr 1962. (Da blame ich schon das Cover – das vermittelt nur einen Aspekt des Buches, zieht aber Leser an, die mehr bekommen, als sie verkraften können.)

Am Dienstag hab ich den Roman abgegeben, am Donnerstag hatte ich die Vorschau in der Post. Und vorhin der erste Gedanke – die sind jetzt so gut aufgestellt, dass es fahrlässig wäre, die Geschichte nicht weiter zu erzählen. Es gibt ja auch noch ein paar Fäden zu verknüpfen und ein paar Hintergründe zu liefern. Teil 2 erklärt ja auch noch einmal Teil 1. Aber ich setz mich nicht unter Druck – es ist wie das Holz auf dem Wasser. Was soll´s. Es wird kommen. Wenn Du´s gebaut hast werden sie kommen. So is das.

ODP-Vorschau

FLORENCE, JUAN CARLOS

Es hatte mich im Moment zurückgetragen in ein Seminar der Religionswissenschaft Anno youdontwannnaknow. Thema „Propaganda im Unterhaltungsfilm im Nationalsozialismus*. Es war ein Blockseminar. Sechs Stunden am Wochenende Nazi-Filme schauen und abhandeln. In dem besagten Fall waren es die Riefenstahl-Olympia-Filme. Und unter uns abgefeierten Anfang-Zwanzigjährigen kam mitunter post-Party-Heiterkeit auf. So auch angesichts des voll besetzten Olympiastadions. „Volles Haus! Und nur eine funktionierende Toilette“ schrieb mir ein Sitznachbar in meinen College-Block, was zu einem adoleszenten Rumprusten und Lachkrampf führte, der sich wirklich nur durch Jugend und eine sehr lange Freitagnacht erklärt. So also auch gestern Abend minus Jugend und minus Partynacht. Florence in der Arena. Auf dem Ticket stand Einlass 18.30, Beginn 20h. Als ich Viertel nach 8 ankam spielte eine Vor-Band, die jedes Lied anmoderierte mit „Hey – you looking Forward to see Florence?“ und so Applause erntete, die sie für ihre Musik nicht bekam. Was soll´s – dachte ich mir und befand, ein Bier, eine rauchen, wird schon noch. Das mit dem Rauchen war schnell erledigt, gibt es doch in der Arena eine dafür eingerichtete und gut ausgeschilderte Raucher-Lounge. Der Vorteil dieser: man muss nicht mal selber rauchen, man stellt sich einfach rein und atmet. So muss sich ein Schinken fühlen, bevor er das Prädikat „Räucher-“ verliehen bekommt. Danach also an die Bar. Sittsam in Pärchen stehen allerdings dort bereits ca 200 Leute vor einem. Auch an den anderen Bars. Und die anderen Schlangen, die den Raum zieren befinden sich – jetzt der Schlenker zum Intro – vor den Klos. Ich halte noch etwa 15 weitere Minuten aus, dann besinne ich mich auf den nachmittäglichen Email-Verkehr, zücke die Matrix und tippe „How fast can you be in Kreuzberg?“ Die Antwort kommt umgehend. „Give me 40 minutes.“

Am Ubahnhof stehe ich und warte den Zug mit dem charmanten Südamerikaner ab. Ich trage noch smoky eyes, die eigentlich für Florence bestimmt waren. Aus der ersten UBahn stürzen sich aggressiv pöbelnde Türkengangs, werden aber nicht auf mich aufmerksam. Anders bei der zweiten. Vier Teentürken laufen auf mich zu und schreien mir mit Döner-Atem ins Gesicht „Eybisdu Traaaaahhnse-Alta-ey?“. Es sind vier. Was soll ich tun? Bei einem hätte ich nicht gezögert, ihn die Treppe runter zu stoßen. So bleibe ich einfach stehen und hauche imaginären Nagellack trocken. Die kleinen Scheißer ziehen weiter. Ich schau mir die anderen Leute an, die alle nichts gesehen oder gehört haben. Und bleibe stehen. Nächste Ubahn 15 Minuten. Stelle fest, dass sich nicht einmal mein Herzschlag beschleunigt hat. Kein Zittern, keine weichen Knie. Wut, ja. Hass. Aber keine Panik.

Die nächste U-Bahn kommt und bringt mir den charmanten Südamerikaner, der noch sexier ist, als auf seinen Fotos. Wir gehen zu mir und tun all die Sachen, die homosexuelle (und wohl auch manche heterosexuelle) Menschen miteinander machen.

Ich könnte mich etwas mehr über diese Nacht freuen, wäre da nicht die Wut darüber, dass die Türk-Kids in der Überzahl waren. So eine Behandlung hatte ich in meiner Kindheit täglich. Ihr verdanke ich die Panikstörung. Dass ich diese gerade medikamentös halbwegs im Griff habe, rechtfertigt nicht das Verhalten dieser Wichser. Ich wünsche mir eine Bestrafung. Ihre Mütter sollen ihnen ins Gesicht spucken und sie eine Woche lang nicht bekochen. Sie sollen eine Woche lang in Brandenburg sich selbst überlassen sein, ohne Iphone, ohne Kumpel. Sie sollen solches Verhalten im „Roses“ an den Tag legen und sowas von kollektiv verprügelt werden, dass sie nur noch das Land verlassen möchten.

*Das religionswissenschaftlich Institut der Technischen Universität Berlin war ursprünglich angetreten, zu ermitteln, wie so etwas wie der Holocaust überhaupt entstehen, bzw geschehen und kulturell untermauert werden konnte. Haben Sie mal wieder etwas gelernt, hier.

ON A SUNDAY

„Bleib noch bis zum Sonntag“, Gitte. Kaffee und Zigaretten, ein Manuskript (Fassung 3), das schon wieder mit Redigier-Klebern vollgepfropft ist, voller Kühlschrank. Nachher Kaffee und französisches Gebäck* mit der amerikanischen Nachbarin. Dieses Gefühl satter Vorfreude auf den neuen Mec Mac. Hach!

*Homemade Mille Feuilles!!!!! Magnifique!!!

SONST SO

Am Samstag Powershopping mit Strike. Einmal durch fast alle Abteilungen Karstadts. Ein neuer Senseo, der neue Rowling-Roman, diverse Delikatessen in der Lebensmittelabteilung. Angstlos Schlangestehen. Die DVD-Abteilung ein Trauerspiel. Umso netter der Verkäufer beim Hugendubel. „Wollen Sie das nicht lieber eingeschweißt mitnehmen?“ Ich frage nicht warum. Ich mein, das erste, was man mit nem Hardcover macht, ist, die blöde Folie abzureißen. Stattdessen sag ich „Das ist die englische Ausgabe. Da gab es kein cellophaniertes Exemplar.“ Trotz Schlange rennt er los, es muss doch eins da sein! Ist aber nicht, aber egal, der Einsatz zählt.
Zuhause dann erstmal die Kaffeemaschine eingeweiht, yum. Dann Emily Rose, danach ein alberner Film mit einem ganz schön in die Breite gegangenen Brandon Fraser. Would you (still) hit it? Yes I would. Und das war´s auch schon. Schlafen, aufwachen – Stille genießen und Räkeln. Und eben, ganz süß, ruft die Mutter an und fragt, ob es denn vielleicht möglich sei, dass sie ein Vorab-Manuskript vom ODP-Roman bekäme Aber klar!