Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

SÜDBLOCK RECAP

Die Vertreter sind zurück und haben verlautbart, der Handel habe das ODP-Cover abgeschmettert. Jetzt hat die Grafik sich nochmal drangesetzt, aber es ist ein bisschen B-Movie. (Then again – wann schau ich schon mal A-Movies…) Hab´s leider gerade nur als PDF, sobald jpg leg ich´s mal vor.

Gestern Parkplatz direkt vorm Südblock. Am Einlass „leider ausverkauft“. Aber die freundliche Dame, die mich siezte, so dass ich mich altersgerecht fühlen sollte, hat mich trotzdem noch reingelassen und die Lesung war bereits in vollem Gange. Herr Herrmann brillierte schon und im Publikum waren lauter Menschen, die ich für Studenten hielt. Es können aber auch Betreiber lustiger kleiner Um-die-Ecke-Cafés in Kreuzkoelln gewesen sein. Ein Mädchen bestellte jedenfalls heiße Zitrone und Malzbier. Wenn sie Hühnerbrühe gehabt hätte, wäre die Wahl wohl auf sie gefallen. Abwechselnd lasen junge Männer über Liebe und Leben und das war meist lustig. Neben André Herrmann und dem preisgekrönt rappenden TTZ stach noch ein junger Fast-Hipster heraus, der sich über Hipster mokierte. Und der Schwarzhaarige, der sich als Marky Mark einem Mädchen vorstellte, das sich als Christina Aguilera bekannt machte, wobei er Aguilera immer ganz lustig ein bisschen falsch aussprach. Es war so, dass die Jugend, also junge Erwachsene, die allein oder in übersichtlichen Horden leben und es genießen, dass Mutti nicht hinter ihnen steht und sie zum Zimmer-aufräumen ermahnt, die also das wilde Leben in vollen Um-die-Ecke-Cafés genießen, sich ein wenig über sich selbst lustig machen. Ich sinnierte über ihren Schreib- und Uni-Alltag und sah sie vor mir, wie sie in ihren WG-Zimmern sitzen und schreiben, während sich Geschirr, Besteck und Sterni-Flaschen auf dem Fußboden stapeln, wobei die Flaschen sich nicht stapeln, sondern anarchisch liegen und mitunter rollen wie frisch Erschossene an einem Hügel mit günstigem Gefälle.
Wenn ich direkt aus dem Büro zu einer Abendveranstaltung gehe, dann vergesse ich in der Regel, zu essen. So auch gestern. Der Hunger siegte schließlich und so kann ich nicht über der Lesung zweiten Teil schreiben, weil ich in den Spätzle-Express musste. Aber was ich gesehen und gehört habe, hat mich sehr amüsiert und nächstes Mal bin ich pünktlicher und angele mir einen der begehrten Sitzplätze!

GLAM HAT DIE RETTENDE IDEE

Spinnennetze inspirieren Architekten und Klebstoffmagnaten. Dass Flugzeugflügel Flügel heißen kommt auch aus der Natur. Und ich möchte jetzt endlich die Fusselentfärbmaschine des menschlichen Bauchnabels wissenschaftlich und wirtschaftlich urbar machen. Ich suche daher wissenschaftliche Mitarbeiter, die mit mir daran arbeiten, dass der Bauchnabel auch andere Farben als grau machen kann. Sobald wir das geschafft haben, werden wir geeignete Bauchnabel (Outies) klonen (Stammzellen?) und ihre DNA manipulieren. Was bei Tomaten klappt, geht auch bei Bauchnabeln. Die so geschaffenen Fleischkappen stülpt man sich dann aufs Haupt und viele Coloristen können dicht machen. Und im Winter wärmen sie! Und man muss nie wieder eine Badekappe kaufen.

GONE oder WAS MACHTE DER MANN DA MIT AMANDA?

Könnse kucken. Klassische Hitchcock-Prämisse: „Keiner glaubt mir!“ Die kleine Seyfried spielt das solide. Darüberhinaus ist es einfach ein ästhetisches Vergnügen, ihr in die weit aufgerissenen Augen zu schauen. Production-Design im klassischen 10er blaugraugrün, aber hier effektiv eingesetzt, es ist eine kalte Welt.

IM SCHLAF

Die meisten Sachen geschehen zur Zeit im Schlaf. Wandeln mal ausgenommen (auch das, wie üblich – ich wandle eben, sei´s drum) sind meine Träume derzeit Action-Szenarios. Erdbeben in Berlin, höllische Familienstreits. Letzte Nacht wurde der Zug, in dem ich fuhr, von einem Selbstmordattentäter aufgesucht. Er hatte aber schlecht geplant, ich hätte einfach abhauen können, fand mich dann aber mit ihm knutschend auf Ibiza bei einer Hochzeitsfeier wieder. Musste zwar dringend meinen Rückflug erwischen, wusste aber nicht wohin mit meinem Gepäck – es war soviel – und dann fiel mir ein, dass ich ja den braunen Anzug tragen wollte, nicht den grauen. Ich hab das Gefühl, ich hab den Flug noch bekommen, oder hätte, wäre ich nicht aufgewacht.

Was die Träume gemein haben – ich steh den Horror durch. Mit Gelassenheit. Auch die anderthalb Stunden Warten beim Psychiater. Als der mich dann kurz nach 20 Uhr an die Tür bringt – seine Sprechstundenhilfe macht um 19 Uhr Feierabend – steht vor der Tür der Patient, der vor mir dran war.
„Unten ist abgeschlossen.“
„Da müssen Sie nur den Hebel ziehen.“
„Ich dachte, das löst vielleicht nen Alarm aus.“
Unten, nach dem Enthebeln frag ich ihn „Und wann hattest Du Deinen Termin?
„Um sechs.“
„Ich um halb sechs. Aber ich hab vorher angerufen und sie hat gesagt, es reicht wenn ich gegen halb sieben da bin.“
„Da müssen wieder paar krasse Fälle reingekommen sein!“
„Ja. Aber dafür mag ich den. Der nimmt sich wirklich Zeit.“
Und vor der Tür trennen sich unsere Weg und wir stiefeln in die Nacht und in den Nieselregen.

HIERBEI PFIFF ER.

So ein Winterwochenende, wo es eigentlich zu kalt ist um rauszugehen und so bleibt man einfach drinnen. Noch einmal das Asylum-Finale, ein bisschen „Hart of Dixie“ als Seelenberieselung, dann fällt mir ein, dass es noch einige Kästner-Romane gibt, die ich nicht gelesen habe, die sich aber in meinem Besitz befinden und ich entscheide mich für „Drei Männer im Schnee“ und es ist, als ob man einen Diamantring findet, von dem man nicht wusste, dass man ihn besitzt. Eine Screwball-Comedy in deutscher Sprache, mit drei Männern in den Hauptrollen, wow, das geht! Diese einzigartige Wohlfühlstimmung, die Kästner hinbekommen hat, wenn er nicht bitter und voller Gram war. Der Spirit, der auch in seinen Erzählungen für Jugendliche schimmert. Einer der schönsten Sätze in deutscher Sprache – siehe oben.

Am Sonntag dient das Thermometer nicht mehr als Ausrede und so stapfe ich zum Strike, Devendra im Ohr, lasse mich blondieren und stapfe blond zurück. Am Blond kann es nicht liegen, dass ich viele anerkennende und fragende Blicke bekomme – ich trage eine Mütze. In der Wohnung dann, als ich die Kopfhörer abnehme, erfahre ich den wahren Grund. Ich hatte den Ipod auf laut gestellt.

NOT THE FUCKING CONCIERGE

Dass mein Name ganz oben links als erster auf der Türklingelliste steht ist insofern logisch, als dass ich auch ganz oben links wohne, aber es hat auch zur Folge, dass jeder, der keinen Schlüssel hat und trotzdem irgendwie rein will, immer erst mal bei mir klingelt. Früher ging ich dann an die Sprechanlage und sagte Sachen wie „Dass mein Name ganz oben links als erster auf der Türklingelliste steht ist insofern logisch, als dass ich auch ganz oben links wohne, aber es hat auch zur Folge, dass jeder, der keinen Schlüssel hat und trotzdem irgendwie rein will, immer erst mal bei mir klingelt. Klingeln Sie gefälligst woanders.“ Mittlerweile antworte ich nicht mehr auf Türklingeln, es sei denn ich erwarte Besuch oder eine Lieferung, was unwahrscheinlich ist, da ich eigentlich alle Bestellungen in die Firma kommen lasse. Wer mich wirklich spontan besuchen möchte kann ja auf dem Handy anrufen. Anders als alle anderen Fremdklingler würde ein Paketzusteller nie darauf kommen, bei jemandem im Dachgeschoss zu klingeln, um Pakete für nicht anwesende Nachbarn abzugeben. Das ist deshalb gut, weil solche Pakete ein echter Zeitstehler sind. Zunächst die Absender-Adresse überprüfen und schauen, welcher Erotik-Shop sich hinter dem diskreten Namen verbirgt. Dann durch Schütteln und Fallenlassen ermitteln, was genau sich im Paket befindet. Schnell ist ein Vormittag rum. Heute um 7 wurde ich überrumpelt. Das ist eine Zeit, wo man nur aus Notgründen irgendwo klingelt. Dieser Kiez ist ja sehr lebendig und nicht ganz ungefährlich. Das Klingeln um 7 jedenfalls löste eine Neugier in mir aus.
„Tach´chen, Winterdienst. Wir sind hier, den Hof zu räumen.“
Und aus Mitleid mit den armen Herren, die um 7 Uhr bei Fremden klingeln um im Schneetreiben den Hof zu räumen, hab ich die glatt reingelassen. Es bleibt aber eine Ausnahme.

TOBI OR NOT TOBI

Gästezimmer ummöbliert. Statt eines lichtdurchfluteten Schlafplatzes (im Sommer, dank Ost-Ausrichtung, eine Herausforderung) gibt es jetzt eine russische, baumbeschattete Schlafecke, für die noch ein Nachtlicht fehlt. Flohmarkt, anyone?
Unter dem Bett mehrere Feuerzeuge, eine fast volle Packung Tabak, einzelne Filter, Kronkorken, Sektkorken, Centmünzen und Kondom-Umverpackungen – alles deutet auf ein ausgewogenes, glückliches Leben. Ausgenommen der Piss-Fleck auf der Matratze, Kalle Blomquist zu verdanken, der in anderer Funktion die Mansion und dieses Blog schon einmal besucht hatte, many many midnights ago.

Am Abend kommt der neue Bekannte zu Besuch, wir reden über Herzen und Haare, unter anderem, dann „Crimes of the Heart“. Schöner Tag.

GLAM PERPLEX

„And when wil P. have to leave?“
„Oh, he already left.“
„Shit – and I couldn´say goodbye!“
„But you did. Last night.“
„/“
„After we came home and we talked and sang „The Name Game“ together.“
„But. Ahem. I went to sleep after M. had left.“
„?“
„I don´t remember a thing.“
„But we sang together!“
„Well, it seems that now I finally do know what I do when I´m sleepwalking.“

DOWNTON ABBEY 3

Und dann kam doch alles wieder anders und statt Konditorn und empfangen flugs Downton Abbey 3 zu Ende geschaut. Wie richtig die alles machten wurde spätestens klar, als ich versehentlich in diese Adlon-Serie reinzappte, die wohl als Beschäftigungsmaßnamhe für alle deutschen Schauspieler, die Sie kennen oder deren Namen Sie gerade nicht parat haben herhalten muss. Sie glauben der Berliner Flughafen sei eine Katastrophe? Schauen Sie die Adlons. Fernsehbilder von einer unaussprechlichen versucht-und-nicht-gekonnt-„Ästhetik“. Ausgeleuchtete Falten schlecht operierter Knallchargen. Platt sich breitmachender stumpfer Pathos. Die Briten hingegen – leichtfüßig, edel, elegant, herzergreifend. Herrlich, wie die Thomas vs O´Brien-Storyline aufgelöst wird! Mein Herz blutete für den Chauffeur. Matthew Crawley, wie er sich durchsetzt und die Zukunft einläutet. Eyecandy (Alfred!)und Heartwarmer. So geht Fernsehen.

Und so nicht:

IT GETS BETTER

Dass die Saison vorbei ist hat man am Freitag fast nicht gemerkt, aber das lag an erkrankten Mitarbeitern, nicht am Arbeitsaufkommen. Dass sie vorbei ist merke ich spätestens daran, dass ich mit einem Mal wieder soziale Kontakte wahrnehme und überlege, wen ich zu lange nicht gesehen habe. Ich schrecke nicht einmal davor zurück, mich nach der Arbeit auf ein Bier zu treffen, Sonntags zu konditorn und am Abend noch Ex-Roomie und seinen entzückenden Boyfriend zu treffen. Ich habe wieder Kapazität, Sie können also alle wieder anrufen, ich geh auch ran.