Donnerstags hab ich ja immer früh frei, aber, nachdem ich auf der Urbanstraße beinahe einen Vampir überfahren hatte – die sind wirklich nicht tageslichttauglich – war mir nach Ruhe und das Aufregendste des Tages war, dass ich Lebensmittel im Netto und nicht im Penny gekauft habe. Und der fucking Netto hat Knorrs Mac&Cheese nicht mehr, also war´s umsonst. Im Notizbook stand noch „Bierhain wg Cit.Pr“, aber die schicken mir das Rezept freundlicherweise per Post.(Der heißt nicht wirklich Bierhain, aber so ähnlich.) Aus einem Nachmittagsschlaf erwachte ich um 1, schaute Half Nelson*** zu Ende. Lohnte sich. Gosling, dieser Schurke, hach. Old habits die hard, so klickte ich mich ein wenig durch Gayromeo und fühlt mich ein bisschen schuldig, und weil ich einfach nicht müde wurde – Shameless*. Das machte mich dann so richtig wach. Also mit der Gießkanne auf den Balkon und geschaut, ob wieder Vampire gegen die Hauswand pinkeln, aber war nichts. Nach Konsultation des Notizbuchs erstand ich dann noch dies und kann Ihnen empfehlen das auch zu tun und es nicht über Clipgrab zu stehelen. Ich möchte, dass es Belinda gut geht.
Möge sich bitte der treue Leser aus Grenoble mal mit mir in Verbindung setzen, damit ich erfahren kann, ob ich mit meiner Vermutung, um wen es sich da handelt, richtig liege? Glamourdick ist bei aol punkt com.
LinkedIn-Konto nach einer Woche gelöscht, weil immer bizarre Mails Kamen: „Uschi Korken“ aus New Jersey bestätigt Ihre Kontaktanfrage. Aber nie eine Einladung geschickt. Das so 5 Mal. Noch ein Netzwerk mehr brauch ich wirklich nicht. Ich ärgere mich ja schon, bei Google+ sein zu müssen, wegen der Matrix, die ja das ist, was Winona im liebsten aller Alien-Filme. Android. Da fällt mir ein, dass ich auch noch nen Xing Account habe. Gleich mal hin.
In der Lower Weserstraße die Cousine, ihre Tochter und deren Boyfriend abgeholt, und dann zu Fuß durch Upper Neukoelln. To get a vibe for your new hood musstu schon zu Fuß durch. Sonnenschein. Düfte von Shisha über Bratkartoffel bis was-Ihnen-gerade-einfällt. Dieser spürbare Rumms, wenn Du von der Karl-Marx-Straße in eine Seitenstraße abbiegst, wo mit einem Mal ganz andere Menschen unterwegs sind, und wo es sich bei Läden nicht um Mobilfunkanbieter, türkische Abendmode und Schnäppchen-Heaven handelt, sondern, ganz altmodisch, Tabakwaren, Döner und Friseure. Zwischengestreut ein veganes Mini-Café, weil, das macht man jetzt eben in Neukoelln. Das ist ja Berlin – der KONTRAST. Jeder Bezirk eine Welt für sich. Und jeder in sich noch einmal gebrochen, man kann Entdeckungen machen und ein paar will ich der Verwandtschaft, jetzt auch Nachbarschaft, vorwegnehmen. Also von der ziemlich lauten, rempligen Karl-Marx in einen unscheinbaren Hauseingang und dort ins Café Rix, das schon in den Jahren in denen ich in Lower Neukoelln lebte, meine Lieblingsanlaufstelle war. Damals auch die einzige in dem Kiez. Der Ballsaal ist noch immer beeindruckend, wenn auch ziemlich nachgedunkelt, aber das Wetter ist schön, also setzen wir uns in den Hof. Ich habe meine Cousine in all den Jahren selten gesehen, wir wohnten zu weit auseinander, aber ich komme mit ihr immer schnell ins Gespräch, um so mehr freue ich mich, dass ihre Tochter jetzt hier wohnt und wir uns häufiger sehen werden. Das Pärchen vom Nebentisch macht einen Abstecher hinter eine Abzäunung in den Hinter-Hof und kommt kurz später sichtlich beeindruckt zurück. Bevor wir gehen, schaue ich auch mal nach und siehe da-
Glammy Mansion
Für die oberen beiden Stockwerke würde ich sogar den Parkplatzhorror auf der Karl-Marx in Kauf nehmen. Na ja, Neukoelln müsste mir etwas entgegenkommen und die Straße in V.Karl-Marx-Straße umbenennen.
Wieder Zuhause weigert sich das Fahrerfenster meines Autos, sich schließen zu lassen. Das kenne ich von früheren Hyundais, also versuche ich es mechanisch, d.h. per Hand. Ich habe aber immer nur eine Hand frei, weil ich mit der anderen den Fensterhebeknopf betätigen muss, es bringt also nichts. Mit offenem Fenster will ich den Wagen nicht stehen lassen, also fahre ich zur nächsten Tankstelle, vergessend, dass Tankstellen ja nun nur noch Tankstellen mit Späti- und Tankfunktion sind – Mechaniker waren mal. Neben mir stehen zwei Taxen und deren beiden türkische Fahrer, die in ein Gespräch vertief sind.
„Entschuldigung, hatten Sie das auch schon mal, dass ihr elektrisches Fenster sich nicht mehr schließen ließ?“
Beide nicken verständnisvoll. Während ich den Fensterhebeknopf drücke, ziehen Sie die Scheibe nach oben und gehen zu ihren Wagen zurück.
„Hey warten Sie mal – ich würde Ihnen gern-“
Aber sie winken ab, und so hebe ich nur die Hand zum Gruß, als ich abfahre.
Das Redigieren des Finale war ein Joyride. So fulminant hatte ich es nicht in Erinnerung. Oktober suddenly seems very close, und dabei ist es nicht nicht mal Sommer und das gestern eingetroffene neue Gäste-Boot steht nutzlos herum und sehnt sich nach dem See. Pünktlich kurz vorm Teint-Wechsel geht mir dann das Make-up aus und es ist noch zu früh für Beige Dorée und so muss ich ein neues Fläschchen Vanilla anfangen. Hmpfh.
Heute bezieht die Tochter der Cousine ihr Berliner Domizil und ich freu mich auf Familie in der Nachbarschaft. Und über wachsendes Grün und Bunt auf dem Balkon von Glam Gardens und auf 2 neue Stephen Kings dieses Jahr. Und überhaupt. Alles gerade schön hier.
„Oper der Phantome“, die Lektoratsfassung berarbeitet. Die meisten gestrichenen Berlin-Szenen wieder rein. Den Ringtheater-Brand. Opern-Historie. Das 1928er Metropol-Massaker. I don´t believe in „kill your darlings“. Also, alles was Glam ist (und vielleicht nicht ganz Genre) wieder reingetan, weil das halt ein Buch von mir ist. Und das gehört da rein, auch wenn´s eben nicht der Konvention entspricht. Konventionell ist bereits das Cover, auf das ich leider keinen Einfluss habe. Jammern auf hohem Niveau? Nein. Das ist ein bisschen wie Kindesentführung. Dann kriegst Du es zwar wieder zurück, aber es hat einen Sprachfehler und Tribal-Tattoos.
Es passiert gerade wenig. Ich redigiere die „Oper der Phantome“ vor mich hin. Die Berlin-Passagen sind mir ein bisschen zu arg gekürzt und ich kopiere und pastiere zwischen Manuskripten hinterher. Einerseits scheint die Veröffentlichung im September/ Oktober ganz kurz bevor zu stehen, andererseits liegt da noch ein kompletter Sommer dazwischen. Und auf den freufreufreu ich mich. Der Opener wird das Autorenfest am See sein, die Woche darauf mein Geburtstag. Ich mache mir bereits Gedanke darüber, wen wo unterzubringen, aber die Mansion hat drei Zimmer und ca 5 Schlafgelegenheiten für mindestens 7 Leute. Hearty kann beim Strike unterkommen und erstmals ist auch mein geliebtes Patenkind mit dabei und zwar mit Boyfriend. Um die Tochter der Cousine muss ich mir keine Sorgen machen – die hat zu dem Zeitpunkt schon ihre eigene Berliner Wohnung, und sogar im Trendkiez um die Ecke. Dieses Jahr wird es weiteren Party-Zuwachs geben, wie jedes Jahr wird es eine bunte Mischung sein. Einige, die früher dabei waren, sind andere Wege gegangen, aber das wird man nicht merken, weil was die Parties auszeichnet, ist diese herzliche menschliche Qualität, diese Abwesenheit jeglicher Berührungsangst, eine warme Note, jeder kann mit jedem reden, weil das einfach fanatastische Menschen sind. Übrigens auch etwas, das ich in der „Oper“ verarbeite. Meine Berliner. Wie wir zusammenhalten und dabei offen bleiben. Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser zufällig Einfluss auf´s Wetter haben (ich weiß ja, welch ausgewählte Talente unter Ihnen sind) – machen Sie bitte, dass es ab 1. Juni schön wird und am 2. Juni der Schlachtensee schwimm-warm ist. Ich würde gern mit den Rest-Party-Gästen auf´s Wasser.
Am Freitag grün gemacht, mit Strike zum Hollaender und die erste Rutsche Pflanzen gekauft und gepflanzt. Beim Hollaender eine Schulkollegin getroffen, habe mich aber nicht zu erkennen gegeben – damals eine schwarzhaarige dünne Elfe hat mein jetziges Aussehen wenig mit Glam age 18 zu tun. Sie hingegen würde ich überall wiedererkennen, die markante Nase, das dünne blonde glatte Haar. Ich erinnere mich sogar daran, dass sie die Sommerferien damit verbrachte, irgendwo – ich glaub es war Griechenland – einen Waldbrand zu löschen. Und nu stehtse beim Hollaender vor dem gigantischen Geranienregal, und ich denke – guter Mensch!
Weiter mit guten Menschen am Samstag – Dinner bei Ex-Roomie und seinem wunderbaren Boyfriend. Es gibt fantastische Tartes mit Lauch und Cheddar, Erbsen und Kartoffeln, zum Dessert eine Schoko-Mousse deluxe. Dann machen wir ein privates „Bully“-Screening und die Reaktionen der beiden zeigen, dass ich den Film den richtigen Menschen gezeigt habe. Ich berichte von dem Kind, das mir kürzlich „Schwuchtel“ hinterher gerufen hat, und das ich packen und hochheben wollte und mit einem „Soll dir die Schwuchtel mal die Eier abschneiden, du kleines Stück Scheiße? Ich weiß wo du wohnst!“ einen erinnerungswürdigen und von der Nachbarschaft goutierten Moment verpassen wollte. Leider hatte sich das feige Aas versteckt.
Am Sonntag ein Telefonat mit der Schwester, die ja an einer Schule für Kinder mit special needs unterrichtet. Sie berichtet von der „Inklusion“. Demnach sollen nun Kinder mit Lernschwierigkeiten erst mal eine „normale“ Schule besuchen. Kommt es zu Auffälligkeiten, werden dann „Sonderschul“-Lehrer beratend hinzugezogen. „Das ist ja, wie wenn der Arzt sagt „´Schuldigung – Sie haben Krebs. Aber wir warten erst mal ab und schaun wie´s sich entwickelt.“ Tja, aber die Einsortierung von Kindern in die Kategorie „special needs“ sei eben laut EU-Richtlinie menschenrechtsverletzend. Und wie nun genau und im Detail die neue Aufgabe der special-needs-Leher zu bewerkstelligen sei, das würde man im Verlauf der Arbeit feststellen. Man sieht, da hat sich jemand Gedanken gemacht, nur nicht die richtigen. So schnell zaubert man sich einen garantierten Nährherd für Mobbing, und die Lösungen und Hilfsmittel, damit umzugehen, sind weder den Verantwortlichen, noch den Pädagogen, die sich mit den Resultaten abfinden und sie verarzten müssen, ansatzweise bekannt. (Kleines Beispiel – Schulbusse: Roomie reagiert fassungslos auf die Szenen in „Bully“, in denen ein Protagonist wochentagtäglich zweimal durch die Hölle geht: „Das wäre in England unvorstellbar – wenn da einer im Schulbus aufsteht, dann stoppt der Bus!“ Ja, es gibt Lösungen, mitunter ganz einfache. Angesichts dieser Umstände fällt es allerdings schwer, ein cool face zu machen (eine wirksame Maßnahme im Umgang mit Bullies – zeig keine Gefühle!)
Am Sonntag „We need to talk about Kevin“, der den Aspekt des Bullying zeigt, auf den man von außen keinen Einfluss hat – Die Emotion innerhalb von Familien. Verkorkste Eltern führen zu gestörten Killerkindern. Die Ausübung von Gewalt gegenüber anderen Kindern und Jugendlichen kommt ja nicht vom Hass auf die Peers (oder Sub-Peers), sondern aus der Not, sich zu behaupten und wichtig zu machen. Kontrolle und Macht zu spüren ist auch eine Form von Selbstbeweis und Liebesersatz. Kinder werden aus gutem Grund auffällig: um wahrgenommen zu werden.
Wenn Sie ihn bislang verpasst haben, hier nochmal der Trailer:
Und wenn auch Sie ein emotionsloses Aas sein sollten, dem das Thema am Arsch vorbeigeht, und dieses Blog trotzdem schätzen, dann bedenken Sie, dass es dies nicht geben würde, wenn der Betreiber desselbigen mit 14 die richtige Anzahl Schlaftabletten geschluckt hätte, der Wille zum Totsein war jedenfalls da, nur an der Ausübung hatte es gehapert.
Schon ein seltsames Gefühl, staunend vor goldenen Särgen zu stehen, die ineinandergesetzt einen Raum füllten – außenrum nur 60cm Platz. Und jeder ist noch prächtiger in seiner Babuschka-Natur, und dann ist da irgendwo ne Leiche drin, zwischen einer Tonne Gold, Holz und what-not, mit dieser Maske, die wir alle kennen. Jetzt ist das alles nur Replik und die Reste der Leiche sind weißnichwo, und kurz schimmert so durch – sollte das nicht besser unter der Erde geblieben sein, also das echte Grabszeugs?, und irgendwann setz ich den Kopfhörer ab und lass das alles visuell ein bisschen wirken, ohne Stimme im Ohr. Am Beeindruckendsten die nachgestellten Grabräume, die aussehen wie Marlene Dietrichs Garagenlager in ägyptisch.
Am Tresen im Café ignorieren Rentnerinnen die Schlange und kaufen Eis für die Enkelkinder. Es sind nicht die gleichen, die am Einlass gedrängelt haben. Aber auch die werden irgendwann mal 3000 Jahre lang tot sein und wer weiß, was die mitnehmen und irgendjemand irgendwann mal ausbuddeln wird. Goldene Hüftgelenke und kostspielige Zahnprothesen. Gegen Tut kommt Ihr nicht an, Ihr arschigen Greise.