Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

19./20.6.13

Irgendwann ist ein Stadium des Schwitzens erreicht, wo es schon wieder okay ist. Ich liege in meiner eigenen Ursuppe und prokrastiniere den Sprung in den See. Weil ich kann. Gefühlte 40°, kein Windstoß. Wenn ich mich im Boot zurücklehne, dann ist sogar der Schweiß im Rücken wärmer als Körpertemperatur. Aber dann ist der Zeitpunkt erreicht, wo ich mir nichts mehr beweisen muss und klatsch, WOW. YAYYY!!!

Nachteil eines ausgiebigen Tages am See ist nicht die zarte Röte, die heute schon braun ist, sondern die Tatsache, dass das Dachgeschoss die Außentemperatur angenommen hat und auch um 22h noch hält. 36° im Arbeitszimmer. Um halb 5 aufgewacht wegen Hitze. Seitdem die Wohnung runtergekühlt auf 25°, mittlerweile steigt die Temperatur allerdings wieder. 1/ vor 8 und 26°.

Ich hab heut um 14h Schluss. Zwei Boote sind startklar.

MÄANDERTALER

Im Office ist es so ruhig, dass ich Zeit für die Korrekturfahnen habe. Eintreiben, Austreiben.

Eine halbe Stunde zu killen im Bergmannkiez. Erst mal ins „Otherland“, den Buchladen des Fantastischen (der Ashby House nicht führt, ts ts ts). The Accursed von Joyce Carol Oates (nach den vielen Oates-Flops der letzten Jahre der vermutlich letzte Versuch) und ein Ticket für die Lesung von Kollege Elbel. Immer noch 28 Minuten. Mir ist ein bisschen frisch, denn ich bin kurzhosig und ärmelig unterwegs. Da gab´s doch immer so seltsame Shops á la „Jeans-Markt“ o.ä., wo es bestimmt ein Hoodie für nen 20er gibt. Nee. Auch gentrifiziert hier. Aber da ist ein Surfer-Shop, die müssen ja wohl. Und hamse auch. Und in meiner absolut-z.Zt.-Lieblingsfarbe – Givenchy-Burgunder. Leider zum Preis, für den ich vor 15 Jaren Gucci-Hemden gekauft habe. Aber wann kommt es schon mal vor, dass ich den gewünschten Artikel in exakt der richtigen Farbe finde? Gekauft. Noch 20 Minuten. Auf eine Bank nahe Barcomi´s gesetzt und in die Oates reingelesen. Die offenbar auch keinen Einfluss auf ihre Buchcover hat – scheußlicher geht´s kaum (die britische Ausgabe). Das Vorwort schon mal ziemlich verschwurbelt, ach Menno, Flocke. Du schreibst zuviel und liest zu wenig. Lies mal Egan-Walter-Cash-Towles. Aber ich will nicht voreilig urteilen. Zumal ich gerade Joyland von Stephen King lese, das genau so schön ist wie die besten von King. „Die Welten die der kreiert, bevor es mit dem Horror losgeht – unvergleichlich!“, so Frau Casino gestern, und es trifft einmal mehr zu. Und auch wenn er ein Traditions-Autor ist, und ein ähnlicher Schreib-Freak wie JC Hafer, er macht das so gut, dass es eine Freude ist. Der Roman spielt auf einem Jahrmarkt, es geht um Carnies und einen liebeskranken Studi, das Böse/Fantastische hält ganz sensibel Einzug. Love it – und das Cover auch und besonders. Talking about atmosphärisch – der Gatsby-Soundtrack. Love Luhrmann.

Dann zurück ins „Otherland“, treffe Herrn Elbel und Gattin Chris und eine kleine Bühne ist aufgebaut, der unverschämt attraktive tättowierte Buchhändler ist auch da. Ich versuche durch Ablenkung in den Themen von der Anspannung abzulenken, die einen befällt, wenn man gleich auf eine Bühne muss, dann wird Thomas anmoderiert, erzählt ein bisschen von Elysion und liest. Pointiert und bildhaft, dass man drin ist in der Szene, ganz wunderbar. Auch bei ihm geht es um schreckliche Engel, aber wir kommen uns da nicht ins Gehege – bei ihm sind sie Figuren einer Dystopie. Wenn Du einen killst, dann kannst Du ihn zu Teer verarbeiten, einer lukrativen Droge in der Elysion-Dystopie.

In der Pause muss ich gehen, denn ich bin mit dem Raketenprinz zum Dinner verabredet. Auf dem Marheinekeplatz torkelt ein betrunkener Vampir auf mich zu, aber ein Schubser reicht und mit einem „Fupp“ schlägt er auf dem Kopfsteinpflaster auf. Rakete schließt gerade sein Rad ab, als ich beim Mexikaner eintreffe, der mittlerweile allerdings ein Café-something ist. Schade. Das war immer ein solider Mexikaner. Dann laufen wir durch 61, landen schließlich beim Inder am Mehringdamm, speisen und reden. Rakete und ich haben eines gemein – Projekte, die zwingend umgesetzt werden müssten, aber es fehlen die nötigen Collaborateure. Aber immerhin sind wir schon mal zu zweit. Und wenn wir uns weiter so inspirieren, dann kommen wir wohl auch nicht umhin, uns ein paar Aktivisten ins Boot zu zerren. Christopher, den ich heute mitsamt Ex-Roomie ins Gummiboot hole, wird vermutlich dabei sein.

DON´T ASK, DON´T TELL

Flirten auf den Blauen Seiten wieder ohne Schuldgefühle. Dito für die zwei Tage zwischen den zwei Dates mit demselben Mann, an denen ich Sex mit drei Männern verschiedenster Nationalitäten hatte (Das Ausmaß meines Schlampentums wird besonders gerade jetzt auffällig, wo ich mich nicht einmal an den Typen erinnern kann, mit dem ich an dem Tag vor dem Dreier Sex hatte). Ich bin gerade nicht gemacht für etwas Verbindliches. Ich komme schon zu lange zu gut damit klar, nicht verpartnert zu sein. Am Samstag ein Gespräch über Treue – wie selbstverständlich ich betrogen habe. Leises Schuldgefühl, aber nie den Fehler gemacht, zu beichten, weil der Fick nebenher keinerlei Einfluss auf die Beziehung hatte. Sind Männer einfach so? Ich denke, ja. Treue ist vermutlich reine Disziplin, Kultur. (Aber fragen Sie nicht, wie ich durchdrehen würde, wenn jemand mich betrügen würde. Deshalb siehe oben.)

OPER DER PHANTOME-NEWS

Korrekturfahnen in der Post! Brief an Indendanten verfasst. Das geht jetzt langsam in die heiße Phase and I fucking enjoy it. Wenn man noch etwas poliert, den Setzern den einen oder anderen Gefallen tut – „Satz einfügen“, „Um einen Satz kürzen“, Leseproben heraussucht, Kollegen um einen Satz für den Blurb bittet. Sich mit dem Cover versöhnt. Das Buch zum vierten Mal liest, und es ist ein bisschen, wie bei einem Sänger, der ein Lied zum Xten Mal vorträgt und es macht immer noch Spaß.

GLAM, MA ANGLISTIK, a.D.

Nachdem mir dieses Jahr die Bücher am Besten gefallen, in denen häufig die Erzählperspektive wechselt und sich die Geschichte erst in der Summierung der Perspektiven erklärt, mit dem Strike auf dem Boot darüber sinniert, welche Rolle diese Konstruktion in der Literaturwissenschaft wohl spielt. Wir sind ja schon ne Weile raus aus dem Club. Die Technik ähnelt dem Schnitt im Spielfilm. Denken Sie an Magnolia oder Playing by Heart oder auch leichtere Unterhaltung wie Love, actually oder die schrecklichen Feiertagsfilme, die davon inspiriert sind.
Diese Technik spiegelt meines Erachtens den multiplen Blick, mit dem wir seit Internet Realität wahrnehmen und hinterfragen. Wir suchen bei Google, checken bei Wikipedia, suchen Presse-Artikel zum Thema und forschen dann in Blogs vertiefend. Wir sortieren dann diese Facetten zu einem runden Ganzen, das aber ganz individuell ist – auf der Basis unserer persönlichen Recherchen. So fragmentiert, wie wir wahrnehmen, werden jetzt Geschichten konstruiert. Die klassische Drei-Akter-Konstruktion gibt es parallel, aber sie wirkt im Vergleich etwas altbacken. Ich mag es, wie Jennifer Egan oder Jeff Walters den Fluss des Erlebens schreibend wiedergeben. Das Goon Squad ist das literarische Äquivalent zu einem Road Movie – es geht voran, schreitet vor, blendet zurück. Beautiful Ruins schneidet zwei Zeitebenen für größtmöglichen Effekt. A Land more kind ist literarische oral history: dokumentarisch geschaltete Perspektiven zum gleichen Thema. Es ist sehr befriedigend, dass Literatur nicht stagniert, sondern es tatsächlich Innovationen gibt. Wer auch immer den Pulitzer-Entscheid trifft – im Falles des Goon Squad hat man dies erkannt und gewürdigt.

BERLIN WILDLIFE

Samstag die See-Saison eröffnet, unbeabsichtigt zugleich die Badesaison, als eines meiner Paddel abtrieb und mir nichts blieb, als ihm hinterher zu schwimmen. Wenn Ihnen jemand weismachen möchte (wetter.de beispielsweise), der See habe nur 16° – glauben Sie´s nicht. Es war erfrischend, aber keineswegs kalt. Der erste Tag auf dem See war wie eine Prelude – überschaubare Anzahl von Booten, kaum Schwimmer (und die meisten von den wenigen in Neopren), keine Kinderschreierei. Idylle. Strike und ich kamen rosageschmoren an Land. Mittlerweile sind wir goldig.

Am Sonntag war der aufregendste Teil der Moment, als die Schwalbe ins Schafzimmer flog, durch den Flur schnurstracks in die Küche und sich im Kartoffel/Zwiebel-Korb niederließ, von wo sie auch nicht wegzulocken war. Heartys boyfriend wurf ein Handtuch über den Korb und brachte ihn auf den Balkon, aber auch hier wollte sie nicht weg. Die verantwortliche Wildvogel-Station, die mit Rat und Tat hätte zur Seite stehen können hat Sonntags keine Bürozeit, die Tier-Ambulanzen hatten keine Ahnung, wie mit Schwalben umzugehen ist (drei an der Zahl, eine wünschte mir und der Schwalbe immerhin „Alles Gute“), die Lösung zur Rettung kam dann per Facebook. Herr Schneck wies darauf hin, dass Schwalben immer von oben nach unten in den Flug starten und Uli aus HH hatte dieselbe Erfahrung gemacht und empfahl, das unbewegliche Tier in die Hand zu nehmen und vom Balkon in die Luft zu werfen, was ich eine halbe Stunde lang nicht übers Herz brachte. Dann bat ich Hearty, mir die Aufgabe abzunehmen, und – siehe da – die Schwalbe plumpste nicht in den Todessturz, sie flog.

Da die Haut noch rosé war und weil sich niemand mobilisieren ließ, mit mir zu boaten, verbrachte ich den letzten Urlaubstag im Schatten meines pinkfarbenen Sonnenschirms auf dem Balkon. Bis der Regen kam und mit ihm Kommissarin Lund.

HOLIDAYGLAM

Am Montag früh das Skailight und den E. verabschiedet und überlegt, was zu tun. Entscheidung war nicht schwierig. Rumschlunzen. Abgesehen von einem ausgiebigen Spaziergang auf der Suche nach perfekten Schrippen oder vergleichbaren Backstücken – Katie´s Blue Cat war geschlossen, die Bäckerei daneben, so eine mit 70er Schriftzug in Bäckergelb, die bis vor ein paar Jahren noch authentisch war, dann schloss, wird jetzt zum 1.7. gentrifiziert neu eröffnet, half mir also gestern nichts, ich also zurück auf die Wiener in die Bäckerei, in der ich die Fatima aus Peter Fox´ Lied vermute. Gestern arbeitete sie aber gar nicht. Die Schrippen waren dennoch gut. Dann den aufgeschobenen Wohnungsputz absolviert, mehrere Fotobände durchblättert, geschlafen, eine Doku über Frankenstein angeschaut, danach Frankenstein. Der Karloff macht das unglaublich zart. Beeindruckend. So beeindruckend, dass mir nie die ziemliche geile Schnitte aufgefallen ist, die den Victor (im Film heißter Henry) Frankenstein spielt. Colin Clive. Was wohl aus dem geworden ist – nicht mehr viel. Starb im Alter von 37 Jahren. Sehr auf schwule Komponenten geachtet, die Besetzung war ganz sicher eine, die Jagd auf Boris K. selbstverständlich auch. Am Abend dann noch The Impossible. Dolle geweint. Sehr sehr starker Film, wider Erwarten. Könnse sich anschaun.

Was anderes – sollte jemand von Ihnen in den letzten 30 Stunden kommentiert haben und sich hier nicht veröffentlich sehen – ich hatte 140 Spam-Kommentare und konnte nicht alle einzeln durchgehen. Ich hatte ja zu schlunzen. WordPresss hält mehr Kommentare für Spam, als es sind. Aber besser so, als den ganzen Spam-Dreck hier auf der schönen Seite zu haben.

EMOTING 2.0

Emoticons. Manchmal bin ich überfordert. Mein favourite:

:-=

Das Nosferaticon, kennse ja schon.

Aber was heißt

:-*

(Ich lese das als „Ich küsse Deinen starfish von links.)

SUMMERING

Normalerweise klappt das immer ganz wunderbar – um den Geburtstag rum Urlaub nehmen, viele Gäste haben, zwei bis drei Tage feiern und möglichst viel Zeit auf dem See in Rudeln rudern. Dieses Jahr könnte es zumindest mit dem See problematisch werden. Aber was soll´s, wenn ausgerechnet am ersten Urlaubstag der Mann, der immer das richtige sagt und tut frei hat und wir es uns wetterunabhängig gutgehen lassen können. Und wenn das Wetter nächste Woche mies bleibt, vielleicht schieb ich den Urlaub einfach ne Runde weiter. (Thanks, Lucky!) Jetzt müssen nur noch die australischen Badehosen pünktlich kommen. Burgunder und fire engine red. (Und wieder habe ich die Farbe nicht auf das Boot abgestimmt. Alles ist immer noch optimierbar, ist das nicht wundervoll?!)

NEO

Und gestern, als ich auf dem Weg in die Lausi bin, im Auto (schon wieder vergessen, wo ichs abgestellt habe, weil ich nur diesen einen Satz im Kopf hatte), halt dieser eine Satz im Kopf, der der Anfang von etwas sein könnte. Der andere Satz, der mit dem Turmzimmer, der hatte seinerzeit einen Roman hintendran. So ähnlich wie beim Kapitel 1 von Ashby House, kam da eine Vignette angeschossen und floss aus mir raus, es war die reine Freude. Mal schauen, ob´s bei der Kurzform bleibt, oder ob ich noch was Größeres damit anstelle. (Und gerade, wo ich mir unter meinem Namen einen Namen als Horror-Autor mache, finde ich, dieses Projekt sollte ich unter dem Pseudonym Neo Barock schreiben.)