Archiv der Kategorie: Glam gruebelt

2.8.13

„Na kiekma – der war schlauer. Der hat seine Paddel dabei.“ Sympathisches Paar, orangenes Gummiboot schleppend.
Ich richte mich vom Boot-Aufpumpen auf und bin froh über eine Verschnaufspause.
„Ich hab noch welche im Kofferraum, soll ich Ihnen ein Paar leihen?“
Da fallen sie vor Freude fast aus den Latschen.
„Wirklich? Und wie sollen wir die Ihnen wiedergeben?“
„Die legen Sie nachher einfach unter meinen Wagen – da.“
„Echt? Wow, super!“

4 Stunden später liegen sie auch genau dort. Schlachtensee-Ehre.

The Fault with our Stars zu Ende gelesen. Bewegend ist gar kein Ausdruck. Ich bin aus dem Schluchzen kaum rausgekommen, zwischendurch lachend, grinsend, strahlend, manchmal alles gleichzeitig. Der Mann (und wie unvorstellbar gut er sich in eine 16jährige einfühlt) hat meine emotionale Tastatur geritten wie Schostakowitsch. WOW. John Green. Mehr. Danach The Perks of being a Wallflower auf DVD um das emotionale Level zu halten.

LEBEN UND STERBEN IN BERLIN

Den Urlaub im Leseglück begonnen – Bücher abgeholt. John Greens The Fault in our Stars macht den Anfang. Schon innerhalb der ersten 30 Seiten sehr gelacht und sehr geweint. Der feine Grad zwischen Kitsch und Kunst – nie so gut umschifft wie hier, wo sich eine 16jährige Krebspatientin in Stadium 4 in einen ebenfalls krebskranken Jungen verliebt. Dialoge, so echt wie das Leben, zwei hinreißende Hauptfiguren, ich bin gespannt wie´s weitergeht. Ahem. Darf man das sagen? Mit Tod, vermutlich. Wie alles und immer. Eben koche ich Kaffee und der Ipod shuffelt Nick Kamen (!) und ich denk, gleich klingelt das Telefon und Miss Koma sagt unser See-Date ab. Kaum sitz ich wieder am Schreibtisch, klingelt das Telefon – es ist Frau Koma, die absagt. Schade, aber nicht so schlimm, ich hab ja was zu Lesen und vor mir liegt noch eine Woche Sommer, frei, und morgen besuch ich die Betzi, und Frau Koma kommt dann ein anderes Mal mit.

Eigentlich wäre heute Eltern einsammeln, zur Trauerfeier von Onkel Schorse fahren, wieder abholen, und dann, an einem der heißesten Tage des Jahres, mit meinen beiden Erzeugern in Schwarz durch die Stadt. Fischerhütte hatte ich geplant, immerhin den See präsentieren könnend, den kennen sie nur aus Erzählungen, und er ist doch mein sommerlicher Lebensmittelpunkt. Aber auch die Eltern haben abgesagt. GlaMum, 72 und PapaDick, 79 – beide nicht mehr so gut auf den Beinen, und an einem Tag die Strecke hin und zurück, bei diesem Wetter – das ist doch ein bisschen zuviel. Bei unserem Telefonat gestern Abend höre ich im Hintergrund Familiengeräusche. GlaMum hatte ihren Geburtstag gestern eigentlich nur mit dem Kegelclub feiern wollen, aber spontan ist ein Haufen ihrer Schwestern zum Abendessen erschienen. Ich freu mich für alle und auf nächstes Wochenende, da findet die offizielle Geburtstagsfeier statt, und dann werde auch ich dabei sein.

(Onkel Schorse, den Berliner Cousin von PapaDick, habe ich in 25 Jahren Berlin genau 2 Mal gesehen. Stellen sie sich Pfitze auf Speed vor. Ich bekam immer starkes Herzrasen, wenn ich ihm zuhören musste. Deshalb bin ich von der Trauerfeier entschuldigt.)

MRS BARTOLOZZI oder THE PAPERBACK-WRITER OF KREUZBERG: A PURE MAN

Wach um 5, aber im Sommer liebe ich das. Kaum Draußen-Geräusche, erst um 7, da lässt ein Nachbar Wasser ins Planschbecken im Hof. Um 5 jedenfalls hat´s schon 27° und ich freu mich, denke – um 8 auf dem See, das hatte ich noch nie, stell mir vor, wie das ist, ganz leer und frischer Wind, Schattengegenden im Gegensatz zum gestrigen voll ausgeleuchteten Nachmittag, erst gegen Abend dann ein bisschen, unter den Bäumen. Aber dann setzt um 8 ein bizarrer Sommerregen ein, für 12 ist ein Gewitter angekündigt. Setz ich mich vielleicht doch auf den Balkon und fabriziere mit dem Wasserschlauch Sprühnebel. Aber vielleicht klärt sich das noch mit dem Unwetter. Mehr braucht´s grad nicht. (Es ist dieses Rumwabern, geruckelt werden auf dem See. Als ob einen Elfen rammeln. Als Kind hatte ich auch schon immer sehr gern auf der Waschmaschine gesessen. Die war auch mein erster Fernseher.)

Jetzt regnet es gerade verhalten, als traue es sich nicht so richtig. Und es geht ein equally zarter Wind, hebt zaghaft den Arbeitszimmervorhang, während im Schlafzimmer, nachbarschonend leise, The Kick inside läuft. Und wenn´s wettermäßig nix wird heut – ein kalter Film. The Claim maybe. Ist Tess eigentlich bei mir? Ich seh grad, im Arbeitszimmer-Regal, extra ein bisschen herausgezogen, um ins Auge zu springen. Yay! Thomas Hardy-Day!

„This planet dose not supply the materials for happiness to higher existences. Other planets may, though one can hardly see how.“ Manchmal stimm ich ihm zu. Aber dann greif ich mir wieder die happiness ab, wo ich sie finden kann. Doch ist sie uns tatsächlich nicht mit der Schultüte ausgeliefert worden. Diebisch muss man sein. Und je älter, desto diebischer.

TRUE COLORS

Für den traumhaften Sonntag habe ich am Montag gebüßt. Alkohol und Pillen gehen nicht wirklich gut zusammen – jedenfalls wirken die Pillen nicht, der Körper ist mit Alk abbauen beschäftigt und ich bin bis abends mit Furcht unterwegs gewesen. Funny animal, der Mensch, also ich. Aber heut ist alles wieder schön, nach einer Nacht unter den Sternen, das ging bis halb 3 gut, dann wurde es frisch und ich wechselte ins Bett. Heute der zweite ungeschminkte Tag des Jahres, die dazu gehörige Farbe ist Petrol, und morgen wird blau gemacht, damit die Haare noch ein bisschen in der Sonne erblonden und die Hautbräune stabil bleibt.

LANALANABOBANABANANAFANAFOFANA

Wasser, Ahoi an die anderen Paddler, Asaf gibt einen guten Rhythmus. Der LSF 20 ist praktisch so, dass ich null bräune. Nur die Stirn, die hab ich beim Eincremen vergessen. Als ich zu Hause parke hält der O. an, der hat nen richtig vernünftigen Sonnenbrand auf den nackten Oberarmen und mir ist ein bisschen mmmmmmm yes. Aber das geht doch nicht! Aber warum eigentlich nicht? Aber jetzt haben wir so lange – pausiert? – da muss es nicht heute sein.

Damages final season. Nach all den Jahren ist mir Rose Byrne gar lieb gworden, in den ersten zwei Staffeln musste ich mir immer eine andere Schauspielerin denken. Grandioses Finale, schade dass das production design suckt. Die hätten ein besseres verdient. Aber auch schön, Ryan Philippe wieder zu sehen.

Die Amerikanische Nachbarin ruft an und ich hüpfe in Unterwäsche rüber um Urlaubs-Tschüss zu sagen. Begrüßt werde ich von der bezaubernden Schoko-Lady, Miss Lana. Die ich heute auch zum allerersten mal bellen höre. Einmal. Sie will Gassi. Am Treppenabsatz schaut sie dann doch erst mal, ob sie vielleicht nicht doch lieber hoch zu mir will. Dann knuddele ich sie ein bisschen, wirst stoßen mit den Köpfen an und sie schleckt mir einmal die ungeduschte Achsel. Die hat diesen original-Moschusgeruch von einem Vortag auf dem Wasser und keine Chemikalien außer Sonnencreme, und die aber natürlich nicht in der Achsel. Also quasi der Echt-Geruch, nicht zu verwechseln mit Schweiß. Man-made Givenchy, denn seltsamerweise – wenn ich dem Geruch eine Farbe geben würde – es wäre Burgunder.

Die andere Lana, in diesem Fall Del Rey singt mir den Sonntagmorgen goldig, heute Abend dann aber wirklich Lana Winters. 17 Emmy Nominierungen, Jessica und Sarah, of course, aber auch Zacky. Große Freude. Literarisch macht mir Jennifer Eagan, wie immer, fantastische Stunden. 200 Seiten The Keep machen um so deutlicher, dass ich keine Zeit habe für 800 Seiten the-rest-of-Oates. So. jetzt aber das Burgunder wegwaschen, Sonnenbrille usw und dann die gloriose N. abholen, die wahrscheinlich einen Audrey-Hepburn-tauglichen Bikini tragen wird. Ach, und wie schön – die Großcousine kommt auch mit und erlebt erstmalig den Lieblingssee!

16./17.7.13

Das war ganz schön viel Tod gerade. Junge Männer, die falsche Entscheidungen treffen. Gespräche über Entscheidungen, die auch die falschen sein mögen. Dieses Brustkrebs-Gen beispielsweise. Sie sagt „Und wenn ich das auch habe, wer sagt mir denn, dass ich nicht schon vorher an – was weiß ich – Darmkrebs sterbe?!“ Ich: „Das ist der Grund, weshalb ich mich seit einem halben Jahr um einen Blutcheck drücke – was, wenn das Medikament mich vergiftet – aber es wirkt.“ An diesem Punkt schlägt der u.a-Blogger einen Bogen an den Tag vor einem Jahr, wo ich mit dem Medikament begann. Nach ein bisschen Rumprobieren bis wir die richtige Dosierung gefunden haben, keine nennenswerte Attacke. Zweimal Anflüge – diese aber wenn ich am Tag zuvor gesumpft habe, selbst schuld. Und wenn wir schon am Biegen sind, dann jetzt dies, weil es mir heute vor einem Jahr und auch gerade eben gute Laune gemacht hat und ich nach dem ganzen (erst) „Schlachtensee“, dann „Cory Monteith“-news-googeln einen Break brauche:


Madonna – Turn Up The Radio on MUZU.TV.

Was sonst noch geschah: ein Projekt, das seit Kindertagen in mir schlummert – damals noch nicht als Projekt, sonder als eine Art Sehnsucht. Jemand, der seelisch meine Sprache zu sprechen schien. Mit dem es jetzt an der Zeit ist, in Kontakt zu treten.

Immer wieder klopft das verletzte Kind in mir an. Aber schon seit längerer Zeit mit dem ehrenhaften Anliegen, sich um die anderen verletzten Kinder zu kümmern.

LADA GAGA, RENAULT D´AMOUR, FORD MEMBRAN, MERCEDES SOLAT, FIAT KOALA, (FIAT KIWI 4 NEW ZEALAND)

Zwei Tage in perfekter Gesellschaft auf dem Wasser. An der Idylle gibt es nichts zu ruckeln, außer, dass es in dieser Saison weder eine Edelgard- noch eine Frost-Sichtung gab und auch kein einziger Schwan sich zeigte. In die Sonne hinein projizierten wir neue Automdelle.

Et ce soir. Meet me at the Huxley´s tonight.

Edit. Es war nicht für alle ein idyllischer Sommertag. Very sad news.

THE ACCURSED

Nach so etwa 80 Seiten kriegt die Oates die Kurve, mittlerweile liest es sich ganz angenehm. Es kommen ein paar Erzählperspektiven, die Spaß machen (Mrs Burr, bspweise, die bettlägerige Intrigantin, die das Leben verweigert und auf die Blavatsky-Geisterwelt steht, und die vermutlich als Jungfrau sterben wird, wegen eines Vorfalls auf der Hochzeitsreise…). Dann noch der vampireske Neuzugang in Princeton und das Geistermädchen mit dem Strick um den Hals. Horror-Elemente, die sich so geben, als existiere keine moderne und postmoderne Horror-Kultur. Petit Guignol, um mal einen Begriff zu etablieren, falls dies nicht schon jemand anders tat, ich googel jetzt nicht. Was ich vor ein paar Tagen sagte – dass sie Egan usw. nicht zur Kenntnis genommen hat – ich relativiere. Der Perspektivenwechsel ist schon sehr zeitgemäß. Aber dennoch nostalgiert sie, das Erzähltempo ist eine Herausforderung, wird immer wieder gebremst. Das ist ein bisschen wie Edging – nicht mein Ding. Wenn ich kommen will, will ich kommen.

DER HAKEN MIT DEM KRAKEN

TUT-Tickets abgeholt, Familie in Empfang genommen, zurück nach Hause, den neuen Roman von J.C.Oates angefangen und ich glaube, mein Leben ist mittlerweile zu kurz für Romane, in denen eine Unterhaltung zweier Universitätspräsidenten über gefühlte 60 Seiten ausgewälzt wird. Dann Familienlunch bei Rocco, danach mit Neffen und dessen französischen Cousin ins Kino – World War Z in 3D. Nach Tim Burtons Alice mein zweiter Film in 3D und die guten Schockmomente sind wirklich nur der Technik geschuldet, wenn ein Zombie knapp an einem vorbei hüpft oder auf einmal ein Hubschrauber überm Kinosaal schwebt. Diese Wow-Momente reißen einen dann aber auch gleich aus dem Film raus, was bei diesem Film jetzt nicht so wild ist, man kann sich ja denken, was kommt. Immerhin macht es große Freude, mal wieder Brad Pitt zu sehen. Fest beschlossen, den Gatsby auf alle Fälle noch im Kino anzuschauen, denn da geht es ja um das Boom und WOW und barocke Opulenz und jetzt bin ich ja 3D-gewöhnt und sehr neugierig, wie ein Genie wie Baz Luhrmann die Technik für sich nutzt und allen mal zeigt, wie das geht.
Danach ein Cocktail Bei Billy – wie üblich „Love in the afternoon“. Jetzt ist auch der Patenonkel des Cousins des französischen Neffen dabei und der kommt gerade aus einer anderen Welt als wir und berichtet über Statistiken, Relationen und Korrelationen und warum es am Potsdamer Platz manchmal so stinkt: der Wasserverbrauch ist niedriger als zum Zeitpunkt der Schätzung, die Rohre zu breit, und so muss mitunter sogar mit Trinkwasser nachgespült werden. Ich mag ihn eigentlich sehr, aber thematisch könnten wir gerade nicht weiter auseinander sein und ich ermatte zunehmend, bin allerdings auch seit 6 auf den Beinen. Nach einer S-Portion Leberkäs mit Bratkartoffeln und Spiegelei im Spätzle-Express (die eher als M-L daherkommt) ziehen wir durch 36 weiter, dann die Friedelstraße runter, wo ein Etablissement mit dem Namen „Weincafé“ meine Aufmerksamkeit gefunden hat. Da sich aber auch hier die Unsitte breitgemacht hat, dass Wein in 0,1 Gläsern ausgeschenkt wird (Haaaallllooooo, wir sind in Kreuzberg!), trinke ich einen Cidre, die anderen Bier und Schokolade und Cortado. Hier sind die Gesprächsthemen dann lebensnaher. Wie man mit 16 so drauf ist erfahren wir aus erster Hand. Ich kann mich noch sehr gut erinnern. Es ist noch nicht mal 23h aber ich bin platt. Die -Jungs eigentlich auch, aber der Patenonkel noch nicht. „Wär das okay, wenn ich noch mit zu Dir komme, Glam?“
„Sure.“ Innerlich so eher (Ach nööööö.)
Dann richte ich den Balkon für die Gäste her, distributiere Cola und Wasser und muss mich entschuldigen. Ich bin nicht mehr auf Sendung und auch der Empfang ist gestört. Ich denk, Mensch, die Jungs wollen doch sicher auch mal für sich sein und nicht ständig in anstrengende Gespräch verwickelt werden, aber das kann ich unschwer diskret in deren Anwesenheit rüberbringen und man will ja auch ein guter Gastgeber sein, aber um die Präsenz auf dem Balkon drück ich mich und entschuldige mich aufrichtig mit Fatigue.

Während ich schreibe, sitzen die Jungs in der Küche und Frühstücken und quatschen endlich mal, wie 16jährige das eben untereinander tun. Im Traum war ich in einem Zombie-artigen Zustand, weil ich die falschen Pillen genommen hatte, machte einen Spaziergang in Berlin, das am Meer lag und wo plötzlich die Flut zu weit zurückgegangen war, so dass es einem Traumfreund unmöglich gemacht wurde, mit seiner Boots-Spedition einen Kraken nach Wannsee zu transportieren.

THE LINE OF BEAUTY

Ich habe zwei Versuche unternommen, „The Line of Beauty“ von Alan Hollinghurst zu lesen, beide sind schon ein paar Jahre her. Wenn ich mich recht erinnere war mir die Erzählung zu — akademisch? Die Betrachtung der Protagonisten zu kalt. Es machte mir einfach kein Lese-Vergnügen. In der BBC-Verfilmung (3Teiler, 180 Minuten) hingegen, funktioniert die Geschichte ganz hervorragend.
Upper Class-Familie nimmt den besten Freund des Sohnes auf. Nick soll auf die bipolare Cat aufpassen, während die Eltern Urlaub in Frankreich machen. Nach dem Urlaub wird beschlossen, dass er bleibt. Und bleibt. Und bleibt. Er gewöhnt sich an den Lifestyle. Es ist die Geschichte eines schwulen Emporkömmlings im England der Thatcher-Jahre. (Sein Aufstieg ist natürlich stoppable…) Geprägt von Geheimnissen, Schmeicheleien, Verdrängung, Sex und Drogen. Die Inszenierung ist solide genug, den Betrachter zu packen. Und ich werde dem Buch eine dritte Chance geben.