Mitunter hat mein Job auch Glam, immerhin führt er mich auch mal an so schöne Orte wie diesen. Der Lido ist nämlich in der Graefestraße. Und den Elefantenkopf leihe ich mir für meinen Geburtstag aus! (Die Stoßzähne gibt´s extra.)


Mitunter hat mein Job auch Glam, immerhin führt er mich auch mal an so schöne Orte wie diesen. Der Lido ist nämlich in der Graefestraße. Und den Elefantenkopf leihe ich mir für meinen Geburtstag aus! (Die Stoßzähne gibt´s extra.)


Heute geht sie los, die Horrorwoche. Neun Tage durcharbeiten, 12-Stunden-Tage unter der Fuchtel des despotischen Cholerikers. Die Vorbereitung: drei Tage entspannt, und, obwohl es natürlich besser gewesen wäre, mit Freunden ein bisschen zu feiern, drei Tage auch kaum kommuniziert. Als dann der verschollen Geglaubte anrief und mit mir Trinken gehen wollte, da konnte ich kaum einen Satz geradeaus sprechen, wegen des Schweigens, an das ich mich sehr schnell gewöhnt hatte. Aber da war es auch schon spät und der Wecker gestellt also muss der Verschollene wieder weiterverschellen, ich hoffe, er taucht, wie versprochen, in zwei Wochen wieder auf. Würde mich freuen.
Ich freue mich über jeden Strom positiver Energie, den man mir dieser Tage rüberschickt, ich werd sie brauchen. Dass mein Geburtstag in diese Woche fällt ist eine Fiesheit des Schicksals. Dass ich nicht einmal ans Telefon gehen werden kann noch gemeiner. Aber – wer das Datum kennt – ab 21h bin ich an besagtem Tag vermutlich wieder zu sprechen. Und noch ein Trost – Nimsi ist mit an Bord.

Grillen mit Mädchen fiel ja nun ins Wasser und das obwohl ich so gerne Eindruck geschunden hätte mit meinen Aluminium-Kartoffeln á la Glam. Kartoffeln einlagern bei 35° ist keine gute Idee also hab ich mir nach dem Hagel selbst was Schönes gekocht und zwar „Patates sans Allü mais biens sucré“.
5 – 6 mittelkleine neue Kartoffeln gründlich putzen, weil Schale soll dranbleiben.
Dann 20 Minuten kochen. Währenddessen eine Gemüsezwiebel schneiden, nicht würfeln. Aber auch keine Ringe. So stückseln eben. Anbraten, salzen, pfeffern. Wenn glasig, dann ordentlich braunen Zucker drauf – mindestens 2-3 Esslöffel. Hitze runter, karamelisieren. abschmecken. Zu süß? Ein Schuß Soja-Sauce dazu. Zu süßscharf? da war doch noch eine angefangene Flasche mittelprächtigen Rotweins, ein Schuss davon und die perfekte Balance ist erreicht. Jetzt, je nach Timing, sind die Kartofflen noch nicht fertig, also immer mal wieder Schuss Soja und Roten an die Zwiebeln. Mmh. Schmeckt gut.
Wenn Kartoffeln gar, kurz abschrecken, jede Kartoffel in ca 3 Teile schneiden (breiter als Bratkartofflen) und zu den Zwiebeln geben. Glam appetit!
Die Fassbinder Foundation mag eine gute Arbeit machen, weitestgehend, aber wichtige Persönlichkeiten aus Fassbinders Berufs- und Privatleben aus der Historie auszugrenzen und tot (bzw. zu Tode) zu schweigen, das ist kein feiner Zug. Um so erfreulicher, dass Ingrid Caven jetzt mal Tacheles redet und Schützenhilfe von Michael Ballhaus bekommt.
Der Clan um den Regisseur war schon zu dessen Lebzeiten untereinander etwas – sagen wir missgünstig. Dieser Spirit ist auch 25 Jahre nach seinem Tod noch spürbar. Was auch nur wieder zeigt, wie mächtig der Mann war.
1995, ich konnte einfach nicht mehr freundlich sein. Die Leute um mich herum wurden mir zuviel. Der Job im Theater war eine dysfunktionaler Rummelplatz geworden, auf dem zu laut gebrüllt wurde, und ich wollte nichts mehr, als mich daraus zu befreien. Eigentlich lag das nur an dem Langhaarigen, mit dem ich zu Nirvana getanzt hatte und dann hatten wir uns geküsst und Lippenstift verschmiert und uns unter unseren langen Haaren heraus verliebt angeschaut und es wurde doch nichts daraus. Der wär´s gewesen, das war mir klar und das schlug mir ein halbes Jahr so sehr auf die Stimmung, dass ich einen Rückzug brauchte. Ich war Mitte 20 und bitter. Neuanfang. Und so wurde aus mir der studentische Geschäftsführer eines feinen kleinen Plattenlabels das zwei namhafte Künstler der Chanson-Szene ins Leben gerufen hatten, um ihre CDs selbst zu produzieren. Ich kannte die beiden als Performer und freute mich, in ein Feld zu wechseln, wo ich so wenig wie möglich mit meinen Bossen zu tun haben würde, die lebten nämlich nicht in Berlin und waren die meiste Zeit auf Tournee. Keine Freundschaften, keine Kungeleien, kein Rummelplatz. No tears no tangles. Ein Büro ganz für mich allein, was ganz schnell etwas langweilig wurde, aber dann holten wir langsam andere Künstler aus der Szene mit ins Boot und ich hatte viel zu tun. Mit einigen verbindet mich heute noch Freundschaft. Mit anderen habe ich mich vor Gericht getrennt. Einige Begegnungen aus dieser Zeit haben für mich historisches Ausmaß.
Spätestens, als ich mit meinem damaligen Chef zusammen zog, musste ich mir die Frage stellen, ob ich mich durch Freundschaften zu Promis aufwerten wollte. Irgendwann später dann stellte ich mir die Frage, ob ich durch die Freundschaft zu Promis meinen eigenen Status kleinhalten wollte. Ich bekam ja den Glanz vom Rande her ab, was will man mehr? Ich spiegelte mich in meinen Starfreunden, sah Aspekte meiner Selbst, manchmal auch meinen Einfluss, eine Inspiration. Anstatt mich nach meinem ersten eigenen Buch publizistisch weiter zu entwickeln, nahm ich einen langjährigen Ghostwriter-Job an, zu einem Zeitpunkt, wo ich bereits intensivst in meine Sozialphobie verstrickt war und jede Aufmerksamkeit, die man mir entgegen brachte, einer Bedrohung gleichkam. Gespenstisch, in der Tat. Mit der Porno-Queen Essen zu gehen war, obwohl wir befreundet waren und die Zeit miteinander genossen, ein zweischneidiges Schwert – zuviel Aufmerksamkeit für meinen Geschmack.
Schreiben und veröffentlichen schien mir immer der geeignete Weg, mich auszudrücken, ohne dabei gesehen zu werden – das Gespenst hinter dem Text. Ich habe nie einen Verlag um Publicity-Maßnahmen oder Lesetourneen gebeten – dafür wäre ich viel zu nervös gewesen. Aber es hat mich durchaus geehrt, in der Fiktion von anderen aufzutauchen, in einem Lied oder einem Buch oder einem Dankeschön in einem Booklet meines Schweizer Lieblingssängers. In Buchstaben. Oder gebannt in eine Fotografie, eine geklatschte Elfe.
Fiktion hat mich immer beflügelt – sei es, wenn ich las oder wenn ich schrieb. Ich wollte alles immer etwas larger-than-life, etwas pointierter, etwas glamouröser.Celebrity-struck war ich seit frühester Kindheit. Hollywood war meine Bibel. Und als Kind hatte ich durchaus die Sehnsucht, selbst ein Star zu werden. Berühmt, geachtet. Ab einem gewissen Alter stand die Angst dem im Weg. Next-best war wohl, mit den Stars etwas zu tun zu haben. „Glam kann gut mit schwierigen Leuten“ hieß es. Das kann ich jetzt nicht mehr und ich vermisse die Fähigkeit nicht. Wenn jemand sich wie ein Arschloch aufführt, denke ich nur „Arschloch“ und behandle ihn nicht wie einen Tanzbären, den es zum Trick-Vorführen zu überlisten gilt.
Meine Angst und mein Berufe passten gut zusammen und als ich die Berufe verlor blieb zunächst einmal nur die Angst. 3 Wochen kurz vor dem Selbstmord, dann die Entscheidung, mich um mich selbst zu kümmern und gesund zu werden. Denn erst als ich sprichwörtlich arbeitsunfähig wurde merkte ich, dass die Phobie so ausgeprägt war, dass ein Vorstellungsgespräch für einen neuen Job undenkbar war. Insane? Maybe not. Crazy, edgy, neurotic – for sure. Phobia ist nicht von ungefähr kein Mädchenname.
10 Jahre among the Stars. 2 Jahre in Therapie. Und jetzt langsam ein Gefühl dafür, wer ich bin und warum und wer ich eigentlich sein will. Ein paar Tricks, die Angst im Zaum zu halten. Eine Entschlossenheit, mich aus Gefängnissen zu befreien, auch auf die Gefahr hin, im nächsten zu landen. Die Elfenbeintürme stehen leer. Lasst den Elefanten ihre Zähne. Es gibt da draußen etwas, jemanden – irgendwo zwischen Liebeslied und Pornofilm. Der Aufstieg beginnt auf dem U-Bahnhof, tief, tiefer, „denn irgendwo in der Tiefe gibt es ein Licht“. Ehrlich. Ganz in echt.
Meine Freizeit gestern war in etwa so spaßig wie meine Arbeit. Die alten Methoden, mich in gute Laune zu versetzen, sind abgewetzt. Auch nach der siebten Folge Melrose Place ging´s mir nicht besser. Und das obwohl ich den NTSC-Knopf auf meiner DVD-Fernbedienung entdeckt habe und MP erstmals in vernünftiger Bildqualität genießen konnte. Und, wenn auch lieb gemeint, haben die Fotos von kürzlich auf Luckys Dach nicht die Stimmung gehoben. Merke: Keine Kameras zulassen when drunk and awake for 30 hours and over 35 and immer noch nicht geliftet.
Es war halt so gar nicht geplant. Ich war immer davon ausgegangen, dass mein Erwachsenenleben sorgenfrei, glamourös und einfach star-mäßig sein würde. Ich hab doch an Madonna geglaubt! Everybody is a star when you express yourself. Und entsprechend wird man dann reich, wenn man sich selber ist und so toll und shiny shiny. Und dann ändert sich die Zeit und man ist vielleicht ein kleiner Glanz im Internetz, aber da gibt´s kein Geld für. Und eine Jugend entwickelt sich, der man fern ist, obwohl man sich selbst noch gar nicht für wahnsinnig erwachsen hält, vielleicht, weil man mangels Fortpflanzungsauftrag nie Elternmäßig Generations-Position beziehn musste. Bestimmte Chancen bekommt man nicht mehr. Und kann aber wegen der Madonna-Sozialisierung auch nicht „ja“ sagen zu einem Job hinter einer Kasse oder einem Tresen. Man war ja schließlich mal jemand und etwas und schillerte im Seitenglanz der Sterne. Das Mindeste wäre doch gewesen, wenn man bei D&D Advertising den Lindy-Toys Account betreut hätte, so wie Alison und Billy. Aber nein. Sydney war eh cooler. Und hungriger. Und hatte ihre Porno-Tantiemen und den besten Look. Und muss sich dann von einem Aas wie Samantha über den Haufen fahren lassen (übrigens noch ein Grund, wegen dem ich „Weeds“ nicht anschauen kann – diese Samantha-Schauspielerin).
So why not just release the gates and let them all come out?
Remember that without them there would be no Paramount
No paramount need to hold on to what isn’t yours
Release the stars
Release the stars, release your love, release the stars
Release your love, ‚cause Hollywood is over
Why do you keep all your stars in from your studio on Melrose Avenue?
Weißt du was, Madonna? FUCK YOU!
Recommended Viewing: The Laramie Project.
Und dann stehst Du im Stau, eine Unverschämtheit, denn Du hältst Dich gerade im Traum auf und so etwas wie ein Stau geht nicht in einem Traum. Fragst Dich die stauüblichen Fragen „Wie lange noch, warum überhaupt undsoweiter“ und dann siehst Du diesen einen Wagen, der die Abfahrt blockiert und die dazugehörige Trulla, im gleichen Moment nähert sich ein Polizeiwagen. Von den anderen Wartenden angeheizt, beratschlagt die Polizei die Trulla, die ihren Wagen unter den Arm nimmt und von dannen zieht. Die Stimmung ist gelöst als alle wieder in ihre Autos steigen.
„Einen Moment noch“, wendet sich der Diensthabende an die Menge, „Und welches Lied singen wir jetzt?“
Aus einer weiblichen Dreiergruppe tönt es selbstbewusst „Oh happy Day!“
Der Polizist klatscht in die Hände und stimmt an. Und während sich unsere Wagen langsam wieder in Bewegung setzen, legt sich der Gospel übers Land.