Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

PORN AGAIN

Das Angenehme bei schwulen Pornodarstellern, wenn man sie Jahre später mal wieder trifft, ist ja, dass sie so überhaupt keinen Distanzierungsnotstand verspüren, sondern man über die alten Zeiten spricht wie andere über den Abi-Ball. Aber wenn man jemandem mal die Sackhaare gestutzt hat, das scheint zu verbinden.

THE SURPRISING CARREER OF GORGEOUS SANDRA BULLOCK

Sandra Bullock ist seit ihrer Busfahrt in „Speed“ in mein Herz gewachsen. Sie ist nicht schön, sondern eigenwillig hübsch, nicht niedlich, sondern irgendwie eckig süß. Sie ist bislang nicht als großartige Charakterschauspielerin hervorgetreten, aber als verlässliche Bedienerin des klassischen Romantic Comedy-Klischees. Denkt man so, wenn man über ihre Karriere nachdenkt und Filme wie „28 Days“ außen vor lässt. In „28 Days“ gibt sie die verdrogte kleine Schwester einer perfekten amerikanischen Familie. Nachdem sie die Hochzeitsfeier ihrer Schwester in Schutt und Asche gelegt hat, verbringt sie per Gerichtsorder die klassischen 28 Tage in einer Entzugsklinik. Dass ihre Performance großartig ist, übersieht man häufig, denn sie spielt ihre Rolle mit einer Bullock-üblichen Leichtigkeit, dass es nicht mehr nach Spiel aussieht. „28 Days“ ist auch für die Fans ihrer Romantic Comedies kein Schocker und eine besondere Freude für jemanden, den es mal in eine Psycho-Klinik verschlagen hat.

Sandra Bullock hat so entsetzliche Karriereentscheidungen getroffen, dass es an ein Wunder grenzt, dass sie heute noch in Filmen spielt. „Practical Magic“, „Forces of Nature“, „Murder by Numbers“ – alles Filme mit unausgegorenen oder überreifen Scripts. Mit ein bisschen Pech wäre Sandra den Weg Meg Ryans gegangen – verpfuschte Plastic Surgery und immer schlechtere Filme. Auf Meg Ryan würde nicht einmal ein verzweifelter Fernsehproduzent zurückgreifen wollen. Und was macht Sandra? Liefert die Sommerkomödie des Jahres 2009, eine romantische Komödie auch noch, ein Genre aus dem Julia Roberts ausgestiegen ist, als sie sich der 40 näherte. Die 45jährige Bullock zeigt jedenfalls in „The Proposal“, dass sie noch alles hat, was man für einen Hit braucht (an dem ihr Co-Star Ryan Reynolds sicher auch nicht ganz unschuldig ist.) Nach einigen fast gute Komödien und der einen oder anderen feinen Cameo in anspruchsvollen Filmen („Crahs“, „Infamous“) ist sie wieder zurück in dem Gebiet, das sie so meisterhaft beherrscht.

Und was macht sie als Nächstes?

„The Blind Side“ klingt wie eine Hallmark-Movie-of-the-Week-Schmonzette. Reiche Mutti nimmt sich eines schwarzen Jungen an, der durch alle Netze des Systems gefallen ist und baut ihn auf. Das ist luxuriöser Kitsch, und es hilft auch nicht, dass der Film auf einer wahren Begebenheit beruht. Aber betrachtet man den schwarzen Jungen als Äquivalent zum verseuchten Trinkwasser in Julia Roberts „Erin Brockovich“, dann wird es klar, dass Sandra jetzt die Rolle einer Heldin im Einsatz für die Einheit des amerikanischen Volkes spielt. Und da seht ganz fett „Oscar“ drauf. Und wenn Sie daran zweifeln, dann schauen Sie mal:

Bislang schon 108 Millionen Dollar Einspielergebnis bei 35 Millionen Produktionskosten. Looks like Sandra darf sich nächstes mal wieder aussuchen, was sie will. Yesss!!

Edit: Und nun hat sie auch noch die Vampire überrundet. „New Moon“ no longer auf Platz 1.

GLAMHART

Also. Diese Kirche. Schon sehr kirchlich. Auch noch mit Weihnachtsschmuck aufs adventischste geschmückt. Die Vorgruppe: der Pfarrer und seine Frau. Man wartete darauf, dass sie während der mulitlingualen Darbietung mit der Kollekte rumgehen. Zögernd benetzt die singende Person mit ihrem Handballen das Tambourin, ganz Antonioni „immer gegen den Rhythmus“. Die perfekte Hochzeit von Dire Straits und Joan Baez.
„Wo treten die wohl sonst auf?“ fragt die Spreepiratin.
„Hochzeiten, Todesfälle und Kindergeburtstage?“
„Nein, da wird heutzutage wirklich Qualität verlangt.“
Der Sound, also die für verstärkte Musik absolut ungeeignete Scheißkirchenakustik. Kein Wort zu verstehen, was bei der Darbeitung von „Der Pastor und sin Fru“ (so hießen die nur vermutlich) kaum ins Gewicht fiel. Aber dann kommt ER, der Heiland, ganz freundlich, verspielt, unarrogant, uneitel in weißen Jeans und schwarzem T-Shirt und die ersten drei Lieder weiß man zwar was er singt, weil man es kennt, aber man versteht kein Wort, bis er bei „16th & Valencia“ das Problem mitbekommen hat und ganz betont deutlich artikuliert und das ist der Moment, wo nicht nur die Kirchentechniker endlich begreifen, dass sie was machen müssen (und es auch tun), sondern wo auch das Publikum Devendra an den Lippen hängt und dieses wunderschöne Stück, das vielleicht Schönste auf der neuen CD, uns alle plättet. Und das ist erst der Auftakt zu einem Abend mit einem Star, den ich erst jetzt als das schätzen lerne, was er ist – neben der sexy Sau, dem durchgeknallten Folkie – ein Musiker, Vollblut. Er stellt neues Material zu Songs aus „Smokey“ und „Cripple Crow“, so dass die neuen Songs sich in Nachbarschaft mit dem alten Material für mich erstmals richtig entfalten und ich begreife, dass ich „What will we be“ einfach noch einmal hören muss, wie es gute Musik verdient: Laut und konzentriert. Hinhören, wie damals auch das erste Mal bei „Cripple Crow“. Selbst Lieder, die nie zu meinen Lieblingstracks zählten, werden in der Live-Performance zum Geniestreich. Und als er abschließend auf das epische „Sea Horse“ die zum zügigen Catwalk-Paradieren auffordernde „Carmensita“ bringt und alle aus den Kirchenbänken emporfliegen und zu Tanzen anfangen, da wünsche ich, das Konzert möge hiermit beendet sein, denn besser könnte er es nicht abschließen. Aber da weiß ich noch nicht, dass er sich beim Abgang von der Bühne das T-Shirt vom Leib reißt und zur Zugabe oben ohne „Chinese Children“ und „Just like a child“ zum Vortrag bringt, halbnackt vorm Altarkreuz, the church of Devendra, the (wish-he-were-)GayMessiah coming.

Ein Abend ohne Lightshow. Es gab zwei Lichteinstellungen: An und Aus. Mehr war auch nicht nötig. Die bunten Lichter knipste Herr Banhart selbst. In seinem Publikum. Ein Charisma, eine Showmanship, eine Musikalität, die man in seinen Videos nur erahnen kann. Nichts von kalifornischer Hippie-Arroganz: Der Abend ist Musik pur. Musik aller Jahreszeiten in einem Spektrum, das den Regenbogen arm aussehen lässt. There has never been so much passion inside the walls of Passionskirche, and it´s unlikely that there ever will be again.
„Das nächste Mal wird es wohl eher die Columbiahalle sein“, mutmaßt die Spreepiratin und wir verlassen die Church of Devendra, selig, gechillt, mit einem Lächeln, das nur ein klitzekleines bisschen irre aussieht – you might think we´re high, but we´re just free dancing.

WHAT WILL WE BE WILL BE TONIGHT AT PASSIONSKIRCHE

Erwischt hatte er mich ja mit dem Juwel Cripple Crow, meine Begeisterung wuchs mit „Smokey rolls down Thunder Canyon“ und vor wenigen Tagen erschien das neue Album „What will we be“, das meiner Devendra-Begeisterung nicht eben die Krone aufsetzt – dazu ist mir die Grundstimmung zu ruhig, zu unmerkuriös. Dennoch ist sie zweifelsohne eine der schönsten Verödffentlichungen in diesem Herbst, ein chillig-gitarriger Trip durch amerikanische Musikstile der 60er und 70er in zeitgemäßem Gewand. „16th & Valencia, Roxy Music“ (siehe/höre oben) ist mein neuer Klingelton und wird es eine Weile bleiben. Heute Abend zeigt sich Glams own personal Jesus in der Passionskirche in Kreuzberg.

Wenn Sie einen Bekannten haben, der so aussieht, geben Sie ihm meine Nummer.