Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

THE RAVEN

„Wenn ich auf einem Spaziergang in den Donauauen den sonoren Ruf des Raben höre und auf meinen antwortenden Ruf der große Vogel hoch droben am Himmel die Flügel einzieht, in sausendem Falle herniederstürzt, mit kurzem Aufbrausen abbremst und in schwereloser Zartheit auf meiner Schulter landet, so wiegt dies sämtliche zerrissene Bücher und sämtliche leergefressenen Enteneier auf, die der Rabe auf dem Gewissen hat.“

Konrad Lorenz

THE CROWE

HAMLET – SON OF ANARCHY

Helsingoer heißt Charming und befindet sich in Kalifornien. Gertrude wird von Peggy Bundy gespielt – und wie! Anstatt in einer Königsfamilie spielt die Handlung im Kreis einer Motorradgang, den Sons of Anarchy, die das Städtchen Charming als Standort zum Waffenschmuggel nutzen, dabei auch gerne mal Hand in Hand mit Behörden und Polizei arbeiten, aber den Mitbewohnern auch andere Dienste leisten, indem sie sich beispielsweise um Sexualstraftäter kümmern, auf eine Art und Weise, wie es die Polizei nicht könnte. Ophelia ist schwanger und hängt an der Spritze. Der Sohn, den sie mit Hamlet hat – Abel (!) kommt dann auch nicht gerade in Topform zur Welt. Hamlet, hier Jax genannt, ist eine geile Schnitte, die unter der Führung des tödlichen Onkels (Hellboy) in die Fußstapfen seines unter seltsamen Umständen verstorbenen Vaters treten soll, eines Tages. Doch die Philosophie des toten Vaters und die Methoden seines lebendigen, mit der Witwe verheirateten, tödlichen Bruders unterscheiden sich maßgeblich.

Am Reißbrett entworfen muss nicht immer schlecht sein. Shakespeare geht immer. Was für mich eigentlich nie geht ist organisiertes Verbrechen, das langweilt mich – ich hasste die „Sopranos“ und bei der dritten Staffel „Breaking Bad“ bin ich ausgestiegen. Die erste Folge „Sons of Anarchy“ schleppte sich deshalb auch ein wenig für mich, aber bereits in der zweiten Folge entwickeln die Autoren die Möglichkeiten, eine spannende Geschichte zu erzählen, deren familiäre Aspekte weitaus unterhaltsamer sind, als die Tatsache, dass wir Waffenschmugglern beim Waffen schmuggeln und-sonst-so-kriminell-sein zuschauen, weshalb der hier gepostete Trailer auch nur einen Teilaspekt erfasst und eher die Testosteron-Klientel adressiert.

DEBBIE DOES ZOMBIES

Das Lied ist so – na ja. Der Clip auch irgendwie hm. Soll ich von der Perücke anfangen? Besser nicht. (Entweder aus der Raquel Welch-Collection, then again sehe ich eine verwirrte Dolly Parton durch ihre Mansion streunen auf der Suche nach dem Deluxe-Dolly-Dutt, der nach Debbies Besuch nicht mehr auffindbar war.) Aber die allerletzte Einstellung, die liebe ich. Da zeigt Debbie mal Gaga, was gaga ist.

THE SENSUAL WORLD

Und nach der ersten Euphorie über den „Director´s Cut“ kommt jetzt? Die zweite Welle der Euphorie, nachdem ich am Ipod die Höhen hochgesetzt habe und die Stimme mit einem Mal stimmt.
„What´s wrong?“ fragt Roomie bestürzt, als er mich sieht, wie ich tränenüberströmt auf dem Bett sitze.
„It´s just the music.“
Der Chor bei „Moments of Pleasure“ hat immer den gleichen Effekt auf mich, I can´t help it. Im Auto mussten wir lachen bei der „Flower of the Mountain“, es ist so schamlos sexy, eine einfach wundervolle Komposition aus Erde und Haut und Blumen und Emotion – Marilyn eben. Der Synthesizer bei „This Woman´s Work“ – eine Aufforderung, den Klang neu wahr zu nehmen, alte Vorurteile mal außen vor zu lassen, so ähnlich wie beim Vocoder auf Berties Stimme in „Deeper Understanding“.

Das Wochenende startete mit einem Szenario außerordentlichster Schönheit und hielt dieses Niveau mit Leichtigkeit.

UNDER THE MOONLIGHT, THE SERIOUS MOONLIGHT

Man kann sich natürlich einfach hinsetzen und eine Platte hören. Aber viel schöner ist es doch, ein Erinnerungsdenkmal zu konstruieren, sich eine Raum und eine Zeit kreieren, die haften bleiben wird, und in dem/der man sich eine Weile dieser Platte hingibt. Das war einmal ein schillernd schöner Novembertag, das Laub in allen Schattierungen von hellgelb über rot bis dunkel-orange, fast sechs Jahre ist das jetzt her. Und gestern der frühlingsgrüne Park in der Dunkelheit, das streng geometrisch angelegte Mahnmal, eine surreale Stein und Stahllandschaft mitten in einem kleinen Wäldchen. Der Mond stand schräg und verlieh, im richtigen Winkel betrachtet, den gigantischen Soldaten Heiligenscheine. Dem Geordneten setzte wir das Ungeordnete gegenüber. Mäandernde Menschen, Gruppen in Auflösung, Begegnung, eine Art menschliches Flipperspiel, wie es wohl auch nur vom Geist Kate Bushs inspiriert gewesen sein konnte. An einem Ort, wo einst synchron marschierenden Verstorbenen Tribut gezollt wird (oder werden sollte – heute erscheint das Mahnmal eher als ein architektonisches), lauschten wir synchron der „Flower of the Mountain“ und zogen unsere Bahnen. Es war ein erhabenes Gefühl, zu „Top of the City“ neben dem Fuß eines Soldaten zu stehen und nach oben zu schauen, wo blasses Mondlicht auf die gegenüberliegende Statue fiel. So schafft man Gedankendenkmähler. Thanks to my Fellow-Walkers Kitty, Hotel Mama, Lucky, dem fantastischen Kollegen Herrn Elbel und seiner wunderbaren Gattin Chris, Matthias und Stefan und natürlich wäre ein Katewalk kein Katewalk ohne meinen Lieblingsfotografen und Katewalker der ersten Stunde, Herrn Frank Burkhard. It was just so beautiful!

STOLZ UND WÜRDE

Dem ist eigentlich nichts hinzu zu fügen. Herr von Festenberg bringt es auf den Punkt: „…dass ein erfolgreiches Dasein nicht ein Zutreiben auf einen einzigen Höhepunkt, sondern ein Sich-Einstellen auf die Erfordernisse wechselnder Zeitgeistepochen ausmacht. Berger hat sich als Schauspielerin genommen, was die Zeitläufe zu bieten hatten.“ Und: „Sie will den Stolz und die Würde einer gestandenen Frau vermitteln.“ Und das gelingt ihr mit jeder Rolle, mit jedem Interview, mit allem, was sie anfasst. Sie lebe hoch!

KATE BUSH: DIRECTOR´S CUT – A Glam Review – oder MOMENTS OF PLEASURE, AGAIN

Wahrscheinlich klingelt es gleich und jemand von der EMI oder einer von den Fish People oder Kate Bush selbst steht vor der Tür und sagt – so geht das nicht. Release ist MORGEN!!! Und irgend ein reizender Amazon-Mitarbeiter, der vielleicht dieses Blog liest, wird einen (Fisch- oder Vogel- oder Menschen-) Kopf kürzer gemacht, aber es hilft nüscht. Der „Director´s Cut“ von Kate Bush war einen Tag vor Release in der Post und während ich dies tippe, schneuze ich noch und meine Augen sind puffy, und OMF´in G, das war eine Sternstunde eben, auf dem Bett, in der Vor-Gewitterluft, mit Kate Bush in einem Raum, denn genau so fühlt es sich an. Der Mix ist so intim, so nebenan, in einem Raum, und nicht in einer Kathedrale, sondern in einem Wohnzimmer. Vielleicht mit Kamin, wahrscheinlich mit einer angelehnten Terrassentür, vor der schwere Vorhänge hängen, so dass man das Meer, aber es könnte bei „Moments of Pleasure“ auch New Yorker Straßenlärm sein, nicht hört, aber fühlt. Auf dem Mantelpiece liegt etwas Staub, aber der gehört da hin. Rook und Toll flitzen irgendwo durch die Gänge und man sitzt und lauscht der neuen, tieferen Stimme, freut sich über den altbekannten Wahnsinn, Wagemut, die Confidence, it´s been a long time since the Wuthering, und was für einen Weg wir alle gegangen sind – keine so konsequent wie Kate. Es gibt keinen Künstler, in den ich mehr Vertrauen hätte, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun, als Kate. Was keiner erwartet hat (ein Remake). Eine nicht plattgebügelte, sondern anti-Autogetunete Stimme mit Mut zu Misstönen (Wirklichkeit!) in Zeiten, in denen sich Madonna und name-the-20-year-old-chart-bitch-that-first-comes-to-mind technisch auf Gesang hochpimpen lassen, so dass man die Leere der Texte und Kompositionen nicht mitbekommt. Nein. Kate hat, wie immer, genau das Richtige getan. Ein par Lieder, an denen ihr Herz hängt, neu eingespielt: den Digi-Pflock aus ihnen rausgezogen, sie nackt gemacht und den Nagellack entfernt. Und wie schön das ist! Und wie brilliantly crazy in einigen Fällen („Red Shoes“, „Lily“, „Rubberband Girl“) und wie martialisch emotional (die Liedfolge „This Woman´s Work“ – „Moments of Pleasure“ had me crying like a Baby. Das ist meine Platte des Sommers. Ich weiß, ich werde noch viele Tränen vergießen (gerade läuft wieder „This Woman´s Work“), und lachen, und bewundern und mich wundern, und mich freuen. Moments of Pleasure. Thank you, Kate. Thank you, thank you, thank you. (I can´t think of many other people/ things/ inspirations that have been with e since 1978. Wow: Marilyn and Kate. Und die letzten Sätze in „Flower of the Mounain“ sind die pure Essenz von Marilyn und Kate.