Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

MARILYN IN CHICAGO

Anlässlich der Fotosession hat sie immer auf ein Glas Champagner aus einer frisch geöffneten Flasche insistiert. Der Rest war für die Crew.

kreiner

Mein Favourite, ein Little Edie-Moment:

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Quelle: Zeit-Magazin. Foto: Manfred Kreiner. Ausstellung im Einstein unter den Linden noch bis August.

DER SOMMER WIRD GUT (oder ALLES WAS ICH AN DIR MAG, ICH MEIN DAS SO, WIE ICH ES SAG.)

Das Partywochenende ist vorbei, der Sommer ist da, der Schlachtensee hat eine angenehm erfrischende Temperatur. Auf dem Rückweg vom See dann auf einmal, im Auto, durch das der Wind fegte, welches Lied lief können Sie erahnen oder nicht, es ist egal, nehmen Sie Ihr Lieblingslied und setzen Sie es ein, dort im Auto jedenfalls ein Moment der seelischen Kontemplation und ein Gefühl so tiefer Freude und Dankbarkeit, dass eine Freudenträne aus dem rechten Auge läuft, auf der Wange vom Zeigefinger gestoppt und aus dem Fenster geschnippt wird. Die vielen kleinen Episoden des Wochenendes, Eindrücke der mir liebsten Menschen, an einem Ort versammelt, so eine Walker-Familie, nur nicht mit so opulentem Essen (wobei die Tomaten-Butter vom jungen Mann und der Salat des Raketenprinzen herausragend waren und Nora Walker sich über die Rezepte freuen würde), dafür wird aber auch nicht gestritten, also harmonische Perfektion in bunten Farben. Die Magie des Sees, erst in größerer Gruppe, dann zu zweit mit Herrn Strike, die Libelle, die mich auf dem Rückweg begleitet, durch die Luft surrt, dort kurz verharrt, dann weitersurrt und wieder auf mich wartet. Yes.

JOIE DE VIVRE

Der Tag beginnt damit, dass Roomie mich mit Geld bewirft. Mit Scheinen, keine Sorge. Dann, wo früher das Telefon geklingelt hätte, trudeln Glückwünsche über Facebook ein. Das ist schön, weil so auch die Leute gratulieren, die sonst nicht anrufen würden, weil sie gerade in Mexico-City, Polen, San Francisco, auf Ibiza oder in Washington sind. Ich freu mich über die Grüße der über die Welt versprengten und über die, mit denen ich am Abend bei Rocco sitze, den inner circle, die besten Freunde, die ich schon länger kenne als dass ich sie nicht kenne – Herrn Strike und die Amerikanische Nachbarin. Bomec ist ja fast noch ein Newbie, drei Jahre oder so? Die Lieblingskollegin. Neuzugang Roomie ist mit dabei, und Herr Burkhard, den ich vielleicht gerade mal 10 oder 11 Jahre kenne, bringt einen neuen Mann und später kommt noch Fiona mit einer Lilie dazu, was wunderbar ist und Größe und Mut zeigt, wenn man bedenkt, dass das letzte Mal, dass ich sie sah, ich sie in Grund und Boden gebrüllt habe. Bis die Pizza auf dem Tisch steht dauert es nur zwei Zigaretten.

Zwei Wodka nach dem Essen später stapfen dann die amerikanische Nachbarin und ich über den Lausitzer Platz, tragen Lilien, Blumenstrauß, ein rosa Objekt für den Balkon, ein Marilyn-Snowie, und es ist mild und frisch, man merkt, dass der Sommer um die Ecke ist und nochmal tief durchatmet.

Und heute, so sieht es aus, ist er da, und es steht ein Wochenende ins Haus, wie es Kate Bush besungen hat, the dawn has come, and the wine will run, and the song must be sung and the flowers are melting
in the sun. Und die Rose, die jetzt noch im Büro steht – oh perfume!

Ich könnte mir gerade nichts Schöneres vorstellen.

Draußen läuten die Glocken. Vielleicht steppe ich jetzt mal out on the balcony, into a sensual world.

GLAM, ROOMIE UND DIE VANDALEN

„Dein Besuch kommt heute? Oh, dann muss ich wohl mein Zimmer aufräumen!“
„Du kannst es auch so lassen und sagen, es waren Einbrecher hier und haben vandalisiert.“
„Aber warum nur mein Zimmer?“
„Weil meine abgeschlossen waren?“

CRASHERDICK

Fahr ich also die Pflügerstraße runter, bremse bisschen ab, aber auch nur ein bisschen, aus der Hobrecht kommt eh nie einer von rechts, ich seh auch jetzt nix, aber plötzlich seh ich doch, und zwar sehr schnell und trete tieeeeef in die Bremse und seh den Wagen auf mich zuschießen, den entsetzten Blick des Fahrers und spüre innerlich schon den Crash, Metall auf Metall, bei diesem Tempo sicher auch Glas, viel Glassplitter, Wirbelsäule schockiert, Totalschaden und wie durch ein Wunder, es ist ein Wunder, man hätte es von oben filmen müssen, die Wagen kommen zu stehen, aus dem Fahrerfenster schaut mich der blonde Typ an, mit aufgerissenen Augen, ich hebe die Arme, die Hände hoch, „Sorry“, er prustet, schaut aus dem Fenster, nach unten links, schaut mich an, hebt die Hand ins Fenster und deutet mit Daumen und Zeigefinger den Abstand zwischen den Wagen an. Weniger als 1 cm. Er lacht. Ich lache. Dann setzt er seinen Wagen wieder in Gang, fährt an, bleibt noch einmal kurz stehen.
„Allllta, ey. Mann. Geil, ey!“

WE ARE GLAMILY

„Jetzt haben sie in der Au-Pair-Wohnung erstmal den jungen Franzosen einquartiert, der die Gruppe beim Schüleraustausch begleitet hat. Der hat sich wohl in einen jungen Mann hier verliebt und bleibt erst mal hier.“
„Wow. Wie geil ist das denn!“
Und dann denk ich noch ein Wort, das ich sonst nie denke und ich meine es im besten Sinne. Christlich.

Liebe Schwester,

Als Du mich vorgestern in den Arm genommen hast und mich gedrückt hast, da hast Du mir zu spüren gegeben, dass ich Willkommen bin. Du hast da eine Größe bewiesen, die ich vermutlich nicht hätte. Ich wäre nachtragender. Ich habe mich in den vergangenen Tagen sehr sehr wohl aufgehoben gefühlt. Es war fast ein bisschen wie nach Deiner Hochzeit, da herrschte eine so wunderbare Stimmung, ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das auf alle abgestrahlt hat, ich musste heulen, als ich damals abgereist bin. Und auch vorhin saß ich im Auto, wehmütig, aber auf eine gute Art und Weise, und dachte, was für einen Zauber der gestrige Tag hatte, und habe mich gefreut, was für gute Menschen Du um Dich hast – Freunde und Verwandte. Von den Kindern ganz zu schweigen, außerordentlich fantastische Charaktere, jeder eigen, und jeder mit seinem besonderen Platz in der Familie.

Als kleines Kind will man immer sein wie die anderen. Als nächstes will man sein wie das größere Geschwisterkind, man ist ein wenig neidisch, eigentlich ist man aber voller Bewunderung und Hochachtung. Ich bin ganz froh, sagen zu können, dass ich nicht neidisch bin, weil alles, was Du hast, hast Du Dir verdient und es ist Deins. Aber was ich noch habe, dass ist Hochachtung vor Deinen Fähigkeiten und der Art und Weise, wie Du Dein Leben eingerichtet hast und wie Du das Leben der Menschen um Dich herum prägst. Was Ihr für den jungen Franzosen tut, oder wie Ihr Euer Haus für die Familie des zweiten Konfirmanden geöffnet habt – und wie die Harmonie sich ausgebreitet hat, das sprengt meinen Adjektiv-Wortschatz, das ist schlicht großartig. Ich danke Dir für ein Wochenende voller Sternstunden. Ich Danke Dir dafür, dass Du bist wie Du bist. Wenn ich sagen würde, dass ich stolz auf Dich wäre, dann würde das bedeuten, dass ich etwas damit zu tun hätte, wie wunderbar Du bist. Aber das ist Dein eigenes Verdienst. Aber ich kann sagen, dass ich stolz bin, Dein kleiner Bruder zu sein. Ich hab Dich lieb! Happy birthday.

V.

6

Wieso habe ich eigentlich immer angenommen, mein erster Blogbeitrag sei am 28. Mai 2005 online gegangen? Am 27. Mai 2005 war´s. Oops. Und Wow.

gb
(G. Barris, July 1962)

In sechs Jahren hat sich das Blogverhalten doch sehr verändert. Nicht meins. Noch nicht. Ich schreibe vielleicht mit etwas weniger Sendungsbewusstsein. Aber nach wie vor gern, es ist mein Morgenritual, auf das ich auch gern zu anderen Tages- und Nachtzeiten zurückgreife. Manchmal nach wie vor seltsam, so vieles zu teilen und in den öffentlichen Raum zu stellen, wo die Anonymität längst verjährt ist. Aber immer dem Credo rechts oben verpflichtet. Hope you enjoy yourselves here as much as I do. Thanks for stopping by now and then.