Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

GLAMILY oder WE CAN BE HEROES

Freitagnacht, irgendwo in Niedersachsen. GlaMum feiert ihren Siebzigsten. Das längste Gespräch des Abends führe ich mit der Frau des Chefarzts und Besitzers der örtlichen Nervenheilanstalt. Die Geschichte der Psychiatrie, die Geschichte der Patienten während des „Nationalsozialismus“, die Wahrnehmung der Psychiatrie von außen, wenn man in einem Dorf aufwächst, in der die örtliche Psychiatrie der größte Arbeitsgeber ist. Beiderseits Übereinstimmung, dass es Fälle gibt, wo einfach nur noch Pillen helfen, erstmal, bevor weiter Behandlungsmethoden greifen können. Dann über die Schöpfungsgeschichte zu Fritz Harmann und die Geiz-ist-Geil-gefolgt-von-der-Tunnelblick-Generation.
Sie gehört im Ort, wie ich, zu den Menschen, denen immer Arroganz unterstellt wird. In ihrem Fall liegt es an ihrer natürlichen Autorität, gepaart mit Schönheit (später erfahre ich, sie wird 60 und sieht immer noch WOW aus), die mich an meine Werte & Normen-Lehrerin erinnert, die ich ja auch sehr liebe. Was es in meinem Fall ist – je ne sais pas. Diejenigen, die mich dort, in diesem Umfeld, jetzt arrogant finden, obwohl sie gar nicht mit mir in Kontakt kommen, sind diejenigen, die mich damals wie das letzte Stück Scheiße behandelt haben. Und nicht, weil ich arrogant war, sondern einfach anders. Aufgrund derer Xenophobie entwickelte ich eine schtronge Xenophilie, kann also auch nicht nur böse auf sie sein. Ick treff mein Leben lang spannende Leute.

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Meine Mutter und ich räumen den Partyraum auf. Die Damen, die die Bedienung übernommen haben, geben uns freundlicherweise einen Lift, nachdem sie das Geschirr und wir das Putzen der Tische übernommen haben. Im Auto sagt eine der Damen – „Kannst Du Dich gar nicht an mich erinnern – ich war einen Jahrgang unter Dir!“ Ich schaue sie noch mal an, erkenne sie immer noch nicht. „Tut mir Leid. Ich hatte im Schulbus immer alle Hände voll damit zu tun, mir die Leberwurst aus den Haaren zu entfernen, die man mir reingeschmiert hat.“

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Früher Samstagmorgen. Nach dem erfolgreich absolvierten Fest anlässlich des 70. der GlaMum sitzen wir im Wohnzimmer. GlaMum und GlamDad in Sesseln, ich davor, und GlamDad bekommt so eine 3.00 Uhr-morgens-Wut. Warja alles schön, aber der und der und das und das und überhaupt. Und wie konnte die und die das und das und also, nee. Normalerweise bin ich das ja, diese Nacht mal er, und ich weiß wo´s herkommt, und ich greif mit der rechten Hand den rechten Fuß der GlaMum, mit der linken den linken Fuß des GlamDad und rede ihn ein bisschen aus seiner Wut raus und glaube, dass wir drei so eine Nähe, wenn überhaupt, dann zuletzt zu meinen Säuglinsgzeiten hatten und das ist ja schon paar Tage her.

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Samstagabend. Sitze in meinem Garten. Ganz amtlich meiner, aber eher auf dem Papier – ich bin ja nur paar Tage im Jahr hier. Außerdem hat meine Schwester damals die Kosten für die Giganto-Hecke übernommen, die wir gemeinsam gepflanzt haben. Die Gärten des Elternhauses, des Schwesternhauses und des Dritten, das einmal meins sein wird, auf dem Papier bereits ist, bilden einen großen gemeinsamen Garten. Mit Obstbäumen, der farbenfrohen Hecke, Flieder in weiß und lila, einem außer Kontrolle geratenen Haselnussstrauch. In einem kleinen Häuschen ruht der Rasenmäher und davor sitz ich, nach einer viertel Stunde Trampolin-Springen auf einer Bank unter einem Holzdachvorsprung und schau zu, wie es regnet. Der Toto-lookalike-Hund meiner Schwester ist immer noch ziemlich hyper, aber doch schon etwas älter, und nun springt er nicht mehr ständig herum, sondern ist auf die Bank neben mich gehüpft, hat sich dort hingelegt und an mich angekuschelt und ist sehr alert mit Blicken und Schnüffeln und Kopf hin und her drehen. So, um zu zeigen, „denk bloß nicht ich chille hier, Alter. Ich pass auf Dich auf!“

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Sonntagmorgen. Ich packe gerade meine Sachen für die Abfahrt, da kommt mein Vater in mein Zimmer. Hier – für´s Tanken. und drückt mir einen Fünfziger in die Hand. Dann nimmt er mich in den Arm und drückt mich. Ziemlich lange für unsere Verhältnisse. Und dann noch mal so lang. „Und dann wollt ich mich noch mal bedanken, für Deine Hilfe beim Geburtstag, und weißt Du was? Du bist ein echter Kumpel.“

BOYS BOYS BOYS

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Siebdruck auf Teppich by the wunderbare Julia Neuenhausen. Größe: ca 50 x 40 cm. Dies ist nur eine Auswahl, diese Jungs und mehr gibt es noch in andersfarbigen Ausführungen. Bei Interesse schreiben Sie an glamourdick at aol dot com. (Sind Sonderpreise wegen Lager-Räumung.)

THANK YOU, LIEBES*

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*both of you.

Die kleine propere Frau mit den wasserstoffblonden Haaren, der einzigartigen Stimme und dem Humor einer geborenen Entertainerin. Stapft durchs Publikum und ermuntert zum Mitsingen. Wenn sie nicht auf der Bühne steht und 200% Musikalität abliefert. Leider Blues, mit dem ich eigentlich nichts anfangen kann, musikalisch – textlich oft schon, aber diese fetten schleppenden Sounds, das ist mir zu, I don´t know, es ist halt nicht meins. Allerdings fällt es nicht schwer, sich auf ein Blues-Experiment einzulassen, wenn Cyndi einem vorführt, was für eine satte Power dahinter steckt. Sie bekommt schon beim dritten Lied die erste standing ovation. Von einem Publikum, das auf dem Hof des Admiralspalastes ziemlich dröge rüberkam. Aber sie lassen sich um den Finger wickeln, so wie ich und Herr Strike, von dem ich das Ticket zum Geburtstag bekommen habe. Nicht nur die Memphis-Lieder sind Abräumer, natürlich auch die Cyndi-Klassiker. Aber dass es ihr gelingt, ein totgesungenes Lied wie „Girls just wanna have Fun“ in einen ca 15minütigen Kanon mit dem Publikum zu verwandeln, bei des es ausgesprochen Spaß macht, mitzugrölen, und ich meine mitzuGRÖLEN, wie (in meinem Fall) zuletzt beim „Denkmal“ der Helden und „In too deep“ mit Belinda – das ist bemerkenswert und nichts Geringeres als ikonisch. Cyndi Lauper gehört zu den Künstlern, von denen man sich wünscht, dass sie bis zu ihrem letzten Tag Konzerte geben sollen. Ohne Leinwände, ohne Tänzer, Kostümwechsel und Tamtam. Das braucht sie nicht. Sie hat Persönlichkeit galore und eine Musikalität, von der besser kein Schnickschnack ablenken sollte. Und ich glaube, sie weiß das. Und ich glaube, es macht ihr wirklich wirklich Spaß. Schlusssatz: siehe Titel.

KOMMOD

Montags ist jetzt immer RTL. Mietnomaden, Messies, Muttis. Die Horror-Hölle des Bastel-Opas. Der Smegma-Tempel des Sumo-Wrestlers und so. Tatsächlich fand ich den Bastelopa ziemlich Klasse, und nicht, weil er so ein appetitliches Lungen-Haché zubereiten konnte, sondern weil er so an seinem Schlafzimmer hing, das er vor ca. 40 Jahren mit seiner verstorbenen Frau mit Bedacht ausgewählt hatte. Als ich es sah, ging mir das Herz auf! Denn dort sah ich, dass mein Lieblingskommödchen nicht allein auf der Welt ist! Dieses lindgrüne zweischubladige Schätzchen mit den Plastikdiamantknäufen, das im Gästezimmer steht, ist das verwaiste Kind einer großen Familie. Bett! Kleiderschränke! Vielleicht sollte ich diese Vermisstensendungsfrau kontaktieren, ob sie eine Familienzusammenführung herstellen kann. Aber erst mal Hut ab vor Tine Wittler, die dem Mann das Schlafzimmer gelassen hat, etwas aufgehübscht zwar, aber mit vollständigem Mobiliar.

(Und ich hatte immer gedacht, das sei ein Ost-Design, aber die Schnörkel und der Diamantknauf sprechen eine deutliche Sprache. Sie raunen „Tauentziehn“. Und „Kranzler Eck“.)

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COMMERCIAL BREAK

Habe gestern auch so eine fragwürdige Anfrage zum Thema sponsored Ads oder so bekommen. Also schlecht bezahlt Werbung machen für Produkte oder Dienstleistungen, mit denen man nichts am Hut hat. Hab ich nicht drauf geantwortet, die hat mich auch noch geduzt!

Stattdessen. Unbezahlt und aus Überzeugung. Kündige ich an. Hier demnächst Werbung zu machen für eine Künstlerin, der ich mein Lieblingskunstwerk verdanke (neben Katia Kelms Plasteglam, versteht sich). Wer schon mal in Glam Gardens war – der pornös schöne Siebdruck auf blauem Teppich über meinem Bett ist nur Teil einer Serie. Und den Rest der Serie stelle ich in Kürze hier vor – bei Interesse stelle ich den Kontakt zur Künstlerin her. (Der Preis ist so dermaßen special offer, dass ich mir gar nicht traue, den zu veröffentlichen, und nicht, weil er so exorbitant hoch wäre.) Also, machen Sie´s wie ich: investieren Sie in Kunst. Il n´y a que le beau qui reste!