Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

Lanabanana

Auf dem Weg die Treppen hoch in die Wohnung höre ich von über mir die Signaturgeräusche der Labfordshirehündin Lana, Mitbewohnerin der amerikanischen Nachbarin. Kralle auf Holz. Die freut sich immer sehr, mich zu sehen, also ruf ich in dieser Art Stimme, die man sonst bei Kleinkindern verwendet

„Ja Lana, ja Lana, nakommmmmmmm Du MAUS! Du Schokobrowniebaby!“

Anders als gewöhnlich beschleunigen sich die Schritte nicht, das Geräusch Kralle auf Holz behält dasselbe Tempo bei. Ich hocke mit dem etwas irr anmutenden Grinsen eines Hundebegrüßers auf der Treppe, als ein kleiner Mops, mich gänzlich ignorierend, gefolgt von zwei jungen Männern an mir vorbeigeht. Räuspernd richte ich mich wieder auf.

„Schönen Tag noch“, sagt einer der beiden.
„Örm. Gleichfalls.“

*

„Die Lana maunzt immer, wenn sie hört, dass Du an unserer Wohnungstür vorbeigehst. Wir haben das überprüft. Die Tür aufgemacht und Dein Parfum lag in der Luft. Und wenn wir aus der Wohnung gehen, will sie erst immer hoch zu Dir.“

Und so richtig entzückend ist der Stunt, den sie für ein Leckerli macht, wenn man „Platz!“ sagt. Da legt sie sich nicht einfach brav hin, sondern schmeißt sich auf die Brust, dass man ein deutliches FUPP hören kann.

We are Water

Während ich auf den Pannendienst warte sitze ich im Görli auf einer schattigen Bank und lese. Eines dieser Bücher wo man sich vorher fragt „Will ich jetzt wirklich eine Geschichte lesen, in der es darum geht dass sich eine Frau nach 23 Jahren Ehe von ihrem Mann trennt, um eine Frau zu heiraten?“ Es ist so schade, dass Inhaltsangaben, vor allem je kürzer sie sind, einem Buch, in diesem Falle We are Water von Wally Lamb, keineswegs gerecht werden können. Bei Wally Lamb aber kann man sich darauf verlassen, dass er jede Geschichte so bravourös gestaltet und auskleidet, dass der rote Faden einfach nur das ist. Wie gewohnt webt er, strickt er, dabei ständig das Material wechselnd, die Perspektive ändernd und die Versatzteile unputtdownably schaltend. Es entsteht ein Familienportrait, ein Amerikanisches Gemälde. Ohne sich je dem Kitsch auch nur anzunähern erwischt er den Leser und führt ihn durch seine komplette Gefühlswelt.

Der Pannendienst diagnostiziert nicht das erwartete Marder-Kabel-Frühstück, sondern eine verstorbene Batterie. Die ersten Hundert Euro des Tages weg. Es soll nicht bei einem Hunderter bleiben, als Nächstes Weinkauf. Die schlechte Nachricht, der neue Hauswein ist fast doppelt so teuer wie der alte. Die Gute: der Laden liefert. Auch die Lebensmittel werden dieses Jahr geliefert – nicht aus Faulheit, sondern weil nicht abzusehen war, wie lange ich ohne funktionstüchtiges Auto bin.

Nachmittag in der Hollywoodschaukel mit den letzten Seiten We are Water. Tears shimmer like mirrors in summer. Tränen, Salz, wie auch Meerwasser. Und am Abend dann Mommy von Dolan – so brillant wie erwartet, große Liebe für ADHS-Steve. Und auch wenn der Trailer den Eindruck vermittelt, man habe jetzt den ganzen Film gesehen? Nö.

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Die geplante Floßfahrt fiel zwar ins Wasser, aber so war es auch sehr schön. Mit den Besten bei Sekt auf dem Balkon bis der Sonnenschirm vom Regen durchweichte, dann weiter zum Bravko für exquisite Tartes – ein Sortiment in die Mitte und jeder nahm sich was, und das Prinzip fortgeführt beim Geburtstags-Standard Rocco. Die Vorspeisen waren bereits so üppig, dass eine Pizza darauf kaum möglich schien, aber zwei Pizzen für 7 waren dann doch noch drin. Zu Hause mit der Amerikanischen Nachbarin und Lanabanana Tilda Swinton in „Julia“ und nu is schon wieder ein neues Lebensjahr und eine Party gehört vorbereitet.

RIP Barbara Vine

Ruth Rendell: You will be greatly missed as one of the greatest psychological and moral story tellers. Thanks for your body of work. „Asta´s Book“, „The Brimstone Wedding“ and „No night is too long“ are reference points in story telling I´ll always enjoy revisiting. I hope they´ll provide you with a typewriter in heaven.

Crowe funding

Irgendwann waren für ein paar Tage alle Krähen verschwunden, ich machte mir Sorgen – die ersten Tauben waren gerade bereit sich hier wieder zu verbreiten – aber vorgestern dann sah ich eine Krähe am Spreewaldplatz und stiftete ihr einen Hundekuchen, den ich für genau diesen Zweck immer mit mir führe. Gestern endlich zwei Krähen auf dem Dach gegenüber. Einen Hundekuchen auf die Brüstung gelegt und gerade eben, als ich mein Handy ans Netz anschließe steht da eine, im Profil – mitsamt Leckerli im Schnabel. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit.