Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

AND THE REBEL

Gestern nochmal Kurt beim „Blackbird“ singen angeschaut, bzw Blaine dabei zugeschaut, wie er Kurt anschaut. Ein eindrückliches Denkmal für die Kraft, die von Musik ausgeht. „Bring that one damn song on that can make me break down and cry“ sang Bowie und hat es ebenfalls auf den Punkt gebracht. Nichts emotionalisiert so faszinierend wie Musik. Jemanden in drei Minuten in eine Stimmung zu versetzen, das geht sonst eigentlich nur pornografisch, oder?

For instance:

Okay. Viereinhalb Minuten. Oder hier. Von Slapstick zu Heartbreak Deluxe in einer Note.

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich Ewan McGregor heiraten möchte und bereits schottisch lerne?

Oder auch diese 4:

Ja. Ich habe gute Laune. Trotz Steuer. Heute ist Drucklegung für „Ashby House“.

BOOM BOOM BOOM

Das Schicksal der dicken Frau Rosen will es dieses Mal irgendwie gar nicht ernst meinen, selbst als sie dann ihren Herzinfarkt bekommt, nachdem wir Blicke auf ihren Schlüpfer hatten, die wir nicht ersehnt haben. Zuvor war ich durch die frühe Nacht gestapft, mit Kopfhörern wie Insektenaugen, nur weiter seitlich, Insektenaugenohren eben, und habe mir die Lichter in der Dunkelheit angeschaut, warm angezogen in dem, was jetzt wohl Winter ist (Ipod-Shuffle macht tatsächlich jetzt gerade tiefsten Winter mit Heike als Hilde). Der Strike, den ich so familiär liebe und ich. Wir zwei raus aus 11, rein in die Zwölf. Wir haben Feuerwerk dirigiert, das ist ein Lieblingssport, den man nur selten spielen kann, anders als in bunten Pusteboten über Waldseen schippern, es war ein wahres Fest! Und schrecklich viel getrunken, aber irgendwie wurde ich wieder frisch, auf dem Heimweg, und dann war im Hof Nachbarschaft und noch ein Fest und ich merkte erst, dass nur zwei andere Männer da waren, und nur einer von ihnen unverheiratet, als ich ihm meine Telefonnummer gab. Nicht daran denkend, dass ja die alte Nummer mit Mitternacht erstmal ins Koma ging, für ein paar Tage, bis 02 sie neu speist. Egal. Heute habe ich ein lädiertes Knie und weiß nicht warum. Fand einen Schlumpf in meiner Jacke und es ist nichts weggekommen. Ipod, Telefon, die Matrix, Portemonnaie alles noch da. Ich mag das Dutzend jetzt schon und hänge jetzt den neuen Bauernkalender auf. Und hier zeigt ihnen die Meisterin wie das geht mit dem Feuerwerk-Dirigieren:

Und die Marilyn-Uku! You just gotta love that girl… and I think it´s gonna be a long long time!

11/22/63

Der neue Stephen King ist ein klassicher Stephen King, was die Charakterzeichnung angeht. Ein sympathischer Protagonist, der unter anderem eine Aufgabe zu bewerkstelligen hat, die die Welt vielleicht nicht retten, aber doch etwas besser machen könnte. Er bewegt sich in einer Welt bevölkert mit geradlinig gezeichnetem Personal. Das Neue an diesem Buch – die Bedrohung ist nicht übernatürlicher Art. Überhaupt gibt es nur ein einziges fantastisches Element: in der Speisekammer seines Lieblings-Diners befindet sich ein Portal ins Jahr 1958. Eingeweiht von Al, dem schwerkranken Betreiber des Diners, macht sich Jake auf den Weg, das Kennedy-Attentat zu verhindern. Wenn Kennedy nicht stirbt, da sind sich die Männer einig, wird es nie zum Krieg mit Vietnam kommen. Sein erster Trip ins Jahr 1958 dauert nur Stunden. Als er zurück kommt sind in der Gegenwart allerdings nur 2 Minuten vergangen. Bei seinem nächsten Besuch stellt er fest, dass es einen Reset gegeben hat – es ist wieder der gleiche Zeitpunkt im Jahr 1958. Der gleiche, nicht derselbe. Sein nächster Besuch wird einige Jahre dauern. Um zu überprüfen, ob Oswald wirklich Einzeltäter war, möchte er dessen misslungenen Mordversuch an einem Politiker, General Edwin Walker im April 1963 bezeugen. Er lässt sich also auf das Leben eines Kleinstadtlebens in den End-Fünfzigern und frühen Sechzigern ein. Und fühlt sich dort zunehmends zu Hause, was auch mit der Affäre mit der geschiedenen Bibliothekarin Sadie zu tun hat.

Diese Welt der 50er gestaltet King liebevoll und plastisch. Man könnte seinen Figuren Eindimensionalität vorwerfen, doch davor bewahrt die Gegenüberstellung der verschiedenen Lebenswelten Stadt und Land. Er zeichnet auch kein kandiertes, nostalgisches Bild. Im Gegenteil werden die Sorglosigkeit der Amerikaner, was Umweltverschmutzung und Gesundheit (alle rauchen) angeht portaitiert. Rassendiskriminierung, Doppelmoral und Kommunismus-Panik werden thematisiert, und auch die Panik vor einem Nuklearkrieg gegen Russland füllen das Zeitbild, das er kreiert.

Ich bin von Stephen King einiges gewöhnt. Nicht aber daran, dass er eine Szene von solcher Schönheit schreibt, dass es mich zu Tränen rührt. Gestern geschehen. King ist ein moderner Klassiker. Der weitestgehende Verzicht auf fantastische Elemente ist nichts, was das Buch hervorhebt (ich liebe seine Horror-Romane und einen ähnlich verlässlich guten Genre-Autoren gibt es nicht). Die Gestaltung einer Welt, in die man neugierig eintaucht, wie der Erzähler, und in der man sich lesend gerne aufhält, deren Drama einen mitnimmt – das zeichnet das Buch aus. Solide Unterhaltung. Meine Hochachtung.