Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

21ST CENTURY FOX

Über Ostern kam ein Flow ins schreiben, einfach auch schon ganz banal, weil die Seiten sich aufgrund der minimierten Zeilenanzahl schneller füllten und ich mehr Zeit hatte. Seit gestern sitze ich an einer Passage, die den Leser (aber mehr noch mich) auf eine harte Probe stellt, aber ich hab das Gefühl, ich krieg es hin. Protagonistin sei Dank. Macht Spaß.

ZEILENZÄHLER

So sitze ich an diesem Ostersonntag vor meinem Text und denke plötzlich „Hm. Das Ashby-Manuskript sah irgendwie anders aus.“ Das muss ich mir mal genauer anschauen. Ja. Weil es in Normseiten formatiert war, wie sich das für Manuskripte gehört. Zähle also Zeilen pro Seite. Aktueller Roman hat 12 Zeilen mehr als Normseite und mit einzeiligem Zeilenabstand statt anderthalb. Da müsste ich ja mal umformatieren, wenn ich wissen will, auf welcher Seite ich eigentlich wirklich gerade bin. Tue dies flugs. Und siehe – ich muss mich nicht mehr wundern über Tage an denen „nur“ 2 oder 3 Seiten entstanden. Die Umformatierung ergibt, dass ich mich auf Seite 223 befinde, nicht etwa 169. Mit einem Mal legt sich eine mittelgroße Ruhe über mich.

GOLDENE BLOCHZEIT

Samstag schreibfrei gegeben. Stattdessen eine Exklusivführung, die mich on top of the city brachte. Nicht nur Schnür-, sondern auch Kronenboden. Als jemand, der sich seine Höhenangst durch am-Fenster-rauchen abgewöhnen konnte, dennoch ein ehrfurchterregender Moment, ich kam ein bisschen ins Schwitzen, als ich durch Metallgitter herab auf den von vier Stahlseilen gehaltenen anderthalb Tonnen schweren Leuchter und die darunter befindlichen samtroten Sitze schaute. Phantom-feeling, wow.

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Dann bei Dussmann Ken Russells „Valentino“ bei den Import-DVDs entdeckt und befreit, desweiteren einen blank spot auf meiner Jessica-canvas: „Music Box“. Vor lauter Filmen und Schlafen zu Essen vergessen, das wird heute nachgeholt. Beide Filme, übrigens auch nach Jahrzehnten absolut anschauenswert.

Und kiekstemal rechts unten: 2500 Tage online, dieses feine Blog hier. Ein Survivor des Blogsterbens!

EINFACH. GNADENLOS. GUT.

Und noch ein Film zum Nochmalanschauen. „Weekend“. Spon war ja ganz enthusiastisch – einer der größten Liebesfilme 2011 oder so. Und hatte gewissermaßen recht. Ein kleiner Film, der groß aufgeht. Realismus, so echt, wie er für einen deutschen Film undenkbar wäre. Das ist fast dänisch. Nein. Das ist hyperdänisch, allerdings auf Britisch. Erzählt wird die Kennenlerngeschichte zweier Menschen, die zufällig homosexuell sind und all das machen, was Schwule so tun, die sich über den Weg laufen. Erst wird geknutscht und gesoffen, dann gibt es Sex, dann bleibt er über Nacht und es gibt Kaffee im Bett, wo erst einmal die vorhergehende Nacht rekonstruiert wird. Aber dann kommt die zarte Wendung. Der Fick von letzter Nacht holt ihn am nächsten Tag von der Arbeit ab. Und es wird noch ein Tag und eine Nacht gemeinsam verbracht, bevor…
Die Figuren sind von einer Wahrhaftigkeit, dass man nicht das Gefühl hat, einen Film zu schauen. Die Biografien der Protagonisten sind in wenigen Gesprächsminuten so echt gezeichnet, dass – argh. Einfach gnadenlos gut.

Was der Film außerdem bewirkt – er erzeugt eine Wärme inmitten einer kalten Welt, verleitet einen zu Empathie für die beiden sehr unterschiedlichen Männer. Er reißt Themen an, die man vielleicht für verarbeitet hält, die aber – das merkt man spätestens, wenn einem die Tränen über´s Gesicht laufen, nie als „verarbeitet“ betrachtet werden können, sonder als „bewältigt“. Als Charakter-formend und prägend.

Im Film selbst kommt das Sujet „Kunst von Schwulen“ zur Sprache. Die würde eh nur von anderen Schwulen zur Kenntnis genommen. Bei kaum einem Film würde mich das so ärgern wie hier. Denn selten ist eine schwule Geschichte treffender gezeichnet, ich sehe in diesem Film Aspekte meiner Realität beschrieben. Und es gibt spezifische Komponenten, in denen eine Beziehung zwischen Männern sich doch arg von gemischtgeschlechtlichen Beziehungen unterscheidet. Sie haben mit Identität und Selbst-Akzeptanz zu tun. Mit Testosteron und Außenseitertum. Wenn es Sie also interessiert, wie das bei Schwulen so abgeht. Oder wenn sie einfach mal einen intelligenten, zeitgenössischen Liebesfilm sehen möchten. „Weekend“.

MONDAY IN NEUKOELLN WITH STRIKE

Das Beste, was man mit einem Montag machen kann – nicht zur Arbeit gehen und den Nachmittag stattdessen mit Herrn Strike verbummeln. Wären wir zu viert gewesen, hätte es etwas wie die guten Folgen von „Sex and the City“ gehabt, wo jeder sich was Schönes kauft und man dann irgendwo einkehrt und nett isst und trinkt. Aber es war nicht Manhattan, es war die Tidilin-Hochburg Neukoelln, doch selbst die hat einige hübsche Flecken aufzuweisen, und Personal, das einen duzt.

TAKTGEFÜHL

„Und jetzt der ChaCha zu“Fuck you“. Let´s Dance!!!“

Erstaunlicherweise selten gut unterhalten bei „Let´s Dance“, nicht nur, weil die Lieblingsdänin mittanzt. Hab mich ein bisschen verguckt in den Mowgliesken Erich. Nach dem Auftritt der Lieblingsdänin dann allerdings nicht mehr konzentriert geschaut wegen langen Telefonats mit einer anderen Freundin, die das Gleiche für den ORF praktiziert und am Freitag mit zwei Tänzen an der Reihe ist. Österreich hatte sich über ihre Anwesenheit in einer Familiensendung zunächst echauffiert. Aber mit ihrem Charme und ihrer Bodenhaftung konnte sie das Publikum für sich gewinnen. Glam hearts Dolly und drückt die Daumen für die nächste Runde!

DARAUF EINEN OSCAR*

Die erste halbe Stunde dachte ich – das ist komödiantisch schon hinreißend, was der da macht, aber Oscar-Leistung? Aber der Film endet ja nicht nach 30 Minuten, und als er vorbei war, war ich ein weichgekochtes Ei, wachsweich. Das Schlimme – ich möchte mehr Filme mit ihm! Nein, nicht mehr Dujardin, mehr VALENTIN! (Aber zur Not behelf ich mir mit Dujardin.)

So wenig mich der Thatcher-Film interessiert, nachdem ich gestern die Vorschau sah, auch hier ganz klar: Da schmelzen Schauspielerin und Rolle so exakt und präszise ineinander, wie zuletzt bei Jessica´s „Big Edie“ und davor lange nichts, vielleicht Dunaways „Mommie Dearest“- und (wieder) Jessica Lange als Frances Farmer. So eine Leistung haben wir von Michelle als Marilyn nicht bekommen. Ist einfach so.

„Ich seh Dich mehr in der Oper als im Supermarkt“ meinte Herr Spango gestern und hat natürlich Recht. Erklären muss ich Ihnen dies trotzdem nicht. Seine Worte zu „Ashby House“ waren Gold, und er ist gerade erst bei Seite 100 gewesen, da beginnt es ja erst, sich so richtig zu entfesseln.

Ansonsten, zwei Tage en famille, mir sehr vielen glücklichen Momenten. Und jetzt ein freier Nachmittag ganz ohne Supermarkt.

*Der war extra-billig, ich weiß.