Sowas kann man morgens um 8 echt nicht mit mir machen. Schnief.
Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden
Hello. Xavier. Hello. Adele. Hello. Garth Risk.
Manchmal brauch ich etwas länger. Fedora appreciaten als Film im Film im Film über den Film (und Billy W. und die Zeit). Gemeinsam mit der wunderbaren Kitty Koma. Und dann Adele. Ich bin wohl der Einzige, der die 21 nicht hat. Nu aber für die 25 ein paar Dolly Parton Songs gelöscht, Pod ist mit 32GB Musik voll. Und gestern nacht liefen die Tränen, zunächst bei Mommy vom geliebten Dolan und dann ebenfalls beim Dolan und Hello. Ungefähr 8 mal. Und dann alle verfügbaren Live-Auftritte.
Sonst so, Garth Risk – weiter mit City on Fire, immer noch sprachlos ob der fantastische Sprache, der Plastizität der Figuren, distinctive sagt man wohl. Charlies Teenage Punk Mutation, so wahrhaftig, bringt mich zurück nach 85, obwohl es im Buch 77 ist. Und in meinem Fall nicht Punk sondern mehr so Pre-Emo, jedenfalls toupierte Haare und Gard-Haarspray, die lila Dose. Riechen Sie´s?. Aber all-in-all – die Verstrickung, Verknüpfung der Ebenen, die Verwebung des Netzes – das ist größtmögliches Storytelling. Ein Buch, das man nur mit dem Federhalter in Reichweite liest.
Buddyguard
Meine komplette Hochachtung gilt dem L. Das ist der Sohn einer geschätzten Kollegin. Der ist Anfang 20, eigentlich wohl eher ein menschenscheuer Typ. Was ihn nicht davon abhält, jeden Tag den Leuten bei ihrer Antragsstellung zu helfen. Vor ein paar Tagen hat er eine syrische Transgender-Frau, Typ Conchita, durch die Menschenmenge eskortiert, quasi Bodyguard gegen Spießrutenlauf amongst stupidly religiously biased bully refugees. Nicht nur finde ich das Bild schön, dass eine syrische Transe in High Heels erhobenen Hauptes durch eine Menge wütender Männer stöckelt, sondern, dass sie dabei von einem jungen stolzen deutschen Mann beschützt wird.
Wir werden es in Zukunft mit vielen neuen Bürgern zu tun haben, die Wut und Gewalt, Angst und Hass Schrägstrich Tagesordnung erlebt haben. Wer flieht, muss auch sehr intelligent lügen, verbergen, Vorteile ausnutzen. Das sind elementare Bestandteile einer Kriegs-Generation. Vor dieser Betrachtungsweise gilt es, solche Eigenschaften, die ich verachte und die für mich zuvor als deal-breaker jeder zwischenmenschlicher Interaktion galten, differenzierter zu betrachten.
Desweiteren bräuchte ich Hilfe, was einen wandernden Küchentisch angeht. Kennst sich jemand mit mobilen Möbeln aus?
State of affairs
Mein Refugee tröstet mich.
TWICE IN A LIFETIME
Es ist die Luft, die die damalige Stimmung wiederbringt. Crisper Spätsommer. So, dass man wieder ein Hemd über´s Shirt ziehen muss. Und das Licht. Das letzte kalte Bunt vorm Orange und Gelb. Klar und sauber. Die großartigste Vorfreude meines Lebens, gewürzt mit einem Hauch Furcht, dass noch etwas dazwischen kommen könnte. Nicht die geringste Befürchtung, dass sie hinter meinen Erwartungen zurück bleiben würde, das war vollkommen ausgeschlossen und stand einfach nicht zur Debatte. Und so kamen dann auch die drei Tage mit den wunderbaren Menschen, der Trip nach London, Spaziergang an der Themse, bizarre Buffets und dann natürlich die beiden Abende und Nächte. Die Stunden der Aufregung davor, das erste Finetuning im Foyer, mit den anderen Anhängern zu verschmelzen – das selbe Gefühl im Gesicht von Annie Lennox zu sehen, als sie das Foyer durchquert.
Wenn ich die Aufnahme höre kommt das alles zurück. Der Applaus, der für die Band aufbraust, dann der fassungslos ausufernde Applaus, der schönste Lärm, den wir Anhänger aufbringen, als SIE die Bühne betritt. Dass wir die Ehre haben, es ist nun nichts mehr zu befürchten, da steht sie, strahlt, und beginnt zu singen. Drei Stunden, unterbrochen von einer Pause, in der sich vor Glück weinende Menschen in die Arme fallen. An outpouring of Love, wie es ich es noch nie erlebt habe und auch nicht mehr erleben muss. Wir waren ja da, mittendrin. Zwei Nächte in denen die Schwingung von Schönheit, Liebe und auch Demut uns trug – ein Gefühl von Angekommensein und von Würde. Kate Bush hat uns in ihre Welt mitgenommen, die auch ein Teil von uns ist. Schon lange war und wohl für immer bleiben wird. Thanks ever so! And DVD, please….
Dismaland
Fröhlicher H und M Werbespot für Kinderbekleidung. Ich möchte untertiteln „Kleider für Kinder – hergestellt von Kindern für Kinder“. Ganz klar ein Fall für Dismaland. Kunst, sagt Banksy, sei da, to comfort the disturbed and to disturb the comfortable. Er hat mich erreicht.
Bei über 30° einen Schattenplatz auf dem See gefunden, ufernah, sehr pikaresk, bis eine russische Familie sich am Ufer einfindet und lautstark Wasserspaß zelebriert. Vom Vortag bereits etwas sonnenverbrannt paddle ich also nicht auf die Seemitte, wo es ruhig ist und gleißend hell, sondern befinde, dass 2 1/2 Stunden Wasser auch reichen und mach noch einen Besuch bei einem meiner Lieblingsmenschen. Umreiße kurz ein Angst-Rand-Thema – die Befürchtung, dass meine Vermieter irgendwann befinden, dass ich die längste Zeit keine Mieterhöhung hatte und mittlerweile das Erdgeschoss teurer vermietet wird als mein kleines Penthouse-way-up-in-the-sky, und da sagt sie „Glammy, alle Leute, die Dich hier bei mir kennengelernt haben, die lieben Dich. Und Du bist hier immer willkommen und Du kannst immer hier einziehen.“ Und warum sie einer meiner hochrangigsten Lieblingsmenschen ist – im nächsten Satz: „Aber jetzt kommen erst Mal zwei Syrer.“
Algonquin, eat your heart out!
Großartiger Abend mit zwei der liebsten Agentur-Kollegen und dem Chef derselbingen. Man hätte das mitschneiden sollen, wie wir uns die Bälle kreuz und quer schmetterten, jeder seine eigene Rolle und Persönlichkeit einbringend und wie sich das nicht nur ergänzte, sondern anfeuerte. Mediziner, Feuilleton-Hero, Panikbloggerhorrorautor und der kluge Mann, ohne den wir uns nie über den Weg gelaufen wären. Vier ausgeprägte, eigensinnige Charaktere und wo viel Feuer ist, da brennt´s auch mal, aber/und – was wären wir ohne Feuer?
Apropos deutsche Autoren: jahrzehntelang habe ich sie gemieden, aber mit Herrndorf ist da die Blase der Verquastheit geplatzt und nach Hischmmann und Stanisic bin ich jetzt bei Stephan Thome gelandet und sehr sehr happy. Grenzgang schon so großartig und fein, und jetzt lese ich vom Road-Trip eines Philosophieprofessors Anfang 60 und fasse kaum, wie sehr mir das gefällt. In anderen Händen/Worten/Herzen wäre das ein klassisch-deutschtrockener Horrortrip, aber Thome schreibt das mit einer herzgeborenen Weisheit – lesen Sie das ruhig auch. Fliehkräfte. Wie wenn Joyce Carol Oates ein vernünftiger, warmherziger deutscher Mann wäre.
4.8.1962
VOR DEM FEST, AUF DEM FEST, NACH DEM FEST
Das Autorenfest, das meine Agentur einmal im Jahr bei der verehrten B., meiner ODP-Heldin, am Schlachtensee ausrichtet, ist einer meiner beiden Lieblingstermine, neben der eigenen Geburtstagsparty. In diesem Jahr war es das Highlight. Den Tag mit dem Strike auf dem See verbracht, wetterbedingt im Schatten und/oder im Wasser, kam ich zum Fest und alle schwitzten glücklich im Schatten und zwei meiner Lieblingskollegen waren schon da, meine Agentin mit zauberhaftem noch-nicht-einjährigem-Sohn, sowie mein Babypausen-Interims-Agent, der Agenturchef, naturally, schließlich war er der Gastgeber. Den habe ich tief ins Herz geschlossen, seit er mir Andrew Solomons Far from the Tree empfohlen hat, a life-changing read if ever there was one.
Mit meinen neuen Lit-Homies, dem geschätzten Sachbuch-Autoren und dem crazy talent mehrere Stunden auf Algonquin-Niveau geplaudert, dass Dorothy Parker ihre reine Freude gehabt hätte. Wir hauten uns unsere Symptome um die Ohren, was zu dem Fazit führte (Sachbuchautor): Wer einen IQ über 120 hat nimmt Psychopharmaka. Sehr viel gelacht und getrunken. Der Rahmen, den die Gastgeberin und ihre Familie liefern ist so einzigartig schön, und das liegt nicht nur an dem magischen Garten, sondern an ihrem Gastgeber-Talent. Sie ist einfach so – ein Mensch, der einem ins Herz schwuppt, instantly. Über die Jahre hat sich da eine Familie gebildet, zu der ich sehr sehr gerne gehöre. Auch ein bisschen eine Soap, mit Neuzugängen und frischem Drama, das Wind bringt und die berufsauferlegte Selbstironie anfeuert.
Am Sonntag das Boot abgeholt, das im Garten übernachtet hatte, die Gastgeber des Vorabends fest umarmt und dann mit dem Strike einmal mehr auf den See. Am Nachmittag kreist ein Polizeiwagen und kaum hören wir die Sirene, klingelt das Telefon und die verehrte B. fragt an, ob bei uns alles okay sei – wir können beruhigen – und am Ende stellt sich heraus dass der Verschollene sich gesund und munter wieder angefunden hat und keineswegs ertrunken ist.
Am Montagabend ein weiterer Neuzugang im Freundeskreis, diese Mal nicht auf dem See sondern auf dem Balkon, die Y., der ich einen Großteil meiner Kenntnisse über die Komische Oper verdanke, die ja im letzten Roman eine Hauptrolle spielt. Auch so eine Frau, die ich irgendwann gesehen habe und bei der ich dachte – die gehört in Deinen Freundeskreis. So war es mir vor einigen Jahren mit der verehrten B. so gegangen. Jetzt sind sie es beide und es ist schön, dass das neugierig-seien-auf und das Kennenlernen nicht irgendwann aufhört.
Die Agentin kehrt nächste Woche aus ihrem Mami-Jahr zurück. Und das ist ein guter Anlass, das Schreiben wieder aufzunehmen. Aber jetzt ist erst mal Sommer! (Come October…)