Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

MAMMMMMMMMMMRIEEEEEEES


Madonna – Turn Up The Radio (Explicit Version) on MUZU.TV.

(Ich weiß, man macht ein Lied in dem das Wort „Radio“ vorkommt und hat die Garantie, dass es eben dort dann immer gespielt wird, weil die Radiomacher sich dann immer ganz doll freuen, weil ja sonst keiner an sie denkt. Aber dennoch. Sowohl Lied als auch Clip bringen eine Madonna zurück, die ich nicht nur mochte, sondern verehrte. Ich wünschte, wir hätten den passenden Sommer zum Lied.)

LOOK FORWARD IN ANGER oder KONTAKTAUFNAHME MIT DEM INNEREN BERSERKER

Erst lernen wir die Angst, dann die Wut. Und wenn Dich die Angst hat, dann wirst Du bestenfalls irgendwann sehr sehr wütend. Wenn Dich die Angst hat, dann ist es schwer, sie zu banalisieren. Sie lässt sich nicht einfach wegreden. In ihrer Nutzlosigkeit ist sie Dein Gegner. Und gegen Gegner setzt man sich zur Wehr. Liebe Nachbarschaft, gewöhnen Sie sich an den Anblick des nicht mehr ganz so jungen Mannes, der mal zwischenzeitlich, in nicht kalkulierbaren Intervallen die Hände zur Faust ballt, alles Muskeln anspannt und dem in diesen Momenten „FUCK OFF FUCK OFF, FUCK YOU DON´T YOU MESS WITH GLAM!“ auf der Stirn geschrieben steht. Denn nur so lässt es sich aushalten die Angst ist unaushaltbar, untolerierbar, sie hat hier nichts verloren, und wenn sie sich wieder einschleicht, und, machen wir uns nichts vor, sie wird, weil sie den Weg kennt und sie sonst keine Hobbies hat, DANN KRIEGT SIE AUF DIE FRESSE. (Es ist schade, dass lautes Brüllen gesellschaftlich geachtet wird, weil es enorm hilfreich wäre, dies bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu tun. )

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„Tom Atkins and I had grown up at a time when we were full of self-hatred for our sexual differences, because we´d had it drummed into our heads that those differences were wrong. In retrospect, I´m ashamed that my expressed hope for Peter Atkins was that he wouldn´t be like Tom – or like me. Maybe, for Peter´s generation, what I should have hoped for him was that he would be „like us“ – only proud of it.“

John Irving: In one Person

JUST PUT YOUR PAWS UP CAUSE YOU WERE BORN THIS WAY, BABY

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In einer Sache hat Madonna ja recht. Some of the happiest moments happen on the dance floor. Normalerweise muss man dafür zwischen 15 und 25 sein. Umso schöner, wenn es ca doppelt so alt immer noch möglich ist. Einer der schönsten Momente nicht nur der gestrigen Nacht, sondern meines gesamten Erwachsenenlebens begab sich also letzte Nacht, als die beste Freundin des Patenkindes einmal quer durch den Saal gerannt kam „Los jetzt! Sie spielen es!!“ und mich auf die Tanzfläche schleppte, wo ich mit ihr und dem Patenkind und der erweiterten Familie der nächsten Generation (der quasi-adoptierte homosexuelle Franzose und sein Boyfriend) zum Tanzen kam.* Schade, Madonna, dass Du nicht dabei sein konntest, aber „Born this way“ ist das bessere „Express yourself“.

Der ganze Abend war eine leuchtende Quelle der Inspiration und der Freude. Wow. Angefangen mit dem Einzug der Abiturienten zu „We are young“ über DJ-Aussetzer (Kann man bitte Marianne Rosenberg mit einem Schlag aus allen Setlisten eliminieren?!) bis zum beschriebenen Moment. Danach gab es einfach nichts, was den Abend noch schöner hätte machen können und so konnten wir ruhigen Gewissens ziehen und die Jugend unter sich weiterfeiern lassen. Wahrscheinlich feiern sie noch. Es ist ihnen gegönnt.

*Und, nein, das Photo zeigt nicht den Moment. Wenn ich tanze, dann tanze ich. Dann mach ich keine Photos.

GOD’S PATCHWORK

Heute vor 112 Jahren wurde der Mann geboren, ohne den es mich nicht geben würde. Mein Oppa. Und heute in diesem Jahr ist der Abschlussball des Patenkindes und ich werde das Kurt- Courage-Shirt ausführen, das mir das Patenkind aus New York mitgebracht hat. Auch ohne Kurt-Shirt würde ich das Patenkind sehr liebhaben, so aber noch mehr. Das Patenkind würde es sehr gerne sehen, wenn ich mit Glam-Make-up käme, aber die Utensilien dazu stehen im heimischen Badezimmer. Außerdem ist heute nicht der Tag zu upstagen. Heute bin ich gerne Hintergrund. Mit dabei sein werden die Eltern des Patenkindes, wobei es sich um meine Schwester und meinen Schwager handelt, sowie der Schülerautauschsleiter, der sich hier in einem Nachbardorf verliebte und kurzerhand in die Patenfamilie integriert wurde, damit seine Liebe eine Chance haben konnte. Und das hatte sie, er und sein Boyfriend sind heute abend auch dabei. Coole Familie!

EIN JEDER ENGEL IST SCHRECKLICH

Halb durch mit dem Irving and love love loving it. Und wenn er dann mit Rilke kommt, da haut‘ s mich aus den Latschen. Die erste Duineser Elegie. Ach!

Eines dieser Bücher, wo man danach ratlos ist, was man jetzt noch lesen kann. Aber Rilke geht. Rilke geht ja immer. Und wenn jemand Rilke so einbaut, dann verdient er vielleicht sogar, dass man sich nochmal die Romane vornimmt, die man damals nicht mochte. „Son of the Circus“ vielleicht.

IN ONE PERSON

So nach 100 Seiten erschließt sich dann auch das Cover, das ich erst etwas blöd fand, jetzt aber mehr mag als das Buch (bislang). Aber ich lese weiter, zumal ich die jugendliche Verwirrung ob der eigenen sexuellen Identität herausragend gut beschrieben finde, und es mich freut, dass sich ein Bestseller-Autor eines solchen Themas annimmt. (Er hat schon in vielen anderen Büchern damit geteaset, aber jetzt geht er der Sache offenbar auf den Grund. Danke, Herr Irving.

Irving

GLAM HEARTS KITTY

Es gibt nicht so viele Menschen, pro Biografie, mit denen man genau so gut reden wie schweigen an. Dass man neben jemandem eindösen kann, wenn die Sonne knallt und das Wasser plätschert, ist vielleicht eine der größten Sympathie- und Vertrauensbekundungen. Und so war es wieder mal ein wunderbarer Tag mit Frau Koma auf dem See. Es gibt auch nicht so wahnsinnig viele Menschen, mit denen man über dramatische Themen sprechen kann, ohne dass sich denen vor Neid aufgrund undramatischerer Existenz oder Angst vor Involvierung die seelischen Hoden hochziehen wie bei Kontakt mit Eiswasser. Mit Koma kann man über Dramen reden, ohne dass gleich der Zugzwang aufgebaut wird, die Probleme des Gesprächspartners beheben zu müssen. Und deshalb hab ich die unter anderem so lieb. Purrrr.

HEIDENGLAM

Aus der Kirche austreten fällt mir auf einmal ein. Das schiebe ich schon mehr als zwanzig Jahre vor mir her. Ich mache mir selten Gedanken darüber, was ich mit dem Geld anfangen hätte können, das ich in Tabakwaren investiert habe. Bei der Kirche ärgert es mich jedoch sehr, dass ich die Firma so lange mitfinanziert habe und einzig aus Faulheit. Okay, es hatte auch etwas damit zu tun, dass ich Pate meines Patenkindes sein wollte und es fühlte sich ehrlicher an, solang ich registrierte Lutheraner war. Aber das Kind ist längst konfirmiert und hat mittlerweile Abitur, also fiel mir gestern ein, fährst Du doch nach der Arbeit fein aufs Amt und steigst aus. Hatte natürlich nicht damit gerechnet, dass ich am Eingang von zwei Polizisten durchsucht werde, was natürlich zu einem Panikschub führte, der auch nicht wirklich nachließ, als ich mich in ein volles Wartezimmer setzte. Ich kam allerdings schon als zweiter dran. Souverän führte mich eine Justizsekretärin durch den Abmeldeprozess und reichte mir zum Abschied zwei Dokumente, eines für die Steuer und eines, das ich am Besten mit meiner Geburtsurkunde abheften solle, weil das Amt die Unterlagen nur zehn Jahre aufheben würde und das Finanzamt gern mal Jahre später anfragt, ob man denn auch formell korrekt ausgetreten sei. Aber auch die Kirche habe ein Auge auf die Abtrünnigen, so erfuhr ich auf der Seite http://www.kirchenaustritt.de:

„Einige Religionsgemeinschaften spekulieren darauf, dass ihre ehemaligen Mitglieder diese Bescheinung nicht aufbewahren und fordern dann oftmals Jahre nach dem Austritt einen Beweis dafür. Ihnen drohen dann Kirchensteuernachzahlung für 6 Jahre. Gerade in Bundesländern mit großen Mitgliederverlusten, wie z.B. Berlin, wird versucht, so an Geld zu kommen.“

Tja. Berlin Berlin. Als ich das Amtsgericht verließ, rechnete ich fest damit, dass ein Blitz in mich einschlüge. Oder ein Lastwagen über mich hinwegführe. Gegebenenfalls eine Nonne meine Tasche stehlen und die wichtigen Austritts-Dokumente vor meinen Augen verspeisen würde. Doch ich kam unbeschädigt zu Hause an. Nächsten Monat wird noch einmal Kirchensteuer fällig. Also habe ich vielleicht noch bis Anfang August bevor die beschriebenen Szenarien eintreten.

GLAMPFEHLUNG

Eigentlich wollte ich nur den Beitrag über Laura Jane Grace verlinken, aber ich landete immer bei MTV, I don´t know. Aber so is eh besser, weil wenn Sie schon mal da sind, nehmen Sie sich die Zeit und lesen Sie die Seite durch. Der Herr Herrmann ist erstklassig. Ich könnte den nie treffen, weil ich ihm ständig anerkennend auf die Schulter klopfen müsste, und das hält kein Jackett auf Dauer aus.

Und auch dieser Text hat mich gerade sehr berührt. Hearts out to Hearty.