Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

EINS SIEBZIG

„Woman in Black“ angeschaut. Sehr atmosphärisch, Story aber wirklich alt. Egal, ich schau gern kleinen Männern zu, auch wenn ich mich ein bisschen dabei schäme – ist ja immerhin Harry Potter und der ist ja sowas wie Familie, weil man ihm beim Großwerden zugeschaut hat. Dass ich gerne kleinen Männern zuschaue und gern andere Dinge mit ihnen mache hat nicht damit zu tun, dass ich mich als größer fühlen möchte, sondern, dass ich es so schön finde, wenn man jemanden so längs umarmen kann.

THE KILLING

Zur Abkühlung in den vergangenen Tagen abends immer „Kommissarin Lund“ angeschaut. Staffel 1. November in Kopenhagen. Hat wunderbar funktioniert. Aber mehr als zwei Folgen am Abend gingen nicht, weil a) jede Folge Spielfilmlänge hat und b) so kondensiert die Twists und Turns schon ziemlich zahlreich sind. Ambitioniert – in jeder Folge überraschen zu wollen. Und gelungen. So gelungen, dass die BBC die Serie im Original mit Untertiteln zur besten Sendezeit zeigte und dennoch fette Quote machte. Das lies auch Jennifer Saunders nicht unberührt.

Die Ähnlichkeit in der Konstruktion zu „Borgen“ ist schon auffällig, aber genau deshalb schau ich es mir ja an. In beiden Serien das perfekt geschilderte Geflecht aus Politik, Institution und Geselschaft – hier auch wirklich alle Bereiche, wenn nicht abdeckend, dann doch anreißend. Großartig vielschichtiges niveauvolles Entertainment, ich bin froh, dass Staffel 2 schon in der Post ist. Hier aber erst Mal Trailer Season 1:

(In Deutschland wurde umgeschnitten auf zehn Folgen in Spielfilmlänge. In den Staaten sieht das folgendermaßen aus. Dort floppte die Show allerdings, weil die tatsächlich so fies waren, den Täter in der ersten Staffel nicht zu entlarven… Selbst schuld…

Fazit: schauen Sie die Dänen. Ist echter. (Langsam wäre hier eine Rubrik „Great Danes“ fällig.)

BORGEN oder GREAT DANES

Der dänische Ministerpräsident wird einen Tag vor der Wahl zu Fall gebracht. Seine medikamentöse Gattin hatte einen Shoppingrausch auf Staatskosten. Der Pressesprecher des Präsidenten erliegt einem Herzinfarkt. Im Bett der angehenden TV-Polit-Journalistin, deren Ex als Spin Doctor für die Oppositionspartei „Die Moderaten“ arbeitet und der am Fundort die Shopping-Belege findet, die den Präsidenten zum Fall bringen werden. Als die Parteichefin, Ehefrau und Mutter zweier Kinder im TV-Duell die Konfrontation des Präsidenten mit den Vorwürfen erlebt, durchschaut sie die Intrige und feuert ihren Spin Doctor. Womit sie nicht rechnen konnte – dass sowohl die Regierungspartei als auch die Opposition durch diesen Intrigenkurs Wählerstimmen eingebüßt haben, die nun den „Moderaten“ zukommen. Bei der Wahl gewinnt sie die Mehrheit der Mandate. Und so steht Birgitte Nyborg in den Startschuhen für die Präsidentschaft, wenn es ihr gelingt, mit den anderen Parteien zu dealen und eine Regierung zu bilden.

Vorweg – Politserien sind nicht mein Ding und so hatte ich eine Minute gezögert, bevor ich sie bestellte. Grund für den Entschluss war die Besetzung der Hauptrolle mit einer der großartigsten europäischen Schauspielkünstlerinnen – Sidse Babett Knudsen. Ich bin der Frau verfallen. Die Wahrhaftigkeit, mit der sie ihre Rollen gestaltet, ist in der Tat einzigartig. Es ist eine ganz andere Form der Schauspielkunst als die amerikanische Tradition (die ich ebenso schätze), aber bei Frau Knudsen sehe ich nie eine Schauspielerin, die eine Rolle spielt, ich sehe die Figur, die sie spielt und glaube ihr. In den gerade gesehenen ersten beiden Folgen von „Borgen“ ist sie fast unterfordert, denkt man, weil ihr Spiel so leicht ist. Wie diese Figur sich durch die Intrigen manövriert und von ihnen möglichst unberührt zu bleiben versucht, das ist so echt und sympathisch, das man wieder vergisst, dass man einer Schauspielerin zuschaut. „Borgen“ ist dänisches TV-Entertainment auf höchstem Niveau. Es wird gezeigt das Tun von Menschen und einer Frau, die entschlossen ist, moralisch zu handeln. Ich freu mich jetzt schon auf heute abend und die nächsten acht Folgen und Staffel 2.

GLAM HEARTS MADGE, FRANKIE AND HERR STADLOBER

Dem muss man nichts hinzufügen, das hat sie sehr schön gesagt:

Desweiteren gestern ein hochinspiratives Treffen mit dem Lieblingsfotografen gehabt und gemeinsam ein äußerst brilliantes Cover-Konzept für ODP mal ebenso zack am Cafétisch entwickelt. Danach mangels Sommer „Sommersturm“ angeschaut. Dabei eingeschlafen, danach nochmal von vor angeschaut. Love love love it. Kate angeblich bei Olympiaproben gespottet. Love love love that ebenso.

ANGELICS

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Auf Empfehlung von Herrn Strike „The Fades“ angeschaut und jetzt gar nicht so sicher, ob eine dänische Politserie, selbst wenn Sidse Babett Knudsen mitspielt, mein nächstes Abend-Entertainment sein kann. Und mir fällt ein, wie sich mal jemand nach meinem Studium (Anglistik) erkundigt hat und auf meine Antwort erwiderte „Mit Religion hab ich´s ja nicht so.“ Nichtsdestotrotz und anyhow. „The Fades“, wo die Toten nicht den Weg nach oben finden und erkennen, dass sie wieder einen Körper bekommen können, wenn sie Menschenfleisch essen, und wo der Protagonist statt eines Ständers Flügel bekommt, weil er zu den im Titel Genannten gehört, die die Himmelfahrten kontrollieren, kann ich Ihnen ans Herz legen. (Ich frage mich allerdings, was die englische Fernsehlandschaft mit all dem Talent, das sie züchtet, anstellt – das sind mittlerweile so viele, so gute Kids, dass man hofft, dass auch ausreichend gute Stoffe für sie entwickelt werden. Immerhin beschäftigt „The Fades“ auch zwei Schauspieler aus „Skins“, so sind die schon mal ne Weile von der Straße weg. Bedauerlicher- und unverständlicherweise hat es die Show nur auf eine Staffel gebracht, immerhin sechs Stunden prächtigsten Entertainemnts. Anschauen!)

REST IN FREEDOM, BEAUTY, TRUTH AND LOVE

mm

Ja, Sie werden überall nachlesen können, dass es der 5. August war, aber wenn Sie sich die Mühe machen, einige verlässliche Biografien zu lesen, dann wird klar, dass sie am 5. August bereits tot war, gestorben vermutlich am Vorabend, ca 22h. Sie mussten erst Robert Kennedy aus der Stadt bekommen, den Fundort der Leiche pressetechnisch herrichten, Wäsche waschen, Anwälte, Pressechefs und Produzenten auf den aktuellen Stand bringen. Also wurde es 4 Uhr morgens, bis man sie offiziell auffand, und das ist das Datum, das als Todestag angegeben wurde. Ich habe versucht, einen schönen, würdigen, aktuellen Clip zu finden, aber die Reportagen sind schlampig. Selbst die FAZ ordnet die Szene auf dem Ubahn-Schacht „Manche mögen´s heiß“ zu, bei arte zeigt man ein Foto ihres ersten Mannes, James Dougherty, und erklärt ihn zu Arthur Miller. Solche Fehler ärgern mich. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass es diese Berichterstattung gibt, dass Marilyn noch ein Thema ist. Und so mag ich auch Nicki Minajs Marilyn-Lied und die „Week with Marilyn“-Fantasie. Weil Marilyn einerseits fehlt – was hätte sie noch alles Großartiges machen können? Und andererseits immer noch präsent ist. Gedanken über diesen letzten Tag in ihrem Leben füllen mich mit Grauen – sie hatte gerade ihre Karriere versenkt, war unglücklich verliebt, aber Rettungsanker waren ausgeworfen – die Arbeit am abgebrochenen Film sollte wieder aufgenommen werden. Aber wenn das, was Dein Beruf ist gleichzeitig das ist, was Dich in Deinen grotesken Selbstzweifeln befeuert, dann ist das kein leichtes Leben. Sich es dann noch mit den Kennedys zu verscherzen – das war entschieden zuviel.

Marilyn, Glammy loves you forever.

3

Der folgende Clip firmiert als Trailer. Tatsächlich ist es aber der Film „3“ von Tom Tykwer in einer 2-Minuten-Fassung. Dennoch sehr anschauenswert, wie übrigens auch die Langfassung. Hat man ja nicht so oft, dass einem ein Film ein Lächeln auf die Lippen zaubert und einem mitunter zum Glucksen bringt. Auch eine Studie in Sympathieführung – am Anfang denkt man noch, oh Scheiße, das sind die Leute im Restaurant am Nebentisch, deren Unterhaltung man nun echt nicht mit anhören möchte. Aber dann. Aber dann. Gab´s beim Hugendubel für weniger als ne Kinokarte kostet und ist sicher ein Film, den ich noch ein zweites Mal anschauen werde, auch wegen des Berlins, in dem der spielt, das ist recht gut eingefangen. (Fast so gut wie in Modestes Manuskript, an das ich ein paar mal während des Betrachtens denken musste.)

(Darüberhinaus ist der Einsatz von Bowies „Space Oddity“ filmmusikalisch herausragend. Ja. Und ich würde sagen alles in allem ist „3“ ein Meisterwerk. Und ich bring den erst morgen mit, Herr Strike, ich muss mir den heute nochmal anschauen.)

DEXTER 6, DAMAGES 4

Eigentlich sind ja sechste Staffeln schon immer kritisch – die Gagen der Regulars so hoch, dass man keine Gaststars mehr bucht, oder preiswerte, aber in Dexters Fall hat es mal sehr gut getan, dass die Autoren sich auf das konzentriert haben, was eh unter Vertrag ist und nicht wieder eine künstliche Liebesgeschichte für Dexter erfunden werden musste, wenn es eine sehr intensive Bindungsgeschichte bereits gibt und man die ein wenig exploren kann. Weiteres Highlight der Season war die Beschäftigung mit dem Thema Glauben auf allen Ebenen. Nach dem Dexter Cliffhanger-Finale gleich weiter mit Damages. Auch hier wurde abgespeckt. Zwei sehr intensive Neuzugänge (der immer gute John Goodman und der sehr anschaubare Chris Messina) reichen, auch die Story ist zugunsten der Nachvollziehbarkeit entschlackt. Es ist nicht nett, auf Äußerlichkeiten herum zu hacken, aber Glenn Close sieht mittlerweile aus als habe man ihre Gesichtszüge auf eine Tischdecke gemalt und etwas zu straff über einen Fußball gezogen und mit einem blonden Bob in etwas verwandelt, das einem Kopft ähneln soll. Straff aber auch die Geschichte, in der Patty Hewes sogar beinahe etwas menschelt.