Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

FREDDY HERKO: WHAT A WAY TO GO

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On October 27, 1964, Herko was strung out and homeless. He went to Johnny Dodd’s apartment and took a bath. It is unclear whether he was brought by Dodd, or just showed up. Some accounts say Herko invited a group to watch a performance. According to Dodd, Mozart’s Coronation Mass was playing as Herko emerged from the bath and danced naked in the loft, “occasionally making a run toward the windows. At the time Dodd wondered whether this was going to be the „suicide performance“ that Herko had been promising his friends during the weeks prior: „It was obvious that Freddy had to do it now: the time and the place were right, the decor was right, the music was right.“ As the music climaxed, Herko leapt through the open window. It was five flights down to Cornelia Street below.

JESS WALTER: „BEAUTIFUL RUINS“

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1962. Ein verlorenes Kaff an einer italienischen Felsenküste. Pasquale, der Betreiber des einzigen Hotels, träumt von Jet-Set und den Kennedys als Gästen und bemüht sich sogar, den vielleicht kleinsten Sandstrand der Welt zu kultivieren. Eines Tages bringt ein Fischerboot Glanz auf die Insel – die todgeweihte amerikanische Filmschauspielerin Dee Moray, frisch vom Taylor/Burton-Cleopatra-Set in Rom.

So beginnt der Roman Beautiful Ruins von Jess Walter und wechselt sofort und rasant die (Zeit-)Ebene. Hollywood, jetzt so. Claire, die Assistentin des legendären, aber etwas abgewetzten Produzenten Michael Deane, bereitet sich auf den Pitch-Friday vor, an dem sie das Vergnügen hat, Filmprojekte vorgestellt zu bekommen, von allen, die jemals eine Karte von Deane zugesteckt bekommen haben – der Sohn von der Cousine des Poolboys usw.

Shane, ein in dem Glauben aufgewachsener Filmer, man könne alles erreichen, wenn man an sich glaubt, steht der Tag seines Lebens bevor – er will seinen Melo-Western „Donner!“ pitchen – die dramatische Geschichte der West-Coast-Siedler, die in Hunger und Kannibalismus endet. Es ist vielleicht seine letzte, sicher jedoch einzige Chance. Als er eine halbe Stunde zu spät vor Deanes Büro erscheint, steht dort jedoch ein alter Italiener, der eine Karte Deanes vorweisen kann, die etwas abgewetzt wirkt und aus Zeiten des Cleopatra-Drehs zu stammen scheint.

Den gestrigen Sonntag verbrachte ich nur physisch auf dem Balkon. Die meiste Zeit bewegte ich mich zwischen Porto Vergogna (Hafen der Schande) und Hollywood, Rom und dem Wilden Westen, im Frankreich zum Ausgang des Zweiten Weltkriegs, beim Edinburgh Fringe Festival und in Seattle. Jess Walters zeichnet eine Geschichte, die 50 Jahre überbrückt, vernetzt und zusammenführt. Es ist zugleich die Lebensgeschichte einer handvoll Protagonisten, die so ökonomisch skizziert wird, dass es eine Freude ist. Es ist einer dieser Romane, in denen man sich ärgert, wenn die Erzählperspektive wechselt, weil man wissen will, wie es weiter geht, und wo man dann stattdessen mit einer weiteren feingeschliffenen Facette belohnt wird, und die Summe dieser Facetten setzt sich zusammen wie die Kristalle eines prächtigen, schimmernden, gewaltigen Lüsters, in denen sich das Licht tausendfach bricht wie das Sonnenlicht auf dem Wasser der Bucht, in der die Geschichte ihren Anfang hat. Begeisterung, liebe Leserin, lieber Leser, ist gar kein Ausdruck! Der Sommerroman 2013!!

THE ART OF FIELDING

„Like all successful works of literature The Art of Fielding is an autonomous universe, much like the one we inhabit although somehow more vivid.“ Jay McInerney

So ein Buch, wo man sich die Lesezeit genau timet, weil man möglichst lang etwas davon haben möchte. Ein Buch, in das man einzieht. Wo man sich dann trotz gesetztem Seitenlimit fest- und weiterliest und sich dabei ertappt, wie Szenen die man liest absolut sichtbar werden. Auch ein Buch über Angst und Zweifel. Ein Buch über das Werden. Das erwachsen, aber auch das alt werden. Ein Buch über das Sein. Und ein Buch über Baseball.
Henry, ein junges Baseball-Talent. Mike, der Student, der ihn entdeckt und fördert. Owen, der Roomie des Baseball-Talents. Professor Affenlight, der Uni-Präsident. Pella, dessen frisch getrennte Tochter. Ein Baseball-Team, ein Ex, ein Coach. Jede Figur plastisch und echt. Das Zusammenspiel, die Alliancen, Liebesgeschichten, Freundschaften, Brüche, Geheimnisse in den beiden vernetzten Kosmen Universität und Team. Das grundlegende Thema aber – wie aus Spiel ernst wird.

Ich danke dem Nachbarschafts-Buchladen dafür, dass dessen Auswahl so eingeschränkt ist, dass mir nichts übrig blieb, als mich für dieses Buch zu entscheiden, das es sonst nie in meinen Besitz geschafft hätte und das sich jetzt als eine solch gewaltige, wunderschöne Preziose entpuppt.

SCHWATTE LATTE

Und jeden Tag droht die wohlbewahrte positive Grundstimmung zu kippen – all over the world strangers talk only about the weather – und es ist diese Scheißkälte, die mir zu schaffen macht, ich will es grün sehen und dazu Belinda Carlisles „Sun“ hören. Der Trick mit der Drohgebährde der positiven Grundstimmung: sie einfach nicht kippen lassen. Und das Wetter kann uns auch nicht den niedrigen Humor rauben, den Strike und ich praktizieren, wenn unten im Hof ein Farbiger eine riesige Holzlatte schultert, zum Stehen bringt und reinschiebt.

BRINGING UP BOBBY

Ein kleiner Film und auch gar nicht so wahnsinnig doll, aber man spürt die Liebe, mit der er gemacht ist. Und ich entdeckte eine Drehbuchautorin und Regisseurin, die meine Sprache spricht. Der Film ist so pickepkackevoll mit Filmzitaten der 30er, dass es eine Freude ist. Milla Jovovich drückt ganz doll auf die Marilyn-Tube (was man im Trailer nicht merkt, aber die Blicke, die sie für ihren Sohn hat sind direkt aus „Something´s got to give“.) Und nur manchmal habe ich mir gewünscht, dass die Regisseurin/Drehbuchautorin selbst die Hauptrolle übernommen hätte, mit der ihr eigenen Feinheit, mit der sie immer wieder ihre radikale Schönheit aussticht. Also, zusammengefasst, ich habe mich gestern einfach ganz ganz dolle in Famke Janssen verliebt. Noch heftiger, als ich es eh schon war. Ich möchte mit ihr Filme gucken machen. Ich gäbe ihr gern den Schlüssel zu Ashby House. (Schauen Sie mal „Taken 2“ und den Blickwechsel zwischen ihr und Liam in der ersten Szene, als sie ihm die Tür aufmacht. Könnt ich in Endlosschleife anschauen.)

THE GREAT AND POWERFUL

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Tilda Swinton hat das in ihrer Eröffnungsrede der Bowie-Ausstellung in London sehr schön auf den Punkt gebracht. Was in den vergangenen Wochen geschah, das ist herzerwärmend schön: Dass ein 66jähriger Mann nach 10jähriger Pause ein Album veröffentlicht und eine Welle an Begeisterungsäußerungen und Reminszenzen losbricht. Dass ein Star, der ups and downs hatte, der manchmal die Bodenhaftung verloren hat (und ich beziehe mich jetzt einfach mal nur auf die Musik und lasse Privat-Bowie und Star-Bowie ganz außen vor), dass der mit einer kleinen Vorwelle, einem zarten Lied über Berlin aufersteht und mit einem weiteren Lied (und dem gigantisch genialen Kurzfilm dazu) auf einmal über uns hereinbricht wie ein Tsunami, uns mit- und wegreißt in einem Maße, das nicht abzusehen war. Dass ein Künstler mit diesem Status und ein Musiker und Dichter dieser Brillianz, ein Mann der in 6 Dekaden Kunst geschaffen hat, eine Relevanz an den Tag legt und ein Album präsentiert, das gleichzeitig zeitgemäß und doch Total-unique-Bowie ist. Einfach nur Hut ab. Das Schönste – das spricht nicht nur für Bowie, das spricht für alle Bowie-Fans.

Ich schreibe keine Rezension zu „The Next Day“ – das können andere besser. Kaufen Sie sich den Rolling Stone oder Uncut. Mir reicht es völlig, diese Musik jeden Tag zu hören. Ich schreib auch nicht meine Bowie-History, das ist schon geschehen; was mich über diesen Schneemärz rettet ist Musik. Und wenn mich jemand fragt, welches mein liebstes aller Bowie-Lieder ist – eine ungerechte Frage bei diesem Lebenswerk, es ist als würde man mich fragen, welches mein Lieblingsfilm sei, wenn man mich fragen würde, dann würde ich aus meiner akuten Begeisterung „The Stars are out“ sagen. Und DAS ist das wunderschöne an Bowies Wiederkehr, dass er mit einem so wichtigen, perfekten, pointierten und erzmusikalischen Album kommt. Danke, David Bowie.

Encore:

David Bowie – The Stars Are Out Tonight von Flixgr

GLAM TROUVE L´AMOUR EN FRANCE

Mittlerweile, nach 3 Staffeln, träume ich auf Französisch. Und bin Karlsson (s.o.) verfallen. Ich bin so vorhersehbar*. Staffel 4 ist unterwegs und, wenn heute nicht in der Post, erleben Sie Glam auf Entzug.

La-rousse

*Ist doch ne eindeutige Sydney-Hommage, aber in eis- eiskalt. Hach!

GLAM KANN OOCH BOLLE

„Tach´chen Kollege. Kann ick ja gleich mal in der Zentrale anrufen und mir über Sie beschweren“
Der Gasthermenwartungssachverständige blickt erschrocken drein.
„Na, Sie sollten doch den Frühling mitbringen.“