Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

VERY PLATINUM

Meine damalige Friseurin, eine transsexuelle mit Salon in Neukoelln, hatte meine natürliche Haarfarbe damals als „dunkelaschblond“ bezeichnet, also, wie Strike es gestern besser auf den Punkt brachte – anthrazit. Ein fades braun, dem der Tick rot fehlt, um es als braun zu bezeichnen. Asche eben, etwas farbloses verbranntes. Den Terminus „blond“ indirekt unterzujubeln (aschblond) war Strategie, um den Prozess zu beschönigen, in dem es galt, aus quasi-schwarzem Haar etwas Marilyneskes zu zaubern. Blondieren in den Tagen, als L´Oréal noch nicht wusste, was ich mir wert bin. Blondieren war nicht nur schmerzhaft für die Kopfhaut, sondern auch insofern unangenehm, als dass ich von den Dämpfen Brechreiz bekam. Das ist nicht schön, wenn man in einem Neukoellner Salon sitzt, oder auch anderswo mit Publikum. Selbst ohne Publikum will man nicht unbedingt brechen.
20 Jahre später ist der Prozess sehr viel angenehmer. Die Pampe stinkt nicht mehr so. Und nach den Farben California, Lichtperlblond und zuletzt Ultrablond haben wir gestern den Durchbruch in der Blondierung eines Anthrazitfarbenen errungen: „Very Platinum“. Das Zeug zieht so rasant, dass man mit dem Auftragen gar nicht so schnell nachkommt. Mitten in der Colorierung stellten wir fest, dass die Ansätze schon blonder waren als die Längen. Und so riskierten wie die Abfackelung des lang gezüchteten Langhaares. Für das optimale Ergebnis, sieht man davon ab, dass das robuste, gesunde Unterhaar die Farbe nicht ganz so gut angenommen hat wie das strapazierte Deckhaar. Beim nächsten Colorierungs-Termin schummele ich dem Strike vielleicht etwas Speed unter, aber egal – es ist ein schönes Ergebnis, und jetzt wissen wir für´s nächste Mal, wie´s geht.

Ein Hoch auf den Strike, der mir während der Einwirkungszeit gegenübersaß und manchmal so einen Blick in den Augen hatte, als sei er Vertreter einer vom Aussterben bedrohten Spezies, sich der Gefährdung seiner Art durch aus bewusst, Auge in Auge mit dem Exterminator.

IN RUSSISCHER ANGELEGENHEIT – EIN BRIEF VOM TEDDY-AWARD

Liebe TEDDY family !

Seit der von Schwulenhass und der russisch-orthodoxen Kirche getriebenen neuen Gesetzgebung in Russland fliegt uns das Thema täglich um die Ohren.

Der TEDDY AWARD weist auf zwei aktuelle Aktionen hin mit der *Bitte um eure Unterstützung* im Sinne von:
Mitmachen, Bekanntmachen, Weiterleiten, Posten, Freunde einladen etc. —>

1.
www.enough-is-enough.eu ist eine Aktion gegen die russischen Homophobie-Gesetze und prangert die Haltung der Olympischen Winterspiele in Sotchi an (Sportler/innen wird verboten, sich als gay zu zeigen und werden mit Strafen bedroht, auch seitens des IOC). Bitte „liked“ und verbreitet die Aktions-Seite https://www.facebook.com/enough2014?hc_location=stream massenhaft und: kommt alle zur *Demonstration am 31. August*, 12h Kudamm. Motto: Open your mouth !
Der TEDDY AWARD ist Partner dieser Initiative.

2.
Seit der Verurteilung unseres Partnerfestivals*“Side by Side“ in St. Petersburg* (wurden als erste queere Organisation in Russland zu einer Strafe von einer 1/2 Mio. Rubel verurteilt, inzwischen sind weitere solche Urteile ausgesprochen worden..) haben wir eine *Spendenaktion* eingerichtet, um das Fortbestehen dieses einzigen queeren Filmfestivals in Russland zu ermöglichen. Side by Side hat mittlerweile 5 Jahre Filmfestivals in ganz Russland durchgeführt, von St.Petersburg über Moskau bis Sibirien.

Die Spendenaktion u weitere Informationen findet ihr auf www.teddyaward.tv , aber natürlich auch auf der Side by Side-Festivalseite: http://bok-o-bok.ru/default.asp?lan=1 Die 6. Ausgabe des Festivals soll vom 21. – 29. Nov. 2013 in St.Petersburg stattfinden. Wir sollten diese mutigen Leute unterstützen, so gut wir können.

Von ganzem Herzen bitten wir euch, diese Informationen zu verbreiten und euch selbst nach Kräften zu beteiligen.
Der TEDDY knutscht euch !!

PS: Spenden an Side by Side werden vom TEDDY e.V. mit steuerabzugsfähiger Spendenbescheinigung quittiert.
—————————————
Förderverein*TEDDY e.V.*
Klaus Mabel Aschenneller
Grainauer Str. 11
D – 10777 Berlin / Germany

Phone: +49 30 215 74 30
Fax: +49 30 217 26 92
mobil+49 151 6710 1478
teddy@teddyaward.org
www.teddyaward.tv
https://www.facebook.com/teddyaward

TEDDY & Oscar-Gewinnerin Tilda Swinton „In Solidarity, with Love“

SCHLACHTENSEE-DIALOG

„Ist das Leben nicht wundervoll?!“ ruft die See-enthusiasmierte Ruder-Mom vom Mietboot zu uns rüber.
„Ich kann´s nur weiter empfehlen!“ ruf ich zurück.

DUCKIE BY LUCKY

DUCKIE BY LUCKY

(Auch als Beweisfoto, dass Lucky mich gestern nicht einen Nachmittag lang in eine Mandarin-Ente verwandelt hat. Aber haben Sie ein Foto vom Strike mit Ente gesehen. Sehnse – es wird magisch…)

GLAM HEARTS STOKER

Ich befürchtete eine Modell-Aufstellung in schönen Bildern. Und dann verliebte ich mich doch in den Film, in dem tatsächlich jede Einstellung Filmkunst blutet. Ein ästhetischer Rausch, aber auch eine hinreißend erzählte Geschichte, die wider Erwarten mit Überraschungen aufwartet. Und der bestfunktionierenden Dreier-Besetzung seit Jules und Jim.

KatholDick

Plötzlich findet der Papst Schwule okay, Putin aber findet das gar nicht. Könnte man nicht die Schweizer Garde gegen Putin einsetzen? Der Papst fände es aber nicht amüsant, wenn es eine geheime schwule Lobby im Vatikan gebe. Also sagt er, Schwule sind okay, denn so ist man als schwuler Priester nicht mehr so schrecklich erpressbar. Kann sich das Obama mal vor Augen führen? Im Vatikan gibt es jetzt nämlich keinen Grund mehr für Whistleblowing, da darf jetzt wohl offiziell geblasen werden. Angenommen, die Geheimdienste würden nicht so einen Quatsch verzapfen und das Militär würde nicht enthemmt auf Zivilisten losgehen und auf tote Soldaten pinkeln – dann müsste man auch nicht verpfeifen. Herr Papst, können Sie mal im Pentagon anrufen? Und vielleicht auch gleich im Kreml?

Dass der Tag kommt, an dem ich positiv über den Papst schreibe…

THE NAME GAME

Gestern The Keep zu Ende gelesen. Meine Begeisterung für Jennifer Egan wächst und wächst. Der Frau gelingt es, etwas Neues zu schaffen. Alto hat es sofort in den Wortschatz geschafft, am Sonntag mit den Ladies. Ich könnte jetzt eine Synopsis liefern, aber die würde entweder zu reduziert ausfallen, weil ich nicht zu viel vorwegnehmen wollen würde, oder sie wäre zu explizit, und das würde Ihnen einige Überraschungen nehmen. Gleichzeitig überfordert sie einen nicht mit Innovation. Und ihre Sprache. Klar und gestochen scharf. Selbst, wenn sie mal einen Schnörkel schlägt, dann ist der schroff, quasi in Arial gesetzt. Palmen, die gegen einen Horizont vampen. Sowas. Da ärgert es mich fast, dass ich der Literaturwissenschaft in ihren aktuellen Betrachtungen nicht wirklich gefolgt bin. Wie einordnen? Die Tradition ist Bret Easton Ellis, aber in gut. Ein bisschen David Lynch, aber eben nicht Mulholland Drive. Auf der einen Seit ist sie eine klassische Erzählerin, auf der anderen Seite sind ihre Montagen post-postmodern. Das geht alles so Hand in Hand bei ihr. Meisterwerke sind das – Goon Squad, Look at me, The Keep. Hochintelligente Unterhaltung. Und ihr britischer Publisher hat ein Händchen für Cover, Glückwunsch, Miss Egan!

Ansonsten gestern Namen überlegt. Wenn ich eine Prinzessin gebären würde. Elvira Shakira Dick. Das hat Rhythmus, das hat Zack. Das ist so eine Wuchtbrumme mit Hüftschwung und in High Heels, wo die außenstehenden Zehen so etwas überhängen. Und lachten tut die mit jeder Menge Schmutz drin.