Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

GLAM FREUT SICH, DASS RUFUS HIER MITLIEST

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Bloggerinnen und Blogger – mein Herz schwillt vor Stolz. Erinnert Ihr Euch an diesen Beitrag? Und was lese ich heute im Tip?

„Rufus Wainwright betreibt Heldinnenverehrung besonderer Art: Am 14 Juni spielt er das komplette, 1961 erschienene Album „Judy live at Carnegie Hall“ noch einmal neu vor Publikum ein.“

Wo er die Idee wohl her hat… Anlass für einen weiteren offenen Brief.

Darling Rufus,

you sly puss! I´m so happy that you´re so inspired. I couldn´t think of anyone else (except Kate Bush of course) who I´d rather have covering Judy´s legendary concert. And imagine my relief when i read that you don´t record the Liza Minnelli-Songbook!
Anyway – I know you´ll do a great job and I´m so happy. Now, I´d like to marry you even more. Don´t you think a June-Bride is the happiest person on earth? And maybe we can discuss the Dakota-matter sometime soon. (If you find someone else to marry/adopt in the meantime, a guest-ticket for the show on June 14th might stop my tears, if only a little.)
Rufus, Darling – great great choice of material. Maybe you could do „Hounds of Love“ or „Aerial“ next. We really should sit down and talk soon. Mind if Kate sings „The Art Teacher“* at the wedding ceremony?

Your eternal Glammchen
* Or better yet „Oh what a world“ or maybe „Gay Messiah“? I´ll be generous. You choose!

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MADONNA HAT SICH EINMAL MEHR NEU ERFUNDEN! oder AMERICAN LIFE, WELTPREMIERE DES ZENSIERTEN CLIPS!

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Hinweis: Beim ersten Laden rumpeln die Bilder etwas. Geduld! Am besten erstmal Laden und dann, wenn fertig, auf „replay video“ klicken. Es lohnt sich. Die Bilder stammen aus „Grey Gardens“, die Tänzerin ist Little Edie Beale, eine Cousine von Jackie Onassis.
Und wem der kleine Vorgeschmack gefällt, der soll sich melden, ich möchte doch demnächst einen Grey-Gardens-abend geben.

(courtesy of witz, via www.perezhilton.com)

GAYGLAM #2 oder BACK TO BROADWAY oder NIX GUTES FÜR DIE UTES

bernadette

Ich beginne mit einem Geständnis: Ich besitze circa zwei Dutzend Barbra Streisand CDs. I suddenly feel as if I´ve taken all my clothes off. Zu meiner Verteidigung kann ich folgendes vorbringen: Mit Broadway Stars ist es wie mit Pornofilmen. Zunächst nimmt man, was man kriegen kann (angefangen mit den Unterwäscheseiten des Otto-Katalogs) und langsam entwickelt man ein Gespür dafür was einem gut tut (Falcon Videos, Endsiebziger des letzten Jahrhunderts). Heute erinnert mich der Gesang Barbra Streisands in Konsistenz und Aroma an einen flatschigen Austernpilz, der einem im Mund herumwabert. (Ich hasse Austernpilze). Im Fahrstuhl zur Hölle, wo Frauen immer menstruieren und Männer immer pupsen müssen, läuft „People who need People“ in Endlosschleife, nur unterbrochen von Opus´“Live is live“.
Seit ich mich von Frau Streisand verabschiedet habe, dachte ich eigentlich, mein Broadway Rezeptor sei jenseits von Judy Garland eingetrocknet, aber das war, bevor ich Bernadette Peters zu hören bekam – seit vier Tagen wandere ich auf einem Klangteppich aus Wolken. Bernadette kennt man hierzulande (wenn überhaupt) hauptsächlich als Filmschauspielerin. In den Staaten zählt sie neben Elaine Page und Patti Lupone zu den „Reigning Queens of Broadway“. Ihr erstes Engagement hatte Miss Peters dreijährig. 55 Jahre später (ja, schauen Sie sich das Foto ruhig noch einmal an, Ute Ohoven – denn genau so sieht ein fantastischer Facelift aus) ist das Broadway Baby die Königin – von Gipsy Rose bis Mama Rose – was für eine Rollenfachschleife!
Ich verliebte mich Ende der 80er ein bisschen in die Dame, als ich sie in der Tama Janowitz-Verfilmung „Slaves of New York“ sah. Einige Jahre später erstand ich die DVD von Stephen Sondheims „Into the Woods“ und war endgültig geliefert. Da steht diese kleine Person und schmettert, dass man nur noch so schlottert und bebt. Man sieht – dies ist keine Sängerin, dies ist ein Mensch der singt und erfolgreich das Gefühl vermittelt, Emotion unmittelbar zum Ausdruck zu bringen. Wohlklingend, aber nie notenversessen. Die Illusion von Spontaneität, die Ausdruck größter Schauspielkunst ist und dies in einem Genre, in dem Menschen in Gefühlslagen in Gesang ausbrechen! Märchen für Grownups. Und man glaubt jede Note! Mach das mal nach Ute Lemper! Bernadettes Kunst ist organisch, wie bei Judy, wie bei Kate; ihr Ausdruck so eigen und intim wie bei Axl und bei Ingrid und bei Kurt. Seele die sich aufbäumt wie Tsunami; geschossen durch ein Prisma von ausdrucksstarker Persönlichkeit. Wenn Liza und Madonna nur noch als Lizenznehmerin ihres alten Images auftreten – Miss Peters Kunst ist wahrhaft zeitlos. Wie Judy kann sie weitermachen udn weitermachen und ich hoffe, das wird sie tun.

In Deutschland war es bislang schwer, an Peters-CDs heran zu kommen, und erst vor ein paar Tagen entdeckte ich, dass der große Penner unter den Internet-Anbietern, ausgerechnet Itunes, endlich aufgestockt hat. Seitdem trage ich den Broadway im Herzen, lausche den bombastischen Orchestrierungen, der charmanten Auswahl bekannter und noch nicht gekannter Songs, denen Bernadette die Seele eintreibt, dass es rauscht. Bernadette, live in der Carnegie Hall mit „Sondheim etc.“. And now, for me everything´s coming up roses…

Und wer jetzt denkt – die Frau hat ja alles – Geld, Erfolg. Und dass Glam so über sie schreibt wie sonst nur über Kate, Marilyn und Tuva – zügelt euren Neid. Im vergangenen Jahr hat sie ihren Mann verloren. Tot. Und schön war der, und 20 Jahre jünger. Mein Beileid hat sie.

Am 1. Mai im Lincoln Center, da wär ich gern dabei!

FUCK VALENTINE, WELCOME BELLE POITRINE!

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Endlich wieder lieferbar – das absolute Kultbuch für Liebhaber bizarrer Schauspielerautobiografien: „Little me: The intimiate Memoirs of Belle Poitrine“. Circa 10 Jahre habe ich nach diesem Buch gefahndet, aber die wenigen Ausgaben, die es noch gab (dies ist ein Buch, das nur durch Ableben des Besitzers in einem Antiquariat landet), waren einfach zu teuer für Little Glam.
Nach 10 Jahren Fahndung gab ich auf, nur um jetzt festzustellen, dass das Goldstück 2002 neuaufgelegt wurde.

„Little me“ fasst alles zusammen, was eine gelungene Hollywood-Autobiografie ausmacht: Sex, Drugs, Religion (inkl. Eigenweihrauch) und Star-Töchter die böse Bücher über ihre fantastischen Mütter schreiben. Erstaunlicherweise erschien das Werk im Jahre 1962 und war seiner Zeit um mindestens 15 Jahre voraus. Die „tart without a heart“,“Belle Poitrine“, ist eine Erfindung des Autoren Patrick Dennis, der mit dem Buch „Auntie Mame“, das für den Broadway adaptiert wurde, Erfolge feierte. „Little me“ ist schlüpfrig, zynisch, böse, zum Schreien komisch und das beschreibt nur den Text – ganz zu schweigen von den grandiosen Fotografien, von denen das exquisite Cover der Neuauflage nur einen kleinen Eindruck gibt.
(Eine gewisse deutsche Comedy-Performerin hat übrigens ihre allererste Show zu 90% an diesem Buch „angelehnt“ (natürlich ohne dies an die große Glocke zu hängen. Die restlichen 10% hatte sie von Joan Rivers geklaut.)

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Footnote 1: Das Musical „Little me“ ist leider eine große Enttäuschung.
Footnote 2: Autor Patrick Dennis arbeitete später als Butler für Ray Croc, den Gründer von MacDonalds.

MAMMA MIA oder GLAMS COURAGE

Es ist ja ganz schön, wenn man aufwacht und ein Lied im Ohr hat, und das alles ohne Radio oder sonstiges Weck&-Erschreck-Utensil, aber heute morgen war es „Mamma Mia“ von Abba. Dafür mache ich Ikea verantwortlich. Denn dort hatte ich gestern folgendes Erlebnis: Gemeinsam mit Herrn Sakilight wollte ich mal wieder meinen Monatssatz Weingläser, Kerzen und eine 99-Cent-Klobürste in Pink kaufen, und wo kann man das besser erledigen als beim alten Schweden. Bis gestern dachte ich, Ikea wäre nur noch zu optimieren, wenn darin auch ein H&M-Dependance wäre. Ich sollte irren. Also ins Auto gesetzt, durch den Regen gefahren, darüber sinniert, wie weltgewandt Ikea ist und dass heutzutage selbst in Beduinenzelten und Iglus die komplette Malmserie stattfindet, und auf dem Kundenparkplatz weit vorne am Eingang einen Parkplatz gesucht. Und gefunden. Mein lieber Freund Herr Sakilight wies mich darauf hin, dass es sich um einen ausgewiesenen „Mutter + Kind“-Parkplatz handelte, dies mir aber kein Kopfzerbrechen bereiten solle. Das tat es auch nur insofern, als dass ich mich für eine ebenso diskriminierte wie benachteiligte Randexistenz halte wie die Mutter und das Kind (ich sage nur Ute-und-Chiara-Ohoven). Ich fasste einen Plan und verwarf ihn gleich wieder aus Zeitgründen (ich verplempere meine Schreibzeit mit Bloggen und Literatur, da ist kaum noch Zeit für Beschwerdebriefe.) Aber trotzdem sollte ich Ikea wissen lassen, dass ich mich im finsteren Randbezirk Tempelhof, wo man sich nach 18.00 nicht mehr auf die Straße trauen kann, weil kindliche Schlägertrupps die Bordsteine und Buswartehäuschen unsicher machen, dass es also durchaus angebracht wäre, mehr Parkplätze für die (wie mich) diskriminierten Kunden zu etikettieren. Behinderte, Mütter mit Kindern, Schwule, Schweden (und Dänen!), türkische Fahrschülerinnen, beinahe hätte ich auch noch blonde Neger geschrieben – sind wir nicht alle ein bisschen Ikea?
„Quatschst du noch oder parkst du schon?“
„Ich kann immer nur eine Sache auf einmal, Sohnemann.“
„Du hast ja auch ne Family Card.“
„Ja na klar. Da kann ich auch bei H&M mit zahlen.“
„Schon doll.“
„Ja. Doll. Boa kuckma – heute wieder nur Homos unterwegs…“
„Wenn das so weitergeht, machen die aus der Hüpfburg noch nen Darkroom.“
„Ja – blöd, dass es soweit draußen liegt.“

GLAM´S BLAST FROM THE PAST: INGRID CALLS oder WER MÜSSIG GEHT HAT GUT PFEIFEN oder UND WIEDER SCHIMPFTE EIN HUND HINTER UNS HER

„The Day of the Locust“, die letzten zehn Minuten. Also die, in denen Donald Sutherland beidbeinig auf einem Kind auf und abspringt, bis es endlich endlich tot ist. Ich fertig, entsetzt, verschmerzt (warum hab ich mir diese Film geholt, fuckit, warum nicht irgendwas mit Brittany Murphy???). Das Telfon klingelt
ingrid
„Chrä chä. Glammchen, sind Sie das?“
„Ingrid!“
Und dann ein Gespräch ob es überhaupt noch lohnt Platten zu machen, wenn doch heutzutage Musikgeld nur noch über Werbung Synch Rights blabla shit fuck over over läuft.
Ich merke schon während wir reden, dass ich heulen möchte, aber das tue ich seit gestern eh ständig. Die Therapie, die darauf folgenden Alpträume seit drei Wochen, die Unlust, mit Freunden darüber zu reden, die Unfähigkeit, ans Telefon zu gehen. Und ausgerechnet bei Ingrids Anruf bin ich. Drangegangen. Obwohl gerade Donald Sutherland ein Kind zerstampfte und Ingrids Nummer gar nicht mehr gespeichert also unsichtbar war.
„Was machen Sie denn jetzt?“
„Ach, das will ich gar nicht sagen.“
„Es gibt nichts wofür man sich schämen müsste.“ (Sie hat „Deep Throat“ synchronisert, aber das ist etwas ganz anderes.)
„Ich bin wieder da, wo ich vor 15 Jahren angefangen habe.“ (Das ist schon seltsam.) „Ich verkauf Theaterkarten. Und schreibe. Nach wie vor.“
„Es gibt nichts wofür man sich schämen müsste. Und Jean Jacques hat Ihren Brief an uns damals geadelt! Diese Verwendung von drei Sprachen undsoweiter…ach.“
Und irgendwie nähern wir uns, das Telefonat halbwegs würdevoll zu beenden und ich denke an den Abschleppwagen an die Ostsee, an Berlin 1998 (sie streichelt meinen Schal und begutachtet zwiegespalten meinen Tierarzt), die Autofahrten, die irgendwie immer um die Siegessäule gingen, und Paris anderthalb Jahr später (schwarzer Kaffee, Vodka und Marilyn im Botschafts1/4, den Scheck von ihr, für das Daniel Schmid-Buch, den ich nie eingelöst habe, der immer noch an meinem Arbeitsplatz hängt, mit ihrer Unterschrift, weil ordinäre Autogramme fand ich immer schon Scheiße, aber wenn der Name auf nem Scheck steht ist es was anderes, und die ganzen Telefonate, Ordensverleihungen, Konzerte, Stillen, Anbrüllereien, Vorwürfe und Entschuldigungen danach. („Ich rufe jetzt NICHT an, um mich zu entschuldigen. Aber es tut mir Leid, Glammchen.“ Klack.)
„Sie werden es nicht glauben, aber ich habe in diesem Moment den Pashmina um den Hals, den Sie mir geschenkt haben.“
Ungelogen.