Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden

TAKE THAT, JESUS!

glamkrippe

Kleine Kinder sind schon ziemlich klein. Und wenn sie dann alle auch noch identische Winterwollmützen aufhaben, da kann es schon vorkommen, dass man den eigenen Neffen übersieht, den man ja eigentlich von der Schule abholen sollte. Aber so lernt man dann mal die Lehrerin desselben kennen und in Ermangelung des Neffen konnte ich dann zumindest sein liegengebliebenes Radiergummi nach Hause bringen. Die kleinen Kinder trugen alle Schuhkartons mit Papierfähnchen drin. Krippen. Selbstgebastelt. Und der Neffe hatte seinen Schuhkarton vergessen und musste somit nicht nur ohne Onkel sondern auch ohne Krippe nach Hause.
Und weil ich ungern in traurige Kinderaugen schaue, haben wir zu Hause flugs eine tolle InTouch-Krippe gebastelt (die Tiere stammen aus der „Land und Forst“). Die Krippe in der Krippe war problematisch zu gestalten. Dann verwarfen wir den Krippenbau gänzlich, kann doch unser Jesuskind bereits laufen.
„Wo ist der Mohr?“ Take That wollte er dem Onkel nicht wirklich als heilige drei Könige abnehmen.
„Michael Jackson ist ja auch weiß, mittlerweile.“
„Die sieht aber grimmig aus.“ Trotzdem wurde Courtney als Weihnachtsengel akzeptiert. That´s the spirit!
Für Hirten hatten wir keine Zeitungsvorlagen mehr und die Geschenke haben wir vergessen.
„Das macht doch nix Onkel Glam. Die haben die Hirten mitgenommen.“

artist-work

I LOVE PARIS IN THE WINTER WHEN IT SIZZLES oder SUNLIGHT, ONLY WARMER

Chez Choc wurde gestern geklärt wer Gott ist, aber ich habe da so meine Zweifel, denn ich öffnete gestern einen Umschlag, in dem sich etwas befand, was nur von Gottes Hand den Weg in meine Wohnung gefunden haben kann: deux tickets pour le Rufus qui fait la Judy dans le fameuse Olympia-Veranstaltungshalle in la Weltstadt de la fashion óu tout les voitures sont noir et les garcon fument des cigarettes et les filles sont stylish et verzickt. C´est comme un rêve qui wurde gemacht vraie. Mais peut-être le Skailight est le fils de Dieu which again would make me pretty related to Brad and Angie.
Und es gibt also doch so etwas wie Weihnachtszauber und er steht in direktem Verhältnis zu göttlichen Menschen, die einen so liebhaben, dass sie sogar mit zu Rufus kommen „aber nur weil er Judy singt. DIE Lieder mag ich ja“.
Baby – ich lieb Dich auch ohne diese Geschenke. Aber bestimmt nicht weniger mit. Marilyn in LA und Judy in Paris: Skailight, you make my life so glamorous!

olympia

Wainwright, nous venons!

MEHR MEER

Also wenn ich in Bremen wäre, und nicht in Berlin, dann würde ich die fantastische Cornelia Druse mal besuchen. Was die veranstaltet ist nämlich doll. Und ich hoffe, dass Frau Druse auch einmal Berlin beglückt, wir haben hier nämlich auch jede Menge Hafen.
Also, Bremer, nutzt den Vorteil, jetzt in Bremen zu sein. Selten war die See höher. Schlagt die Welle! Beat it – no one wants to be defeated…

(Und, ja. Schon wahr. Manchmal ist Paris näher als Bremen. Aber Füße sind ja auch das neue Arschloch.)

WO KOMMEN ALL DIE GRAUEN GÄRTEN HER?

beales

„They might think it was a movie about flowers. You know – Grey Gardens.“

„Ich weiß nicht, warum ich lebe. Nur, dass ich am Leben bin.“

More of the same but without the soul – zwischenbilanzierte ich nach einer halben Stunde von „The Beales of Grey Gardens“. In zwei Jahren wird man ihn einfach auf die „Grey Gardens“-DVD klatschen. Als Special Edition Bonus Feature. Extended Grey Gardens, sozusagen. Genau wie seine große Schwester lässt er fast ausschließlich die Beales zu Worte kommen. Es gibt mehr Little-Edie-Gesang-und-Tanz, ganz wie sie sich das gewünscht hätte. Weitere verrückte statements – allerdings nicht von der Wuchtbrummen-Bonmot-Art. Und natürlich costumes costumes costumes. So ist auch einer der besten Momente des Films ein charmanter Zusammenschnitt aller Edie-Kostüme, die wir in „Grey Gardens“ nicht zu sehen bekommen haben.
Vielleicht das Problem: Teil 2 bedient eine Erwartungshaltung. Teil 1 krachte durchs Gebälk unseres kulturellen Fassungsvermögens. Es ist ein bisschen wie dieses Reunion-Mini-Serien, die es von erfolgreichen Soaps zum 10jährigen Jubiläum des letzten Sendetermins gibt: die gleiche Mixtur, aber die kann im neuen Zeitkontext ganz anders schmecken.
Trotzdem ist „The Beales…“ kurzweiliger, es fehlen die Längen, die das Oiginal hatte. Aber gerade diese Längen, in denen die Protagonistinnen nicht um die Aufmerksamkeit der Kamera heischten, erzeugten diese klassische Grey-Gardens-Atmosphäre von Beklemmung, Faszination und unangenehmer Berührtheit, in der man als Zuschauer gerne kurz ins Bad gehen würde, um sich die Hände zu waschen und an etwas bildlich Schönes zu denken.

Das war, wie gesagt, meine Zwischenbilanz. Doch dann fährt irgendwie der Geist wieder rein ins Material und man verschluckt sich an den Bildern. Die vielleicht schönste Sequenz – Edie allein am Strand. Keine schreiende Mutter im Hintergrund, Stille, Edie im Wasser, in den Wellen und ihre ganze Geschichte, ihr Wahnsinn fällt von ihr ab. Und man ist froh, dass man die bucklige Verwandtschaft noch einmal besucht hat und freut sich, dass man den Tag am Strand hatte, bevor es Winter wurde in Grey Gardens..

GAY´S ANATOMY

Es war fast wie in alten „Sex and the City“-DVD-Zeiten. Acht Folgen am Stück. Und ich werde auch keinen Vergleich zum britischen Original machen, das herausragend war, muss aber wirklich sagen, dass die erste Staffel fantastisch ist. Im TV hatte ich umgeschaltet – die Synchro mal wieder – aber gestern hat´s mich erwischt. Spätestens ab der dritten Episode steckt man mittendrin. Sexy, glam, funny, moving. Und alles in schwul. Mit Stereotypen aus dem wahren Leben, mit Handlungssträngen, die man am eigenen Leib erlebt hat, mit Themen und Fragestellungen, die in mein Leben passen. Schade nur, dass Heten sich sowas nicht anschauen (ich kann gar nicht oft genug darauf hinweisen, wie selbstverständlich man als Schwuler mit Heterokultur aufwächst und, keine Angst!, sie färbt trotzdem nicht ab. Wegen den Sopranos hat ja auch die Mafia keinen größeren Zulauf). Es geht um Menschen. Die schwul sind. Und zwar sehr. Love it. Bei Karstadt für € 40,-, bei Amazon rund € 25,- (und wehe es fragt mich jemand, wo ich sie gekauft habe.)

qaf

Ganz schön schwul hier, zur Zeit. Ist ja aber bald Weihnachten!

AN IDEAL DANDY oder THE IMPORTANCE OF BEING EVERETT

Ich muss nochmal auf ihn zurückkommen. Er hat mir das Wochenende – was soll ich sagen? Gerettet? Vermiest? Versüßt? Ich bin nur ein einizges Mal aus dem Haus gegangen. Samstag Mittag Zigaretten holen. „Movie star autobiographies don´get any better than this“ schrieb einmal jemand über Gloria Swansons Memoiren und ich stimmte voll zu. Und irrte? Zumindest hat jemand ihr Niveau erreicht. Everetts Lebensgeschichte ist so bunt und bittersweet, dekadent und fulminant und voller bewegender Momente – der Mann toppt sie alle. A laugh and a cry and a tap to the foot. All das auch noch in einem so bevorragenden Erzählbritisch, wie ich es seit Jahren nirgendwo mehr gelesen habe. Allein schon das Bild der Prinzessin mit Kurzschluss! Wahnsinn. Kaufen!

DAS PHANTOM DER OPER IN DER OPER

kop-luester

Der Vorhang geht auf und der Vorhang geht auf und das Orchester setzt an und das Orchester spielt. Den Giganto-Lüster im Blick Schwenk auf den Gigantolüster. Tanzmäuse, die Girlanden schwingen. Die Tanzmäuse sind als Schmetterlinge inszeniert, oder Elfen. Sie drohen in den Orchestergraben zu hopsen, doch der ist schon besetzt von einem Filmorchester in Farbe. Als sie einige Minuten später im Opernkeller aufgescheucht dem Phantom hinterherspüren, drehen sie Pirhouetten, um Aufgeregtheit zu simulieren. Gretchen-Perücken waren schon immer eine Zumutung, auch im Jahr 1925. Dann steht plötzlich ein Pferd auf dem Flur der Katakomben und es geht abwärts.
Während die Besetzung hauptsächlich mit großer Geste und wuchtiger Mimik agiert, schafft es Chaney trotz Maskenmaske (über der Monstermaske) allein mit den Augen und einer subtilen Körpersprache sein Innerstes nach außen zu geben. Bzw. das Innerste des Phantoms, das, wie alle Filmmonster, nur eines will: geliebt werden. Vielleicht half es, dass seine Eltern taub waren. Der Mann vermittelt sprachlos.
Filmgeschichtlich bedeutend, Teil 1: der sadistische Blick Christines, bevor sie dem Phantom die Maske entreißt. Ein Kind, das heimlich nascht.
Filmgeschichte, Teil 2: Die Farbsequenz. Das Phantom im roten Pest-Kostüm. Sehr eindrucksvoll.
Filmgeschichte Teil 3: Dass ein Film funktioniert, obwohl er aus mehreren Fassungen unterschiedlichster Bildqualität zusammengebastelt wurde.
Filmgeschichte, Teil 4: Chaney, Chaney, Chaney.

Erlebnisgeschichtlich: Alles in allem, auch dank jeder Menge Comedy-Relief, ein Erlebnis. Das Filmorchester Babelsberg ließ mich ein paar Mal vor Schreck zusammenzucken, kreierte einen Nährboden, der die Handlung ankurbelte wie ein Projektor einen Film.

Gespentisch: Angeblich existieren bis zum heutige Tage die Sets des Opernhauses, da beim Versuch sie abzubauen, Studiohandwerker verletzt wurden oder um´s Leben kamen. Mysteriöööööös!

Und noch einmal meine Bitte an die (fantastisch-phantomisch-Plattenbau-maskierte) Komische Oper: Erich von Stroheim! Queen Kelly!!! Bitte bitte! Ich schreib Euch auch das Programm.