Archiv der Kategorie: Dann sind sie Helden
GOLD
So auf allen Andockstationen positiv herausgefordert. Am Freitag als Quasi-Familien-Mitglied aufgenommen worden. Die Affäre, die so sanft anläuft zeigt andauerndes Interesse. Dann jemandem begegnet, der meine Erlebniswelt und meinen Pantheon mit mir gemein hat. Und aus San Francisco zauberhafte Worte, die mir ans Herz gehen.
Am Ende schmeißen wir mit Gold von Fabian Hischmann gelesen. Müssen Sie auch. Unvergleichbar* schön.
*Natürlich werden es alle mit Tschick vergleichen. Und es wird dem Vergleich standhalten. Gleich haben sie, dass es selten schöne bewegende luftige und erdige zarte schtronge Hommagen ans Leben sind. Und, und ich dachte nicht, dass ich das je schreiben würde – dass diese Bücher so nur von deutschen Autoren stammen können. Und ein neues literarisches Zeitalter in Deutschland eröffnet haben. (Tschick war also kein Glücks/ Einzelfall, sondern eine Anfang.)
MY FUNNY VALENTINE
Im Lieblingsbuchladen Tschick gekauft für das Cousinenkind, das morgen 20something wird, im Laden gegenüber zwei Holzkisten in lindgrün-blassblau mit einem Vogel darauf – in diesem Laden gibt es Objekte, die ich wochenlang im Hinterkopf habe. „Du bist immer so zielstrebig“, sagt die Ladenbesitzerin und gibt mir Stammkundenrabatt. Die erste der Boxen geht an die Litfamily, meine Agentur, die die neuen Räume in Schöneberg einweiht. Mein Lieblingsfotograf ist mit dabei, ich sitze zwischen ca 70 Autoren, von denen mittlerweile eine Handvoll Partyfreunde geworden sind. Wir kennen uns vom alljährlichen Sommerfest, das die Betzi ausrichtet, oder waren schon auf Symposien. „Und Du so?“ Bzw „und Deins so – wie läuft´s?“. Die schreibt Kinderbücher. Der hat ein Buch über das Klinikwesen in Deutschland veröffentlicht. Er schreibt Soaps und Historisches. Ich mach Horror. Wenn Du Dich fragst, wo es noch Parties mit Rauchern drinnen gibt – neben meinem Geburtstag: Lit-Agency-Feste. Trinken können wir auch gepflegt. Und dann kommt die Betzi, mit Schwester, und es wird wieder ein grandios gut gelaunter Abend. Ihre Schwester entpuppt sich als fast genau so toll wie sie. Und irgendwann sage ich zu Frankie „Siehst Du, warum ich diese Abende so mag?“ und bin ganz ganz froh, einen Zeugen zu haben. Anstatt so ein Stündchen mal vorbei schauen ist es dann doch so spät, dass ich prompt ein paar Kilometer in die falsche Richtung fahre, aber Frankie passt auf und so finden wir doch noch unseren Weg nach Hause.
BATES MOTEL oder SO WIRD MAN SO
Wenn Sie´s noch nicht gesehen haben. Sie müssen. Ich habe gestern eine Nachtschicht eingelegt. Der Trailer vermittelt keinen Eindruck dessen, was sich da abspielt. Und sowohl Norma als auch Norman leisten eindrucksvollste Arbeit. Hitchcock wäre stolz! (Und allein die Genialität Mrs Bates „Norma“ zu nennen!!!) Großes Entertainment.
WHY I LOVE AHS
(click full screen modus.)
ASPHALT-ENGEL
Den Montag mit Weinen verbracht, während draußen die Menschen ausrutschten. Was mich am Sonntag schon komplett unter Wasser setzte einfach gleich nochmal geschaut – wär ja gelacht. Eben nicht. Alle drei Folgen noch einmal, und wenn man ja auch schon anfangs weiß, was wird, dann ändert das doch nichts an der enormen Wirkmacht. Beim zweiten Betrachten dann die vielen Feinheiten, die beim ersten Mal von der Macht der Geschichte und der Eleganz der Konstruktion verschlungen worden waren. Und natürlich bringe ich das Gesehene in Zusammenhang mit meinem 1988/89 und betrachte mich als Fremden, der in diese Stadt der Möglichkeiten kommt und seine Flügel ausbreitet, die noch ganz flauschig und weich sind und erst über die Jahre ergrauen, bis sei eines Tages die Farbe von Asphalt haben. Has anyone ever written anything for you? Yes. Etwas wird bleiben.
Must see
Überwältigend.
„Die Arbeit, für die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist.“
Bloggen, um den Wohnungsputz zu prokrastinieren. Jahresrückblick? Ein formloses Jahr, irgendwie, das rasend schnell vorbeiflog. Das dritte Jahr in Folge, das mir 12 Stunden Jessica Lange bescherte, jede Menge guter Bücher, Filme und Serien, einen stabilen Freundeskreis, ein bisschen weniger Drama als sonst – so ist das mit den Pillen eben. So gut wie ohne Panik, nicht ohne Angst, aber wer hat die nicht? (Vielleicht etwas weniger extrem ausgeprägt.) Gefeiert wird heute im kleinen Preis, bei zwei der bestesten Menschen überhaupt – Ex-Roomie und dem C. Im Dinner-Jacket, das so nicht etwa auf ein neues Autorenfoto warten muss.
Die Saison bestens verkraftet, aber nu is auch gut und es kann gern ein bisschen ruhiger werden. Vorsätze? Keine. Pläne. Zunächst für Teil 3 weiter recherchieren. Vielleicht mal wieder reisen. Die Wertschätzung gegenüber dem, was in meinem Leben gut ist, aufrecht erhalten. To love and to be loved. Wie Rilke schrieb: Es ist ein erhabener Anlaß für den einzelnen, zu reifen, in sich etwas zu werden, Welt zu werden, Welt zu werden für sich um eines anderen willen, es ist ein großer, unbescheidener Anspruch an ihn, etwas, was ihn auserwählt und zu Weitem beruft. In diesem Sinne – Alles Gute für 2014! Lieben Sie und lassen Sie (sich) lieben! Und jetzt Wohnung putzen!
EDWARD
„Nothing is known of P.’s life; he has appropriately been described as „elusive.““ Schreibt Wikipedia. Nicht über ihn, meinen Edward, sondern seinen Namensbruder, wegen dem ich ihn nicht gegoogelt bekomme. Immer wenn ich „Edward P.“ eingebe kommt da der zurückgezogene Maler mit seinen hübschen, fein ausgeführten Stadtansichten von Venedig. Von meinem Edward gibt es im Netz keine Spur. Dabei scheint er Kontakt zu suchen – sein Foto fiel kürzlich von der Wand, gerade jetzt, während ich schreibe, singt Morrissey. Und ich habe mir nochmal die Fotos angeschaut und verstehe, warum der Mann meine erste Liebe war. Der letzte Anruf liegt ca 10 Jahre zurück. Ich saß auf dem Balkon mit dem damaligen Mitbewohner und auf einmal hatte ich Edward am Telefon, mit dem ich Jahre nicht gesprochen hatte. Er hatte sein Leben immer noch nicht so richtig auf Reihe, aber hörte sich gut an, war immer noch in der selben Beziehung wie nach dem letzten Kontakt. Ich wüsste wirklich gern, wie´s ihm geht. Ich erinnere mich an den Brief, in dem ich ihm schrieb „It´s you and me Eddie – cause every time it rains, you´re here in my head.“ Das trifft nicht mehr zu – ich kann Regen hören, ohne an ihn zu denken. Aber er bleibt in meiner Erinnerung als jemand, der es immer gut meinte und der meinen Lebensweg in Gestalt einer Yellow Brick Road gelegt hat, Stein für Stein, ich war nicht umsonst zweimal mit ihm zusammen, und das ist, neben dem Geschmack für Glitzerschmuck, das Einzige, was mich mit Liz Taylor verbindet.
RUPERT EVERETT: VANISHED YEARS
Ich habe laut gelacht (Jeremy Irons beim „Naked Sunday“), ich habe geweint (Rupert in Lourdes, Ruperts Bild im Sardi´s, Alfo), die Klaviatur meiner Emotionen wurde selten so von einer Schauspieler-Biografie durchgeorgelt wie von diesem Buch. Es ist, wie der Guardian schreibt: „After reading Vanished years I didn´t just want to buy the book but kidnap its author and gallivant about town with him forever.“
Und da habe ich noch nicht einmal diese Sprache erwähnt – diese Melodie, diesen Flow, diese Komposition!
(In einem meiner allerersten tagebuchartigen scrap-books, ca Mitte der 80er, findet sich heute noch ein Portrait von ihm, noch dünn, mit nacktem Oberkörper auf rotem Samt – ich hatte mich blitzartig verliebt. Das hat sich nicht geändert, sondern, Dank Vanished Years, verstärkt. Our finest Dandy if ever there was one. Love you, Rupey!)