„Oh, und Glam?“, sie steht da in der Tür, mit einem herausfordernd-beleidigtem Blick im Gesicht, „Deine Gäste haben meinen Zucker verwendet! Den habe ich mir extra für den Auszug gekauft.“
Ich muss atmen. Ganz tief. Atmen.
„Nein. Astrid*. ICH habe MEINEM Gast DEINEN Zucker gegeben, da MEIN Zucker von DIR aufgebraucht und nicht wieder ersetzt worden war. Und entschuldige, wenn ich hyperventliere, aber wenn Du Dir vielleicht einmal die Mühe machen könntest und DREI STÜCK WÜRFELZUCKER dem gegenüber zu stellen, was Du hier aus meinem Warenbestand ungefragt konsumiert hast? Hast Du eigentlich EINmal Klopapier gekauft oder bist Du noch in dem Alter, wo Du nicht willst, dass die Kassiererin an Scheiße denkt, wenn sie Dir ins Gesicht schaut?), Waschmittel – übrgens hast Du die ganze Zeit nicht mit Waschmittel sondern mit Weichspüler gewaschen, dies nur am Rande,-„
„Ich kann die fremdsprachigen Etiketten nicht lesen!“
„Schon mal die Begriffe Internet und Wörterbuch in Zusammenhang gebracht?
„Ich-„
„Nein, ICH. Fassen wir zusammen. 10 Wochen. Eine Teekanne.“
„Die habe ich bezahlt!“
„Eine nicht mehr hergestellte Teekanne, unersetzbar.“
„Hast Du NIE einen Fehler gemacht?“
„Bitte?“
„Hast Du NIE einen Fehler gemacht?“
„Doch, und ich stand dafür gerade!“
„Ich-„
„Hier: Eine Teflonpfanne, zwei Kristallgläser, ein billiges Weinglas, eine wertlose aber ebenfalls unersetzbare Glasschüssel. (Von der zu erwartenden monströsen Strom- und Gasrechnung ganz zu schweigen) Da: DREI STÜCK ZUCKER.“
„Deine Nichte hat von meinem Kaffee getrunken!“
„Meine Nichte trinkt gar keinen Kaffee!“
„Du hast gesagt, die Lebensmittel seien Gemeinbesitz!“
„Dieses Wort existiert nicht einmal in meinem Sprachgebrauch und weshalb sollte ich DIR MEINE Lebensmittel freiwillig zur Verfügung stellen und DU DICH über drei Stück Würfelzucker echauffieren, – leg mir gefälligst keine Worte in den Mund!“ (Da bin ich, zugegeben, sehr empfindlich.)
Die nächsten zwanzig Minuten Schreierei erspare ich dem Leser (und dem Übersetzer, der kann sie an der Quelle beziehen.)
Der beste Gedanke an dem Abend war – nur noch ein Tag bis zum Auszug. Bis gerade eben und dem Zettel auf dem Küchentisch.
„Glam, sorry, dass ich meinen Plan ändern musste. Ich ziehe jetzt doch erst am Donnerstag um.“
Selten sehe ich mich veranlasst, jemandes Nachtruhe zu stören, selbst um 8.00 Uhr morgens.
„Astrid. Um 10.30 Uhr bist Du raus. Guten Morgen.“
Ich wünschte gerade, Herr Nack wäre an meiner Seite, so als Ausrufezeichen.
*Name, Sie wissen schon.