Archiv der Kategorie: Crazy Ladies

GUNST KOMMT VON GÖNNEN

Ich muss mich diesbezüglich korrigieren. Sie hustete nicht einfach feucht – Hilde kotzte. In vielen Passagen, in denen sie sich über die Deutschen und die Kritiker verausgabt, geht es nicht um Romy, sondern um die immer wieder von-Deutschen-missverstandene Filmkünstlerin Hildegard Knef – die herausragende internationale alleskönnende Granate. Am Schönsten folgender Vorschlag: „Im Grunde sollen Künstler – wenn überhaupt – ausschließlich von Künstlern bewertet werden.“ Ja klar. Am Besten die Kinos und Theater alle dicht machen, damit nicht der Plebs auf den Gedanken kommt, sich eine Meinung zu leisten, geschweige denn, diese kund zu tun.

Schade, dass oft nur Hass, Vorwurf und Missgunst übrig bleiben, wenn jemand seine eigene Karriere um Jahre überlebt.

Ein schöner Satz jedoch: „Es gibt keine Intensivstation für Liebeskummer.“

EAT LOVE GÄHN oder DIE ÜBERBRIGITTE

Nach der Lektüre von „Eleanor Rigby“ kann man eigentlich nichts anderes lesen als noch einmal „Eleanor Rigby“ oder mit dem Lesen ganz aufhören, a hard act to follow, aber dann war „Eat Pray Love“ in der Post und ich dachte, das könnte vielleicht klappen. Aber nein, denn der erste Satz stimmt einfach. Das schönste Buch aller Zeiten, da kann keine übersaturierte, unterfickte, koptzepfiffige Miss Gilbert mithalten. Teils schöne einzelne Passagen, die die Begegnung mit Fremden beschreiben, die zu Freunden werden, können das belanglose Geschwafel über eine überentschlossene Sinnsuche nicht retten. Selten bin ich von einem Buch so zugetextet worden. Selten habe ich soviel von jemandem erfahren, vom dem ich eigentlich, so merke ich während der Lektüre, gar nichts wissen will (das ist vermutlich die Rache für 5 Jahre bloggen, ohne Rücksicht auf Verluste.)

Als Film mit Julia Roberts in der Hauptrolle könnte das ganze allerdings schon wieder interessant werden. Wenn man Julia erlaubt, das mit den Augen und dem Lachen zu spielen und man nicht per voice-over zugeschwafelt wird. Und Regie Ryan Murphy – I´m definetely neugierig. Aber das war ich auf das Buch auch.

GRANNY-BARBIE AND THE DESERT

Warner Brothers hat neun Teaser für „Sex and the City 2“ veröffentlicht. Man führe sich beim Betrachten vor Augen, dass eine TV-Folge 28 Minuten dauerte. 28 Minuten, in denen es sprudelte, kochte, zwitscherte, glimmerte, 28 Minuten Lachen, Weinen, emotionale Beschwingung pur. Und sogar sexy! Sehen Sie jetzt 9 Szenen, 8 Minuten, in denen vier bunt gekleidete, dem Alter verzweifelt entgegenkämpfende Ex-Ikonen Schaufensterpuppen eine Verkaufs-Show liefern, für die sie bei HBO und selbst beim RTL-Shopping-Kanal einen Rausschmiss kassiert hätten und keine Millionengage. Here. Now. Das filmische Äquivalent zum Konzert-Comeback von Whitney Houston: The End of a Myth: The Insurmountably Tedious Boredom that is SATC 2:

9 Movie Clips from SEX AND THE CITY 2 from ColliderVideos on Vimeo.

Um diesen todbringenden Natreen-Cocktail zu verkraften, möchte man mal kurz im Hals kotzen.

MADGE GOES GAGA

Und sieht gut aus, so als Madonna verkleidet. Der Clip hat vermutlich mehr CGI als die Herr der Ringe-Trilogie. (But actually, I like the song.)

NEUKOELLN, NEUKOELLN

„Das Gebäude ist mit einer schönen Außenanlage ausgestattet,
Teppich im Hausflur, neue Briefkästen und einer Gegensprechanlage mit Balkon. (…)

Die Gegend besticht durch dicht besiedelte Altbauten. Die Verkehrsanbindung wird abgedeckt durch den U-Bahnhof. (…) Die Einkaufsmöglichkeiten befinden sich in der Karl-Marx-Strasse
und am Hermannplatz, wo sich ein reichhaltiges Angebot tummelt. (…) Aber auch in der näheren Umgebung der sich
befindliche Britzer Garten, dient den Neuköllnern als Entspannung
und zum Abschalten.“

GOOD RIDDANCE IN THE MAKING

„Oh, und Glam?“, sie steht da in der Tür, mit einem herausfordernd-beleidigtem Blick im Gesicht, „Deine Gäste haben meinen Zucker verwendet! Den habe ich mir extra für den Auszug gekauft.“
Ich muss atmen. Ganz tief. Atmen.
„Nein. Astrid*. ICH habe MEINEM Gast DEINEN Zucker gegeben, da MEIN Zucker von DIR aufgebraucht und nicht wieder ersetzt worden war. Und entschuldige, wenn ich hyperventliere, aber wenn Du Dir vielleicht einmal die Mühe machen könntest und DREI STÜCK WÜRFELZUCKER dem gegenüber zu stellen, was Du hier aus meinem Warenbestand ungefragt konsumiert hast? Hast Du eigentlich EINmal Klopapier gekauft oder bist Du noch in dem Alter, wo Du nicht willst, dass die Kassiererin an Scheiße denkt, wenn sie Dir ins Gesicht schaut?), Waschmittel – übrgens hast Du die ganze Zeit nicht mit Waschmittel sondern mit Weichspüler gewaschen, dies nur am Rande,-„
„Ich kann die fremdsprachigen Etiketten nicht lesen!“
„Schon mal die Begriffe Internet und Wörterbuch in Zusammenhang gebracht?
„Ich-„
„Nein, ICH. Fassen wir zusammen. 10 Wochen. Eine Teekanne.“
„Die habe ich bezahlt!“
„Eine nicht mehr hergestellte Teekanne, unersetzbar.“
„Hast Du NIE einen Fehler gemacht?“
„Bitte?“
„Hast Du NIE einen Fehler gemacht?“
„Doch, und ich stand dafür gerade!“
„Ich-„
„Hier: Eine Teflonpfanne, zwei Kristallgläser, ein billiges Weinglas, eine wertlose aber ebenfalls unersetzbare Glasschüssel. (Von der zu erwartenden monströsen Strom- und Gasrechnung ganz zu schweigen) Da: DREI STÜCK ZUCKER.“
„Deine Nichte hat von meinem Kaffee getrunken!“
„Meine Nichte trinkt gar keinen Kaffee!“
„Du hast gesagt, die Lebensmittel seien Gemeinbesitz!“
„Dieses Wort existiert nicht einmal in meinem Sprachgebrauch und weshalb sollte ich DIR MEINE Lebensmittel freiwillig zur Verfügung stellen und DU DICH über drei Stück Würfelzucker echauffieren, – leg mir gefälligst keine Worte in den Mund!“ (Da bin ich, zugegeben, sehr empfindlich.)

Die nächsten zwanzig Minuten Schreierei erspare ich dem Leser (und dem Übersetzer, der kann sie an der Quelle beziehen.)
Der beste Gedanke an dem Abend war – nur noch ein Tag bis zum Auszug. Bis gerade eben und dem Zettel auf dem Küchentisch.

„Glam, sorry, dass ich meinen Plan ändern musste. Ich ziehe jetzt doch erst am Donnerstag um.“

Selten sehe ich mich veranlasst, jemandes Nachtruhe zu stören, selbst um 8.00 Uhr morgens.

„Astrid. Um 10.30 Uhr bist Du raus. Guten Morgen.“

Ich wünschte gerade, Herr Nack wäre an meiner Seite, so als Ausrufezeichen.

*Name, Sie wissen schon.

DAS STINKEN DER LÄMMER

Infernalisch. Schon bevor ich die Wohnungstür aufschließe, schlägt mir der Gestank entgegen. Als habe man Meeresfrüchte und eine Knoblauchzehe verbrannt und das ganze dann mit einer Flasche Pril gelöscht. Vor ca 2 Stunden. Was den fischigrauchigen Gestank mit der Chemiezitronennote noch schlimmer macht, ist dass er kalt ist. Ich würge kurz, hole noch einmal tief Luft, rase in die Wohnung und reiße all verfügbaren Fenster auf. Ich halte mich auf der Terrasse auf, bis der schlimmst Gestank verflogen ist, dann gehe ich in die Küche. Wenig später erscheint auch die noch-2-Wochen-Mitbewohnerin, die Waechtersbach-Nemesis. Sie schaut fasziniert auf das Küchenfenster.
„Ach SOOO geht das Fenster auf!“

Ja. Dafür hat es ja den FensterGRIFF. Aber was nützt der Versuch einer Erklärung bei jemandem, der annimmt, dass Wäsche am Besten in der Waschmaschine trocknet, weil sie es da so kuschlig hat und die den Staubsauger auf minimale Saugkraft einstellt, weil sie das mit dem Energiesparen nicht so recht verstanden hat, oder weil sie dann den Stimmen im Skype besser folgen kann, man weiß es nicht. Immerhin hat sie begriffen, wofür so ein Fenster da ist, dass es sich nicht einfach um ein Loch in der Wand handelt, das man in Ermangelung anderer Materialien mit Glas abgedeckt hat.

Wenig später lese ich im Internet.

„Liebes Gesichtsbuch,

dafür dass ich nicht kochen kann, tue ich dies in letzter Zeit immer häufiger und immer erfolgreicher. Heute gab es einen delikaten Lammbraten mit Rosmarin.“

Ich rechne heute damit, in der Wohung überall kleine Gewöllbällchen zu finden, denn dem Gestank nach zu urteilen trieb sie das Lamm lebend und ungehäutet in die Mikrowelle, mit einem Rosmarinstengel im Schnäuzchen, zwei Knoblauchzehen unter den Lamm-Achseln und Tränen in den Äuglein.

Ich hoffe, dass sie in den nächsten zwei Wochen nicht noch das Kandieren für sich entdeckt.