Archiv der Kategorie: Crazy Ladies

ALL FAMILIES ARE PSYCHOTIC but SOME FAMILIES ARE DOWNRIGHT GOTHIC

Die Beales, die Wrights, die Baekelands – der Herr Strike schubste mich darauf. Ja, ich habe eine Faszination für gothic families. Anders kann man sie nicht bezeichnen. Durch Hassliebe verbundene Verwandte, die sich das Leben zur Hölle machen, sich im Weg stehen, sich in ihrem Irrsinn bestätigen, sich zerstören. Familien, in denen Gesetze und Regeln herrschen, die für Außenstehende nicht nur schwer nachzuvollziehen, sondern oft auch schlicht schockierend sind. Dare Wright und ihre Mutter, die bis ins hohe Alter ein Bett teilen. Die Mutter eifersüchtig auf den eigenen Sohn, den sie der Tochter vorenthält, bis er als attraktiver Mann vor ihr steht und sich die Geschwister (unerlöst) verlieben, was bei ihm zum Alkoholismus und bei ihr zu einer Einschweißung des kindlichen Status führt (John Irving hätte die beiden ins Bett geschickt). Tony Baekeland und seine Mutter Barbara, bei denen der Inzest vorgeblich ein Versuch war, ihn vom Fluch der Homosexualität zu befreien. Stattdessen endete sie mit einem Messer in der Schulter und er in einer kleinen Osyssee durch Psychiatrie und Gefängnis. All das, weil der Narzissmus der Mutter so weit ging, dass das Schönste, was je aus ihr hervorgegangen war, Tony, wieder vereinnahmt werden musste. Er muss so etwas wie ein gespendetes Organ für sie gewesen sein, dass sie sich zurückgeholt hat. Es sollte ihr nicht gut tun.

Mutter und Tochter Beale, Edie und Big Edie, die mit Waschbären, scheißenden Katzen und einer Kochplatte neben dem Matratzenlager vegetieren – aber mit Grandezza und Flair. Das Haus zerfällt, aber Hauptsache die Brosche zaubert ein bisschen Glamour auf den kahlen, mit einem Pullover umwickelten Schädel. Der Nerz hat Mottenlöcher, aber es ist Nerz!

Das sind Menschen, die man beobachtet wie einen Unfall.Wie ein Nachtrag zum Happy Ending, das schon damals keines war – selbst als Opa Baekeland das Bakelit erfand, den Vorgänger des modernen Plastiks, das zweifelsohne mehr Fluch als Segen darstellt. In der dritten Generation des Upper-Class-Saugens zermalmt und zerbröselt sich die kaputte Plastik-Sippe. Geld ist zwar noch da, und Anspruch, und ein Adressbuch pickepackevoll mit Principessas und russischen Aristokraten, Autoren und Malern. Man speist mit Wallis Simpson. Aber dem eigenen Kind gibt man kein Spielzeug, weil irgendein LSD-Promi das Kind betrachtet und konstatiert „Tony ist so wild und reizend, er soll mit der Natur spielen!“ Statt Puppenspielen oder Fußball skizzierte er Insekten und züchtete Orchideen, wenn er nicht Fliegen die Flügel ausreißt. Als eine Bekannte der Familie auf Tonys Stottern angesprochen wird ist sie überrascht: „In meiner Anwesenheit stottert er nicht.“ Weil da nicht die Zügel einer überkandidelten Selbstdarstellerin und eines selbstverliebten Horror-Snobs an ihm zerren, die das Kind entweder mit Liebe zuschütten oder sich selbst überlassen. Das wirklich schockierende an der Lebensgeschichte der Familie Baekeland sind die Kommentare der Freunde und Verwandten. „Wir haben es kommen sehen.“ Unisono. Den Tod der Mutter von Hand des Sohnes. Whoops, there goes the neighbourhood.

Edie Beale hatte noch ein paar schöne Jahre, nachdem Big Edie verstorben war und sie Grey Gardens den Rücken kehrte.
Dare Wright wurde zur Alkoholikerin und dann zum Pflegefall.
Tony erstickte sich mit einer – ich schäme mich fast, es zu sagen – Platiktüte. Im Gefängnis, in das er eingewiesen wurde, nachdem er, raus aus der Psychiatrie, mit einem Messer auf seine Großmutter losgegangen war. Über die hatten die Pfleger in der Psychiatrie angesichts eines Besuchs bei ihrem Enkel festgehalten: „Maternal grandmother still seems less disturbed by her daughter´s death than by the fact that her dear little Tony is in trouble. She seems just as mad as the rest of the family.“

Und warum mich das fasziniert? Weil ich gerne Horror lese. Und die Brutstätte des Schrecklichen selten anderswo zu finden ist als im Schoß der Familie. Das wird allerdings nur Außenstehenden klar. Innerhalb der Familie erscheint einem ALLES als normal.

Quellen: Grey Gardens, The Secret Life of the Lonely Doll, Savage Grace.

MORE SAVAGE GRACE

„As my grandmother used to say – One of the uses of money is that it allows us not to live with the consequences of our mistakes.“

„Brook´s mother is much too beautiful for her own and everyone else´s good. (…) The only relation that anyone – man, woman, child, even her own children – can have with her is a flirtatious one.“

„Once at their place on the Cape when i was there for dinner, Barbara and Brooks got Tony to read the Marquis de Sade out loud. He didn´t read particularly well. (…) It struck me as very peculiar.“

„It was a terrific aging actress role that Barbara Baekeland eventually played. she couldn´t get over the fact that she´d been John Jacob Astor´s gilrfriend for a minute. It was a theme, it was constantly there. It was her notion of herself and that´s what her behaviour was based on.“

„She wound up conceiving her own killer.“

„Official Visitors File, Broadmoor Hospital: Maternal grandmother still seems less disturbed by her daughter´s death than by the fact that her dear little Tony is in trouble. She seems just as mad as the rest of the family.“

SAVAGE GRACE oder JET SET GOTHICA

„(Barbara´s son Tony) was not only homosexual but a practicing one. That was a terrible shock to his mother, who fought against it with him, ferociously. She may even have died in one of their fights over it.“

„A son killing a mother is Greek tragedy but this is much worse – much much worse. I think that she killed him.“

„That´s a real question – who killed who. It was a real dance, a minuet.“

„Sylvie was his first girlfriend, you see. He brought her to meet Barbara and Brooks in Paris – brought her home like a kitten bringing its first killed mouse, and laid it a their feet.“

„Before they separated, Barbara told Brooks „You know, I could get Tony over his homosexuality, if I just took him to bed.“

„I always heard that the mother and son slept together. (…) It certainly was the talk of the East Hampton set.“

„She did not say or do anything to resist his assaults.“

„His great improvement in prison may be due to relief from the great strain of his relationship with his mother.“

Savage Grace, Natalie Robins and Stephen M.L. Aronson.

BEMERKENSWERT

wieviel Scheiße ein einzelnes Mädchen in einem Zeitraum von 5 Stunden von sich geben kann. Ist das Körperverletzung, wenn ich zum Paketklebeband greife?

AND THE ACADEMY AWARD GOES TO — WALDI, PFIFFI, KOMMISSAR REX

Ich hab mich mir dem Vanity Fair wieder versöhnt. Mit dem amerikanischen. Obwohl sie Lutins Horoskop abgesetzt haben. Obwohl sie Satan auf dem Cover haben. Sogar wegen des Satan-Artikels habe ich mich versöhnt. Zunächst einmal die Fotos. Satan gestreamlined wie von Giger. Alles fein glatt gerieben und glänzerig gewichst. Straff und stramm, perfekte 50, perfekt pervers, retrofuturistisch, eine maschinelle Anfertigung von herausragender Präzison. Muss teuer gewesen sein.
Dann der sehr nüchterne Artikel. Afrika, Hard Candy, wie-es-so-ist-Madonna-zu-sein-zum-75997634ten. Keine Hymne, keine Glosse. Und dann DER Satz:
„I was also thinking of those MTV Video Music Awards in which Britney, alfeady well on her way to madness, frenched Madonna. In light of this record, and all that´s happened, I wondered if, in the course of that kiss, Madonna somehow extracted Britney´s soul from her body, or implanted the crazy chip.“

Spät am Abend „Everything´s illuminated“ angeschaut. Frodo hat mitgespielt. Oder war´s Spiderman? Egal. Ein schlechter Film. Ein angestrengter, ambitionierter und trotzdem richtig schlechter Film. Okay – die letzten 20 Minuten musste ich heulen. Kunststück. Aber. Wenn je ein Tier in einem Film die Schauspieler an die Wand gespielt hat, and I mean – forget Lassie, mach Cervelatwurst aus Fury, – der Hund, der Sammy Davis Jr Jr gespiel hat hat einen Oscar verdient. Da kann sich Drew Barrymore ne Scheibe von abschneiden.

NAMES NAMES NAMES

Gestern über Suchbegriff gelacht: eukalyptische Reiter. Draufgeklickt und festgestellt, dass der von mir war. Endlich mal schneller als Douglas Coupland! Dann festgestellt, dass der doch nicht von mir war, sondern vom Burnster. Ehre wem Ehre gebührt. Zum Beispiel auch Ines Schreiber. Die kennen meine Neuleser bestimmt nicht, deshalb lesen Sie mal die hyperrealistische Saga von einer die auszog.

Wegen Ines kamen Lucky und ich dann wieder auf die Namen, die wir uns geben würden, wenn wir nochmal gemeinsam auf eine Travestiebühne gingen (was, zugegeben, viel zu selten stattgefunden hat. Einmal um genau zu sein.) Lucky: Elli Teer. Sachbearbeiterin für Sonderwünsche und special arrangements. Glam: Rita Lin*. Beschwerden und Reklamationen. Früher haben Lucky und ich gerne Reime auf Fische gemacht. Aber irgendwann hat man alles durch, was auf Rochen geht. Dann kamen die poetischen Frauennamen. Wilma Preise. Ellen Lang**. Gestern kam mir der Killername überhaupt, der Name, den eine Mutterkreuzträgerin tragen sollte, mit schütterem Zopp, einmal um den Schädel gewickelt, Damenundherren, Mütze ab – meet Meta Stase.

*copyright unclear
** courtesy of Skailight