Nicht weiser.
P.S.: Wer noch kommt alles NICHT mit, heute zu Dussmann? Wird bestimmt toll!
Nicht weiser.
P.S.: Wer noch kommt alles NICHT mit, heute zu Dussmann? Wird bestimmt toll!
Seit Jahren lass ich kein gutes Wort an ihr (na ja, kann man so auch nicht sagen – ich betone immer wieder, wie gut sie einmal war), und man könnte mir zum Vorwurf machen, dass ich alles glaube, was ich in der Klatschpresse lese und meine Wahrnehmung deshalb verzerrt ist. Dass ich ungerecht bin. Dass ich einen Groll hege, den ich hier pflege. Dass Madonna in Wirklichkeit eine ganz tolle Frau ist, die nie abgehoben ist, ein großes Herz hat und auch mal schwarze Babies kauft und die dank 10 Litern Kabbalah-Wasser täglich und 16 Stunden Yoga am Tag wundersam jung geblieben ist, sich ihrer alten Hände aber keineswegs schämt. Und die natürlich jede Note live singt und dabei noch mit den Glocken schlackert dem Arsch wackelt. Die so biegsam und geschmeidig ist, dass sie, wenn sie wollte, sich den Kopf mit der vagina dentata abbeißen könnte. Eine Frau also, bei der Ostheoporose und Cellulitis einfach keine Chance haben. Bei der Freie Radikale freiwillig Reißaus nehmen. Aus religiöser Ehrfurcht.
Als ich letztes Jahr Tickets für Barbra Streisand geschenkt bekam, da sträubte ich mich erfolgreich. Ich wollte partout nicht dabei sein, wenn eine in die Jahre gekommene Diva Fahrstuhlmusik draußen macht und ihre Fans vor Begeisterung mit ihren Knicklichtern popeln. Eine Einladung zu Celine Dion blieb dann, Gott ist gnädig, aus.
Aber am Donnerstag Mrs Ritchie für umme? So quasi als Betriebsausflug? Da bin ich dabei. Allein schon wegen des Britney-Videos. (Ich meine, ist es Humanitarismus oder Hohn, eine psychisch Kranke aus ihrer Zelle vor die Kamera zu zerren, aber frage man das bitte auch mal alle Veranstalter von Amy Winehouse.) Ich werde am Freitag berichten. Ja, ich gebe Esther eine Chance. Wenn nichts Aufregenderes dazwischen kommt.
(The Clip that didn´t make it. Als sie den zurückzog konnte ich sie nicht mehr ernst nehmen.)
Klammheimlich hat sich der Tag im Monat versteckt. Es war der 17. oder der 19. Vielleicht auch der 23. Ich weiß es nicht mehr genau und er hat sich auch nicht zu Wort gemeldet. Der Personalausweis mit dem korrekten Datum ist lange verschwunden. Aber es sind jetzt 20 Jahre in dieser Stadt. August 1988. Als ich hier ankam wog ich 58 Kilo und hatte strubbelige kurze schwarze Haare. War blass und mager und hungrig auf´s Leben. Meine erste Wohnung war in Neukoelln und befand sich in der Einflugschneise des Flughafen Tempelhof. Während ich meine Küche apricotfarben strich setzte ein Flugzeug zum Landen an und ich fiel fast von der Leiter, weil ich dachte, es stürze gerade aufs Haus. Mein Schlaf/Arbeits/Wohnzimmer zierte ein Bodenbelag aus grauen Filzfliesen. Bei Langeweile konnte man prima Filzbüschel ernten und eine kleine Makramee-Arbeit daraus fertigen. Es gab einen kleinen Balkon, den ich nicht bepflanzte, ich war schließlich Student.
Neben mir wohnte ein unsichtbarer Mann, er war nie da, oder doch. Und auf der anderen Seite eine prächtige Aso-Familie, die später in einen Wohnwagen zog. Sie rauchten, während sie den Kindern die Winden wechselten. Unter mir wohnte eine Zeit lang ein bildschöner Brasilianer mit seiner Freundin. Eines Tages klopfte er bei mir und bat, meine Dusche benutzen zu dürfen, sein Durchlauferhitzer sei kaputt. Ich ließ ihn. Als er nach einer Stunde immer noch nicht aus derm Bad raus war wunderte ich mich ein wenig, aber ich lebte so unsexuell, dass ich nicht darauf kommen konnte, dass er möglicherweise auf mich wartete. Gegenüber wechselten die Mieter häufig. Außer diesem einem blonden Studenten, dem ich manchmal bein Mädchenficken zuschauen konnte.
Die Bäckersfrau ließ sich durch lange Schlangen nicht davon abhalten, einen ausgiebigen Plausch mit mir zu halten. Das Ehepaar vom Kiosk nahm mir manchmal Madonna-Sachen auf, die bei Premiere liefen. Die Ecke von Neukoelln, in der ich wohnte, fand ich damals wie heute optisch schrecklich. Bloß weg da. Ubahnfahren. 4 Stationen bis zum Kotti, wo der Irre im rock mir dann und wann eine runterhaute, wenn er mir auf der Rolltreppe entgegen kam. (Von wegen „der ist harmlos“. Ich hoff ne Ubahn hat ihn erwischt.) Die O-Bar (Vorgänger des Roses). Im Sommer draußen auf dem Müllcontainer mit einem Glas Southern Comfort in der Hand. Sabine W. an meiner Seite. Uli. Und sehr bald das Skailight. Ein Jahr später Herr Strike. Wenn ich Sonntagmorgens aus dem Schwuz in der Hasenheide fiel, dann trampte ich meist nach Hause. Schwuz am Samstag war Routine. Das Berlin von 1988 war noch das Bowie-Berlin. Mit Mauer. Mit Piefigkeit. Ich habe es geliebt. Es war meine Insel. Ich habe mich oft schlecht gefühlt, aber dann kam oft der Gedanke „Immerhin geht´s mir schlecht in Berlin“. Als die Mauer fiel, da war ich hier schon verwurzelt.
Noch heute. Ich lebe jetzt genau so lange hier, wie ich anderswo gelebt habe. 20 Jahre. Und was aus Berlin geworden ist, in den letzten 20 Jahren, das gefällt mir. Sie hat sich uffjehübscht, sie hat die Türen uffjemacht. Teuer isse jeworden aber immer noch n billiget Luder. Und n bisschen drüber. Breit. Kannste schminken und machen wie de willst. Bissken tüddel di di. Nich janz Kentucky.
Mein Kiez ist jetzt nicht mehr in Neukoelln sondern ein bisschen hochgewandert. 36. Hier kennt der Zigarettenverkäufer meine Marke. Wenn ich zu Fuß einkaufen gehe treffe ich alle paar Meter auf Bekannte und Freunde. Es ist ein anderes Berlin, es ist dasselbe. Und ich will hier lange noch nich weg. (Außer im Januar, regelmäßig wenn die Winterdepression kommt. Da geht man am Besten homeopathisch vor und hört Bowie. „Neukölln“.)
Sunshine summed it up best:
„Weisssssde was det Problem is? Det Problem is – für DIE is die Welt n Bongbong. Für MICH is die Welt n Lickör.“
Berlin, Berlin.
50 und keine Spur von Alterserscheinungen. Hut ab, Madonna! (Das lief hier schon mal, aber nur die Kurzfassung…).
Mitbewohnerin den ganzen Tag nicht gesehen. Macht immer Tür hinter sich zu. Trau mich nicht zu klopfen. Hab ihr auch eigentlich nix zu sagen. Außer vielleicht Credo
„It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting.“ Douglas Coupland, „Eleanor Rigby“.
Ich bin fassungslos. Ganz taub, innerlich. Ich kann die Welt nie wieder mit den gleichen Augen betrachten wie noch vor ein paar Minuten. Es ist, als habe man mir ein Licht in der Seele ausgeblasen. Was sag ich – einen ganzen Lüster. Es bleibt mir nichts, als meiner Fassungslosigkeit hier ein Denkmal zu setzen. Die Welt ist schlecht, so schlecht. Und mein Herz weint. Weint über den schrecklichen, unglaublichen, brutalen, grausamen Verlust der Tori Spelling. Man reiche mir den Trauerflor. Tori, Du schaffst es, auch wenn es jetzt gerade ganz ganz schwarz aussieht in Deiner Welt. Tori, halte durch. Eines Tages, da werdet Ihr Euch wiedersehen. An der Himmelspforte, wo Euch Jason Priestleys Yorkshire Terrier Fifi wieder vereinen wird – ein Engel mit vier Pfoten.
Papst beim Beten erwischt.
Hitchcock hat einmal versucht, den Begriff „Suspense“ zu erklären. Wenn Du also einen Film drehst, in dem eine Bombe explodiert, dann gibt es zwei wesentliche Möglichkeiten, das zu inszenieren. Du zeigst einen Raum, in dem Menschen sitzen und dann explodiert der Raum. Oder Du zeigst einen Raum, in dem Menschen sitzen, und dann zeigst Du eine Bombe, die in diesem Raum, von den Menschen unentdeckt, vor sich hintickt. Voila suspense.
Der Savage-Grace-Film ist dann leider doch so, dass man durch ein Mikroskop schaut, das falsch eingestellt ist (was der Projektor im Central definitiv war: unscharfes Bild, schlechte Kontraste). Das Buch hingegen ist ein Kaleidoskop, ein fies schillerndes. Das Buch beginnt mit dem Mord, der Film endet damit. Den Mord an den Anfang des Buches zu stellen ist ein mutiges Unterfangen, weil es die Spannung zu halten gilt – was den Autoren mehr als gelingt. Im Film will keine Spannung aufkommen, jedenfalls nicht, wenn man die Geschichte nicht kennt. Herr Strike und der Ereignishorizont jedenfalls langweilten sich. Herr Strike litt auch noch, zusätzlich, weil es in dem Film keine Minute gibt, in der nicht geraucht wird, was ja nicht so schön ist, wenn man im Kino nicht rauchen darf und immer zuschauen muss. Schöne Bilder, ja. Und auch die Auswahl der Szenen ist eigentlich stimmig, aber, und jetzt zitiere ich einen Satz, den ich in letzter Zeit zu oft gehört habe: die Klammer fehlt. Die Sympathielenkung ist unspektakulär, Alle Figuren sind einem von vorn herein unsymapthisch – mit Ausnahme Tonys, dessen Sturz in die Schizophrenie, abgehandelt in zweieinhalb Minuten, unschlüssig wirkt.
Dennoch. Ich kann nicht sagen, dass mir der Film nicht gefallen hätte. Die Ausstattung beispielsweise ist hervorragend. Hair and Make up, und das meine ich jetzt ganz unkokett – wunderbar. Selten so gute Perücken gesehen wie auf Julianne Moores Kopf. (Auch der Haarverlust ihres Filmgatten ist gelungen inszeniert.) Ich hasse nun mal schlechte Filmperücken und deshalb freue ich mich um so mehr, wenn es diesbezüglich einmal nichts auszusetzen gibt. Die Dialoge verlassen sich auf die Buchvorlage und das ist gut, denn die Vorlage gibt viel her. Julianne Moore ist eine feiner, eiserner Schmetterling. Ihre Körpersprache kann mit der von Jessica Lange mithalten. Was sie mit ihrem Körper darstellt – die Bandbreite von Marilyn Monroe bis Anna Magnani. Stephen Dillane – leider war Jeremy Irons zu alt für die Rolle des Brooks. Dillane lässt einen kalt. Brooks Baekeland aber sollte einen mit seinem Snobismus wütend machen und nicht kalt lassen – ein paar Sätze mehr hätten für seine Rolle Wunder gewirkt. Aber Eddie Redmayne: der Mann ist so schön, dass er fast schon hässlich ist. Eine bessere Besetzung könnte es nicht geben. Leider gibt das Drehbuch ihm nicht genug Raum, den emotionalen Verfall zu zeichnen. Ich will mehr Filme mit Eddie Redmayne.
Ich würde mir wünschen, dass in vielleicht zehn Jahren mal jemand den Stoff neu adaptiert, und zwar als Kaleidoskop, am Liebsten als Mini-Serie. Oder sagen wir in 5 Jahren, dann könnten Eddie und Julianne noch einmal dabei sein. Meine Empfehlung: Kaufen Sie das Buch und dann leihen Sie sich die DVD.
Und irgendwo kriegt das Buch die Kurve, wie es überhaupt in einem Loop funktioniert, mit dem Mord beginnt und mit dem Mord endet. Nach all dem Schrecklichen, das man über sie erfahren hat, kommt man nicht umhin, so etwas wie Mitgefühl mit dem Muttermonster zu empfinden, das seinen eigenen Tod ganz klar mitverschuldet hat. Nicht, insofern als dass sie sich ihren Mörder selbst erzogen hat – Schizophrenie ist keine Frage der Erziehung. Aber insofern als dass sie ihn nicht losgelassen hat. Alle Versuche einer psychiatrischen Behandlung waren halbherzig, und das, nachdem Tony mehrfach aufgrund aggressiven Verhaltens auffällig geworden war. Für seine Angriffe auf die Mutter und Großmutter gibt es zahlreiche Zeugen. Der Vater schritt nicht ein, weil er nicht an Psychiatrie „glaubte“. Später setzte er sich dafür ein, dass sein Sohn in der Nervenklinik in England bleiben solle, weil das ein so ruhiger, friedlicher Ort sei. Die Zeugen schritten nicht ein, weil sie annahmen, dass zwar zwangsläufig etwas Schlimmes geschehen würde, ihre gute Kinderstube ihnen allerdings eine Einmischung verbot. Noblesse oblige.
Da liegt eine Frau auf der Straße, mit gebrochenen Knochen, einer blutenden Kopfwunde. Der Sohn, der ihr das angetan hat, mit dem sie schläft, steht schreiend daneben, die Leute schauen zu. Wenige Tage Klinik, dann ist er wieder frei. D.h. gefangen. Bei ihr. Wenige Wochen später gelingt es ihm dann endlich, er kriegt sie tot. Und hat so etwas wie Ruhe.
„Savage Grace“ twistet und turnt die Gefühle des Lesers. Es macht nicht betroffen, es macht benommen.
Der Film, stelle ich gerade zu meiner Überraschung fest, ist bereits in Deutschland gestartet. Mehr „Savage Grace“ demnächst hier.