Eine der besten Gerichtsfilme seit „Witness for the Prosecution“ und das stimmungsvollste Portrait einer dysfunktionalen Familie der 90er Jahre. Mit einer herausragenden Kälte dargestellt von Glenn Close und Jeremy Irons, der sich für seine Darbietung sowohl Golden Globe als auch Oscar abholen durfte.
Es gibt wenige Filme aus Hitchcocks wichtigster Schaffensperiode – von 1935 (The 39 Steps) bis 1964 (Marnie) – die ich nicht mag. Vermutlich ist Hitchcock sogar der Regisseur, von dem ich die meisten Filme auf DVD besitze, was sich nicht durch die außergewöhnliche Länge seiner Schaffenszeit erklärt, sondern durch den unterliegenden Zynismus, mit dem er die Welt in Filmbilder packt. Der funktioniert heute noch. Hitchcocks Protagonisten müssen leiden, werden auf Quests geschickt, zum Außenseiter gemacht – eine Formel, die auch auf die meisten Disney-Filme zutrifft, wenn man vom Zynismus absieht. Es gibt allerdings einen Film, dessen Kultstatus ich nie verstand und den ich geradezu widerwärtig finde. Kim Novak, das No-Talent mit dem Gesicht einer Fleischtasche ist sicherlich ein Grund dafür, aber erklärt nicht vollständig meine Abneigung gegenüber „Vertigo“.
James Stewart läuft Kim Novak über den Weg. Sie trägt eine fiese brünette Perücke und absurde Augenbrauen. Er gestaltet sie um (als ob da noch was zu retten wäre), nach dem Vorbild der Frau, dessen Tod er glaubt mitverschuldet zu haben. Natürlich IST Kim Novak die ursprünglich umgekommene Blondine und muss ihr Leben ein zweites Mal lassen, so will es die Moral (und ich hätte dem knarzenden Holzstück auch kein Überleben gewährt). Das abgrundtief widerliche an diesem Film ist wohl, dass wir Alfred Hitchckock beim Seelen-Strip zusehen. Will man das? Nein. Ein Mann, der Frauen formt, stilisiert, denaturalisiert. Dessen Schauspielerinnen leiden müssen. Er spricht sie erst heilig, macht aus ihnen ein Kunstwerk, um sie dann zu zerstören. Dieses Thema durchzieht sein Werk wie ein roter Faden – wenn Doris Day mit strammem Lungegeneinsatz „Que sera“ BRÜLLEN muss, um ihr entführtes Kind davon in Kenntnis zu setzen, dass Hilfe naht und sich so gleichzeitig dem Publikum der Lächerlichkeit preisgibt bis zu den wirklich geschmacklos gefilmten Morden in „Frenzy“, die aussehen, als entstammten sie dem Wet Dream eines Sexualstraftäters.
Bei Hitchcock sind Männer Triebwesen. Selbst so kultivierte Gestalten wie Cary Grant werden gezwungen, die Kultur zurück zu lassen, und um ihr Leben zu laufen. Dem Familienvater-Star James Stewart gibt er eine Kamera zum Spannen oder lässt ihn per Kim Novak seine nekrophile Ader finden. Die Frauen sind Lichtgestalten, sie haben die Natur korrumpiert mit ihrer Schönheit aus der Tube und den auf den Leib geschneiderten Kostümchen. Sie sind lackiert und Hitchcock veranlasst, dass am Lack gekratzt wird. Dass ausgerechnet eine Transe Janet Leig in der Dusche attackiert – Sigmund Freud, analyze this.
Hitchcocks Frauen sind zum Teil so sark, dass man die männlichen Darsteller nicht mehr wahrnimmt. Aber es ist als ob man einen LKW neben einen Airbus stellt. Armer John Gavin.
Das Böseste was Hitchcock je tat war das, was er in „Vertigo“ ankündigt und in der Wirklichkeit mit Tippi Hedren umsetzte. Einen Menschen kreieren, emporheben, nach seinem Ideal gestalten. Zwei Filme mit ihr zu drehen und sie dann nicht aus dem langjährigen Vertrag zu entlassen, weil sie seine Besessenheit nicht erwidert. Sie drei Jahre kalt zu stellen. Doch wenn man sich anschaut was auf „Marnie“ noch an Filmen folgte – sein Oeuvre war ausgeschöpft. Er hatte seinen mörderischen Traum ausgelebt, sein Pulver verschossen. Danach kamen nur noch vier äußerst belanglose Filme, dann war Schluss.
My personal favourite. Danach hätte er aufhören können.
Um die Zusammenarbeit mit ihr erträglich zu machen, hatte ich mir vorgenommen, umzubewerten. Ihren Führungsstil – nach oben lecken, nach unten treten – als wehmütige Erinnerung an die Diktatur, der sie entstammte zu tünchen. Die Art und Weise, wie sie ihre Rolle ernst nahm – kauzig vielleicht? Wie sie in ihrem betretenen Anklagestil versuchte, einen vorzuführen – na ja, früher als Grenzbeamtin hat sie es halt nicht anders gelernt. Doch je länger ich mit ihr arbeite, je mehr muss ich feststellen, dass sie immer noch die Rolle einer Frau spielt, die in einem Hass-Regime mit Unterdrückungsmechanismen gefangen ist und mir all die Jahre neidet, die ich in den Genuss von Eduschos Gala kam, während sie heucheln und lecken musste, für ein halbes Pfund Jacobs Krönung.
Dabei wäre sie bestimmt eine prima Eiskunstlauftrainerin geworden. Um den tiefen Osten zu spüren, muss man gar nicht bis nach Thüringen.
Ich weiß, das sind jetzt (von außen betrachtet) und angesichts des gestrigen Camp-Classics-Beitrags harte Sprünge in der Glamourosity, aber ich sitze hier früh morgens und freu mich auf nachher, wenn der Postbote kommt und mir die hier bringt. Ich denke nämlich jeden Tag an sie, beim Anfahren an der Ampel.
„Määänsch macht´s doch! Beim Zug fährt doch auch net jeder Wagon einzeln an!“
Ich mag die Frau. Und jetzt kann ich endlich ruhigen Gewissens die GEZ abmelden, denn Re-Runs von der Gerdi waren alles, was ich mir von den öffentlich rechtlichen noch erhoffte.
Svenja Walkmann (33), Tierärztin und Kinderbuchautorin, ist von einer Putzigkeit, die kaum auszuhalten ist. Deshalb verliebt sich der Architekt Christoph Winter (39) auch spontan und Hals über Kopf in die lebenslustige Tierärztin und Kinderbuchautorin. Damit die Geschichte etwas Würze bekommt, hält Svenja Christian natürlich für schwul, was für eine schier unglaubliche Situationskomik sorgt, besonders, als ihr schwuler Bruder Detlef (32) kurzfristig bei Svenja einziehen muss, weil sein Friseursalon abgebrannt ist. Als die die beiden mit dem Nachbarsjungen in der Badewanne ertappt, was aber einen ganz logischen Situationskomikgrund hat (redet sie sich ein) verwandelt sie sich in die unter Blindheit leidende blinde Kinderbuchutorin Veronika Hoss, von deren Darstellung sie sich eine Goldene Kamera erhofft. In einem Braille-Chatforum lernt sie den kleinen Tommy kennen, der schwer an einem Hirntumor leidet. Dass sich hinter dem kleinen Tommy ein erwachsener Mann mit Universitätsabschluss verbirgt ahnt sie nicht. Sie kann ihn ja nicht sehen. Enen Tumor hat er trotzdem und der ist es, der ihn Braille-Chatforen für Blinde und Freunde und Familen von Blinden aufsuchen lässt. Dann verliebt sie sich in den Tommy-Darsteller und zeugt ein Kind mit ihm, was wir erst neun Monate später der Klatschpresse entnehmen, woraufhin sie ihre Dielen abziehen lässt und die „Tina“ abonniert. Als Tierärztin Irene von Grützingen (36) zieht sie nach München, wo sie mit Anja Kruse eine WG gründet, weil beide gerade von ihren Männern verlassen wurden und das immer ein guter Grund für ein Girlie-Feelgood-Movie-of-the-Week ist. Die beiden verstehen sich zunächst gut, bis Anja Kruse wiederholt den Müll nicht hinunter trägt. Das ärgert Irene so sehr, dass sie in der 30. Filmminute einen Wutanfall von schier unglaublicher Putzigkeit bekommt. Dann zieht auch noch die unbekannt gebliebene Schwester von Suzanne von Borsody ein und der Ball kommt so richtig ins Rollen. Die drei zeugen einen kleinen Tommy. Werbeunterbrechung. Margarete von Trotta holt sich einen Heidelbeer-Joghurt aus dem Bioladen aus dem Kühlschrank und entwirft auf einem gelben Post-it eine Drehbuchidee. Irgendwas mit starken Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen, Terrorismus und Tierarztpraxissen. Minus Putzigkeit. Vielleicht endlich eine Goldene Kamera?
EDIT: Die Realität ist noch viel viel grausamer. Viel grausamer. Brrrrrrr: „Als quirlige Nonne sehen Sie Ann-Kathrin Kramer und in der Rolle des Kommissars Günther Maria Halmer.“
Carola Monstres-Hackschuh, 38, Strafverteidigerin, ist mit dem Fall des Memet Gürkeynar (18) beauftragt. Memet ist angeklagt, gemeinsam mit seinem Bruder Memet II (18) die gemeinsame Schwester Aysche (18, dargestellt von Gülcan Kamps ungeschminkt – Durchbruch, ich prophezeie DURCHBRUCH) mit einem Feuerzeug durchs Zimmer gejagt zu haben. Im Rahmen ihrer Ermittlungen entlarvt Carola einen islamischen Kinderpornoring und kann zwei Selbstmordattentäter davon überzeugen, nicht in den Telebus des Kreuzberger Altenheimes „Letzter Gruß“ einzusteigen, sondern stattdessen in eine Schwanherde zu springen, die den Landwehrkanal besetzt hat. Dass der noch größere Bruder der Geschwister, Ali (19), eine animalische Anziehungskaft auf sie ausübt, kann in dieser einen Folge nun wirklich nicht auch noch aufgelöst werden, obwohl Carolas Sinnlichkeit durch eine prächtige Rotfärbung ihres Haupthaares klar akzentuiert ist. Hinzu kommt noch die Sorgenfalte, die sich bei leisester Anstrengung, ob emotional, sexuell oder beim ungewollten Pupsen in der Öffentlichkeit zwischen ihren Augenbrauen furcht. Aber im Verlauf der Geschichte brennt die Bolle-Moschee und es sieht fast echt aus. Ehe man sich´s versieht ist sie Angela Bettmen-Luder, 37, Therapeutin mit einem geheim gehaltenen Waschzwang. Wannimmer niemand zuschaut reibt sie ihr Gesicht mit Sagrotantüchern ab. Sie vermutet, dass sie sich durch dieses Verhalten unbewusst Möglichkeiten schafft, den (leider verheirateten und darüber hinaus homosexuellen glatzköpfigen und von ihrem wahres-Leben-Ehemann dargestellten) Hautarzt Christian Kretzik zu sehen. Soviel zu ihrer Obsession, die ja nur am Rande stattfindet, eigentlich geht es in dieser Folge um die kleine Aysche, die unter der Zwangsvorstellung leidet, ihre Brüder Memet und Memet II wollen sie in Brand setzen. In Wirklichkeit ist dies nur ein Ablenkungsmanöver und Aysche leitet einen islamischen Kinderpornoring. Ihr Hauptquartier ist auf einem Neukoellner Kinderspielplatz in einer Hüpfburg untergebracht. Daran sieht man mal wieder, wie realitätsfremd ARD-Autoren sind, denn welcher Neukoellner Kinderspielplatz verfügt schon über eine Hüpfburg? Ja, tut mir Leid, ich steh auf Details. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Irgendwann in dieser Folge brennt die Bolle-Moschee und es sieht fast echt aus. Aus der brennenden Moschee stakst die Verschütt gegangene Millionärsgattin Elke Elisabeth von Habsy-Seelig (42), (hier ein Edit auf Wunsch von Herrn Strike:) rollt die Augen und zieht zweimal hintereinander die Augenbrauen hoch, was ihr einen komödiantischen Anstrich verleiht, den man ihr nicht zutrauen würde, hätte man es nicht mit eigenen Augen gesehen, aber sie kann eben auch komisch. Seit Sky DuMont sie für die jüngere und blondere Mirja verlassen hat, kann sie nicht mehr an einen liebenden Christengott glaben. Für Kaballah ist sie zu arm, also testete sie Allah. Dass sie den Moschee-Brand überlebte verdankt sie, da ist sie sich nun plötzlich völlig im Klaren, Jahwe. Sie heiratet Adam Goldenberg (der erst in der nächsten Drehbuchüberarbeitung zum Guldenberg wird) und kann endlich wieder einkaufen gehen. Ob Sky DuMont wirklich mit Mirja dauerhaftes Glück finden wird, das wissen nur die beiden, ich ruf die jetzt jedenfalls nicht an. Um eine gute fette Eindruck schindende Nebenrolle zu erfinden ruft Andrea Sawatzki aber dann Gisela Schneeberger an. Am Ende gibt es einen Grimme-Preis für die Schneeberger. Alle freuen sich, nur bei Sawatzki fließen Reue-Tränen, und das nach der ganzen Sagrotanwischerei. Das ziept ordentlich. Obwohl der Landwehrkanal eine Rolle spielt, verstirbt niemand unter mysteriösen Umständen auf dem Wasser. Das mit den Schwänen war schließlich ein ganz klares Ding und es waren keine Boote involviert. Nur zwei Schläfer.
(Die hat, im Gegensatz zur Ferres, nen wirklich süßen Web-Auftritt.)
Julia Blumengarten (32), alleinstehend, Ärztin, lernt in der Onkologie den tapferen kleinen Tommy kennen. Tommy ist der Sohn der verstorbenen Konzertpianistin Clara Rottenbeck und des cholerischen Malers Valentin Du Bios, der den frühen Tod seiner über alles geliebten Frau nie verwunden hat und sich vom Krebs des eigenen Kindes abgestoßen fühlt. Als Julia eines Morgens erwacht ist sie Gisela Herbst (34), eine nervöse, kettenrauchende Journalistin, die einem großen Umwelskandal auf den Spuren ist. Ihr Chefredakteur Victor Lahnstein, mit dem sie eine Affäre hat, scheint sich emotional von ihr zu entfernen, je weiter sie dem Chemie-Giganten Arne von Hauenschild auf den Pelz rückt, dessen Sohn Florentin (33) einen biologischen landwirtschaftlichen Betrieb betreibt und dessen Frau Caroline unter ungeklärten Umständen bei einem Bootsunfall ums Leben kam. Als Gisela von einem Häuflein herabfliegenden Vogelkots an der linken Schulter getroffen wird sackt sie hinterm Esszimmerfenster Florentins nieder und ist Iris Berben (ca. 56), die Schwiegertochter der Guldenbergs (in der ersten Drehbuchfassung Goldberg, aber das warf zuviele Probleme auf). Sie betritt das Ritz Carlton incognito (d.h. riiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeesiger Wagenradhut und menschenfressende Sonnenbrille), denn ihre gehasste Schwägerin Eva-Lynn (sie wissen schon, wer die spielt) hat dort ein geheimes Familientreffen organisiert, in dem sie die Matriarchin der Famile, Camelia-Louise Guldenberg (die Leiche von Brigitte Horney) durch eine durchdachte Intrige dazu verleiten will, Iris zu enterben und ihr den geheimnisvollen, niemals geklärten Motorbootunfall der kleinen Sarah (ausgerechnet Camelia-Louises Lieblingsenkelin) in die Schuhe zu schieben. Als ein Portier sie anrempelt ist sie Susanne (21), eine entschlossene Jungschauspielerin, die es mit allen Mitteln darauf anlegt, zum größten deutschen TV-Star zu werden, was ihr bedingt gelingt: nach Mühsal und Elend, Plackerei und Rackerei fliegen ihr die Rollen und selbst ein paar Preise zu, doch die Herzen der Zuschauer bleiben ihr verschlossen, und ihr größter Traum, einmal neben Moritz Bleibtreu zu spielen, bleibt ihr versagt. Einsam lehnt sie am Mahagony-Tisch, auf dem noch ein einsamer Knödel auf einem Villeroy & Boch-Teller vor sich hin dampft und prostet mit einem Glas Baileys auf Eis ihren Bambis zu, während im Hintergrund ein Baby schreit. Ihr Gatte Horst (Sky DuMont) betrachtet dieses Szenario und wendet sich ab, schüttelt leise das Haupt und zieht die Tür der Villa hinter sich ins Schloss. Dann geht er fort, sein Eon umtauschen.
Demnächst:
Liebesdienst an Andrea Sawatzki und Uschi Glas.
Lieber wäre mir gewesen, sie hätte nochmal Krystle entführt oder ihren Mafia-Ex um die Ecke gebracht. Ich will nicht, dass SammyJo Amanda sich in Alison verwandelt. Dr. Peter Burns, tun Sie was!