Archiv der Kategorie: Crazy Ladies

MOBIBEL

Lauf ich die Lausitzer entlang, hupt ein japanischer Kleinwagen neben mir. Sitzt ne alte Frau drin und winkt mir zu.
„Komma, junger Mann, komma her!“
Geh ich hin, bin ja hilfreich.
„Hier bitteschön – Geh mit Gott!“
Strahlt und drückt mir zwei Pamphlete in die Hand – Das Evangelium nach Johannes und Echtes Gold – Worte aus der Heiligen Schrift.
Muss ich lachen, die Alte strahlt, fährt weiter, hupt den nächsten Passanten an, der eilt auch ganz supportive zur Bibel-Oma.
Mit dem Wachturm an der Ecke stehen war gestern.

SLOWBURN DELUXE

Heute vor vier Jahren habe ich auf dieser Seite an eine Frau erinnert, die sich ihren Platz in der Geschichte Hollywoods sicherte, indem sie in einer Kloschüssel ertrank. Ihr zweiter großer Verdienst war ein Auftritt in dem Hilm „Hollywood Party“, und den entdeckte ich soeben ganz entzückt und möchte ihn mit Ihnen teilen:

FLORENCE AND THE BALANCE ou FLORENCE ET LA BALANCE

Love the hair, love the dresses, das Lied ist so lala, es gibt schönere auf dem Album, aber echt mal, Florence – could you please spell GRACE for me? Die Kate-Bush-Choreografie ist gut gemeint, aber schlecht kopiert, was leider wenig mit dem Choreografen zu tun hat, sondern einzig und allein mit der Tänzerin-in-Anführungsstrichen. Kate sah nie aus, als würde sie gleich umfallen. Bei Kate Bush hat man auch nie Angst gehabt, dass sie gegen eine Säule klatscht, wenn sie beim Tanzen die Augen geschlossen hat oder sich den Knöchel verrenkt, wenn sie nach einem Luftsprung aufkommt. Florence, Dein Tanz sieht ein wenig so aus, als würdest Du in den Pausen mal ein Bierchen zischen gehen und nicht Einhornspermadestillat mit Diamantensplitterhaube. Das ist das Problem mit Euch Neo-Hippie-Chicks, dass Ihr nicht merkt, dass Kunst nicht nur Ausdruck von Gefühl ist, sondern auch etwas mit Form zu tun hat. Gegen Euren Approach wäre nichts einzuwenden, auch Eure Ausdrucksverschüttung hat eine Existenzberechtigung, aber dann versucht Euch nicht mit der Göttlichen zu messen. Die Messlatte liegt so hoch, so hoch könnt ihr nicht springen, und wenn – dann brecht Ihr Euch den Knöchel. Komm runter und versuch´s erstmal mit Ringelreihen – das klappte doch ganz gut. Oder vielleicht erstmal ein Hackenschuh-Training? Bruuuuuuce???

Selbst, wenn man Dich mögen möchte, Florence, Du machst es einem nicht immer leicht.

WALL-E VALENTINE MASSACRE

walle

Guten Morgen Wand. Warst ne schöne Wand. Doch Deine Zeit ist gekommen, denn Du bist nicht ganz dicht.

DSC00535

It´s a hole wall. Penthouse turning Holzhütte.

wall3

Rustikal, gell? Ich geh jetzt und lass den machen. Warum renovieren, wenn man auch abreißen kann?

NEUE DIMENSIONEN DES MITSCHÄMENS oder SO YOU THINK YOU CAN DANCE

But you can´t. Dort sehen Sie Sciento-Katie, strutting her stuff. Machen Sie sich auf eine Gänsehaut gefasst und beachten Sie bitte das Intro, in dem man sieht, dass die Cruise-Puppe nicht einmal auf hohen Hacken laufen kann. (Auch schön, die Szene im interview, wo sie selbstvergessen über ihren Unterarm streichelt, wo gerade die Einstichwunde kitzelt, über die sie sich ihren Sciento-Weichspüler reinpfeift.) Dabei sah es bei den Proben doch noch ganz passabel aus:

BACK TO BLACK

Und am Ende stehen sie auf der Bühne, die Zirkuspferde – zum Erkennen tragen sie gelbe Krawatten und identische Sonnenbrillen. Die Damen sehen aus als habe Oprah Winfrey sie gestylt. Die groteskere der beiden ist dazu verdonnert ein Wagenrad von einem Hut zu tragen, damit man ihr verschnippeltes Gesicht nicht sehen kann. Die berühmtere trägt den dezenteren Hut und eine Fliegenaugensonnenbrille. Ohne Sonnenbrille: die gekauften Kinder, sehr hübsch beide, sehr weiß, sehr verunsichert, so ganz ohne Maske. Die Körpersprache der Familie betont die Andersartigkeit der Kuckuckuskinder. Fliegenaugensonnenbrille wendet sich zunächst ganz entschieden ab, Wagenrad verwendet das kleine Mädchen wie als Stütze. Das blondierte Kind, nach einer Bettdecke benannt, ist nicht zu sehen, vermutlich hatte man im Eifer des Gefechts vergessen, ihm die Wurzeln nachzufärben. Später verlässt Fliegenaugensonnenbrille mit dem kleinen Mädchen fluchtartig die Bühne, nachdem dies gesagt hat, wie sehr es Papi lieb hat. Vielleicht hat sie erkannt, wie grotesk es ist, ein Kind so vorzuführen, in all seiner Trauer, vielleicht ist da eine Erinnerung hochgekommen, vielleicht hat sich ein Kreis geschlossen. Bye Bye childhood.

Die Familie trauert professionell in die Kameras. Selbst beim Abschied braucht sie ein Publikum, sonst zählt es nicht. Ich frage mich ob der Verstorbene da wirklich im Sarg liegt oder ob man einen Zweitsarg verwendet, aus Angst, dass ein durchgeknallter Fan nochmal einen Blick riskieren möchte. Die LA Police hatte ja die Befürchtung geäußert, dass der Beerdigungs-Convoy angegriffen werden könnte, für diesen Fall habe man einen Helikopter im Einsatz. Ich stelle mir vor, wie so ein Leichenraub wohl aussehen würde. Schlaue Geschäftsleute könnten doch mit der Leiche so eine Evita-Nummer machen: Körperwelten on Tour. Das wäre doch ein Weg, die Schulden abzubezahlen. Doch zunächst würde ein kitschiger Sarg, von einem Hubschrauber baumelnd über´s Hollywood-Zeichen hinwegfliegen. Bye Bye White Bird.

In der BILD erklärt ein Thanatopraxie-Experte, auf welche Art und Weise die Leiche einbalsamiert wurde. Die Vorteile der Thanatopraxie: „Die typische Geruchsbildung tritt nicht ein und der Verstorbene behält seine natürliche Hautfarbe.“ Michael Jackson erlebt sein letztes Comeblack. Bye Bye kleiner Plastikprinz, Du hast Dein letztes Kind gefickt.

TALKING ABOUT LOVE IS LIKE DANCING ABOUT ARCHITECTURE oder/und GELD.MACHT.ABFLUSSROHR

Gestern im Fernsehen in den Film „Shoppen“ verirrt, der aussah, als habe er auch mal einen Preis oder so bekommen. Hatte auch paar Momente, aber keinerlei Schauspielerführung. Gibt ja so Regisseure. Die machen dann einfach bewegte Bilder aus dem, was im Drehbuch steht. Umd das Drehbuch war sehr um Komik bemüht, die in der Schreibsprache möglicherweise sogar funktioniert hat, aber war ja kein Buch sondern ein Film. Dann dachte ich mir – Glam, sei nicht so kritisch. Vielleicht ist ja was Schönes über die Filmbilder zu sagen. Egal wie lange ich nach ihnen suchte – ich konnte sie nicht finden. Es gab nicht eine einzige filmisch spannende Einstellung.

Eine andere Bemühung habe ich unbeobachtet an mir vorbeiziehen lassen. Eine neue deutsche Serie im Stile von „Dallas“ und „Denver“. Wenn diese Vergleiche strapaziert werden, dann ist klar, dass es eigentlich heißen müsste „wie „Das Erbe der Guldenburgs“ in low budget. Oder „Wie „Diese Drombuschs“ mit „von“, nur weniger anspruchsvoll. Prächtig amüsiert habe ich mich dann aber über die Fotostrecke bei Spiegel Online. Klasse schon die angestrengte Mimik in Bild 1, aber schauen Sie mal Bild 7. Das ist ja nicht mal Sat 1! Da wird ja in polnischen Regionalsendern üppiger ausgestattet! Der Waschtisch ist doch eine Leihgabe aus „Bauer sucht Frau“, die Kleider, die sich als Robe verkleiden wollten aber am billigen Material scheiterten – einer türkischen Maskenbildnerin entwendet! Der aasige Stutenblick der Leistungskurs-Handball-Abiturientin links, die ertappte Verwirrung der Musch rechts (sie weiß, sie fängt sich gleich eine ein, weil sie beim Verkleiden-spielen wieder aus Ommas Kopptüchern einen Rock getackert hat), und die Krönung – das Kaffeewerbungs-Oma-Pinup Sabine Christiansens Stiefmutter in der Mitte, das sich ganz verzückt aufrichtet, als der Fotograf mit einer Flasche Graf Stolzenfels winkt. Nein. Die Krönung ist die Palme im Hintergrund. Oder doch der Boudoir-Hocker? Die Heizung?? Das Ab.Fluss.ROHR?????? Man kann sich ja nicht entscheiden. Aber ganz entschieden verzichten auf das Betrachten dieses unglamourösen Schrotts, das kann man.

(Kai Lentrodt – wie konntest Du nur? Ich verstehe ja, das Geld. Sollen wir Dir nicht lieber ne richtig schicke Serie kreieren?)