Archiv der Kategorie: but it refuses to shine

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Ich hab immer noch nicht genug getrunken, um das wegzustecken. Ich kann schlecht rausgehen und dort so gegen die Wände hauen, wie gerade hier, dann werde ich verhaftet. Rigips tut beim Draufschlagen nicht so weh wie Beton. Adrenalin, wo ich am Liebsten schlafen würde. Ipod spielt Gaga´s „Teeth“. Ich möchte Kokain. Aber dann wäre Berlin in Gefahr. Aggro-Glam. Und das um diese Uhrzeit. Es war ja angekündigt. Fuckityfuck. FFUUUUUCCKK!

(Latinofalle nun in allen sozialen Netzwerken gelöscht.)

JACK

http://hotelmama.twoday.net/stories/6437392/

Ich wollte es nicht im vorherigen Beitrag unterbringen, denn es ist ein Vorfall, der losgelöst von allen anderen gestrigen Ereignissen steht. Es hat mich sehr erwischt, zu erfahren, dass Jack tot ist. Jack ist der Hund einer Freundin, der einzige Hund in meiner Blogroll. Zu sagen, er sei der Hund der Familie ist zu wenig, mehr als andere Hunde war Jack ein Familienmitglied und, in seiner Rolle als Diabetes-Spürhund, ein auf´s Engste mit seiner Besitzerin verbundener Vertrauter. Ich habe die Zeiten, die ich mit dieser Familie verbracht habe, sehr genossen. Zu sehen, wie der Familienneuzugang sich auf alle auswirkt. Aber besonders den wunderbaren Charakter Jacks zu erleben, der ein unglaublich süßer Welpe war, dann ein wilder und trotzdem verlässlicher, präzise geschulter Junghund. Als ich ihn zuletzt sah war er gerade ausgewachsen. Eine Schönheit. Und es tut weh, dass die Familie nicht mehr Zeit mit ihm hatte. Bye, Jack. Doro, my heart goes out to you and the boys.

http://glamourdick.twoday.net/stories/5598727/

GLAMS POLNISCHE FREUNDE

7.30 Uhr. Türklingeln, zwei Stunden bevor sich die Handwerker angekündigt haben. Unwach, aber nicht mehr schlafend, öffne ich die Tür. Ein kleiner, wirklich kleiner dünner Mann im Blaumann, mit einer Netto-Plastiktüte unterm Arm und in einen hektischen Eindruck gekleidet.
„Ja?“
Er ruckt den Schädel auf dem Hals hin und her, schaut mich fragend fordernd an.
„Sie suchen den Balkon?“
Er huscht an mir vorbei, schaut nach rechts, links, huscht wieder zurück in den Hausflur, wortlos, zuckt die Schultern, tippelt die Treppe hinab. Ich überlege, ob ich ihm erkläre, dass seine Kollegen in der Nachbarwohnung mit den Balkonarbeiten angefangen haben, aber sein Tippeln ist schneller als mein aus dem Traum gerissenes Sprachvermögen und alles erledigt sich von selbst, als die Nachbarwohnungstür sich öffnet und der Bauleiter heraustritt.
„Oh. Sie. Schlafen. Wir noch zwei Stunden. Können schlafen noch.“

THE APOCALYPSE ACCORDING TO GLAM

Wie das mit der Apokalypse aussah, daran kann ich mich noch weitestgehend erinnern, die Sache mit der Hölle anschließend aber – keine Ahnung mehr. Dabei hatte ich mich mehrfach gezwungen, die Erinnerung festzuhalten, dreimal, und hätte schwören können, dass ich das Bild fest eingebrannt hatte in meiner Erinnerung, aber – nichts. Weg. Aber warte mal – da war noch was. Genau. Außer, dass die Hölle was von einem Schneckenhaus hatte, wobei der Sinn dieser Metapher sich mir jetzt nicht mehr erschließt.
Die Apokalypse jedenfalls kam nicht in Gestalt einer Naturkatastrophe, wie man erwartet oder der Mensch es sich bei dem jahrhundertelangen Raubbau an der Erde verdient hätte (und ehrlich gesagt hat sich der Rest der Schöpfung auch nicht gerade dagegen gestemmt), die Apokalypse kam in Gestalt einer Invasion von Außerirdischen. Diese hatten der Erde ein Forschungskommando geschickt, das unbeobachtet, in Gestalt von Sporen, die geschickt die Form einer Blattlausbrut imitierten, Zitronenbäume und Oleanderpflanzen auf der ganzen Welt besiedelt hatte. So geschickt nachgebildet, und Ameisen-süchtig-machenden Honigtau ausscheidend, dass Ameisen weltweit die Sporen genau so liebevoll pflegten, wie die echte Blattlausbrut. Durch die Junkie-Ameisen perfekt beschützt lieferten die Sporen auf einem nicht mehr nachvollziehbaren Weg (die Forscher, die das klären könnten gibt es nicht mehr) Informationen über das Leben auf der Erde an die Antennen der kosmischen Nachbarn. Ich denke, das lief so schon seit Jahrzehnten. Arrogant könnten wir annehmen, dass die Sporen über den Umweg der Ameisen mit kritischen Augen (oder sonstigen Sinneswahrnehmungsorganen) schauten, was der Mensch so mit seinem Planeten trieb, ich denke aber, dass sie zunächst spannende Berichte über die Symbiose von Ameisen und Blattläusen ins All funkten. Dann das weitere Feld betrachteten – die Gartenpflanze und ihre Symbiose mit dem Menschen. Der Mensch gegen die Ameise. Am Ende sind es die Ameisen, die das Schicksal der Welt besiegelten, denn, wenn die Ameisen so freundlich waren, die blattlausbrutartigen Sporen mit ihren Antennen zu kitzeln, der Mensch aber mit Gift gegen die Ameisen vorging, dann war klar, wer der Feind war.

Ameisen. Bei allem Respekt. Ich habe sie nie ausstehen können.

Als es soweit war befand ich mich in einem gut besuchten Ausflugslokal im Harz. Es war ein warmer Frühlingstag, die Bäume waren satt grün, es duftete nach Waldboden, schwer, erdig und ein bisschen wild und nach Erleichterung – ein harter, langer Winter hatte sich endgültig verabschiedet. Auf der Terrasse hinter dem Gasthof waren Tische und Stühle aufgestellt worden, die Sonne schien durch die Baumwipfel auf weiße Tischdecken und unbequeme Klappstühle. Von Säuglingen über Kleinkinder, quengelnde Teenager, junge Paare, Rentner bis zu Greisen war jede Altersschicht in diesem Garten vertreten. Man trank Kännchenkaffee, Frühschoppenbier und Sekt auf Eis.

Der Schrei eines Säuglings war der Vorbote dessen, was passieren würde und dann brach das Chaos auch schon los. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt im Innern des Gebäudes, ich weiß nicht mehr warum, vermutlich hatte ich Zigaretten gekauft oder war auf dem Klo gewesen. Ich schaute durch ein Fenster nach draußen auf die Idylle, als ein Schlag, begleitet von einem wuchtigen Brummen durch die Szenerie ging, als habe ein Titan oder Gigant in einiger Entfernung kräftig mit dem Fuß gestampft – Gläser stürzten um und rollten von den Tischen. Auf Stühlen geparkte Handtaschen rutschten zu Boden und gaben klirrend, klimpernd ihren Inhalt auf dem gefliesten Terrassenboden preis. Ein weiterer stampfender Schlag brachte Lippenstifte, Schlüsselbunde und Pillenschachteln auf dem Boden zum Tanzen. Die Gäste schauten sich bestürzt an, dann um, um den Ursprung der Erschütterung auszumachen. Vergeblich. Als der dritte Schlag niederging, erhoben sich die Menschen, die es konnten, von ihren Stühlen und standen leicht gebückt, mit gespreizten Armen, um die Balance nicht zu verlieren, Kinder begannen, zu weinen und sich an ihren Eltern festzuklammern. Doch auf die war kein Verlass, sie gerieten ins Wanken, fielen, rissen die Kinder mit, schlugen hart auf dem Boden auf. Zu dem beunruhigenden sonoren Brummen kamen nun einsilbige Äußerungen der Verwunderung und Bestürzung hinzu. Ohhs, Ahhs, ja, und auch Uhhs.

Ich hielt mich an einem Treppengeländer fest, das bei jedem Schlag gefährlich knirschte, als würde das Holz ausgewrungen. Das Vibrieren ging mir durch den ganzen Körper, so dass das Bild, das sich mir präsentierte, zeitweise zitterte und flirrte. Beim nächsten Schlag war mir klar, dass das, was da dieses Erdbeben veranstaltete, sich unserem Standort näherte. Auch die Gäste, die das Geschehen draußen erlebten, begriffen und ihr Instinkt trieb sie in das Gebäude. Ich sehe noch die Menschen an mir vorbeidrängen, mit Gesichtsausdrücken, in denen sich Furcht, Entsetzen und Erkenntnis spiegelten. Zu keinem vernünftigen Gedanken fähig, da es keine Möglichkeit gegeben hatte, sich auf die Apokalypse vorzubereiten, Du musst mitten drin sein, um sie zu begreifen, verbarrikadierte ich mich in einer kleinen Kammer, weil irgend etwas in mir sich Sicherheit von der Dunkelheit versprach. Und dann brach die Apokalypse aus und schon war alles vorbei. Keine Zeit für Schmerzen oder letzte Gebete. Darauf folgte dann die Hölle, aber, wie gesagt, ich kann mich nicht mehr an sie erinnern, nur dass sie irgendwas mit einer Schnecke zu tun hatte.

GROUND HOG DAY ROADKILL oder ALWAYS CRASHING IN THE SAME CAR

Am Vormittag in einem langen Gespräch mit einer Freundin herausgearbeitet, dass es für sie an der Zeit ist, eine gewisse Reißleine zu ziehen, wenn ein bestimmter Mensch in ihrem Umfeld lediglich um sein eigenes Wohlsein bemüht ist, auf ihre emotionalen Kosten. Erst am Abend darauf gekommen, eine ähnliche Analyse über die eigene Gegenwart zu erstellen. Shocking discoveries. Aus einer Freundschaft ist eine Co-Abhängigkeit geworden. Es ist nicht meine Aufgabe, den selben Autounfall immer wieder voraus zu sehen, ihm bei zu wohnen und mich dann um die Verletzten zu kümmern, immer und immer wieder. Ich bin keine Mutter. Und selbst die… Makes you think.

GREY SLUSH HUSH

Um 19h für ne Stunde hingelegt, um 2.00 aufgewacht, putz ohne munter, Nudelreste gegessen, gute Idee mit der karamelisierten Pastinake, Grey Gardens geschaut und dann Sehnsucht nach Jessica in schön, „Hush“, spanischer Chardonnay, und so die Nacht rumgekriegt und gerade noch so im Dunkeln schlafen gegangen, aber die Vögel hatten schon ihr monströses Geschrei begonnen. Kein Mann im Flur kollabiert, keine Pulskontrolle, keine nächtlichen Anrufe. Fast ein bisschen langweilig.

UND DURCH

Wie over the edge mich die Wohnsituation hinterlassen hat merke ich erst, als das behinderte Kind das Büro verlässt und mir so Leid tut, dass ich heulen muss.

(Und daran, dass mir das erste Mal seit Jahren nach poetry writing ist.)

FOUL oder LET THEM EAT CAKE

Ich verstehe jetzt alles. Die noch-8-Tage-Mitbewohnerin speist seit ca. zwei Wochen von einem gigantischen Tiefkühl-Apfelkuchen, den sie im Kühlschrank hält. Jeden Tag nimmt sie ihn liebevoll heraus und bereitet ihn nach einem ihrer beiden Klassikerrezpte zu: a) Bratofen, b) Mikrowelle (Abwechslung wegen Ausgewogenheit!)

Dann, der buddhistische Kollege, dessen Lebensgefährtin zu seinem Geburtstag einen Bürokuchen zubereitet, der auf allen Schnickschnack und Schnörkel verzichtet, bespielsweise Butter und Zucker. Salzteig mit Schrot und gehackten Nüssen, so.

Während in der Firma verlässlich jeden Montag der eine oder andere Kuchen als Miete eingereicht wird. Das sind Kuchen, die meist ganz schmackhaft aussehen, aber fast durchweg so toxisch schmecken, dass man ausspucken muss. Ich will mich nicht als Backwaren-Gourmet aufspielen – mein Eindruck und Geschmack wird von den Kollegen geteilt.
„Hast Du den Kuchen probiert – der war ja noch krass ekliger als letzte Woche!“
„Hast Du geschluckt?“
„Da hättste sie bei sehen sollen! Das Gesicht war ganz verzerrt!“

Oder:
„Simon, NEIN – der steht da schon ne Woche!“
„Oh. Und ich dachte Pistazien.“

Am Ende der Woche erbarmt sich meist der eine oder andere Kollege, die Torten, die mittlerweile schon bunte Verzierungen ganz natürlich entwickelt haben, zu entsorgen, damit die Kuchenumverpackung wieder mit einer neuen Toxi-Torte gefüllt werden kann.

Praktischerweise ist die Firma unweit vom Curry 36 gelegen.

Ich hoffe, dass die Mitbewohnerin in ihrem Schimmelrausch nicht den Auszugstermin verpeilt. (Und die neue kirschrote Waechtersbach wird erst dann eingesetzt werden, wenn ihre Nemesis die Mansion verlassen hat.)

BERLIN STUDENT BITCHES

„Hey folks,

I’ve founded a flatshare in Berlin-Neukölln and there’s still a room of 8m² available! The rent is about 177 € /month, plus ca. 30€ for electricity/internet/telephone.
The room is available from now on. It’s not furnished.

Important: It’s not a „Zweck-WG“, that means we want to share food (we plan to buy organic food in a local food-cooperative, which is cheaper than in the shop) and do things together (not everything, but hanging around in the kitchen, drinking coffee, cooking together, decorating the flat together, playing games…)
We search someone for a long-term, it would be good if you stayed at least for one year.

Your roommates are me (Hiltrud*, student of cultural sciences), Jens* (student of technical protection of the environment) and Lola* (student of international relations). We speak English and French.

If you’re interested, please send me a personal message!“

Dass der room unfurnished ist – na ja, überrascht nicht. Wieviel Möbel kriegst du auf 8 Quadratmeter unter? Drei Särge? Dann noch die Tatsache, dass in der Miete das Bespaßen der WG-Wissenschaftler inbegriffen ist, man sogar seinen Kaffee mit denen trinken soll. Wer ist noch für Teeren und Federn?

* Name von Glam geändert, but only slightly.