Archiv der Kategorie: but it refuses to shine

OH, POLONIA.

Als ich noch ein kleiner Glam war, da ging man zum Bäcker, wenn man Brötchen wollte, zum Schuster, wenn man hässliche Kleine-Jungs-Sandalen brauchte, und wenn man sich das Dach decken lassen wollte, dann ging man zum Dachdecker.
Jetzt gerade, 2 1/2 Meter über mir, hauen und schlagen und ziehen und stemmen dieselben Männer an meinem Dach, die sonst Terrassenböden herausreißen, Rigips-Wände hochziehen, die Elektrik im Hausflur richten und ergebnislos an meiner Balkontür herumschrauben. Multitalente, die es schaffen, mehrstündig und geräuschvoll zu werkeln, ohne einen Schaden wirklich zu beheben. Es fehlt noch, dass sie erzürnt den katholischen Kopf schütteln, wenn sie mir durchs Dachfenster beim Wichsen unter der Dusche zuschauen, das kommt wohl als Nächstes. Nein, als Nächstes frage ich sie, ob sie mir einen Kaffee kochen und ein Brötchen backen.

DREAMEATERS

Schlaf ist heilig. Schlaf ist zur Zeit mein Lieblingszustand. Um 2.00 Uhr von lauter Musik geweckt worden. Drei Schläge gegen die Wand beenden die Musik, das Einschlafen lässt sich nicht so einfach herstellen. Wach- und Dämmerzustand bis 6.00 Uhr, dann noch eine Stunde richtiger Schlaf, aus dem ich erwache, weil ich nass geschwitzt bin. Vielleicht ist dies doch nicht der richtige Tag, die Arbeit wieder aufzunehmen. Aber noch ein Tag in der Wohnung und ich krieg einen Anfall. Ich glaub ich hab ihn schon.

BLUTEN

Sich draußen bewegen noch etwas wobbly. Autofahren wie unter Wasser. „Wolfgang & Brigitte“ im Ohr, als ich die Baerwaldstraße kreuze. Dumme, dumme Entscheidung das Haus zu verlassen, wenn ich eigentlich noch gar nicht dürfte. Dümmer noch, dass der Haussegen schief hängt, ich völlig übernächtigt bin und ich noch nicht so ganz sehe, wie ich die nächsten sieben Stunden hinter mich bringen werde. Und die danach. Argh. Die Betriebskostennachzahlung und Mieterhöhung tangieren mich gerade vergleichweise wenig.

WAYLAID oder WEHLEID?

„Hunger Games: Mockingjay“ zu Ende gelesen. Leider das Schwächste in der Trilogie, dennoch unterhaltsam genug. Nach „Big Fish“ „Blue Sky“, gefolgt von „Cousin Bette“. Gibt es eine Regel, die besagt, dass alle Zwei-Wort-Filme mit Jessica Lange gut sind? Nein. „King Kong“. „Prozac Nation“. Dann aber wieder „Cape Fear“ und „Grey Gardens“. Wie ich „Music Box“ fand, weiß ich leider nicht mehr, und „Frances“ heißt nur „Frances“, nicht etwa „Frances Farmer“. Ja, solche Gedanken macht man sich im fiebrigen Hirn.

Zwischendurch immer mal wieder weggedämmert oder auch richtiggehend geschlafen. Pizza-Lieferant und Zigaretten-Lieferant schauen mich mitleidig an. Als ich spreche wird aus Mitleid Bestürzung. Lauren Bacall nach drei Schachteln Luckies.

Draußen täuscht die Sonne. Es hilft nichts, ich muss Fruchtsaft kaufen. Der letzte Versuch, einzukaufen endete in Kreislaufkollaps und Schweißausbruch.

Ein Schuldgefühl, nicht arbeiten zu gehen – es fühlt sich an wie Schule schwänzen, vom Einkommensverlust mal abgesehen, aber Fakt ist, dass ich als Bakterienschleuder unzumutbar bin. Ich frage mich, wie es kommen kann, dass in der langwierigen Geschichte der Menschheit und der Medizin kein Mittel gegen eine verfickte Erkältung gefunden werden konnte. Ist doch unlogisch, oder?

A-TISSUE, A-TISSUE

Es fühlt sich an, als ob alle Erkältungen, die ich in den vergangenen Jahren nicht hatte, sich verabredet hätten und mich nun auch endlich mal besuchen wollten. So verbrachte ich den Großteil des Tages (und die Nacht sowieso) im Bett oder der Hollywoodschaukel. Vielleicht bin ich durch meine ansonsten strotzende Gesundheit auch verwöhnt und bin leidiger als andere Erkältungsopfer. Und wenn es sich am ersten Tag noch luxuriös anfühlt, im Bett zu liegen, zu lesen und Filme anzuschauen, so nervt mich dieser Zustand schon am zweiten Tag gewaltig. I´m bored. I´m ansteckend. I hate it.


Nina Hagen – Hatschi Waldemar 1975 – MyVideo

GLAM SPRICHT MIT GOTT, soweit ist es gekommen.

Beim Spazierengehen gemerkt, dass ich gar nicht laufen möchte. Auf eine Parkbank gesetzt, Beine überschlagen, Ellbogen auf dem Knie. Kopfschmerzen. Geraucht. Festgestellt, dass die Ohren so wehtun, weil die Musik so laut, also Lautstärke runter. In die grüne Leere geschaut, „Song of Solomon“ wie zum ersten Mal gehört. Nur wenige Menschen unterwegs. Alle allein, bzw. manche allein mit Hund, andere allein mit (Einzel-)Kind. „So“, denke ich mir. „Bist Du jetzt also auch unter die Parkbanksitzer gegangen. Ist nichts Schlimmes bei.“ Nur dass ich irgendwann hungrig werde und durstig. Ich rauche noch eine, dann geh ich zurück, an einem Mann vorbei, der nichts trägt, als eine rote Sporthose und eine Alditüte. Auf dem Weg zurück zum Auto stelle ich fest, dass ich nicht Atmen kann und trotzdem nicht tot umfalle. Und dass ich meine Wohnung nicht sehen will, aber wo ich stattdessen hin soll weiß ich auch nicht. Ich will so nicht gesehen werden. Schlafen am Liebsten. Der Wachzustand hat es seit gestern in sich, aber ich habe keinen Knopf für Schlafmodus, ein weiterer Nachteil, den man als Mensch im Vergleich zu einer Fernbedienung hat. Da hast Du was geschaffen, mit Deiner Schöpfung, Gott. Schuldzuweisungen ans Universum empfahl Herr Strike kürzlich. Ja, Gott. Schäm Dich. Keiner braucht sowas. Und niemand besäuft sich sinnlos, es hat immer einen Grund.

Und Du merkst erst, wie durch Du bist…. oder “ coulda made it cruisin…“

… wenn Du typest 29 139 80 oder war es 7? 291 389 oder? Vielleicht besser.

Und möchte mir was zu essen machen, weil das Frühstück länger zurückliegt, aber angesichts des Bestecks stelle ich einen Mangel an Appetit fest. Und noch immer steht niemand mit Drogen vor der Tür.

Und dann zwingst Du Dich, etwas zu Essen zu fabrizieren, aber dann endest Du damit, das Besteck gegen die Spüle zu hämmern, damit es nicht das Geschirr trifft. Und es ist eine Frage der Zeit, für das Geschirr. Und irgendwann muss doch auch mal der Körper nachgeben, unterfüttert, zugetrunken? Ketamin???

Cruise on. And never EVER get in touch with me again. I mean it.