Archiv der Kategorie: but it refuses to shine

GUTEN MORGEN

Um, dann, nach vier Stunden Schlaf (nach einem 11-stündigen Arbeitstag), geweckt zu werden von den Geräuschen, die drei Betrunkene machen, die versuchen leise zu sein. Da denkst Du noch – okay. Kids. Dann gehst Du ins Bad, wo ein eisiger Wind weht. Das Dachfenster ist offen. Und geht auch nicht mehr zu. Und dann schaust Du auf den Boden und betest, dass es sich bei der Flüssigkeit, die ihn bedeckt wirklich nur um Wasser handelt. Wenn Du noch nicht richtig wach warst – spätestens jetzt, als Du merkst, dass Du schreist. Du begreifst, dass Du nie ein umgänglicher Mitbewohner sein wirst, wie Du weißt, dass, wenn es einen Gott gibt, er eher alttestamentarisch ausfällt.

Und den, oder den anderen, falls es ihn gibt, rufe ich jetzt an: bitte mach, dass die Filmrechte verkauft werden. Ich brauche eine Wohnung mit zwei Bädern.

KEIN HERZ FÜR ALTE

Triple-Attacke, no less. Bürgersteig, Tankstelle, Buchladen. Tief durchatmen, an Heidi denken. Beim Bäcker war dann keine Energie mehr für eine vierte.

Als sich eine halbe Stunde später die Türen des Aufzugs vor mir öffnen und ich aussteigen möchte, rennt mich eine Omi über den Haufen. Dabei bin ich heute das Gegenteil von durchsichtig.

NOBLESSE OBLIGE

Letzte Einkäufe vor Konto closed:

3 Schrippen
3 Flaschen Weißwein
1 DVD „Die zwei Leben des Daniel Shore“
1 Sachbuch: Kate Summerscale, „The Suspicions of Mr. Whicher or The Murder at Road Hill House“
1 kompliziertes Oberteil in schwarz
1 Feuerzeug mit Marilyn-Motiv
1 Flakon Givenchy pour Homme

SORRY FOR HIMSELF

Ich seh das Geld nur so aus meinem Portemonnaie fliegen, während ich versuche, zu genesen. Keine gute Grundvoraussetzung. In meiner Unzufriedenheit dann auch noch einen Streit vom Zaun gebrochen, so dass zur Frustration sich jetzt auch noch Scham und Selbsthass gesellen. Nicht schön, was geschieht, wenn ich mich mit mir selbst lasse. Wenn ich mich schon selbst nicht ertrage, wie sollen das dann andere? Es ist keine gute Zeit, gerade. Ich bin schwer zu ertragen, aber glauben Sie mir, das ist mein Leben auch gerade.

Yes. Words are powerful, and when you need them to be, they´re not.

POSTCARDS TO THE EDGE

Lieber Herr Coupland,

vielen Dank für die Sätze aus „Eleanor Rigby“, die diese Seite oben rechts zieren. Wenn es danach geht, dann bin ich gerade sehr sehr interessant. Leider auf die falsche Art und Weise. Zu gerne würde ich mich nicht schämen, aber das fällt mir schwer, weil ich mit meinem Verhalten etwas Böses ausgelöst habe und nun mit den Konsequenzen leben muss. Ein Anteil Schuld gebe ich dem Leben, der ollen Schlammlawine, das scheinbar, wenn alles eh schon schief läuft, noch ein bisschen Extradosis Drama braucht, als Ballast für eine erfolgreiche, mitreißende Talfahrt. Manchmal, lieber Herr Coupland, würde ich mir wünschen, mein Leben wäre weniger interessant, mehr so ein Waschmaschinenzyklus, das gibt natürlich weniger Stoff, aber der wäre dann wenigstens sauber.

Mein liebes Leben,

entschuldige, dass ich mich erst jetzt bei Dir melde, aber ich bin mal sehr gespannt, was Du als Nächstes so für Pläne hast. Ich weiß, dass Du Dir immer wieder was Verrücktes einfallen lässt, aber kann es irgendwas in der Richtung „surreal but nice“ werden? Ich wäre Dir sehr verbunden. Wenn Du schon mal dabei bist – ach nein, ich frag jetzt doch nicht, ob Du ein paar Stunden zurückspulen kannst.

Liebe Seele,

ich werde ein bisschen ungeduldig mit Dir. Du kannst nicht ständig mit dem alten Quatsch kommen. Reiß Dich bitte ein wenig zusammen, wir sollten zusammen arbeiten, nicht gegeneinander.

Liebes Gewissen,

Du bist heute schlecht und hast es nicht anders verdient.

Liebes innere Kind,

nein, keine Angst. Du brauchst nicht erwachsen werden. Aber Du musst lernen, mir zu gehorchen. Vor allem wenn ich sage „Halt´s Maul“.

Hey Angst, Zweifel und Sorge,

go fuck yourselves.

SICK

Als Freiberufler brauchst Du ja nicht lange überlegen ob Du zum Arzt gehst, wenn Du so was lappalisches hast wie einen Husten. Der macht Dich zwar arbeitsunfähig, wenn Deine Arbeit viel mit Sprechen zu tun hat, aber er wird auch in 10 Tagen wieder vorbei sein. Nur dass Du in den 10 Tagen ja leider nichts verdienst und Deine Krankenkasse erst ab dem 15. Tag zahlt. Aber da bist Du ja wieder gesund, nur mit 5 mal Summe XY/Woche weniger auf dem Konto. Hat ja auch was für sich. Was Du nicht verdienst, das brauchst Du auch nicht versteuern. Wäre da nicht die Miete, die immer gleich bleibt, wenn sie nicht, wie gerade geschehen, erhöht wurde, und die auch immer verlässlich pünktlich fällig wird.

Das ist jetzt mal ganz entschieden der Nachteil des quicklebendigen inneren Kindes, dass es kein Verhältnis zu Geld hat und an Rücklagen nicht denkt. Aber dass dieses Kind auch in so eine Rezession katapultiert wird, wer hätte mit so was gerechnet, ich hatte gedacht durch das Gröbste sein wir durch. Steht doch überall. Weit. gefehlt. Vor 5 Jahren, als das Drama begann, das war ja nur der Anfang. Es setzt sich fort und fort und fort. Und ich muss mir jetzt wirklich mal was einfallen lassen , so macht´s jedenfalls grad keinen Spaß. Aber heute wird einfach nur gehustet. Und nicht an Geld gedacht.