„Guten Tag, ich würde gern einen Termin bei Dr. F. machen.“
„Das geht leider nicht, Dr. F. ist erst wieder ab 21. Mai wieder da. Der früheste Termin wäre der 5. Juni.“
„Dann bei Dr. M.?“
„Die vergibt keine Termine, da kommen Sie einfach so vorbei und bringen Wartezeit mit.“
„Das ist einer der Gründe, warum ich einen Arzt brauche – ich kann es in Wartezimmern nicht aushalten.“
Archiv der Kategorie: but it refuses to shine
SHAKING IT OUT
Es lässt sich einfach schwer vermitteln, wie sehr die Lebensqualität sich einschränkt, wenn man fast ständig mit Angst vor sich selbst für sich selbst um sich selbst durch´s Leben geht. Sich noch so oft rational klarmacht, dass da nichts ist, wovor man sich fürchten muss außer dem Trivialscheiß, der uns allen passieren kann. Und doch erwischt es mich immer wieder, und ich will es nicht, ich brauch es nicht, es raubt mir die Freude und auch die Geduld, den Glauben an die Therapie. Ich weiß wo´s herkommt, aber das macht es nicht ungeschehen. Ich mach diese blöden Bewertungsspiele, sobald Symptome auftreten – auf einer Skala von 1 bis 10 hat die Attacke heute volle Punktzahl – Herzlichen Glückwunsch! Die ständige Sorge, dass es wieder passieren kann. Permanente Verunsicherung. Adjektive, die man sich mal so richtig vor Augen führen muss. Ständig. Permanent. Verlässlich wie Spam. You get the idea? I so fucking hate it.
GLOOMY SUNDAY
Um raus zu kommen einmal über den Maybach-Flohmarkt. Das Flohmarkt-Erlebnis an sich ist das gleiche wie immer, mit dem Unterschied, dass ich nichts von dem will, was dort angeboten wird. Menschen, die zu langsam gehen, unvermittelt stehen bleiben, ihre Kleinhunde und Kleinkinder den Tritten der Flaneure aussetzen. Tatsächlich bekommen ich von einem Säugling im Vorübergehen eine Ohrfeige, was zur Folge hat, dass ich nachts träume, schwanger zu sein, was mich im Traum nervt, weil ich dann ja mit dem Rauchen aufhören müsste. Ein Mädchen verhakt sich mit seiner Handtasche in meinem Kopfhörer-Kabel und nicht einmal für´s „Sorry“ reicht der Anstand. Irgendwann bleibe ich in der Menschentraube stecken und muss mich freischubsen. Ich mache die Musik lauter und gehe wieder nach Hause. Sechs Folgen „Skins“, Staffel 5, bezeugen weiterhin, wie Scheiße die Welt ist und wie machtlos wir sind. Es ins Erwachsenenalter geschafft zu haben bedeutet nicht, dass das Getrampele auf einem herum ausbleibt. Nur die Trampler wechseln. Und man kann nicht mal mehr unbefangen Drogen nehmen, und befangen Drogen nehmen führt dazu, dass man es gar nicht mehr tut, man weiß es schließlich besser. Trotzdem bleibt der ganze Tag wie ein Runterkommen und Wegglitschen.
IT´S HARD TO DANCE WITH THE DEVIL ON YOUR BACK
Ein klein wenig Petra und dann eine full-blown Monika.
„Man nich so aufgeregt!“ Ist da eine typische Berliner Reaktion, für die ich die Kassiererin eigentlich schätzen müsste, aber im Moment der Panik wenig hilfreich. Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal so ein Zittern erlebt haben, das auf den ganzen Körper übergreift, das nicht zu stoppen ist, so dass Sie das Wechselgeld nicht ins Portemonnaie bekommen und der Blick in den Augen der Kassiererin und der Menschen in der Schlange „Was ist denn mit dem?!“ Das ist wie Tourette mit dem Körper. Es lässt sich nicht abschalten. „Komm, rauch eine“, sagt Herr Strike und meint es gut, aber ich kann keine Zigarette in der Hand halten. Shake it out shake it out. Auch eine halbe Stunde später, wo die Scham erst so richtig reinknallt, die Peinlichkeit, so gesehen worden zu sein, merke ich, dass die Attacke noch nicht vorbei ist, sondern lediglich abebbt. Nach wievielen Jahren Therapie? Mir fällt eine Frau aus der Reha ein, die in solchen Situationen in Ohnmacht fiel und ich beneide sie, weil sie dann ja wenigstens nicht mitbekommt, was ihr Körper mit ihr macht.
Bei aller rationalen Analyse, dem Willen und dem Weg, diese Symptome los zu werden – it didn´t work out. Mein „Psycho“-T-Shirt trage ich ohne Ironie. Das ist ein Beipackzettel. Aber ich will nicht als Psycho durch die Welt gehen, sondern unbefangen. Das ist eine Krankheit und ich will endlich ein Medikament dagegen. Mit dem Gequatsche bin ich durch.
Derweil schreibe ich meinen Figuren die größtmöglichen Angst-Szenarien, um sie sofort wieder mit Humor und Emotion zu brechen. Das ist schizoid. Aber ich fühl mich im Märchenwald mit seinen erkennbaren Gefahren gerade sehr viel wohler, als in der normalen Welt, die auf irgendetwas in mir viel viel bedrohlicher wirkt.
lonely planet
Und dann roll ich so auf die Kasse zu und fange an, die Waren auf´s Band zu legen, und dann nehm ich sie wieder runter, weil die Monika wieder bei mir ist und dann tu ich die Sachen zurück ins Regal und lass den Wagen stehen und versuche, die blöde Moni zu verscheuchen, indem ich den Vertrag visualisiere, der auf dem Beifahrersitz im Wagen liegt, aber die Bitch ist heute dreist, und dann geh ich ohne Einkäufe aus dem Supermarkt. Keine 100%ige Panikattacke, aber alles lief darauf hinaus. Und ich wollte nicht.
Es war eine frustrierende Schreibwoche. Die Geschichte hatte keine Zeit, sich weiter zu entfalten. Ich hatte an den Vormittagen kaum mehr als eine oder zwei Stunden Zeit. Nach der Arbeit zu schreiben geht auch nicht, da bin ich zu erschöpft, um zu schöpfen. Nach dem Schreiben immer das Gefühl nur so rumgekritzelt zu haben. Beim Redigieren am Folgetag feststellend, dass das schon alles völlig okay ist. Es ist die Zeit, in der die Figuren im Kopf durch verschiedene Szenarios gehen können, die mir gerade fehlt. In Wochen wie dieser arbeiten sie sich lediglich durch ein Word-Dokument.
Als ich im Büro den Vertrag unterzeichne habe ich noch die zittrige Handschrift, die auf einen Monika-Besuch folgt und fühle mich gar nicht sehr festiv, obwohl ich allen Anlass hätte. Der Verlag hat sich für die Fortsetzung entschieden, ohne die Verkaufszahlen des Erstlings abzuwarten, das ist schon mal was.
Zeit ist bekanntlich Geld, also kaufe ich mir einen freien Montag, um mal drei Tage am Stück für die Geschichte zu haben. Mrs Slasher sei bei mir. And she will be. As she always was and is.
KOPFTOPF
Angesichts dessen muss man ja froh sein, wenn einem der Beischlaftäter lediglich den Ipod gestohlen hat. (Und irgendwie erscheint die in Thüringen, Sachsen und Brandenburg verbreitete Mordopferentsorung per Tiefkühltruhe im Vergleich recht human. Ich meine, den Kopf in den Topf zu tun ist eine Sache. Aber dann den Herd auch noch anzustellen… „Einen Satz heißer Ohren“ will never be the same.)
GELDSCHMERZ
(Wäre ja auch ein Wunder gewesen, wenn´s das Wort noch nicht gegeben hätte. Einfach zu viele Menschen, echt.)
Bezeichnet die Summe der Symptome von sich schuldig Fühlenden, wenn die Miete nicht pünktlich überwiesen werden kann. Ist nicht ansteckend aber kreiert Co-Abhängigkeit wie nur was.
GLAMOUR-ASS

Und wenn man sich vom Lach-Flash gerade erholt hat…

ENTENGRAUSEN oder DUCKY DUCKY GANG BANG oder aber auch TEICHSWASSERLEICHE
Stadtenten weisen oft ein weniger gut ausgeprägtes Schutzverhalten in Bezug auf ihre Jungen auf, die sich oft schon nach wenigen Tagen weit von der Mutter entfernen. Ebenfalls typisch ist ein verändertes Paarungsverhalten, bei dem mehrere Erpel einzelne Enten verfolgen und dann gemeinsam versuchen, mit dieser zu kopulieren, wobei sich nicht selten mehrere Erpel auf eine einzelne, im Wasser schwimmende Ente stürzen und diese dadurch unter Wasser drücken, bis sie ertrinkt. Dadurch ist das Geschlechterverhältnis meist zu Gunsten der Männchen verschoben.
MALGRADE
Lesen und Kotzen.