Wie schön das ist, aus zwei Augen zu schauen, merkt man erst, wenn das eine hinter einer dicken Watteschicht verborgen ist und man Auto fährt und so die ganze Zeit den Eindruck hat, dass man entweder zu viel oder zu wenig Abstand zur rechten Seite hält. Und dann finde mal eine Sonntagsapotheke, vor der Du vorwärts einparken kannst. (Und finde zunächst mal die Augenambulanz auf dem verzweigten Klinikgelände – das ist schon mit zwei betriebsbereiten Augen schwierig!)
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DON´T MEET JOE BLACK
Ich sitze ja nur am Rande. Zaungast. Aber es nimmt mich mit. Vor 10 Tagen fing es an. Die amerikanische Nachbarin stand weinend vor der Tür. Ihre Großmutter war gestorben und, streng jüdisch, sollte sie binnen 48 Stunden beerdigt werden. In San Diego, Kalifornien. Dank günstiger Umstände ging ihr Flug 7 Stunden später und sie schaffte es rechtzeitig, ihre Grandma auf ihrer letzten Reise zu begleiten. Am Tag darauf fand dann das bewegende Familiengespräch betreffs Tod, Sterben und Bestattung statt. Und eine Woche später sehe ich den besten Freund weinen. Seine Mutter.
Draußen grünt und blüht es. Meine Oma Sofie pflegte zu sagen „im Frühling kommt das Gift aus der Erde“. Man solle den Versprechungen des Frühlings nicht aufsitzen. Aber es ist vielleicht ein wenig leichter zu ertragen, das Unerträgliche, wenn einem die Sonne die Tränen zu Salz trocknet.
Ich bin nicht gut im Pflegen oder Trösten. Mir fehlen oft die Worte, weil – was sind die schon angesichts der Katastrophe? Manchmal denke ich – am Besten jetzt gleich mitsterben, dann würde man den Hinterbliebenen noch eine schrecklich Trauer abnehmen, das würde dann doch gleich in einem Tränenabwasch erledigt werden können. Morbid, ich weiß, aber seit zehn Tagen schaut er durchs Fenster, räuspert sich, macht unangenehm auf sich aufmerksam, der Angeber, der, der immer gewinnt. Der Tod.
ABER HALLO.
Drei Stunden mit Greisen telefoniert. Ca 4 Jahre gealtert.
HAUSFRAU AT HEART oder WEITERE BEKENNTNISSE
Ich weiß nicht einmal wieviele Jahre Gayromeo, aber nicht ein einziges Mal, dass mich ein Profilbild anlächelt und ich ein zartflaues Gefühl im Magen bekomme. Dass dann auch noch der Profiltext stimmt. Die sexuelle und auch sonstige Kompatibilität klar erkenntlich wird. Genug gemeinsame wie unterschiedliche Interessen vorhanden sind. Dass sich jemand also vorstellt als ein Erwachsener mit genau dem richtigen Rest kindlicher Staunensfähigkeit, die Kombi die bei mir zu akutem Verlieben fühlt. Also ein Profil, das den pragmatischen Fick zwischendurch transzendiert.
Ein Tag Couchsurfing. Genau DAS Profil. Man sitzt in der Berliner Kälte am Schreibtisch und sieht sich, wie man sich nochmal ins Bett legt, auf seine Seite, weil man den Duft von seinem Schlaf so mag. Er ist raus mit den Hunden oder bringt die Tochter in den Waldorfkindergarten. Geht dann Holz fällen und Chinchillas jagen für die neue Tagesdecke.
Leider ein Neuseeländer.
FEHLGEBURT
Zuerst klang es nach einem bizarren Projekt. Dann nach einem, das Spaß machen könnte. Sechs Probeseiten später nach einem, das Spaß macht. Und, nachdem es sich dimensional mit einem Schlag von „durchaus zu bewältigen“ in „wie soll ich das schaffen, und wann?“ verwandelte, nach einem, das früh gestorben ist. Schade.
KOMPLEMENTÄRE SCHISMOGENESE
Ich merke, dass ich gerade gar nicht streiten kann. Sobald irgendwelche Vorwürfe oder Unterstellungen, Beleidigungen und Forderungen kommen – also Folgen von Urteilen, die ich nicht teile und schwer nachvollziehen kann, weil sie zu 98% nicht zutreffen und keine Wurzel in meiner Realität haben, da geht bei mir eine Tür zu. Ich kann nichts kommentieren oder untersuchen oder hinterfragen oder ausdiskutieren, was aus Angst oder Frustration auf mich projiziert wird.
Und dann hast Du gesagt – Und dann hast DU gesagt – und als Du das und das – und Du hast noch nie/ schon immer. Und Du hast mich gar nicht lieb und wie konntest Du meine Perücke verleihen – ich HABE deine Perücke nicht verliehen, ich habe sie nur selbst getragen.
Nee. Kann ick grad nich.
ALL I´M ASKING FOR IS TENDERNESS, A LITTLE TENDERNESS
Zumindest Sex sollte Ostern dabei sein. Und wenn nicht Sex, dann Familie. So mit Putenbraten, Salzkartoffeln, zwei verschiedenen Gemüsen und Sauce, wie sie nur die Glamutter zubereiten kann. Dann noch Eis mit Waffeln und den Kindern beim Spielen mit dem neuen Spielzeug zuschauen. Stattdessen – so die Art Veronika Voss-Ostern. Das Glockengeläut klingt eher nach Verhängnis, was ja passt, geht ja um einen, der von den Toten auferstanden ist. Warum nur?
WHITE ON WHITE TRANSLUCENT BLACK CAPES oder GO AWAY (AND STAY AWAY)
Wie eitel, anzunehmen, dass es 25 Jahre später noch jemanden interessiert? Aber dann auch noch ein Produkt abzuliefern, das den eigenen Namen, den Nimbus den Ruhm nicht zertrümmert sondern ohne jede große Geste auswischt, das löbliche Werk nahezu ungeschehen macht.
Wenn ihr Name fiel, dann dachte man an die Band und nicht die Architektur-Richtung. Es war ultracool, sie zu lieben. Denn dann zählte man zu den Kennern, den Spezialisten. Sie waren the epitome of the epitome. Unvergleichbar zu ihrer Zeit. Alles was kopistisches nach ihnen kam, (die „Sisters of Mercy“ beispielsweise) fiel höchstens unter die Rubrik „niedlich“. Als sie 1983 in der Eröffnungssequenz des Vampirdramas „The Hunger“ ihr Lied „Bela Lugosi´s Dead“ insezenierten und einer breitere Masse bekannt wurden, hatten sie sich bereits aufgelöst. Ihre wenigen Platten allerdings konnte man noch 10, 20 Jahe später anhören und ihren Avantgarde-Status nachvollziehen. Um so schlimmer, dass sich Bauhaus jetzt auf ihrer Comeback-CD „Go away white“ nicht einmal selbst kopieren, sondern wie eine Arschloch-Rock-Combo drauf los jammen (allein bei diesen Worten krieg ich Schuppen), in der Hoffnung – ich weiß nicht. Im Zusammenhang mit etwas mattem schwarzdüsterem wie Bauhaus überhaupt den Begriff „Hoffnung“ ins Spiel zu bringen. Ja. Vermutlich hatten sie gehofft, es noch einmal zu schaffen. Und auf der nächsten Reunion-Tour mal das eine oder andere neue Lied zu haben, damit man nicht immer „She´s in Parties“ spielen muss, wobei das ein schönes Lied ist, das man gar nicht oft genug spielen kann. Wir reden von den Begründern des Goth, den Architekten des Industrial, den intelligenten Nachfahren des Punk. Ach, es ist eine Schande. Und es wäre vermeidbar gewesen.
Ja, dieses Helmut-Newton-Wesen ist Catherine Deneuve und Bowie ist auch dabei. „The Hunger“ gibt es seit kurzem wieder auf DVD.
Do you really think you go to hell for having loved?
UND IN DEN DSCHUNGEL HABEN WIR AUCH REINGESCHAUT
…aber war langweilig, weil sie die ganze Zeit nur eine Leiche im fortschreitenden Stadium der Verwesung durch die Gegend geschoben haben. Was wohl mal ein Schlagersänger gewesen war. Graue Emin Promin Demenz. Zuschauen, wie sich die Leichenflecken ausbilden hat wenig Charme.