Archiv der Kategorie: but it refuses to shine

EIN KESSEL KLEINES

Wenn man schon morgens unter der Dusche plötzlich dasteht, das rechte Bein einseifend, und sich fragt – hab ich das linke eigentlich schon gewaschen?, weil man im Kopf schon in seinen actually four Jobs unterwegs ist, dann sollte man nach seinem 14stündigen Arbeitstag nachts keine Wäsche mehr waschen, in der sich eine Merinowollstrickjacke und ein Gucci-Seidenhemd befinden. Drum merke.

BOOKS FOR TORCHING

In Zukunft wieder zur erprobten Praxis zurückkehren und Bücher, die nicht zu begeistern vermögen, einfach nicht zu Ende lesen. Das klappte doch auch bei Dan Simmons „Drood“ sehr gut, wo ich nach 500 Seiten feststellte, dass es doch nicht wieder anzieht, handlungstechnisch, und eh ich mich noch 400 Seiten lang langweile – nö. Die vergangene Woche stahl mir A.M. Homes´ „Music for torching“ die Zeit. Das Beste am Buch ist der Titel und die Exposition: ein unsympathisches amerikanisches Ehepaar, das das eigene Haus anzündet, so aus einer wagemutig-entnervten Midlife-Laune heraus. Das war´s dann aber auch schon. Eigentlich blieb ich nur dran wegen der Nachbarin, die zu allen Tages- und Nachtzeiten zum Weintrinken vorbei kam, also im Buch jetzt, nicht hier. Eine tipsige Mrs McClusky. Und, weil „This book will safe your Life“ von derselben Autorin so schön war. Aber als ich dann gestern gegen Mitternacht die letzten Seiten las, ärgerte ich mich nur, und das Buch flog durch´s Zimmer, eine moribunde Fliege am rechten Flügel streifend. Ärgern vorm Einschlafen ist eine Unverschämtheit. Und so werde ich in Zukunft wieder Bücher nur zu Ende lesen, wenn dadurch meine Zeit nicht verschwendet, sondern bereichert wird. (Etwas ängstlich erwarte ich jetzt das Eintreffen des neuen Coupland, „Gum Thief“ und „Jpod“ noch vage als langweilig erinnernd und keinen blassen Schimmer mehr, um was es darin ging.)

FUCK YOU, ONE-JOB-SISSY

„Du musst Dir ein dickeres Fell zulegen“ ist wohl das Dümmste, was man sich sagen lassen kann, wenn man unter der Last der vier Jobs, drei davon in einem High-Energy-State, ächzt und quietscht. Get real. Try some of my reality, you little Ikea-brain. And then fuck the fuck off.

(Und beinahe hätte ich eine Rubrik hierfür eröffnet, namens „losing my religion“, aber ich hab ja keine. Und REM find ich sooo Scheiße.)

SONG SUNG BLUE

Auf den Blauen Seiten jemanden angebaggert, der wirklich das süßeste aller Profilfotos hat. „Glam,“ schreibt er zurück, „wir kennen uns doch! Ich bin´s. R.“
Warum stellen die Leute auch Bilder ins Netz, auf denen sie sich nicht ähnlich sehen?
„Das muss einem Fick ja nicht im Weg stehen, dass Du´s bist“, schreib ich zurück. Und seitdem nichts mehr von ihm gehört. Dann habe ich es wohl doch all die Jahre richtig verstanden, dass er mich nicht wirklich mag. Und jetzt kann ich erstmal ne Weile nicht zum Karaoke. Fuckthat.

BERICHT AUS DER ZWISCHENZEIT

Fühlt sich gerade bisschen an wie Schleudertrauma, dabei schleudere ich noch und bin gespannt, wie sich das tatsächliche Trauma anfühlen wird.
Neben der Arbeit findet zwar noch Leben statt, aber lediglich vorm Fernseher. Die Walkers, Staffel 3, sind eingetroffen. Thank Amazon for that. Der Energiehaushalt erinnert an fossile Brennstoffe – irgendwann aufgebraucht. Ich hake die Tage ab bis zum 2.10., dann geht´s für mich aufs Land und für den Film ins Mastering. Wenn alles klappt.

WANTED: GLAM´S OWN PERSONAL TIFFANY

„… kennen Sie die Tage, wenn Sie das rote Grausen gepackt hat?“
„Ist das das gleiche wie die blaue Melancholie?“
„Nein“, versetzte sie langsam. „Nein, die kriegen Sie, weil Sie dick werden, oder auch wohl, weil es zu lange regnet. Da ist man traurig, das ist alles. Aber das rote Grausen ist grässlich. Sie fürchten sich und schwitzen wie in der Hölle, aber Sie wissen nicht, wovor Sie sich fürchten. Außer dass etwas Schlimmes geschehen wird, nur wissen Sie gar nicht, was. Haben Sie das schon mal gehabt?“
„Ziemlich oft. Manchen nennen es einfach: Angst.“
„Na schön: Angst. Aber was tun Sie dagegen?“
„Tja, trinken hilft.“
„Das habe ich versucht. Auch mit Aspirin habe ich’s oft versucht. Rusty meint, ich solle Marihuana rauchen, und das habe ich eine Weile getan, aber da fange ich nur an zu kichern. Was mir, wie ich herausgefunden habe, am allerbesten tut, das ist: Eine Taxe nehmen und zu Tiffany fahren. Das macht mich umgehend ruhig. Die Stille dort und der prächtige Eindruck; nichts sonderlich Schlimmes kann einem dort passieren, nicht mit diesen liebenswürdigen Männern da in ihren feinen Anzügen und mit dem herrlichen Geruch nach Silber und Krokodillederbrieftaschen. Wenn ich im wirklichen Leben einen Ort finden könnte, der mir ein Gefühl wie Tiffany gibt, würde ich mir ein paar Möbel kaufen und dem Kater einen Namen geben.“

„Breakfast at Tiffany´s“, Truman Capote.

A DIFFERENT KIND OF COCK

Gerade eine Geflügelboulette gegessen. Dabei an ein Huhn gedacht. Ob dieser quietschige Knorpel wohl ein Schnabel oder ein Hühnerfuß gewesen ist. Oder dieses schlabbrige eklige Ding, das die am Hals haben. Gerade eine Geflügelboulette gekotzt.

INDIE-FFERENT

Vor paar Tagen so rumgzappt und in einem Film gelandet, in dem Nastassja Kinski mitspielte. Mich gefragt, warum? Neben ihr chargierte die fleischerne Holzpuppe Christophe Lambert. Kann man das nicht verbieten, dass grandiose Aktricen in schlabbrigen 0815-C-Movies verklappt werden? Was richtig zu Herzen geht: dass sie spielt, als führe jemand Gutes Regie. Dann sieht man da das Talent, das selbst miese Dialoge ernst nimmt, und ihren Job, und möchte weinen. Dito für „The Burrowers“. Hömma, wenn Du Laura Leighton im Team hast – dann konzentrier Dich nicht auf die alten Männer in der Cast. Den Film hab ich einen halben Tag später immer noch nicht begriffen. Ein Neo-Indie-Horror-Western. Ich frage mich immer, WAS haben die Leute geschnupft, die sowas finanzieren?? Eigenkot? Alles was ich bei diesem Nichtmachwerk gelernt habe ist, dass nicht immer die Indianer schuld sind, sondern häufig auch Unterirdische. Das wusste ich aber doch schon vorher! Bin sehr froh, dass Laura jetzt wieder Nummer 4616 wohnt und schöne Kleider tragen darf und sich alles um sie dreht und nicht die Unterirdischen. Frankie – darf ich ab September Mittwochs bei Dir untermieten?