Archiv der Kategorie: but it refuses to shine

AND THE GLOOM GLOOMS ON

Es hört überhaupt nicht auf. Berlin im Winter trägt nicht dazu bei, an der Stimmung etwas zu ändern. Ich hoffe, dass die da draußen, auf deren Mails und Messages ich nicht antworte, es mir nicht übelnehmen. Aber die Erschöpfung hat die Dimension eines Schwarzen Lochs angenommen. Zu Sweat and Tears kam gestern dann noch Blood hinzu – poetische Gerechtigkeit. Wenn man nicht weiß, wohin mit dem Gefühls-turmoil, dann ist das gerade richtig, wenn man plötzlich aus Nase und Mund blutet. Der eingeweihte urbane Leser sitzt jetzt einer völlig falschen Fährte auf. „It´s not the side effects of the cocaine“. Aber es fühlt sich an wie der schlimmste aller Koks-Hangover. And it just doesn´t seem to stop.

GLOOM

Aufgewacht und festgestellt, rien ne va plus. Am Besten einfach liegenbleiben. Liegenbleibend so umgeschaut. Die Stapel mit Büchern. Die Stapel mit DVDs, die Stapel mit Zeitschriften. Dann mal so ein Blick an die Decke. Weiß kann man dazu auch nicht unbedingt mehr sagen. Gerade noch unzufrieden, ist man ruckzuck am Boden zerstört, und das als Luftzeichen, und noch nicht einen Fuß vors Bett gesetzt. Den Rest erledigt eine halbe Stunde später der Blick in den Spiegel. Es ist ja leider so, dass man nicht ungestraft weinen kann, sonst täte man das noch viel häufiger. Wenn man es aber dann auch noch einfordert, indem man sich mit einer Heulvorlage 8 Stunden einsperrt – selbst Schuld. Dann siehste halt aus wie zwei aufgeplatzte Kissen, verloren auf einer zu hohen Stirn. Und wenn Du keine emotionale Musik verkraften kannst, dann schau halt nicht „Glee“.

Und dann rufst Du im Büro an und faselst was von einsetzender Grippe, die Du endlich mal gründlich auskurieren müsstest, schämst Dich, dass jetzt ein Kollege für zwei arbeiten muss, legst auf, schaust ins Weiß und fragst Dich, was das jetzt für eine Erholung werden soll, in diesen Grauen Gärten auf denen Dein Name steht, und stellst die Uhr – wann fängt der Körper wieder an zu sprechen, wann setzen die Stress-Symptome ein?

Am Schlimmsten ist es im Arbeitszimmer. Da fällt es Dir am Wenigsten auf, weil der Blick meist auf die Egowand gerichtet ist, auf die Mac-Screen, manchmal in den Hinterhof schweifend. Aber da hinten links vorm Regal, vom Regal ganz zu schwegen, da pferchst Du nur immer Bücher in dritter Reihe ein, von den wenigen, denen Du diese Lagerhaltung nicht zumuten willst abgesehen, die liegen auf dem Nachttisch, auf dem Boden vor der Balkontür, damit Du ihre Cover sehen kannst, vor dem Regal also liegen Stapel von Zeitschriften, Briefen sowohhl geöffnet als auch nicht, was man so als Unterlagen versteht und was wohl noch alles? Drei Müllsäcke später weißt Du es. Die Vanity Fair Jahrgänge 2004 und 2005. Jetzt hats Du auch eine zeitliche Orientierung, wann in dieser Gegend zuletzt ein Staubsauger aktiv war, toll, bezeichnend, ist das doch irgendwie das Gehirn Deiner Wohnung, und die Regale – greif mal rein, ach schau, stimmt, ich hatte mal nen schwarzen Joop-Rucksack, und vorm Wegwerfen ziehst Du noch ein paar alte Quittungen raus und zwei Euro. In den alten Gucci-Schuhkarton sortierst Du die paar Dokumente, die aus Sentimentalität augehoben gehören. Postkarten von Cora. Fotos, die man Dir geschickt hat, die Du längst vergessen hast. Auf denen Du nicht verzehrt und verloren aussiehst sondern asketisch und dramatisch. Briefe, die Du gerade nicht die Kraft hast zu lesen. Bilder verloren gegangener Lieben. Irgendwo in der Welt ist es 18 Uhr und Du machst eine Flasche Wein auf. Vielleicht doch vorher frühstücken? Ach was, ist ja eh schon fast dunkel draußen.

Auf dem Fußboden sitzt Du zwischen Töpchen und Kröpfchen und überlegst, wie es wäre, wenn Du jetzt arbeiten gegangen wärst, anstelle hier in Grey Gardens die Erde umzugraben. Gelächelt hättest Du, gescherzt. Nicht so schlimm, hättest Du geantwortet, wenn man Dich auf Deine verheulten Augen angesprochen hätte. So wie Du auch freundlich und optimistisch Emails beantwortest, in denen Dir Absagen erteilt werden.

Willst Du es dann noch ein bisschen schlimmer machen, Du hast ja noch fünf Folgen „Glee“. Junge Menschen an den Crossroads ihres Lebens. Es ist nicht einmal die Musik, die Dich so emotionalisiert, bei „One Tree Hill“ musstest du auch ständig weinen. Es ist die Feststellung, damals so viel so falsch gemacht zu haben, mangels Vision, mangels Ideen, getrieben nur von dem Gefühl, die Kindheit hinter Dir zu lassen. Unwiderruflich. Und jetzt bist Du alt. Du schaust Dir Deine Handschrift von vor zwanzig Jahren an und schmeißt sie in die dritte Mülltüte.

Wenigstens ist das Arbeitszimmer aufgeräumt.

REVOLUTIONARY ROAD

What a tedious superfluous slow-moving little bit of shit was that? Can I get my money back? Das wäre ja bei der ARD nicht mal durchgegangen, wenn´s diese betrügerische Tatort-Muschi eingereicht hätte. Argh. Go to Denmark, Sam Mendes. Learn.

CONTINUITY

Am zweiten Tag raus kam der erste kreative Gedanke seit Monaten. Viele Notizen gemacht. Den Wald vor Bäumen, denk ich – ich bin ja Teil eines Spielfilms, den ich nur aufschreiben müsste, etwas veredeln, das könnte ein Feelgood-Film werden, wie ihn sonst nur die Dänen machen. Jetzt muss ich nur die Schablone der Erzählung über die Wahrheit legen, einen Anfang finden, der die Story anhebelt. Würde mich am Liebsten sofort in einen Flieger setzen und mit den nötigen Interviews beginnen.

Am zweiten Weihnachtstag, nach einer Stunde Arbeit zurück im Job, schiebt sich der Riegel vor die Tür zum Springbrunnen der Ideen. Die Erholung der vergangenen Tage ist hinfällig, als habe das harmonische Fest nicht stattgefunden. Auch der gestrige Sonntag endet mit kompletter Erschöpfung und einem tiefen Gefühl von Menschenhass. Die Woche muss noch irgenwie überwältigt werden, ich baue auf die drei Tage von Neujahr an. In den Nächten wache ich auf, starre in die Dunkelheit, die es einem auch nicht leichter machte den Sinn zu finden. Stresse mich – immernoch keinen roten Faden gefunden (aber wann denn auch?), schlafe wieder ein, wache am Morgen auf, koche Tee, verlässlich eine Stunde nach dem Aufwachen beginnt der Körper mit seiner Produktion von Stress-Symptomen. Immerhin darauf ist Verlass.

HEADING WEST

Es ist genau an der Zeit für eine kleine Reise westwärts, wenn man nachts aufwacht und feststellt, dass man im Traum gerade eine Rechnung geschrieben und einer Kollegin beim Entgleisen zugeschaut hat.
Gekrönt waren die letzten Arbeitstage von Telefonaten mit einer psychisch kranken Kundin, der nicht verständlich zu machen war, dass man eine Lastschrift nicht zurückziehen sollte, wenn man die Ware zufrieden erhalten hat.
„Sie legen doch beim Bäcker auch nicht drei Euro auf den Tresen, packen ihr Brot ein und nehmen dann die drei Euro auch wieder mit.“
„Jetzt fangen Sie mir BITTE nicht mit Brot an! Ich habe die Ware ja auch gar nicht selbst gekauft, das war eine Freundin von mir.“
„Aber SIE haben das Geld zurück gezogen.“
„Ich wollte die Ware aber auch nicht.“
„Dann SCHICKEN SIE SIE ZURÜCK!“
„Nein das KANN KANN KANN ich nicht. Ich leg jetzt auf.“

Eine Stunde später. „Guten Tag, hier spricht eine Freundin von Frau J. Bin ich mit der Firma ABC verbunden?“
„Nein, hier ist die Firma XYZ.“
Klick.

Drei Kollegen später und mit Hilfe ihrer Nachbarin, die ihr den Sachverhalt das achte, neunte und zehnte Mal veranschaulicht, erklärt sie sich dann doch bereit, die Ware zurück zu senden. Angesichts von vier verschlissenen Kollegen beschließe ich, beim nächsten so gearteten Fall gleich den sozialpsychiatrischen Notdienst zu kontaktieren – wenn ich in der Vergangenheit mal diesem Impuls nachgegangen bin, dann waren die besagten Menschen dort in der Regel bereits aktenkundig. („Hat sie die Adresse Soundsostraße 12 angegeben? Da waren wir bereits. Das ist ein leerstehendes Haus.“)

Irrsinn, Stress und Tod – das ist die Woche vor Weihnachten. Ich pack jetzt meine Geschenke ein, den neuen Stephen King, die Unterhaltungs- und Telekommunikationselektronik and I´m heading west. Without a sad goodbye.

BLUE IN THE FACE oder KEINE DISKUSSIONEN

Und irgendwann am Dienstag war der Zeitpunkt gekommen, wo ich mir sagte, morgen machstes wie alle anderen auch, einen Tag blau. It´s too fucking much. Nur alle anderen, die blau machen, sind angestellt und bekommen auch für nichtstun Geld. Da kuriert man schon mal seinen Rausch aus oder geht Christmas-Shopping machen oder so. Aber am Mittwoch sah es schon wieder ganz anders aus, was vielleicht auch an dem netten Schornsteinfeger lag, und ich habe auch so eine Art Verantwortungsbewusstsein – wenn einer ausfällt müssen die anderen seinen Job miterledigen und momentan ist Höchstsaison*, da ist es schon in normaler Besetzung anstrengend, also will man das niemandem zumuten. Andererseits, so on edge, ist man in verantwortungsvoller Position auch eine unleidliche Pest.

Diese drei Tage krieg ich noch rum. If you don´t fuck with me. If you do gibt´s ganz unweihnachtlich eins auf die Fresse.

* Nein, ich bin keine Weihnachtselfe. Aber wenn, dann wär ich die mit der Peitsche und den schwarzen Flügeln.

SPOILERS!

Schon wieder ist´s ne langweilige Brünette, die Schuld ist. Fuck the MP 2.0 writers. Bye bye Syd, bye bye Melrose Place. (Beim ersten Mal, da tat´s noch weh… Dieses Mal verlässt jedoch nicht the Greatest Character die Greatest Show, sondern eine echte Lady ein stinkendes, sinkendes Schiff.)

For closure muss noch gesagt werden, dass die elende Schlampe Mrs Mancini nachher noch von Sydneys Tochter im gleichen Pool ersäuft wird. Immerhin.

NOKIA

Connecting People. Aber nich Jeräte. Ick muss meine Musik einzeln per Bluetooth rüberschiffen, weil der Mac dit Jerät nich per USB erkennt. Super. Da dauert eine Datei solang wie dit Lied dauert.

Glam sucht hiermit Praktikanten. Gerne Lockenköpfe.

OVERSCHÄTZING

Gibt es irgendjemanden, der es bei „Limit“ weiter als auf Seite 500 geschafft hat und der oder die mir sagen kann, ob sich das Weiterdurchackern lohnt?

Muss man denn, wenn man jemanden beschreibt, der übern Zebrastreifen geht, auch noch erläutern, wie sich der weiße Streifen unterm Fuß anders anfühlt als der Asphalt, welchen etymologischen Ursprung das Wort Zebrasteifen hat, wie die EU es mit der Bezeichnung hält – ob vielleicht Fußgängerüberweg oder pedestrian crossing nicht doch mehr Sinn machen würden, von welchem Wildesel das Zebra abstammt, und wie der Geruch des Zebra-Apfels sich vom Pferdeapfel unterscheidet?

All I wanted was some smart cheap thrills. Und jetzt sitz ich in einem Informationshaufen, zugemüllt. Und dabei mag ich den Mann.