Jetzt ist es also raus, Roxana und Mandy haben Nachnamen und da Herr Schroeder die Katze aus dem Sack gelassen hat, darf ich es verraten: Roxana Pfeffer und Mandy Salz haben in der Therapie ein paar knifflige Dinger zu lösen:
– wie es mit ihrer Rap-Karriere den Bach runterging
– wie sie Ricky dazu brachten Tic Tac Toe zu sprengen
– wie sie sich operativ noch vor Michael Jackson in white chicks verwandelten und bis heute als weiße Berlinerinnen in Rixdorf und Britz leben
– wie sie im Studio von Jack White ihre Seele verschachert und den Backgound-Chor für David Hasselhoffs „Ive been looking for freedom“ aufgenommen haben
– wie sie in der Rap-Szene ihre Muttersprache (Balinerisch) verheimlichen mussten und so einer enormen Identitätskrise Vorschub leisteten.
Archiv der Kategorie: Auf der Couch
BEWARE OF THE GEMINI or I LONG TO BE ALONE
„If you now have the need to be alone, then that is what you should really do. If you make too many demands on yourself or if you are not left in peace, you may become hurtful to others – for example, your children if you are a parent – as a result of a certain indifference.“
http://www.astro.com
(Best astro-site there is.)
Der Mitbewohner sollte mich besser nicht ansprechen.
Spannenden Artikel über Magyar Vizsla als Therapiehunde gelesen. Einer stationären Magersucht-Patientin hat die Hündin sogar aus Empathie ins Zimmer gekotzt! Ja, Vizslas nehmen feinste emotionale Strömungen wahr. Wie würde ein(e) Vizsla auf mich reagieren? Mit den Armen rudern? Zu Kate Bush jaulen? Wenn ich mir eine(n) Magyar Vizsla anschaffe, komme ich dann um die Gruppentherapie? Wenn man einen Vizsla mit einem Mops kreuzt, ist das dann ein Wisch-Mops?
Ih will eh lieber einen Weimaraner. Eine nette hübsche treue Gabi. Weimaraner und Elefanten sind von geradezu überirdischer Schönheit. Wenn ich mir diese Perfektion anschaue, dann nehme ich der Schöpfung auch den einen oder anderen Ausrutscher nicht mehr so übel. (Ich bin sehr versucht hier etwas oder jemanden zu verlinken, aber ich will nicht boshaft sein and we know that any publicity is good publicity.)
ROXANA UND MANDY UND DIE INNERE ZERKNÜLLTHEIT
Therapeut: Im Blitzlicht schildern Sie bitte einfach kurz, wie sie sich jetzt, nach der Gruppe, gerade fühlen.
Glam: Also, ich denke gerade über meine Eltern nach. Also, man könnte sagen, ich bin jetzt nachdenklich.
Roxana (schneuzt sich die Nase in ein Zewa Softi): Also, ick muss echt sagn Hut ab vor den Hans Joachim, det hat ma allet so berührt, wie er dit erzählt hat. Ausjesetzt und denn die Pflejemutter wo ihn vaprüjelt hat. Menschenskinner nee. Und die Jeschwister wo beinah verhungert wären und wie er denn den Verjewaltija von seene Tante in Notwehr niederjeschossen und (schneuzt erneut) denn die Problematik mit sein Parkinson und die Inkontingenz, det hat ma jeschafft, ick hab ma da so rinvasetzen könn und jetzt fühl ick ma innerlich leer, so wie als der Hans Joachim rückwärts ausse Garage ist und den kleenen Yorkie von seine richtje Omma überfahrn hat, also von die blutsverwandte, nicht die Pflejeoma, und wie er da ja keene Tränen mehr hatte. (Zerknüllt das ohnehin zerknüllte Zewa Softi.) Scheiß die Wand an, det kenn ick jenau. Det is wie bei mir, dacht ick die janze Zeit, det is haarjenau wie bei mir.
Mandy: Aber ick denke Du bist hier wejen Deine Bulimie.
Roxana (Zewa Softi kraftvoll auf den Boden werfend, dabei ausschreiend und im Stuhl hochfahrend): Jetzt langtsma aber balde mah. Pass uff watte sachst, Sackfresse! Ick warn Dir ein letztet Mah: Noch son Spruch – Kieferbruch!
THE ROAD TO NEUKOELLN: DRIVING MISS ROXY
„Samma Du fährst Richtung Neukoelln, richtje?“
Herr Dick wimmelt eine Panikattacke ab, als Roxana erstmals das Wort direkt an ihn richtet.
„Ick käm dann mit, ick wohn Hermannstraße.“
Und während sie zeitgleich eine Zigarette an der Kippe der letzten entzündet und ihre Plus-Plastiktüte auf den Rücksitz wirft, hat sich Roxana schon in den silbernen Hyundai gewuchtet.
„Bah, dit is doch Scheiße, echt jetze. Die janzen Bekloppten mit den Depri-Jeschichten. Ick frach ma, wat ick da überhaupt soll.“
Da ich mir oft genug dieselbe Frage stelle, wenn auch auf Hochdeutsch, fällt mir keine Antwort ein.
„Weeßte, da machste sone Scheißkur und wat bringt et? Nüschte. Und diese Kack-Gruppentherapie, dit hatma schon inner Kur nur jenervt. Baaaaah.“
Sie hält mir ihre Schachtel Boston hin und ich wage nicht, abzulehnen.
„Mir jeht´s beschissener wie vorher. Ey, ick wusste doch ja nich wat ick allet hatte! Bulimie, sang die, nur wegen der Kotzerei. Det musste Dir ma vorstelln. Und denn bin ick nu ooch noch natistisch schizoid. Und überdrehte Jewaltbereitschaft, wat weeß ick. Rutscht Dir paar ma die Hand aus und denn ditte. Wat isn dit für´n Land, wo de Dir nichma n Finger in Hals schieben darfst, frarick Dir? Da hatt ick now ne Fijur, früher. Und jetzt kiek ma an. Wien Federbett seh ick aus. Und die Näjel voll im Arsch von die janze Makramee und die Scheiß-Tonaschenbecher. Wat is so schlimm, wenn ick sach, dattet allet keen Zweck mehr hat? Die Psüchater setzen ihrn Fettarsch nachher innen Mercedes und jehn ins Heimsolarium. Wenn ick nach Haus komm, denn wartet da keener uff mir, nur meene beeden Nymphensittiche. Isdowahr. Worauf soll ick ma freun?? Hm? Kennste Tokio Hotel? Find ick schau. Und „Angels“ von Robbie Wiljems und „Feel“. Und Him. An den erinnerste mich, dachtick jlei, wie de da reinkamst beim Ürrenkränzchen.“
„Ich finde eigentlich auch, dass alles Scheiße ist, aber das ist ja die Krankheit, weißt Du? Da muss man dann gegen ankämpfen.“
„Sarickja. Kannste ma andere Musik machen? Ick krich Kinderlähmung von so hohet Weiberjekreische.“
„Roxana schau mal: Du warst Inhaberin eines Fleischerei-einzelhandels. Das ist doch auch was.“
„Aber ick bin do Pleite jejang!“
„Aber immerhin. Du warst mal Inhaberin eines Fleischwareneinzelhandels.“
„Na ja. Hm. Haste ooch wieder recht. Neuland. Und weeßte, wer mir voll auf die Ketten jeht? Diese Mandy. Dümmer wie Scheiße. Ick könnt der manchma echt eene runterhaun. Aba hallo.“
Roxana hustet.
„Kannst Roxy zu mir sagen, Glämma.“

ROXANA UND MANDY UND DAS INNERE KIND
Roxana: „Also icke, letztens inne Therapie, krich jesacht, ick soll meen inneret Kind rauslassen und kieken, wat dann die jroße Roxy macht. Na, ick also det Kind rausjelassen und wat macht die Jroße? Rennt wech!“
Mandy: „Sachmahamsedieno´alle! Du kannst doch nich son kleenet Kind alleene lassen! Wat isn dit für ne Therapie!“
Roxana (angestrengt):“ Du Mandy, dit macht mir jetz richtje agressiv. Kannst au MAL Dein Maul halten, weeßte echt jetz. Hatma wer n Tempo?“
WARUM DIE GRUPPENTHERAPIE MIR WICHTIG IST
ROXANA:
Na also, ick musste ja nu letzte Woche bein Medizinischen Dienst. Die wolln ma jesund schreim. Und denn kiek ick heute bei meine Ärztin uffn Computer und les mein Befund. Da steht „arbeitsfähig“ und, wattema, ick hab´s ma notiert. Da steeeeeeeht nu also „Verdacht auf narzisstisch-schizoide Persönlichkeitsstörung“. Det musst ick nachher erstema nachschlahng! Und det bedeutet, ick halt ma mehr in meene kreative Welt auf als wie inner Realität. Und ick dachte die Salzteichfijurn wärn jut für mir, und det Makramee, denn da hol ick ma doch meene janze Bestätijung! Soll ick det jetzt uffjeben? Und wisster wer det ooch hatte? Vincent Van Gogh!
MANDY:
Na ick versteh die, dass die Dir jetze jesund schreim – zum Arbeeten broochste doch keene zwee Ohrn.
AUSBRÜCHE UND ANDERE GEBRECHEN
Gestern habe ich das Ines Schreiber-Gen in mir entdeckt und das war nicht schön. Warum mache ich eigentlich eine Therapie, in deren Verlauf ich immer unleidlicher werden? Das frage ich die Therapeutin das nächste Mal.
Mit den Bulimikerinnen versteh ich mich am Besten, auch, wenn angesichts meines vergifteten Dienstags ein gewisses Unverständnis vorhanden ist, was die Fähigkeit angeht, sich freiwillig zum Erbrechen zu bringen.
„10 bis 15 Mal.“
„In der Woche?“
„Am Tag.“