Archiv der Kategorie: ASHBY HOUSE

GLAM HAT EINE FAHNE oder THIS IS ONE OF THOSE MOMENTS

Der aus-dem-Traum-Schreck-Moment war nicht nötig. Trotz heftigster Kürzung im letzten Lektoratsdurchgang hat „Ashby House“ noch über 300 Seiten, ich bin beruhigt. Und jetzt freue ich mich darauf, das gestraffte Exemplar (immer noch nicht die Endfassung, ich darf noch hier und da) zu lesen. Beste Vorbereitung, die Arbeit an der Fortsetzung in Kürze wieder aufzunehmen, das Exposé hat die zweite Instanz (Lektorats-Sitzung) erfolgreich überstanden.

Vielleicht liegt es daran, dass ich so lange nicht in Print veröffentlicht habe, aber es fühlt sich an wie das erste Mal. Und zum ersten Mal die gesetzten Seiten zu sehen ist „one of those moments“. Mein kleines Gothic-Baby…

27112011365

GLAM ADDRESSES A LETTER TO THE INHABITANTS OF ASHBY HOUSE

Liebe Shalott-Schwestern, lieber Steerpike und Hector, Du Hund!

Es ist jetzt unglaubliche 7 Jahre her, dass Ihr in mein Leben geplumpst seid und fortan ein Eigenleben entwickelt habt. Über die Jahre habe ich manchmal monatelang nicht an Euch gedacht, außer, wenn ich überlegt habe, dass Ihr da, in dem Schubladenroman, mein Kapital seid. Die letzte Hoffnung eines erfolglosen Autors, der seine Kreativität mit umsonst-Schreiben im Netz verpulverte, dies aber auch, weil er es schwierig fand, nach Euch eine neue fiktionale Truppe und Welt an den Start zu bringen. Ich war trotzig und verbockt. Ich wollte Euch, und sonst keine. Wenn Euch keiner wollte, dann wollte ich eben mein Schreiben verschenken.

Heute ist der denkwürdige Tag, an dem ich das letzte Wort in „Ashby House“ Korrektur gelesen, redigiert und abgenommen habe. Und so ein narzißtischer Idiot ist Euer Autor, dass er heulen musste, auf der letzten Seite. Euer Schicksal bewegt mich heute wie damals. Noch ein paar Monate, dann müsst Ihr raus in die Welt. Wie man Euch da aufnehmen wird, das liegt nicht mehr in unserer Hand. Was auf dem Markt geschehen wird oder auch nicht – adäquat bezahlen kann man Euch sowieso nicht. Ihr seid mir mehr wert als Geld. Ihr seid meine lovely Hollywood-brainchildren, und insbesondere in den letzten anderthalb Jahren hat Eure Anwesenheit mir außerordentliche Freude bereitet. Und mich darüber hinaus gerettet.

Ich freue mich, all die Jahre mit Euch verbracht zu haben. Die Vorstellung, dass es das jetzt war, Schluss, aus, die geht gar nicht. Und, Gott, bin ich froh, dass die Fortsetzung schon in Arbeit ist, denn sonst würde es mir gerade das Herz zerreißen. So aber weiß ich ja, dass wir uns wiedersehen, genau so wie ich weiß, dass Steerpike jetzt gerade lächelt, während ich hier tippe und ein bisschen weine, Laura selbst so ein Ziehen tief in sich drin verspürt (wir sind uns sehr nahe gekommen), und nur bei Hector kann man nie wissen, was nun gerade in ihm vorgeht, wie das halt bei Gentleman-Arschlöchern so ist. Man muss sie lieben und es hinnehmen.

Tusch, Grammophon an. Jetzt bitte Big Edie/ Jessica Lange mit „We belong together“.

Meine Lieben Ashby-House-Bewohner, my work on part one is done. It´s been a bumpy and very very very very long ride. But none of us ever lost hope, and now, here we are. It´s been a pleasure getting to know you. It shall be a pleasure to have future adventures together. I love you guys.

XOXO

from the guy who wrote your story.

SPECIAL K

Der Vater betrachtet das Buchcover im Katalog – ‚Da bin ich ja auch drauf!‘ – und ist dann doch auch ziemlich geruehrt. (Nokia blogging from the mountain. jetzt waere twittern praktischer.)

WHOOF! WHOOFF!! oder WHAT´S GOOD FOR ME

Das Lied fehlt noch. Noch fehlt das Lied. Ich hab noch kein LIED. Ich hab das Lied noch nicht. KEIN Lied noch ich habe nein. Das waren so Gedanken, die ich in den vergangenen Tagen öfter hatte. Ein Lied ist seit irgendwann für mich das Herz eines Romans. Wenn er kein Lied im Herzen hat, dann braucht er auch nicht geschrieben werden. Mir geht es jedenfalls so. Aber irgendwann gestern entwickelte sich eine Vermutung – vielleicht muss es gar nicht immer ein neues Lied sein, vielleicht gibt es ein Grundstruktur-Lied, von dem all mein Schreiben ausgeht, (ein weiteres ist dazugekommen, whoo hoo), aber noch, glaube ich, geht alle Kraft von den „Hounds of Love“ aus. Die Energie der Protagonisten ist die von Getriebenen, Vertriebenen, Flüchtenden, Bedrängten, das wird sich auch im nächsten Buch nicht ändern. It´s in the trees, it´s in the house – it´s COMING! And this time: it SINGS!

Als ich das am Telefon meiner Schwester erzähle, muss ich weinen, weil ich so ergriffen bin. Manche Lieder sind wie emotionale Denkmäler. Orte voller Kraft und Komplexität. Sie bringen einen in Berührung mit den eigenen Tiefen und zaubern etwas hervor, das größer ist, stärker ist, als man sich zugetraut hätte. Wüsste die großartige Kate Bush von meiner Gefühlsaufwallung – sie wäre peinlich berührt. Das wäre nicht ihre Absicht gewesen, sie habe doch einfach nur ein Lied geschrieben und es in die Welt gestellt. Und dort steht dieses Lied noch immer, für immer, und generiert und generiert. Die Jagd hört nicht auf. Den Hügel hoch und runter. Und wenn man den Fuchs in den Armen hält, das rasende Herz spürt, man glaubt, nicht damit klar zu kommen, dann ist man am richtigen Ort, und jeder Zweifel macht Sinn, und man wird genau das Richtige tun. Because no one ever knows what´s good for them. Let´s just be kind to our mistakes.

directors-cat
Director´s cat.

HAUNTED oder MEET THE SLASHERS

Manchmal ist der Gedanke an einen Kompromiss schon der Killer einer guten Idee, aber wenn eine gute Idee eine gute Idee ist, dann hat es auch noch Zeit, sie umzusetzen – späterer Zeitpunkt dann, und ohne Kompromiss. Manchmal ist eine Kritik auch eine Einladung, die eigenen Möglichkeiten zu überdenken. Es hat etwas gedauert, sie zu prozessieren, aber, nachdem mich vorgestern Nacht meine beiden liebsten Geister heimgesucht haben, ist mir im Verlauf des Tages ein Szenario für sie eingefallen, in dem sie sich zu Hause fühlen könnten. Das schlechte Wetter am Wochenende kommt wie gerufen. Klausur.

Ich sehe eine rothaarige Frau mit Sixties-Langhaar in einem flaschengrünen, knapp geschnittenen Leder-Anzug. Mit einem etwas überdimensionierten Weimaraner an der grünen Leder-Leine. Ihre Vintage-Versace-Handtasche ziert ein Tinker-Bell-Anhänger.

SIE SIND GEKOMMEN, MICH ZU HOLEN

Gestern rumexperimentiert und kleine Handy-Filmchen gedreht, die als Vorlage für einen Amazon-Trailer dienen sollen. Dabei sehr schönes Haus entdeckt, das genau meinen Vorstellungen von Ashby House entspricht. Festgestellt, dass ich keine vernünftigen Print-Vorlagen von Gargoyles besitze. Hat jemand einen Bildband, den er mir leihen kann?

In der Nacht dann von meinen Protagonisten geträumt. Es war sehr schön, mit ihnen mal zu reden. Auch die beiden entsprachen meinen Vorstellungen. Sehnsucht, wieder mit ihnen zu arbeiten.

VOM HORRIBLEN, TERRIBLEN UND SCHAUDERHAFTEN

Wenn ich mich mit jemandem über Horrorliteratur oder Filme unterhalte, höre ich häufig den Satz „Lese ich nicht. Schau ich mir nicht an. Ist mir zu brutal.“ Dann frag ich mich immer, wie es kommt, dass Stephen King Bestsellerautor ist, und ob ich vielleicht zu einer ganz besonders verrohten Spezies gehöre. Zu meinen prägendsten Kindheitseinflüssen zählte die Mumien Monstren Mutationen-TV-Reihe im Dritten, da sah ich alles, von Dracula über Frankenstein, den seltsam schrumpfenden Mann, die Augen ohne Gesicht. Die ARD hatte eine Reihe, die sich auf Horror-Science Fiction spezialisierte. Den Mann mit den Röntgenaugen, die seltsame Ameisen-übernehmen-die-Welt-Geschichte, Soylent Green usw.
Meine ersten Horror-Romane waren „Carrie“ und „Salem´s Lot“ von Stephen King und ich habe in den letzten Jahrzehnten fast alles von ihm gelesen. Gerade jetzt lese ich einen, den ich zum Erscheinungszeitpunkt verpasst habe – „Insomnia“, in dem sich, wie so häufig bei King, in iner kleinen Stadt in Maine seltsame Dinge zutragen.

Bei „Insomnia“ fiel mir auf, dass eigentlich jeder Horrorroman auf einer Prämissse basiert und einen Hebel betätigt, der bei jedem Leser funktionieren dürfte. Er appeliert an die Angst, die wir vor der Gesellschaft haben. Diese beruht in der Regel auf Erfahrung. Das sagt jemand, der sich manchmal davor fürchtet, die Wohnung zu verlassen. In unserer Welt geschehen schreckliche Dinge, und auch, wenn wir in unseren kleinere familiären Einheiten bemüht sind, Harmonie zu schaffen, brauchen wir uns nichts vormachen: Die Welt Ist Schlecht. (Deshalb ist es ja auch unsere moralische Pflicht, Spaß zu haben, bevor alles vorbei ist.) Das merkt ein Kind zum ersten Mal, wenn es bestraft wird oder sich die Eltern vor ihm streiten. Horror spiegelt diese Schlechtheit der Welt und treibt sie ins grotesk Verspielte. Das gefällt mir, das ist unterhaltsamer als der wahre Horror: Babies in Tiefkühltruhen, Amokläufer, Krankheit, Selbstmordattentäter oder auch der Splatter eines Autounfalls, von Steuer, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit ganz zu schweigen.

Eine Unterform von Horror, wie sie beispielsweise in „While she was out“ und „Eden Lake“ gezeigt wird, gefällt mir perverserweise besonders gut, weil sie den Horror dahin zurückbringt, wo seine Basis ist: in einer Gesellschaft, die die Protagonisten plötzlich angreift. Keine fantastischen Elemente mehr, lediglich ein Kampf zwischen Individuum und Gruppe. Das Individuum wird ausgesucht und die Jagd eröffnet. Vielleicht mag ich dieses Terror-Genre deshalb so gern, weil das Szenario mir so vertraut ist und ich mit den Protagonisten fiebere, dass es ihnen gelingen möge, die Angreifer abzuwehren (und möglichts brutal nieder zu metzeln.) Die beiden genannten Filme sind repräsentativ für das Terror-Genre, schaffen es aber, noch etwas drauf zu setzen, was sie vom klassischen Genre-Kino unterscheidet und ihnen eine enorme Wirkmacht verleiht, die nachhallt, lange, wenn der Film vorbei ist. Ich würde ihnhaltlich zu viel verraten und Ihnen das perverse Vergnügen nehmen, wenn ich jetzt berichten würde, wie ihnen das gelingt. Also, selber anschauen.

Schauerromane sind ladylike. Da muss nicht gesplattert werden (aber es darf). Es geht nicht darum, durch Schilderung von Brutalität zu punkten, sondern etwas anderes zu erzeugen – eine Stimmung des Un-heimlichen. Unheimlich ist alles, was ein Heim nicht heimisch, sondern gefährlich macht. Spukhäuser sind also perfekte Orte für Schauerromane. Aber auch hier gilt das gleiche Prinzip wie im Horror. Die Protagonisten werden von etwas oder jemandem bedroht, dies auch noch an dem Ort, an dem man sich am sichersten fühlen sollte, dem eigenen Haus. Da genügt manchmal schon ein Schatten, die Schemen einer Jacke, die am Garderobenhaken hängt, ein seltsames Geräusch, dessen Ursprung unerklärlich bleibt, um eine Atmosphäre von Schauer zu erzeugen. Ich persönlich finde, auf den Schauer muss auch ein Schrecken folgen. Wenn man den Leser, der eigentlich keine Horor-Literatur liest, mit Schauer um den Finger gewickelt hat, dann kann man auch ma etwas tüchtiger zuschlagen, meistens lieben sie es. Bestes Beispiel – „The Shinig“, wo der Austragungsort zwar ein Spukhaus ist, der Horror aber in der Familie stattfindet, wo der meiste weltliche Horror auch seinen Anfang nimmt – ein Mann verliert langsam seinen Verstand und greift nach der Axt, um Frau und Kind zu erschlagen: siehe Tiefkühltruhe, Autounfall, Krankheit, Arbeitslosigkeit. Wir alle fürchten um unsere persönliche Harmonie. Beim Betrachten eines Horrofilms, beim Lesen von Stephen King, da „erleben“ wir, dass alles noch viel schlimmer sein könnte und viel weniger abstrakt als ein Krieg, ein explodiertes Atomkraftwerk oder den Dingen, die Menschen aus religiösem Anliegen heraus tun. Da fällt mir ein, dass ich „Carrie“ mal wieder lesen könnte.