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Archiv des Autors: glamourdick
SATURDAY IN THE KIEZ WITH SKAILIGHT
Zu Fuß durch den Kiez, es ist kalt und sonnig, kuckma hier ein neues Café, da eine Bäckerei, die ein bisschen wie ein Puff aussieht, da „Hey Glammie-man!“ „Hey man where´ve you been?“, und nach dem Erwerb von Muffins und Crémant setzen wir uns vor einem Café in die Sonne und trinken köstlichen Chasselas, was die Schweizer Bezeichnung für Gutedel ist. Eine Wespe, die noch nicht begriffen hat, dass es Herbst ist, wenn auch ein goldener, will uns nicht in Ruhe lassen, bis das Skailight ihr eins vor den Kopf gibt. „Von wegen Vegetarier!“ „Na glaubst Du, ich würde Wespen essen?“ Während wir sitzen und über Erziehung, was gut war in diesem Sommer, was nicht geklappt hat in diesem Sommer – „Dabei sah es alles so gut aus!“, „Ja, ich weiß, es fühlte sich auch so an, aber es ist wie es ist.“, Schwangerschaft, Hunde, Raben und Elefanten reden, laufen ständig Nachbarn an uns vorbei, grüßen freundlich, gehen weiter, wir bestellen noch einen Wein und reden weiter und dann erleben wir die Nachbarn, wie sie von ihren Wegen wieder zurück nach Hause kommen, freundlich nicken, „Hattest Du mit dem nicht mal ein Techtelmechtel?“, „Ja.“und dann ist es schon Nachmittag, ein gutes Dutzend Menschen mit Rollkoffern ist an uns vorbegesaust „Den Rollkoffer hätte man erfinden müssen – und sofort patentieren – und auf jedem Rollkoffer müsste dann ein Glammie-Logo angebracht sein, so wie auf einer CD das CD-Logo.“ Als die Sonne in die nächste Straßenschlucht verschwunden ist, packen wir unsere Sachen, auf einen Kaffee zur Amerikanischen Nachbarin, und gehen und lachen über vermeintliche Teenie-Slasher und Goldie Hawn, nur als Goldie über einen Elefanten weint, muss ich auch ein bisschen weinen, aber dafür muss ich mich nicht schämen, ich bin ja unter Freunden, und der Strike kommt auch noch vorbei. One fine day.
MY WEEK WITH MARILYN
Ein Film, der auf einem Buch basiert, das sich als biografisch ausgibt, wofür aber jeglicher Beweis fehlt – vermutlich eine reine Fantasie. Und trotzdem bin ich gespannt, denn seit Mira Sorvino spielt das erste Mal wieder eine richtige Schauspielerin die Marilyn. Ich traue ihr viel zu und bin gespannt, ob man, wie es bei guten Biopics gelingt („Grey Gardens“ allen voran), den visuellen Vergleich abstellt. Emotional scheint Michelle Williams die Marilyn einfangen zu können, sieht man von der Zwinker- und Arschwackelszene ab – die ist eine Unverschämtheit. Das Beste am Trailer sind die Einstellungen, die inspiriert sind von Marilyn-Fotos, die nicht das Glamourprodukt, sondern die zarte, zerbrechliche Person zeigen, die unsicher durch die Welt geht und im Zwiespalt mit dem Wesen steht, das sie geschaffen hat. Eddie Redmayne ist es natürlich auch wert, dass man sich den Film anschaut.
GRANDEUR
Gestern das zweite Mal innerhalb von zwei Tagen „L´Enfer d´Henri-Georges Clouzot“ angeschaut. Simply mind-blowing. „L´Enfer“ – ein Film, der nie vollendet wurde, was mit Wahnsinn, Akribie, Ignoranz, Vision, Mut und Krankheit zu tun hatte, wobei die Krankheit (Herzinfarkt im Falles des Regisseurs, Depression im Falle des männlichen Hauptdarstellers) auf die zuvor erwähnten Faktoren zurück zu führen zu sein scheint. Ein Regisseur, der auf Grund seines damaligen Erfolges von der amerikanische Columbia ein unbegrenztes Budget (!) zur Verfügung gestellt bekommt, daraufhin wochenlang probt und experimentiert, denn sein Ziel ist es, einen Film zu drehen, dessen Bilder alles auf den Kopf stellen, was Film-Sehgewohnheiten angeht. Die Haupthandlung spielt an einem See, bzw an einer Talsperre, die noch während der Drehzeit geleert werden wird, die Zeit rinnt weg wie bald das Wasser, und doch dreht er die ihm wichtigen Szenen immer und immer wieder, während ihm der Hauptdarsteller längst abgesprungen ist, anstatt die Zeit zu nutzen, die erforderlichen See-Sequenzen abzudrehen. Von drei Dreh-Teams, die er betreuen müsste, um fertig zu werden, bleibt er immer beim ersten hängen, weil er so pedantisch ist und niemandem zutraut, ohne seine Anweisung vernünftig zu arbeiten – die anderen Teams sitzen nutzlos an den Sets. Die Atmosphäre ist von Panik, Wut und Verzweiflung geprägt. Als der Herzinfarkt kommt, (den er überlebt), denken alle – das hat ja so kommen müssen.
Die Handlung des Films – 40jähriger unansehnlicher Mann, frisch verheiratet mit der 24jährigen Romy Schneider. In ihren Flitterwochen entwickelt und verstärkt sich seine Eifersucht bis zum Wahnsinn. Gähn. Geht´s noch französischer? Und dann sieht man diese Filmbilder, die in der Doku sehr emotional und vermutlich nahe am gewünschten Original montiert sind, erlebt eine Wucht von Vision, Revolution, die einzigartig ist. Der erste Autorenfilmer, der genau das Gegenteil der Nouvelle Vague präsentiert: durchkomponiert bis ins feinste Detail, nichts dem Zufall überlassen. Und darüber hinaus eben Farbbilder von unglaublicher Schönheit. Schattenspiele, wie sie noch niemand vor ihm gezeigt hat. Eine Art und Weise, das Medium Film zu verwenden wie es sie vorher und nachher nie gab. Eine Vision. It´s so fucking Glam. Ein Schatz, ein Film als trojanisches Pferd. Ich möchte sehr gerne die restlich 15 Stunden Filmmaterial studieren. Und kann die Dokumentation „Die Hölle von Henri-Georges Clouzot“ von Serge Bromberg nur jedem dringend empfehlen, der einen Sinn für Drama und Ästhetik hat.
Wenn ich diese Bilder sehe, frage ich mich, was wohl dabei herausgekommen wäre, wenn Clouzot auf Monroe getroffen wäre…
Und, nein, dies ist nicht der unansehnliche Mittvierziger, dies ist der Anlass für dessen Eifersucht. (Warum hat sie nicht gleich den gewählt? Ich hätte.)
SWEET WILD MAN
The schoolmaster of Darjeeling said
He saw you by the Tengboche monastery
You were playing in the snow
You were banging on the doors
You got up on the roof
Roof of the world
You were pulling up the rhododendrons
Loping down the mountain
Oh, das ist so schön und süß. Ein Lied über einen Yeti. Und so katesequent, nachdem der Yeti ja schon in „King of the Mountain“ vorkam. Musikalisch reist sie auch noch einmal eine dreißigjährige Karriere ab, das Lied ist keinem Pop-Genre zu zu ordnen außer dem Genre „Kate Bush“ mit Referenzen an ihre Wegbegleiter, Zeitgenossen und Vorbilder. Ich gebe zu, ich bin außer Stande etwas von Kate Bush schlecht zu finden, was auch daran liegt, dass sie sogar über Yetis und Waschmaschinen singen kann, ohne dass es lächerlich ist. Sie wickelt Themen ein und man packt sie aus wie ein Geschenk. Mit riesigen Kinderaugen, staunend. Ich bin gespannt und voller Vorfreude, was sie noch alles an Schneegeschichten bringen wird, vor allem, wenn man die Langfassung gehört hat – es entfaltet sich eine Mini-Oper. November will be magic again!
Und – als hätte sie´s gewusst.
WAITING FOR KATE, PREPARING FOR BLOG-MOVE
Gleich „Wild Man“ auf BBC2. Das Warten überbrücken mit WordPress-Blog basteln. Es kann nicht schaden, sich mit WordPress vertraut zu machen, irgendwie ist bei twoday gerade so eine Stimmung, als würde das hier nicht mehr lange weitergehen. Nun ist WordPress etwas komplizierter, bietet aber auch mehr Möglichkeiten – dennoch eine Horrorvorstellung, mit 4000 Artikeln umzuziehen. Also fange ich mit dem Autorenblog an, da ist noch nicht soviel gepostet. Wenn der vorzeigbar ist verlinke ich ihn hier.
WILD MAN
It´s a bit Bowie, it´s a bit Toyah, a teensie bit Peter Gabriel – but it´s mostly what she does best – Kate Bush-music. Lovely layering and looping!
Wowieee! BOUGHTCHA!
VERONIKA * SYBILLE * FRANCES

Ein Nachmittag mit „Veronika Voss“, eigentlich wollte ich noch einen draufsetzen mit „Black Swan“, aber ein tragisches Frauenschicksal war dann völlig ausreichend. Meisterlich, wie Fassbinder es schafft, zu bewegen, ohne dass man ins Heulen käme. Ein böses Märchen ist das, und es zu betrachten durch die Kinderaugen von Sportreporter Robert Krohn, dessen Name mit seinen „oh!“s schon einen staunenden Blick suggeriert. Wie „Harry York“ in „Frances“ ist Robert fiktional, eine Erfindung der Drehbuchautoren. Wenn Harry York auch als Blickrichter auf das Leben von Frances Farmer dient, dann in noch stärkerem Maße als Erträglich-Macher. Frances hatte keinen Harry, der immer wieder rettend einsprang, es war also alles noch übler als in „Frances“ abgebildet. Robert aber fasst einige Figuren zusammen und formt den Blick auf Veronika, das verzerrt die Biografie der Sybille Schmitz, aber Fassbinder wollte auch kein Biopic drehen, so heißt seine Protagonistin auch Veronika, nicht Sybille, sondern ein Bild der Nachkriegs-Bundesrepublik zeichnen, dafür wahre Geschichte als Vorlage verwendend. Ich wäre der erste, der meckert, wenn es um die Verletzung eines meiner Stars geht, um eine falsche Darstellung, aber „Veronika“ ist ein Denkmal und Zeitdokument.

Sybille Schmitz´ Geschichte sollte dennoch noch einmal erzählt werden. Das wahre Drama, das sich nach ihrem Tod abspielte – ähnlich wie Cornelia Froboes im Film, schleuste sich eine junge Frau bei der Morphium-Ärztin ein und sagte später im Gerichtsprozess gegen sie aus – dürfte ausreichend Stoff liefern. We´ll see. Vielleicht, wenn ich einmal die Filmrechte für „Ashby House“ verkauft habe und Zeit und Geld zum Schreiben vorhanden sind.

EIN JUNGER MANN BRINGT DIESES BLOG AUF DEN PUNKT oder YOUNG AMERICANS
„Hi-larious! It´s seriously like watching Bridget Jones – starring Farrah Fawcett – in German.“
Ich geh jetzt und mach mir aus Velcro und Coladosen ein paar Löwenmähnenlockenwickler. Hat jemand meinen roten Badeanzug gesehen?