Archiv des Autors: glamourdick

MONSTERS PRODUCE DREAMS OF REASON

Okay, das kommt davon. Ich habe mich zu sehr vergraben ins Schreiben. Ich hab die Emmy-Nominierungen verpasst. Merke – ein bisschen Info-Routine muss sein und die darf nicht auf Spiegel online beschränkt sein. Denn natürlich hat die Foreign Press Association mal wieder alles richtig gemacht und Jessica ist nominiert, „American Horror Story“ ebenfalls (hat aber wohl gegen solche High Budgets wie „Game of Thrones“ und „Boardwalk Empire“ keine Chance).

Ich muss auch den Energie-Haushalt überprüfen. Es nutzt dem Körper und dem Geist nicht, wenn ich mich auspowere, irgendwo muss auch Platz zum Erholen bleiben. Eine Vorgabe muss her, die ins Saison-Leben passt. Einen Tag in der Woche ganz frei machen kommt mir allerdings schon fast gefährlich vor. Was auch albern ist, ich habe ein Jahr Zeit für das Buch.

Zwischendurch, beim Frühstück, hatte ich dann noch den King zu Ende gelesen – wunder-wunder-wunderbar, und dann kam die Einladung zu einem Event, wo sich A- und B-Liste stapelten, aber es war nicht daran zu denken, ich war k.o. und so schaute ich mir den Event im Fernsehen an, es war ein wenig bizarr und ich schlief mitten drin ein – besser im eigenen Bett als vor der Kamera. Ich träumte vom Nussbaum, auf dem jetzt Katzenbabies wuchsen, und vom Kirschbaum, der tote Vogelbabies gebar. Siehe erster Satz.

17.12.11

Weitergeschrieben. Von 09.00 bis 13.00 Uhr. Und von 14.00 bis 16.30. Jetzt ist es dunkel und eine selbstauferlegte Schreibbedingung ist – nach Anbruch von Dunkelheit muss ich nicht mehr. Damit ich kein Schuldgefühl habe, wenn ich abends einfach abhänge und mich erhole. Output: sechs Seiten neu und diverse Überarbeitungen. Neben Szenen, die schon lange skizziert waren und/oder im Kopf fertig ein paar Transitionals, die mich immer wieder überraschen – wie man auf dem Weg von hier nach da etwas aus dem Hut zaubert, weil die Roman-Figuren es gerne so hätten.

Virginia W. konstatierte ein Lokalitätsproblem, but I got a room of my own. V.K.L. konstatiert ein Zeitproblem: ich hätte gern mehr Schreibzeit. Tage an denen ich mich um nichts, oder wenig anderes kümmern muss. Denn so ein ganzer Tag mit dem Text ist ein Luxus und bedeutet gleichzeitig kein Wochenende. It´s fiction. But fiction is work.

Alles in allem aber ein guter Neustart ins Projekt, jetzt, wo ich einen Abnehmer habe. Falls irgendjemand einen sexy Latino kennt, der Lust hat einen New-Gothic-Autor durchzukneten, der in viel zu schlechter Körperhaltung vor seinem Text sitzt – her damit. Es muss auch kein Latino sein.

Jetzt ein Glas Wein, dann schlafen.

14., 15., 16.12.

Elf Stunden Schlaf, aber gestern hangelte ich mich auch nur so durch den Tag, der statt um 6.30 erst um 8.00 begann, und da hatte ich auch gerade nur vier Stunden geschlafen, weil ich Cousinenbesuch hatte und der ganz wundervoll war. Wir haben uns ca 15 Jahre nicht gesehen, aber es hätte auch gestern gewesen sein können, war es dann ja auch.
Nach der Arbeit wollte ich dann noch fix einen Antrag fertig machen – Exposé, Vita, Lesproben. In diesem Jahr erstmals alles online, klappte auch prima bis zum letzten Schritt, der Abgabe, da hatte ich dann nur noch eine Seite in html-Codes vor mir. Dann rief die Lieblingsdänin an, die plötzlich Rechnungen und Mahnungen von ihrem Mail-Provider bekommt obwohl sie einen Free Account hat. Der Zugang zu ihrer Mailbox ist gesperrt. Und beim Provider ist besetzt. Ein bisschen Netz-Recherche – ja, das gibt´s, dass ein ganz normaler Account ungefragt upgegradet wird. Nur, was man machen kann, außer die Hotline anrufen, die ständig besetzt ist, das konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Heute wird dann wohl ein Tag am Telefon. Das Online-Antrags-Problem werde nicht nur ich gehabt habe, dasselbe gilt für die Email-Account-Sperrung, mal sehen ob ich zuerst bei GMX oder dem Senat durchkomme.

Vorm Aufwachen noch äußerst spannende Träume gehabt, mir ist ein Mann erschienen, der sehr gut passte, aber – wie gewohnt- es war ein komplizierter Tanz – aber als wir dann tanzten, schien alles gut und richtig und jeder kannte seine Schritte. Und ich rede nicht vom Ficken.

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Muss ich Sie leider enttäuschen – „Ashby House“ geht erst im Januar in Druck, aber vielleicht freut es Sie – als Weihnachtsgeschenksersatz, dass die Verlagsleitung gerne „ODP“ veröffentlichen würde.

Lese ich so, mitten an einem Saison-Nachmittag, ein Autorenfrühstück mit Bomec liegt hinter, die Firmenweihnachtsfeier vor mir.

Reiße mich zusammen, beantworte ein Telefonklingeln, es ist eine TV-Moderatorin, die ich mag. Mein erster Anruf im neuen Alltag – Romanauftrag, na, dann muss ich den wohl fertigschreiben. Ist ja eh Winter. Was sonst? Mitten im Telefonat drei Symptome einer mich anspringenden Panikattacke. Während ich mit B.B. rede, rede ich innerlich mit Monika. „Ja, Monika, Du Sau – jetzt bist Du aufgeregt, aber Du hast hier nix verloren, her ist kein Platz für Dich, geh doch Cents zählen in der Vergangenheit.“

Mit Strike am Fenster, ich berichte, das geht noch ganz nüchtern. Als meine Zigarette aufgeraucht ist, und bevor ich zurück an meinen Arbeitsplatz gehe eine kurze Überwältigung, ein 10-Sekunden-Heulen. Und dann ist auch schon Weihnachtsfeier und ich tanze zu Wolfgang und Brigitte in der Fassung von Marianne mit Betsy und fahre irgendwann im Taxi mit Nina. Zu Hause dann noch mal rigorose Engel laut, aber dann bin ich auch schon erschlagen vom Tag und muss schlafen.

Nach dem Aufwachen ist alles ein bisschen gesackt – was noch war: das Patenkind hat die Führerscheinprüfung bestanden. Eine weitere Lieblingsverwandte ist in der Stadt. Meine ehemalige Ethik-Lehrerin schreibt, wie gewohnt sprachgewandt und Interessantes berichtend. Ich mach die Helden an, weil alles alles ist. Und ich einen Kater habe und der Berliner Winter neu aufgestellt ist. Mit Arbeit. Mit meiner beloved Mrs Slasher. Und Frau Lange. Die Blog-Cholera werde ich versuchen, nicht auch noch zu unterstützen, ich bleib beim Ball, auch wenn nur noch Vereinzelte tanzen. Aber es wird weniger werden, hier. Ich hab ein neues Spukhaus zu bespielen.

Ein elend langes Warten ist vorbei. Und ich meine nicht die drei Monate nach Exposé-Abgabe. Back on track.

11/22/63

Der neue Stephen King ist ein klassicher Stephen King, was die Charakterzeichnung angeht. Ein sympathischer Protagonist, der unter anderem eine Aufgabe zu bewerkstelligen hat, die die Welt vielleicht nicht retten, aber doch etwas besser machen könnte. Er bewegt sich in einer Welt bevölkert mit geradlinig gezeichnetem Personal. Das Neue an diesem Buch – die Bedrohung ist nicht übernatürlicher Art. Überhaupt gibt es nur ein einziges fantastisches Element: in der Speisekammer seines Lieblings-Diners befindet sich ein Portal ins Jahr 1958. Eingeweiht von Al, dem schwerkranken Betreiber des Diners, macht sich Jake auf den Weg, das Kennedy-Attentat zu verhindern. Wenn Kennedy nicht stirbt, da sind sich die Männer einig, wird es nie zum Krieg mit Vietnam kommen. Sein erster Trip ins Jahr 1958 dauert nur Stunden. Als er zurück kommt sind in der Gegenwart allerdings nur 2 Minuten vergangen. Bei seinem nächsten Besuch stellt er fest, dass es einen Reset gegeben hat – es ist wieder der gleiche Zeitpunkt im Jahr 1958. Der gleiche, nicht derselbe. Sein nächster Besuch wird einige Jahre dauern. Um zu überprüfen, ob Oswald wirklich Einzeltäter war, möchte er dessen misslungenen Mordversuch an einem Politiker, General Edwin Walker im April 1963 bezeugen. Er lässt sich also auf das Leben eines Kleinstadtlebens in den End-Fünfzigern und frühen Sechzigern ein. Und fühlt sich dort zunehmends zu Hause, was auch mit der Affäre mit der geschiedenen Bibliothekarin Sadie zu tun hat.

Diese Welt der 50er gestaltet King liebevoll und plastisch. Man könnte seinen Figuren Eindimensionalität vorwerfen, doch davor bewahrt die Gegenüberstellung der verschiedenen Lebenswelten Stadt und Land. Er zeichnet auch kein kandiertes, nostalgisches Bild. Im Gegenteil werden die Sorglosigkeit der Amerikaner, was Umweltverschmutzung und Gesundheit (alle rauchen) angeht portaitiert. Rassendiskriminierung, Doppelmoral und Kommunismus-Panik werden thematisiert, und auch die Panik vor einem Nuklearkrieg gegen Russland füllen das Zeitbild, das er kreiert.

Ich bin von Stephen King einiges gewöhnt. Nicht aber daran, dass er eine Szene von solcher Schönheit schreibt, dass es mich zu Tränen rührt. Gestern geschehen. King ist ein moderner Klassiker. Der weitestgehende Verzicht auf fantastische Elemente ist nichts, was das Buch hervorhebt (ich liebe seine Horror-Romane und einen ähnlich verlässlich guten Genre-Autoren gibt es nicht). Die Gestaltung einer Welt, in die man neugierig eintaucht, wie der Erzähler, und in der man sich lesend gerne aufhält, deren Drama einen mitnimmt – das zeichnet das Buch aus. Solide Unterhaltung. Meine Hochachtung.

GLAM UND DIE AUTORENFÖRDERUNG

„(Titel von der Redaktion verschwiegen)“ ist ein Roman, der in Berlin spielt, in dem es ausnahmsweise nicht um´s Kotzen, Ficken und/oder das Berghain geht, in dem Inzest, der Islam, das Christentum und Drogenmissbrauch keine, oder wenn, dann nur untergeordnete Rollen spielen. Es ist kein Buch über, sondern gegen den Berliner Januar. Tatsächlich beginnt die Erzählung im Frühling 2011. Es würde den Autor glücklich und stolz machen, wenn er dennoch oder bestenfalls sogar deshalb vom Senat gefördert würde.

UN-HEIM-LICH oder AM FENSTER FLIEGT EINE KUH VORBEI

Ein wiederkehrender Traum seit ca 20 Jahren: ich ziehe in eine Wohnung ein, in der noch die Möbel des Vormieters stehen. Da ist viel schönes dabei, aber es ist auch etwas creepy. Das Gefühl, das ich habe, ist immer gleich – eigentlich würde ich lieber tabula rasa starten. Eine Variante dieses Traums – es gibt ein ungenutztes Dachgeschoss neben meiner Wohnung, für das ich die Schlüssel habe, das ich aber nicht bewohne. Ich frage mich dann im Traum immer „Wieso eigentlich nicht?“ Und, nein, der Traum geht weiter zurück als bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich erstmals WG gegründet habe.

Eine neue Variation – während ich mir die Räume anschaue und gedanklich möbliere, schaue ich aus dem Fenster, jetzt ist es auf einmal das Elternhaus, und sehe, wie eine Kuh auf dem Dach steht, strauchelt – ja, strauchelt, kein schöner Anblick – und dann abstürzt. „Dumme Kuh“, denke ich.

ICING ON THE CAKE

Der Höhepunkt des Wochenendes war die Zubereitung eines „Hallo Kitty“-Gebäckstücks, das selbst der rosa Guss nicht retten konnte. Einzig die „Hallo Kitty“-Dekoroblaten hatten die Fertigung unbeschadet überstanden, was darauf zurück zu führen war, dass sie den Backvorgang nicht mitmachen mussten, sondern im Anschluss daran auf das Brikett gepinnt wurden. Wenn auch Sie eine „Hallo Kitty“-Backmischung im Schrank haben, empfehle ich, die Backzeit oder die Ofentemperatur zu minimieren. Oder Sie schmeißen das Zeug gleich so weg – selbst ohne Kohle oben drauf war die Mühe das Geschmackserlebnis nicht wert.

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Mehr rosa Guss in Gestalt der siebten Staffel „Desperate Housewives“. Man fühlt sich danach, als habe man die Botoxnadel entschieden zu tief in den Schädel geführt. Eigentlich wollte ich den Abend dann mit einem Gegenmittel beenden – „While she was out“ schien am Passendsten: ebenfalls verzweifelte Hausfrau, aber eine, die sich zu helfen weiß. Aber ich war selbst etwas out, ging schlafen und träumte von Gebäck und roten Werkzeugkisten.