Gut, dass auf „I fucked up“ der blöde Birthday-Song folgt. Hätt mich sonst gerissen. Well. Es hat. Aber auch nur, weil ich „Great Danes“ statt „great things“ gehört habe. Ich hol mir jetzt aber nicht die Madonna App. (Blame it on the Walkers, gestern nochmal mit der letzten Staffel Bros & Hos angefangen.)
Archiv des Autors: glamourdick
3.4.12
Und dann sagt der Zahnarzt ab, er sei im Verzug, und so mach ich mich doch an den Text. Baue ein paar der neuen Erkenntnisse und Recherchen ein, die Klauen, die weiß sind – in Erinnerung hatte ich sie messingfarben, ein paar architektonische Details. Und wieder einmal die Erfahrung, dass der Text gar nicht hakt, wo ich dachte. Es war nur die Anstrengung unter der er an diesem Tag entstand, die für ein blödes Gefühl sorgte.
Das Aufstocken der geschriebenen Seiten mit Details fühlt sich gut an, wie polieren oder dekorieren. Eigentlich das Beste am ganzen Prozess.
TEETH AND TAXES
Statt schreiben – Umsatzsteuervoranmeldung. Belege sortieren, rechnen, sich wünschen, mehr Geld ausgegeben zu haben, das man in Abzug bringen könnte. Die Steuer vorgeschoben, um nicht zu schreiben, das ist neu, dass ich die Steuer irgend etwas vorziehe. Der Text hat sich gerade verhakt. Die Lösung des Hakens kommt meist, wenn man gerade nicht schreibt. Oft beim Duschen. Vielleicht nachher beim Zahnarzt, der mich immer an eine solide Grundangst zurückführt, die aber so verbreitet ist, dass sie nicht wirklich zählt. Zahnarztangst. Die macht Sinn – man befürchtet Schmerzen. Die hat auch den Vorteil, nur ein, zweimal im Jahr aufzutreten.
GOLDENE BLOCHZEIT
Samstag schreibfrei gegeben. Stattdessen eine Exklusivführung, die mich on top of the city brachte. Nicht nur Schnür-, sondern auch Kronenboden. Als jemand, der sich seine Höhenangst durch am-Fenster-rauchen abgewöhnen konnte, dennoch ein ehrfurchterregender Moment, ich kam ein bisschen ins Schwitzen, als ich durch Metallgitter herab auf den von vier Stahlseilen gehaltenen anderthalb Tonnen schweren Leuchter und die darunter befindlichen samtroten Sitze schaute. Phantom-feeling, wow.

Dann bei Dussmann Ken Russells „Valentino“ bei den Import-DVDs entdeckt und befreit, desweiteren einen blank spot auf meiner Jessica-canvas: „Music Box“. Vor lauter Filmen und Schlafen zu Essen vergessen, das wird heute nachgeholt. Beide Filme, übrigens auch nach Jahrzehnten absolut anschauenswert.
Und kiekstemal rechts unten: 2500 Tage online, dieses feine Blog hier. Ein Survivor des Blogsterbens!
INTRODUCING PETRA
Die Woche wöchelte so vor sich hin, ereignisarm, so dass ich beschloss, den Freitag frei zu nehmen, um ein langes Wochenende und Zeit zum Schreiben zu haben. Gestern das erste nicht getippte Interview, dann Strategieplanung mit der wunderbaren Agentin. Eine alte Bekannte, auf der Suche nach deutschen Filmstoffen, brachte mich dazu eine Schublade aufzuziehen und ich war selbst überrascht, da ein nicht nur brauchbares Treatment für einen historischen Kriminalfall vorzufinden, sondern auch eine 20 Szenen umfassende Drehbuchskizze. Mitten in der Romanarbeit kann ich mir gerade nicht vorstellen, gleich anschließend Teil 3 zu schreiben – ein Film wäre etwas anderes. Mal schauen.
Ich hatte angenommen, dass mit einem Paukenschlag und dem Erscheinen des Romans die Angstschübe verschwinden würden. Dem ist leider nicht so. Ich rede noch viel zu oft mit Monika. Kürzlich dachte ich, es wäre pfiffig, ihr zu befehlen, im Auto zu bleiben, wenn ich einkaufen gehe, aber die Vorstellung, was sie allein im Auto anstellen kann, gefiel mir nicht. Sie hat eine sehr üble Energie. Aufgrund der Häufigkeit der Begegnungen mit Monika kommt jetzt auch noch ihre Cousine Petra vorbei. Sie ist die Vorhut. Petra hat nichts anderes zu tun, als mir die Gedanken zu unterbrechen mit Sätzen wie „Nachher kommt sicher die Monika“ oder „die Monika muss Dich nachher unbedingt sprechen“.
Es war nicht Ziel meiner Therapie, mich mit Monika und Petra zu arrangieren, das kann nur eine Notlösung sein. Es wäre schön, angstlos durch die Welt gehen zu können, oder, realistischer, nur mit berechtigten Sorgen. Gibt es irgend ein Medikament, das einen stark, selbstsicher und zuversichtlich macht, das man nicht durch die Nase zieht?
BANG BANG!
Ausgerechnet zum quasi-Bergfest die erste Leiche im Team. Oh my. Und die Slashers sitzen am Küchentisch im Dachgeschoss, aber die Stimmung der beiden ist im Keller. Aus dem er gerade kam. Wo es noch ganz andere Sachen gibt. Heute war ein guter Schreibtag.
Langsam kommt auch die Presse für Ashby ins Rollen. Gar nicht so leicht, wenn Taschenbuch-Neuerscheinungs-Erstlings-Rezensionsexemplare meist den Weg aus der Post direkt auf den Amazon-Marketplace nehmen. Doppelt schädlich für den Autoren, so verdient immerhin der Journalist, der nicht über das Buch schreibt, ein paar Cent. Dadurch lasse ich mir aber weder die Stimmung vermiesen, noch vermasselt es mir die Arbeit am Sequel. Wenn ich das Tempo halte, wird es eine Achterbahnfahrt.
FRÜHLINGS ERWACHEN
Hier im Trendkiez schließen die neuen Läden ja so schnell, wie sie geöffnet haben. Deshalb macht es keinen Sinn, sich dort zu verabreden. Man kann das höchstens als Formel ausmachen. „Wir treffen uns auf der Reichenberger im dritten Laden von oben, der trashige Seesel draußen stehn hat“. Oder man geht gleich gemeinsam los, wie das Skailight und ich gestern. Auf der Friedelstraße gibt es ja ein amerikanische Backwaren verkaufendes Café mit einer blauen Tür, das heiß wie ein Puff. Dort sind wir nicht hin, denn die Sonne war auf der anderen Seite. So setzten wir uns ins Major, genau so lang wie man für ein Frühstück braucht und bis die Mittagssonne hinterm Haus verschwand. Weiter ging es dann, mit der Sonne im Rücken, auf die Reichenberger, ins Dreiraum, das einfach am Hübschesten und Buntesten war, ein Farbklecks mit Südausrichtung, dort blieben wir in der Sonne sitzen und betrachteten Flaneure. Für äußerst wenig Geld tranken wir dort einen erfrischenden Silvaner und wurden umhegt und gepflegt von bezauberndem Personal. Dann holte uns Herr Strike in seinem feuerroten Luckymobil ab und wir schauten uns die „Hunger Games“ an. Ein Film, mit dem man Kindern sehr gut Gewalt nahebringt, da sie irgendwie ganz unbrutal gefilmt ist. Es ist wie mit Alkopops. Wenn Du was Süßes beimischst, hast du die Klientel am Haken. Die Hauptdarstellerin schaute immer etwas verbrämt, aber das liegt möglicherweise an ihren Schlupflidern. Ich hätte viel lieber die großartige Kaya Scodelario in der Rolle gesehen.
Wenn man schon mal am Potsdamer Platz ist, kann man das Billy Wilder nicht auslassen. Die Cocktails sind unique, insbesondere die Eigenkreationen, allen voran der „Love in the afternoon“, eine deliziöse roséfarbene Komposition aus Rhabarber und Vanille. Und danach waren wir hungrig, und weil man dort so gut bedient wird, endete der Abend dann im Gorgonzola-Club.
Nach so vielen unterschiedlichen Eindrücken – ich habe die Balkonbetrachtungen ausgelassen, vielleicht ein anderes Mal – hatte ich äußerst lebhafte, verworrene Träume. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn mit einem Schlag das Berliner Frühlingsprogramm einsetzt und man nicht mehr nur von der Arbeit nach Hause und vom Bett an den Schreibtisch tapert und sich die Welt einem wieder öffnet. War schön.
EINFACH. GNADENLOS. GUT.
Und noch ein Film zum Nochmalanschauen. „Weekend“. Spon war ja ganz enthusiastisch – einer der größten Liebesfilme 2011 oder so. Und hatte gewissermaßen recht. Ein kleiner Film, der groß aufgeht. Realismus, so echt, wie er für einen deutschen Film undenkbar wäre. Das ist fast dänisch. Nein. Das ist hyperdänisch, allerdings auf Britisch. Erzählt wird die Kennenlerngeschichte zweier Menschen, die zufällig homosexuell sind und all das machen, was Schwule so tun, die sich über den Weg laufen. Erst wird geknutscht und gesoffen, dann gibt es Sex, dann bleibt er über Nacht und es gibt Kaffee im Bett, wo erst einmal die vorhergehende Nacht rekonstruiert wird. Aber dann kommt die zarte Wendung. Der Fick von letzter Nacht holt ihn am nächsten Tag von der Arbeit ab. Und es wird noch ein Tag und eine Nacht gemeinsam verbracht, bevor…
Die Figuren sind von einer Wahrhaftigkeit, dass man nicht das Gefühl hat, einen Film zu schauen. Die Biografien der Protagonisten sind in wenigen Gesprächsminuten so echt gezeichnet, dass – argh. Einfach gnadenlos gut.
Was der Film außerdem bewirkt – er erzeugt eine Wärme inmitten einer kalten Welt, verleitet einen zu Empathie für die beiden sehr unterschiedlichen Männer. Er reißt Themen an, die man vielleicht für verarbeitet hält, die aber – das merkt man spätestens, wenn einem die Tränen über´s Gesicht laufen, nie als „verarbeitet“ betrachtet werden können, sonder als „bewältigt“. Als Charakter-formend und prägend.
Im Film selbst kommt das Sujet „Kunst von Schwulen“ zur Sprache. Die würde eh nur von anderen Schwulen zur Kenntnis genommen. Bei kaum einem Film würde mich das so ärgern wie hier. Denn selten ist eine schwule Geschichte treffender gezeichnet, ich sehe in diesem Film Aspekte meiner Realität beschrieben. Und es gibt spezifische Komponenten, in denen eine Beziehung zwischen Männern sich doch arg von gemischtgeschlechtlichen Beziehungen unterscheidet. Sie haben mit Identität und Selbst-Akzeptanz zu tun. Mit Testosteron und Außenseitertum. Wenn es Sie also interessiert, wie das bei Schwulen so abgeht. Oder wenn sie einfach mal einen intelligenten, zeitgenössischen Liebesfilm sehen möchten. „Weekend“.
MY 2 HOURS WITH MY WEEK WITH MARILYN oder ITALIANS DO IT BETTER
Eine kleine Marilyn-Fantasie. Anders sollte man sich das nicht anschauen, sonst schmerzt´s und man ärgert sich die ganze Zeit über die Behauptung, Marilyn habe sich kurz nach ihrer Heirat mit Arthur Miller den dritten Regie-Assistenten von „The Prince and the Showgirl“ gekrallt. Hat sie sicher nicht. Aber: Abhaken und anschauen. Nur so funktioniert der Film. Fantasy. Michelle Williams gibt ein wunderbares Portrait von Marilyns Kampf und Zerbrechlichkeit. Die Inszenierung unterstützt ihre Arbeit und manchmal schimmert Marilyn durch, aber nie ihr echter Zauber. So sehr sie sich anstrengt, was bei Joan Crawford/ Faye Dunanway gelang – man vergaß irgendwann, dass man nicht Joan Crawford zuschaut – hier scheitert eine großartige Schauspielerin an einer überdimensionalen Aufgabe. Für Generationen, die nicht mit Marilyn-Filmen aufgewachsen sind, mag der Film funktionieren, aber wer den „Prince“ auf dem Schirm hat, der wird mit „My week“ Probleme haben. Hut ab vor Michelle Williams Mut, aber – während der Film lief platzten die Batterien in meinem Marilyn-Telefon. Keine Fantasy. Kann ich Ihnen gerne zeigen. Eine einzige Sequenz – Elsie Marinas Tanz im Boudoir des Prinzen – gelang. Ich meine es nicht böse, wenn ich sage, dass es daran lag, dass wir da keine Großaufnahme bekamen. Marilyns verstörte Seele zu channeln ist Futter für jede Schauspielerin, die etwas auf sich hält, aber Marilyn war eben nicht nur verstört, sondern das zauberhafteste Wesen, das man je auf Celluloid gebannt hat. Ein lustiger, zarter, schillernder, warmherziger, brutaler, rigoroser Engel. Die Schönste von allen.
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(Ich musste dennoch oft weinen, war also irgendwie doch gut unterhalten. U.a. wegen Dame Judy Dench, Kenneth Brannagh und natürlich Eddie Redmayne. Und noch einmal – Hut ab vor Michelle, I still like her. Alles in allem hätte ich Marilyn diese Romanze gegönnt. Schade, dass es sich um eine Altherrenfantasie handelt.)
Darauf zwei Stunden Schlaf und dann ein Romeo-Date, um den zweiten Film des Abends, „Weekend“ anzuschauen. Haben wir dann doch nicht. Aber war schön.
MONDAY IN NEUKOELLN WITH STRIKE
Das Beste, was man mit einem Montag machen kann – nicht zur Arbeit gehen und den Nachmittag stattdessen mit Herrn Strike verbummeln. Wären wir zu viert gewesen, hätte es etwas wie die guten Folgen von „Sex and the City“ gehabt, wo jeder sich was Schönes kauft und man dann irgendwo einkehrt und nett isst und trinkt. Aber es war nicht Manhattan, es war die Tidilin-Hochburg Neukoelln, doch selbst die hat einige hübsche Flecken aufzuweisen, und Personal, das einen duzt.