Archiv des Autors: glamourdick

HANGING HILL

Nachdem ich monatelang nichts gelesen habe, gestern „Hanging Hill“ in einem Rutsch. Zwischendurch hat Mo Hayder ja immer mal einen Aussetzer („Pig Island“ fällt mir ein, selten so gelangweilt), aber mit „Hanging Hill“ ist sie zurück in Bestform. Die Lebenswege zweier Schwestern, getrennt aufgewachsen und entfremdet, kreuzen sich erneut, als es im Umfeld der Töchter der jüngeren Schwester zu einem Mordfall kommt. Zoe, die ältere Schwester, übernimmt die polizeilichen Ermittlungen.

Es geht in diesem Buch natürlich auch um die Auflösung des Mordfalles, aber im Vordergrund stehen die psychologischen Verstrickungen aller Beteiligter. Hayder hat ein feines Netz gewoben, stimmige, glaubwürdige, aus dem Leben gegriffene Charaktere, die auf den unterschiedlichsten Ebenen miteinander verbunden sind. Sie führt vor, wie Verbrechen nicht aus einer spontanen Idee heraus verübt werden, sondern auf einen Nährboden zurückfallen, den die gesamte Gesellschaft füttert. Ich habe mich beim Lesen oft an die frühen Romane von Barbara Vine erinnert gefühlt, in denen Schuld und Sühne das Haupt-Thema sind. Verbrechen und die Klärung desselben sind das Herzstück eines Thrillers. Die meisten kommen damit schon aus. Hayder kreiert aber den kompletten Organismus um das Herz herum – von den Beweggründe für ein bestimmtes Handeln bis zu den Auswirkungen und Konsequenzen. Großartig und rasend spannend.

Fußnote: Es gibt noch ein weiteres klassisches Vine-Merkmal, aber dazu müsste ich spoilern.

SPIDERMEN

So ein Tag, wo ich denke – wär das schön, wenn man jetzt deligieren könnte, so im Netten. „Machst du schon mal den Balkon, dann geh ich einkaufen.“ Oder „Bleibst Du kurz im Auto sitzen, dann kann ich in der Einfahrt halten.“ Oder „Fasst Du mal mit an?“ Oder – besonders aktuell, aus gegebenem Anlass, während ich nackt und nass und mit Shampoo im Haar die handtellergroße Spinne über mir in der Dusche entdecke „HILFÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHHHHHH!!“ Und dann kommt er und setzt die Spinne auf dem Balkon aus, wo sie es eh viel schöner hat. Und, ja, man kann das auch alles selber machen und ist ganz unabhängig und muss sich nichts vorschreiben lassen und hat auch sonst viele Vorteile, aber manchmal denk ich eben auch so.

GELIEBTES KIND und GEHERZTE MATRIX

Ich würde Ihnen jetzt schrecklich gern einen Link präsentieren, wo sie den gestrig ausgestrahlten ARD-Film „Geliebtes Kind“ anschauen können, denn er war für einen ARD-Film ganz ganz wunderbar. Oh. Hier isser.

Anica Dobra. Einfach gnadenlos gut. Heute auch nochmal auf Eins Festival. Mehr Filme mit Anica bitte. Alle meine GEZ-Gebühren bitte direkt an Anica Dobra überweisen.

Desweiteren: Iphone in Einkaufswagen gefunden. Ohne zu zögern an der Kasse abgegeben. Nicht mal für geschenkt…

BROUGHT TO YOU BY…

„Ein kleiner dicker Junge mit einer rosa Haarsträhne hat mein Buch auf Youtube besprochen, schau mal!“
„Schade dass der Monitor keinen Ton hat. Aber er sieht ja ganz happy aus, wie er´s da in die Kamera hält. Könnte aber auch ein kleines dickes Mädchen sein.“

Lucky hatte Recht, es handelte sich um eine junge Dame, die das Buch für einen Unfall hält, der vor product placement strotzt. Es sei aber spannend genug, es durchzulesen. Na dann. An dieser Stelle lüfte ich ein Geheimnis. Panthene pro V beliefert mich bis ans Ende meiner Tage mit Shampoo und Pflegespülungen. Seitdem stöckele ich in meinen Loubutins immer mit einem Blick über die Schulter durch die Welt, ob da eventuell eine Frau mit erstklassigen Haaren und einem Messer in der Hand hinter mir steht. Mitunter etwas paranoid, schlage ich das Revers meines Saint-Laurent-Mantels hoch, um unerkannt zu bleiben. Donatella Versace nervt zunehmends mit ihren Angeboten, ich solle das nächste Buch in einer ihrer Villen schreiben. Das geht nicht, weil ich einmal die Woche in Paris bei Givenchy mein neues Parfum weiterentwickeln muss. „VK for Givenchy pour Homme“. Der Deal mit Gucci ist allerdings schon seit Jahren off, also bloß kein Neid! Für die Fortsetzung bin ich in Gesprächen mit Kilian Kerner, Apple, Black & Decker, Villeroy & Boch und Old Spice. Falls auch Sie ein Produkt in meinem nächsten Buch beworben haben möchten, schicken Sie einfach sieben Kisten davon und einen Karton mit 360.000,00 Euro in kleinen Scheinen. (Ausgenommen sind Hygieneprodukte und Gesundschuhe. Für Waffen, Tabakwaren und Sexspielzeug wird eine Sonderpauschale von 3 Euro erhoben.)

(SCRIPTED?) SURREALITY

Roger Ebert hat ihn als „Triumph“ bezeichnet, und es ist ganz sicher ein äußerst kraftvoller, sogartiger, absolut anschauenswerter Film, aber bei manchen „Dokumentationen“ schrillen bei mir die Alarmglocken. Die Vermutung, dass an einigen Stellen nachgestellt und nicht dokumentiert wurde, schmälert den fiebrigen Glanz, der von „Tarnation“ ausgeht allerdings nur ein klitzekleines bisschen.

Sohn erzählt in Video-Footage die Geschichte seines Aufwachsens und die Krankheits- und Lebensgeschichte seiner Mutter, die nach einem Unfall in ihrer Kindheit mit Elektroschocks behandelt wurde. Ob ihre Schizophrenie auf die Schocks zurück geführt werden kann oder genetisch bedingt ist, bleibt unbeantwortet.

„Tarnation“ ist ein Foto-Video-Album, das privates Grauen abbildet, aber auch vorführt. Ein sehr narzisstisches Werk, aber Narzissmus ist nicht die schlechteste Grundvoraussetzung für das künstlerische Schaffen, habe ich mal irgendwo gehört.

Courtesy of Spango.

GD´s DAY OFF

ferris

Breakfast with Skailight, dann etwas Redigieren, dann „The Help“, der ziemlich lang ist, so dass ich, um pünktlich zur Verabredung zu kommen, die letzten Minuten verschieben muss.
In der Sonne vor der Ankerklause mit Lieblingsfotograf und dessen charismatischer Schwägerin, talking book things. Der Trend geht weg vom Verlag. Nachdem ich schon zwei Industrien überlebt habe (Music & Porn), ziemlich angeschlagen, muss ich mir für die Zukunft überlegen, wie veröffentlichen. Meine Kindle-Verkäufe deuten in eine gewisse Richtung: für ein Printbuch gehen fünf Ebooks raus. Das wird dann irgendwann eine Rechenaufgabe, der ich mich stellen muss. Aber erst für den dritten Teil.

Dann „The Help“ zu Ende geschaut – wunderbar – es folgte ein Schlaf, der mit Nachtruhe verwechselt wurde und anschließend um 2.00 Ferris angeschaut – oh wie zauberhaft gnadenlos schön.

HARISSA

Als wir aus dem Parkhaus kommen hat es sich das Wetter zwischendurch anders überlegt, aber jetzt scheint die Sonne wieder. Die Straßen sind nass. Rudel von Menschen haben sich über die Kreuzkoelln-Cafés hergemacht, aber wir erwischen noch ein paar köstliche pastries hinter der blauen Tür.

Am Spätnachmittag fangen wir mit dem Kochen an. Ich koche eine Sauce aus Beeren, süß-salzig, die gibt man über filettierte Avocado. Das Skailight zaubert ein marokkanisch angehauchtes Linsengericht (die marokkanische Komponente siehe Überschrift), und ich fertige Gnocchi aus seltenen französischen Kartoffeln, festkochend, mit frischem Muskat. Das passt ganz wunderbar zusammen, veredelt mit einem Joghurt mit frischer Minze. Yum Saturday.

LOCAL HERO and the side effects.

Immer häufiger zeigt mein Telefon, dass unbekannte Anrufer aus der Vorwahlregion meines Geburtstorts versucht haben, mich zu erreichen. Ich denke immer automatisch, es sei jemand gestorben und man wolle mich in Kenntnis setzen, aber dann sind es Leute, die in der Lokalzeitung über mich gelesen haben. Das gibt dann oft ganz süße Gespräche. Mit der Frau meines verstorbenen Patenonkels beispielsweise. Oder gestern mit der Mutter eine Schulfreundin. Bizarr allerdings, dass ein paar ehemalige Mitschüler mich zum Abitreffen einladen wollen, obwohl ich ja sitzengeblieben war in der Zehnten, und ich mit einem anderen Jahrgang meine Schullaufbahn beschloss, aus dem ich auch einen Großteil meines Freundeskreises rekrutierte. Ich muss mir nicht einmal eine Ausrede einfallen lassen, der Termin fällt auf den Tag des jährlichen Autorenfests meiner Agentur. Und wenn es Juni ist, und ich Gelegenheit für eine Party am Schlachtensee habe, dann nutz ich sie. (Dieses Mal muss ich allerdings emotional einen Event abschütteln, der sich an diese Tag jährt.)

14.-15.4.12

Karstadt Lebensmittelabteilung. So der opulentere Einkauf, knackevolles Band. Hinter mir huscht eine gepflegte Rentnerin zur Kassiererin und hält ihr eine Schachtel Pralinen hin.
„Bin ich jetzt dran?“
„Na, nee. Erstma muss ick den jungen Mann bedienen, sonst verscherz ick es mir mit dem.“
„Dabei habe ich heute meine Tarnkappe gar nicht auf!“
Und dann lachen wir alle drei ein bisschen.

Den Protagonisten Zeit zum Atmen gegeben. Wenig geschrieben, aber schön. Wenn ich denen so eine Insel kreiert habe, wo sie sich mal wohlfühlen können, mitten in der Horror-Handlung, lass ich sie gern einen Tag dort und stell sie mir vor und freu mich mit ihnen.

Das erste Mal seit langem wieder was gelesen. Kästner. Geht grad nur Lyrik. Kästner möchte ich immer auf die Schulter klopfen und sagen „Hast ja Recht“ und hinzulügen „Aber wird schon!“ Ich mag den Mann sehr gern.

Norwegischer Horror-Film. „Hidden“. Fast zu atmosphärisch, aber schön.